• Tag 309, 286 Km/45972 Km

    July 4, 2025 in South Africa ⋅ ☀️ 17 °C

    Schon vor Wochen habe ich die Entscheidung getroffen, den Osten von Südafrika mit Swaziland und Mosambik nicht mehr zu bereisen und nach der Durchquerung von Lesotho wieder langsam zurück nach Kapstadt zu fahren. Das Stück, was nun also folgt, zählt leider nicht zu den besten Gegenden von Südafrika. Möchte man von Durban nach Port Elizabeth fahren, muss man einmal durch die Transkei, einer der ärmsten Regionen des Landes. Es gibt leider keine sinnvolle Alternativroute, also fahre ich am Morgen zunächst auf einem gut ausgebauten Highway in Richtung Westen. Die Gegend wird nach und nach einfacher und ärmer, die Straße immer schmaler, schließlich bin ich in der Transkei. Weiße sehe ich keine mehr, Touristen sowieso nicht, die sind alle schon vor Kilometern an einer der letzten Ausfahrten abgefahren. Die Gegend ist total unterentwickelt, einzelne Häuser stehen an den Berghängen, häufig ohne Fensterscheiben. Müll wird in den Straßen und auf den Feldern verbrannt, Rinder direkt an der Straße geschlachtet, Ziegen werden im Kofferraum mitgenommen. Eigentlich würde ich so eine Gegend eher in Zentral- oder Westafrika vermuten, jedoch nicht im südlichen Teil des Kontinents. Auf den Straßen lungern unzählige Leute rum, bei vielen habe ich keine Ahnung was diese genau tun, vermutlich gar nichts. Entdeckt man mich, brüllt man mir in der Regel irgendetwas zu, das ich nicht verstehe. Ist bestimmt etwas nettes.
    Ich fahre durch die Stadt Flagstaff, ein chaotisches, dreckiges Loch mit riesigem Verkehrschaos. Man hat mich vorher gewarnt, in Flagstaff auf keinen Fall anzuhalten, die Stadt ist bekannt dafür, dass den stehenden Fahrzeugen die Scheiben eingeschlagen und Wertsachen entwendet werden, vollkommen egal ob noch jemand darin sitzt. Ich stehe mitten im Stau, es geht weder vor noch zurück, zum Glück bleiben die Scheiben ganz. Ein Stück hinter Flagstaff verlasse ich die Hauptstraße, fahre eine unbefestigte Piste durch kleine Dörfer bis zu einem Hochplateau kurz vor den Magwa-Wasserfällen. Erwachsene bleiben am Straßenrand stehen und schauen mir hinterher, als ich vorbeifahre, Kinder winken freundlich. Das gab es schon lange nicht mehr, Touristen scheint es hier offenbar nicht allzu häufig zu geben. Kurz vor den Wasserfällen wohnt Louis, ein weißer Südafrikaner, der am Rande des Hochplateaus in einer der Rundhütten lebt.
    Ich habe mit Louis seit einigen Tagen bereits Kontakt über WhatsApp, er lässt mich für drei Nächte auf seinem Grundstück übernachten und wird mir so die Möglichkeit geben, diese Region der 'Wild Coast' zu besichtigen, eine der wenigen von Südafrika in die sich scheinbar nur ganz selten ein Tourist verirrt.
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