Tag 310, 0 Km/45972 Km
5 luglio 2025, Sud Africa ⋅ ☀️ 20 °C
Ich lasse das Auto heute nach langer Zeit endlich mal wieder stehen und mache mich zu Fuß auf den Weg zum Magwa-Wasserfall. Louis erklärt mir, wo ich langgehen muss und welche Ecken ich eher meiden soll, die größte Gefahr sind die Hunde im Dorf, die mich natürlich nicht kennen und schonmal aggressiv sein können. Also laufe ich die Stunde bis zum Wasserfall alleine, immer direkt an der Abbruchkante entlang und so gut es geht ums Dorf herum. Am Ende der tiefen Schlucht fällt der Wasserfall mit fast 150 Metern Höhe in die Tiefe der Schlucht. Die Regierung hat irgendwann einmal einen Picknickplatz hier errichtet, der von niemandem genutzt wird. Der Wasserfall ist zu schwierig zu erreichen, die Gegend nicht die beste, große Städte liegen eine Tagesreise entfernt, allein für die letzten 20 Kilometer braucht man eine Stunde. Also verkommt der Picknickplatz mit bester Sicht auf den Wasserfall mittlerweile, ist nur noch eine überwucherte Ruine, ein Lost Place. Ich treffe am Wasserfall auf einen Hirten aus dem Dorf, plaudere kurz mit ihm, schließlich zeigt er mir einen Weg über den Fluss auf die andere Seite der Schlucht. Er erklärt mir, dass vor vielen Jahren plötzlich ein Fahrzeug in die Schlucht gefallen ist, die Überreste sind noch gut zu sehen. Niemand weiß, wer das Fahrzeug gefahren hat oder wer genau hinterm Steuer gesessen hat, vor allem aber nicht wie derjenige es geschafft hat, über wegloses, anspruchsvolles Terrain bis zur Abbruchkante zu fahren und dann auch noch herunterzufallen. Selbst zu Fuß war das schon nicht ohne.
Ich bin später wieder zurück bei Louis, der am Nachmittag seine Freunde eingeladen hat. Südafrika ist bekannt für seine 'Braai-Kultur', man lädt Freunde zum Grillen ein, am liebsten jeden Tag. Ein Campingplatz ohne Braai-Platz ist eigentlich unvermietbar. Natürlich besteht Louis darauf, dass sein deutscher Gast beim Braai dabei ist. Einer der Gäste bringt frisch geschlachtetes Schwein von seinem Hof mit, es gibt Maisbrot und in Speck eingewickelte Kirschen. Ich habe noch Kohl und Möhren im Kühlschrank, steuere einen deutschen Krautsalat bei. Authentischer könnte man die südafrikanische Kultur kaum erleben. Als irgendwann alle satt und auf dem Heimweg sind, lädt mich Louis noch auf einen Kaffee in seine Hütte ein. Es gibt hier, wie so häufig schon, keinem Strom und kein fließendes Wasser. Kerzen und eine kleine Solarleuchte, ein selbst geschmiedeter Ofen, drumherum ein paar Bänke, eine kleine Küche, fertig. Seit 17 Jahren wohnen Louis und seine Mutter hier in dieser einfachen Rundhütte, er träumt von einer Dusche, die solarbeheizt ist, damit er nicht jedes Mal die 10 Liter Wasser vom Feuer in die Duschkabine tragen muss.
Louis bietet mir an, morgen mit ihm zusammen etwas aus Leder zu fertigen. Mit der Fertigung von Lederprodukten kommt er ganz gut über die Runden und da ich zwar schon mit vielen Materialien, aber noch nie mit Leder gearbeitet habe, kann ich mir das natürlich nicht entgehen lassen und bleibe noch einen weiteren Tag in den Bergen der Transkei.Leggi altro

















