Tag 318, 8 Km/47075 Km
13. juli 2025, Sydafrika ⋅ ☀️ 23 °C
Ich fahre am Morgen ein kurzes Stück zum Ausgangspunkt einer Tageswanderung durch den Nationalpark. Hört sich easy an, ist es aber nicht. Die Runde soll fast 6 Stunden dauern. Als ich das Auto am einsamen Parkplatz außerhalb der Stadt abstelle, sehe ich hinten links einen platten Reifen - mal wieder. Der gleiche Reifen hatte vor rund drei Wochen ein gerissenes Ventil. Ich lasse erstmal alles so wie es ist, kümmere mich später um die Luft und laufe los. Die ersten 1.5 Stunden sind okay, immer wieder stehen Aloe-Vera Bäume mit roten Blättern am Wegesrand. Der Spandau Kop, ein Gipfel der ein wenig aussieht wie die Mine eines Kugelschreibers und das Wahrzeichen von Graaff-Reinert ist, ist von verschiedenen Seiten zu sehen und bietet immer wieder wunderschöne Motive. Dann endet der Weg plötzlich im dichten Gestrüpp des Nationalparks. Niemand ist sonst unterwegs, ich habe weder auf dem Parkplatz ein anderes Auto stehen sehen, noch sonst jemanden auf dem Weg getroffen. Es ist unglaublich einsam. Ich versuche rund 30 Minuten mit Hilfe von GPS einen ungefähren Weg durch das Gestrüpp zu finden und bin mir sicher, wenn hier irgendwas passiert, ist das richtig schlecht. Es gibt Schlangen wie die Kap-Kobra in diesem Gebiet und auch wenn ich einen Giftsauger dabei habe bin ich mir sicher, dass ein Schlangenbiss hier im dichten Gestrüpp und fast zwei Stunden vom Auto entfernt tödlich wäre. Dann plötzlich schreit ein Tier. Der Schrei ist ziemlich nah, kommt irgendwo von den Felsen die rechts sind. Ein einzelnes Hundegebell welches hintenraus zu einem Jaulen wird. Noch nie im Leben habe ich so ein Geräusch gehört. Der Schrei geht mir durch Mark und Bein. Es gibt hier zwar keine Löwen, aber hier auf Schakale, Erdwölfe oder gar eine Hyäne zu treffen, darauf kann ich gut verzichten, auch wenn ich ein Tierabwehrspray dabei habe. Ich drehe um. Die Schreie sind immer wieder zu hören, das Tier folgt mir ein ganzes Stück, immer wieder blicke ich mich um, auch als ich zurück auf dem Pfad bin. Sehen tue ich bis zum Schluss nichts, das Geschrei wird irgendwann leiser und ist weiter weg, verstummt dann.
Der Pfad gabelt sich nach einem guten Stück, also nehme ich die zweite Option zurück. Ich sehe Strauße in der Ferne, immer mal wieder springt irgendwas großes wie von Sinnen dicht neben mir aus dem Gebüsch und rennt davon, vermutlich Antilopen. Auch hier sehe ich nichts. An einer Stelle treffe ich auf eine Leopardenschildkröte, welche im dichten Gras kaum zu sehen ist. Eher selten zu sehen gehört die Schildkröte zu den 'Little Five' des südlichen Afrikas.
Ich bin nach 5 Stunden zurück am Auto, pumpe den Reifen auf und mache mich auf den Rückweg ins Stadtzentrum. Heute ist Sonntag und alles hat geschlossen, also muss ich die Reifenreparatur auf morgen vertagen. Sollte ich in der kleinen Stadt niemanden finden, der den Reifen flicken kann, kommt bis Kapstadt notfalls der Ersatzreifen drauf.Læs mere



















