• Tag 301, 658 Km/44698 Km

    26. Juni 2025 in Südafrika ⋅ 🌬 14 °C

    Ein weiterer langer Fahrtag steht heute an, ich möchte versuchen bis kurz vor die Grenze nach Lesotho in einem Rutsch zu kommen. Das Wetter bleibt eine Herausforderung, Sturm und Regen wechseln sich ab. Auch ist es eine Herausforderung, auf diesem Stück trostloser Einsamkeit irgendwie die Zeit tot zuschlagen. Es gibt kaum Abwechslung außer die vielen LKW die es zu überholen gilt, stundenlang geht es mit konstanter Geschwindigkeit geradeaus. Ungefähr auf der Hälfte der Strecke merke ich, dass die Lenkung Spiel hat. Irgendwann kann ich das Lenkrad fast eine viertel Umdrehung nach links und rechts bewegen ohne dass sich auf der Fahrbahn etwas tut. Es geht ja sowieso nur geradeaus, also fahre ich weiter bis nach Bloemfontein, der fünftgrößten Stadt Südafrikas. Die Stadt ist schäbig, vielleicht sogar noch mehr als das. Müll, kaputte Fahrzeuge, Obdachlose auf den Straßen, viele wärmen sich an brennenden Mülltonnen am Straßenrand auf. Eine solche Stadt habe ich seit der Demokratischen Republik Kongo nicht mehr gesehen. Ich suche in einem der hässlichen Vororte eine kleine Werkstatt auf und lasse die Lenkung prüfen. Ersatzteile habe ich dafür keine dabei. Jaco, der Chef, kommt mit öligen Händen zu mir und ist unglaublich freundlich. Ich glaube noch niemals jemanden getroffen zu haben, der solche Kenntnis von einem Defender hat wie er. Seine Werkstatt gleicht einem Schrottplatz, sein Fahrzeug steht irgendwo zwischen dem Schrott und dem alten Tannenbaum vom letzten Weihnachten, den er vorübergehend auf der Motorhaube abgelegt hat. Er tauscht zunächst zwei Bolzen vom Panhardstab, einem Teil der Lenkung, findet dann im zweiten Versuch aber die eigentliche Ursache. Das Gummi der Lenksäule, also der Verbindung zwischen Lenkrad und Servolenkung ist gebrochen. Die Reparatur ist optionsfrei, reißt das Gummi in Gänze kann ich nicht mehr lenken. Im besten Fall passiert das beim Ausparken, im schlechtesten Fall beim Ausweichen. Da es die nächsten Tage sehr kalt werden wird, bekommt Heiner in diesem Zuge neuen Frostschutz für den Kühler. Bei der Reparatur geht nichts kaputt, alle wissen was sie tun und am Ende möchte man 50€ incl. Material. Für mich die beste Werkstatt zwischen Marokko und Südafrika.
    Es ist mittlerweile schon spät und ich habe keinerlei Ambitionen hier in Bloemfontein zu übernachten, also quäle ich mich noch 150 Kilometer weiter, komme erst nach Sonnenuntergang an einem schäbigen aber alternativlosen Stellplatz direkt an der stark befahrenen Hauptstraße an. Auch wenn ich heute eigentlich noch ein Stück weiter kommen wollte bin ich froh, die Probleme mit der Lenkung so schnell in den Griff bekommen zu haben.
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