• Unterwegs in Böhmen

    31. mar.–4. apr., Tjekkiet ⋅ ☁️ 6 °C

    Nach der Ankunft in Karlsbad fühlt sich am nächsten Morgen vieles noch ruhig und geordnet an. Die Eindrücke aus dem Erzgebirge wirken nach, doch gleichzeitig verändert sich die Reise spürbar. Der Schnee verschwindet, die Wege werden wieder besser befahrbar und ich lasse die winterlichen Bedingungen langsam hinter mir.
    Karlsbad selbst wirkt fast ein wenig unwirklich. Die pastellfarbenen Häuser, die eleganten Kolonnaden und die vielen heißen Quellen geben der Stadt eine besondere Atmosphäre. Zwischen Spaziergängern und Kurgästen fahre ich aus dem Tal hinaus und bin wenig später wieder für mich.

    Die folgenden Tage führen mich durch weite Teile West- und Südböhmens. Die Landschaft ist geprägt von Wäldern, sanften Hügeln und immer wieder kleinen Orten, die ruhig und oft etwas verschlafen wirken.
    Zu den kulturellen Highlights entlang der Strecke zählen die zahlreichen Burgen und Schlösser, etwa in Manětín und Blatná, sowie die historischen Kerne der Städte Vodňany und Budweis. Immer wieder ergeben sich kleine Abstecher oder kurze Stopps, bei denen sich ein Blick auf diese Orte lohnt, bevor es weitergeht.

    Das Wetter zeigt sich in diesen Tagen von ganz unterschiedlichen Seiten. Phasen mit Sonne wechseln sich mit dichten Wolken und einzelnen Schauern ab. Manchmal bleibt es für einige Stunden trocken, dann ziehen wieder dunklere Wolken auf. Es ist dieses wechselhafte Wetter, das den Rhythmus der Tage mitbestimmt.

    Die ersten Nächte verbringe ich noch bewusst in festen Unterkünften. Nach den kalten und nassen Bedingungen im Erzgebirge fühlt es sich richtig an, es zunächst etwas ruhiger angehen zu lassen und dem Körper Zeit zu geben, sich an die Belastung zu gewöhnen.
    In Karlsbad, Žlutice und später noch einmal in der Nähe von Pilsen habe ich jeweils ein Dach über dem Kopf.
    Erst danach beginne ich wieder zu zelten. Der Übergang kommt schnell und die erste Nacht draußen ist direkt eine Herausforderung. Die Temperaturen fallen bis auf minus vier Grad und am Morgen liegt eine spürbare Kälte über der Landschaft. Es ist ein Moment, in dem mir noch einmal bewusst wird, dass die Reise gerade erst begonnen hat.

    Unterwegs begegnen mir immer wieder Menschen, doch Gespräche bleiben meist kurz. Die Sprachbarriere ist deutlich spürbar, vieles beschränkt sich auf einfache Worte oder Gesten. Trotzdem sind die Begegnungen freundlich. Oft sind es kurze, ruhige Momente, ein Nicken, ein Lächeln oder eine kleine Hilfe am Wegesrand.

    An einigen Tagen gönne ich mir zur Mittagszeit eine Pause in einem der kleinen Restaurants entlang der Strecke. Die Küche ist herzhaft und einfach. Immer wieder stehen Knödel in verschiedenen Varianten auf dem Tisch, oft kombiniert mit Fleisch und kräftigen Soßen. Es sind diese warmen Mahlzeiten, die an kühleren Tagen besonders guttun und für eine Weile neue Energie geben.

    Mit jedem Kilometer wird das Fahren vertrauter. Die Abläufe stellen sich ein, die Tage bekommen eine klare Struktur und vieles passiert inzwischen ganz automatisch.
    Je näher ich der österreichischen Grenze komme, desto ruhiger wird die Umgebung. Die Orte liegen weiter auseinander, die Landschaft wirkt weiter und offener.
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