Bootsreise Tabatinga - Manaus
10.–14. dec. 2024, Brasilien ⋅ ⛅ 30 °C
Es geht weiter in Richtung Süden, aber diesmal per Flugzeug. Mit Zwischenstopp in Bogotá, erreichen wir den südlichsten Zipfel Kolumbiens und kehren dabei auf die Südhalbkugel zurück. Hier liegt Leticia, das keine Straßenverbindung zum Rest des Landes hat und deswegen nur über den Wasser- oder Luftweg erreichbar ist. Die Stadt liegt mitten im Amazonas-Regenwald und im Dreiländereck mit Brasilien und Peru.
Auf der brasilianischen Seite liegt Tabatinga, das den Ausgangspunkt für unsere anstehende Reise darstellt. Hier stiegen wir auf eine Fähre, die uns in drei Tagen etwa 1.600 Kilometer stromabwärts bis nach Manaus bringen soll. Auf Grund des niedrigen Wasserstandes werden daraus allerdings vier Tage und vier Nächte, was aber nicht weiter schlimm ist. Gemeinsam mit schätzungsweise 200 bis 300 anderen Fahrgästen sowie jeder Menge Gepäck, Waren und Fahrzeugen machen wir uns auf den Weg, gemütlich den Rio Solimões hinab zu schippern. Diesen Namen trägt der Amazonas in seinem brasilianischen Oberlauf zwischen Tabatingas und dem Zusammenfluss mit dem Rio Negro bei Manaus.
Die meiste Zeit und auch die Nächte verbringen, so wie die meisten anderen, in unseren vorher gekauften Hängematten. Auf den beiden mittleren Decks bildet sich ein dichtes Wirrwarr aus bunten Stoffen und Privatsphäre sucht man hier vergeblich. Die Atmosphäre ist trotzdem entspannt und relativ ruhig und wird vom stetigen Brummen der Schiffsmotoren untermalt.
Vor dem Fenster zieht eine immer gleiche und doch stets andere Landschaft vorbei. Die Ufer des braunen und trägen Flusses sind in der Regel von dichtem Regenwald gesäumt. Hin und wieder taucht ein kleines Dorf oder einzelne Hütten auf und gelegentlich legen wir an einem kleinen Hafen an, um Passagier und Waren auszutauschen. Landgänge sind allerdings nicht vorgesehen, so dass wir das Treiben lediglich vom Fenster aus beobachten können.
Dreimal täglich bildet sich zwischen den Hängematten des unteren Decks eine lange Schlange vor der Essensausgabe. Die typisch brasilianische Speisen sind nicht sonderlich abwechslungsreich, aber geschmacklich in Ordnung.
Am vorletzten Tag steht noch ein routinemäßiger Stopp bei der Bundespolizei auf dem Programm. Nachdem der Spürhund sämtliches Gepäck der Passagiere untersucht hat, findet er im Frachtraum tatsächlich eine große Menge an Kokain, das als Limetten getarnt wurde.
Kurz vor unserer Ankunft in Manaus können wir das sogenannte Encontro das águas, also den Zusammenfluss des braunen Rio Solimões und des schwarzen Rio Negro bewundern. Der zuvor schon sehr breite Strom wird von hier an zum Giganten und verdeutlicht, wieso er als wasserreichste Fluss der Erde zählt.
Der Kontrast könnte kaum größer sein, als wir nach der tagelangen Durchquerung des kaum bevölkerten Dschungels in der über zwei Millionen Einwohnern zählenden Metropole ankommen. Hochhäuser, Containerkräne und intensiver Bootsverkehr lassen uns bereits vom Wasser aus den komplett anderen Rhythmus wahrnehmen.Læs mere














