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Radreise Asien

An open-ended adventure by Aaron Read more
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    🇭🇺 Hajdúszovát, Ungarn

    Zwischen Waldviertel und Donau

    Apr 4–8 in Austria ⋅ ☀️ 20 °C

    Mit der Grenzüberquerung nach Österreich verändert sich die Reise spürbar. Hinter den letzten Orten in Tschechien wirken die Straßen plötzlich besser, die Häuser gepflegter und die Dörfer wohlhabender. Vieles erscheint ordentlicher und ruhiger, fast ein wenig geschniegelt.

    Gleichzeitig wird auch das Wetter immer freundlicher. Der Regen der vergangenen Tage verschwindet und stattdessen wird es von Tag zu Tag sonniger und wärmer. Bereits am ersten Tag steigen die Temperaturen deutlich an und wenig später ist es beinahe schon sommerlich.

    Die Strecke führt zunächst durch das Waldviertel. Die Landschaft ist weit und dünn besiedelt, geprägt von Wäldern, Feldern und kleinen Orten. Die Wege sind meist unspektakulär, aber angenehm zu fahren. Immer wieder geht es leicht bergauf und bergab, ohne dass die Anstiege besonders lang oder steil werden. Gerade diese ruhigen Abschnitte haben ihren eigenen Reiz. Nach den vielen Tagen auf dem Rad genieße ich es, einfach durch die Landschaft zu rollen und den Blick schweifen zu lassen.

    Später erreiche ich das Kamptal. Entlang des Flusses Kamp verändert sich die Umgebung erneut. Zwischen Burgen, Klöstern und kleinen Orten führt der Radweg durch Weinberge und vorbei an zahllosen blühenden Obstbäumen. Besonders im Frühling wirkt diese Gegend fast ein wenig unwirklich.
    In Kammern finde ich wieder über 1Nite Tent spontan eine Unterkunft bei dem sehr netten Imker Alex. Nach den Nächten allein im Zelt tut die Herzlichkeit besonders gut. Er nimmt mich freundlich auf und ich entscheide mich spontan, noch einen Tag zu bleiben.
    Nach dem gemeinsamen Frühstück nutze ich den zusätzlichen Tag für eine entspannte Wanderung durch die Umgebung. Von den Weinbergen geht es hinauf zur Kamptalwarte, von der sich ein weiter Blick über das Tal und die Landschaft ergibt. Später wandern wir gemütlich entlang des Kamp zurück. Am Abend sitzen wir noch zusammen und essen gemeinsam.

    Nach diesem Pausentag geht es weiter in Richtung Donau. Der Fluss begleitet mich nun über viele Kilometer. Zwischen Krems, dem Tor zur Wachau und Wien folge ich abwechselnd beiden Ufern des Donauradwegs. Immer wieder komme ich an kleinen Orten, Weinbergen und weiten Auenlandschaften vorbei. Bei Altenwörth ragt das gewaltige Wasserkraftwerk über den Fluss, später wirkt Tulln mit seiner Altstadt und den vielen Grünflächen deutlich ruhiger und freundlicher als die größeren Städte zuvor.

    Das Wetter zeigt sich jetzt von seiner besten Seite. Bei strahlendem Sonnenschein und kräftigem Rückenwind komme ich schnell voran. Nach den kalten und nassen Tagen zu Beginn der Reise fühlt es sich fast unwirklich an, plötzlich in kurzer Kleidung unterwegs zu sein.

