• Tag 300, 548 Km/44040 Km

    June 25, 2025 in South Africa ⋅ 🌬 19 °C

    Tag 300. So früh wie möglich mache ich mich auf den langen Weg in Richtung Lesotho. 1300 Kilometer, in zwei Tagen kaum zu schaffen. Als ich das Auto in der Garage des Appartements noch im Dunkeln packe sehe ich einen platten Reifen hinten links. Erst gestern Abend hab ich aufgepumpt, der Reifen hatte da schon wenig Luft. Ich pumpe den Reifen noch einmal auf, es zischt wenn ich das Ventil berühre, der Ventilkegel ist gerissen. Zum Glück hier und nicht irgendwo unterwegs. Im strömenden Regen suche ich eine Werkstatt, die das passende Ventil und das passende Werkzeug hat, der Reifen muss von der Felge. Das Internet führt mich in einen der schäbigsten Vororte der Stadt, noch kein Ghetto aber kurz davor. 5€ möchte man angemessen der Umgebung für das neue Ventil haben, incl. Einbau. Bei dem Preis und den vielen schlechten Erfahrungen in Afrikas Werkstätten bleibe ich neben der Hebebühne stehen. Noch nicht einmal angehoben und keine 30 Sekunden in der Werkstatt schaffen es die zwei Helden die Schutzkappe vom Felgenschloss abzubrechen. Immerhin klappt danach alles reibungslos, das Ventil ist nach rund einer Stunde neu in das Gummi eingezogen.
    Viel später als geplant geht es also raus aus Kapstadt, Wasser tropft durch den Wolkenbruch, der über Stunden anhält, mittlerweile mal wieder in den Fußraum, trotz mehrfachem Abdichten der gerissenen Frontscheibendichtung. Immerhin ist die Dichtung der Fahrertür mittlerweile auch kaputt, so läuft das Regenwasser unten einfach wieder raus.
    Ich verlasse das Ballungszentrum von Kapstadt, fahre durch einen Tunnel, der Erste in ganz Afrika. Die Berge im Hinterland von Kapstadt halten die Regenwolken zurück, jedoch nicht den Wind. Bei blauem Himmel stürmt es wie noch nie auf dieser Reise, eine Nacht im Auto ist kaum vorstellbar. Ich schaffe es kaum Heiner auf der Spur zu halten, immer wieder drückt mich der Wind auf den Standstreifen. Immerhin sind jetzt die Füße nicht mehr nass, die kalte Luft zieht jetzt nur noch durch die kaputte Türdichtung.
    Es ist schon später Nachmittag, als ich eine Farm mit Gästehaus mitten im Nirgendwo finde. Die Zimmer sind gut und preiswert, nur ein kleines bisschen teurer als eine Nacht im Auto. In der Hoffnung, in den hohen Bergen von Lesotho weniger Regen und weniger Sturm zu haben schaue ich am Abend in den Wetterbericht. Die Temperatur wird in den kommenden Tagen auf unter -10 Grad fallen.
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