    Schließlich erreiche ich Wien. Nach den vielen ruhigen Tagen auf dem Land wirkt die Stadt groß, lebendig und beinahe überwältigend. Gleichzeitig fühlt es sich schön an, wieder vertraute Gesichter zu sehen. Ich besuche meine Freundin Steffi, die in einer Wohnung mit tollem Blick über die Stadt lebt.
    Ich bleibe nicht nur eine Nacht, sondern entscheide mich auch hier spontan für einen zusätzlichen Tag.
    Als ich Wien schließlich wieder verlasse, fühlt sich vieles noch vertraut an. Die Stadt ist mir nicht fremd, ich war schon mehrmals hier und die Zeit mit Steffi lässt den Aufenthalt beinahe wie einen kurzen Abschnitt Alltag wirken.
    Gerade deshalb wird mir in diesem Moment umso deutlicher, dass sich nun etwas verändert. Mit jedem Kilometer, den ich mich von Wien entferne, lasse ich nicht nur die Stadt hinter mir, sondern auch ein Stück Vertrautheit. Die kommenden Länder, die Sprachen, die Landschaften, vieles davon ist neu für mich.
    Wien wird so rückblickend zu einem Ort des Innehaltens. Noch einmal durchatmen, Kraft sammeln und sich sortieren, bevor die Reise in eine Richtung weitergeht, die sich weniger bekannt anfühlt.

    Nach dem Aufenthalt in der Hauptstadt geht es weiter entlang der Donau in Richtung Osten. Kurz hinter Wien verändert sich die Landschaft noch einmal. Im Nationalpark Donau-Auen wird der Radweg wieder ruhiger und führt durch dichte Wälder und vorbei an alten Flussarmen. Mehrere Schlösser sorgen zwischendurch für Abwechslung, bevor ich schließlich die slowakische Grenze erreiche und mir wenig später wieder einen ruhigen Platz für die Nacht in einem kleinen Waldstück suche.
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  • Unterwegs in Böhmen

    Mar 31–Apr 4 in Czech Republic ⋅ ☁️ 6 °C

    Nach der Ankunft in Karlsbad fühlt sich am nächsten Morgen vieles noch ruhig und geordnet an. Die Eindrücke aus dem Erzgebirge wirken nach, doch gleichzeitig verändert sich die Reise spürbar. Der Schnee verschwindet, die Wege werden wieder besser befahrbar und ich lasse die winterlichen Bedingungen langsam hinter mir.
    Karlsbad selbst wirkt fast ein wenig unwirklich. Die pastellfarbenen Häuser, die eleganten Kolonnaden und die vielen heißen Quellen geben der Stadt eine besondere Atmosphäre. Zwischen Spaziergängern und Kurgästen fahre ich aus dem Tal hinaus und bin wenig später wieder für mich.

    Die folgenden Tage führen mich durch weite Teile West- und Südböhmens. Die Landschaft ist geprägt von Wäldern, sanften Hügeln und immer wieder kleinen Orten, die ruhig und oft etwas verschlafen wirken.
    Zu den kulturellen Highlights entlang der Strecke zählen die zahlreichen Burgen und Schlösser, etwa in Manětín und Blatná, sowie die historischen Kerne der Städte Vodňany und Budweis. Immer wieder ergeben sich kleine Abstecher oder kurze Stopps, bei denen sich ein Blick auf diese Orte lohnt, bevor es weitergeht.

    Das Wetter zeigt sich in diesen Tagen von ganz unterschiedlichen Seiten. Phasen mit Sonne wechseln sich mit dichten Wolken und einzelnen Schauern ab. Manchmal bleibt es für einige Stunden trocken, dann ziehen wieder dunklere Wolken auf. Es ist dieses wechselhafte Wetter, das den Rhythmus der Tage mitbestimmt.

    Die ersten Nächte verbringe ich noch bewusst in festen Unterkünften. Nach den kalten und nassen Bedingungen im Erzgebirge fühlt es sich richtig an, es zunächst etwas ruhiger angehen zu lassen und dem Körper Zeit zu geben, sich an die Belastung zu gewöhnen.
    In Karlsbad, Žlutice und später noch einmal in der Nähe von Pilsen habe ich jeweils ein Dach über dem Kopf.
    Erst danach beginne ich wieder zu zelten. Der Übergang kommt schnell und die erste Nacht draußen ist direkt eine Herausforderung. Die Temperaturen fallen bis auf minus vier Grad und am Morgen liegt eine spürbare Kälte über der Landschaft. Es ist ein Moment, in dem mir noch einmal bewusst wird, dass die Reise gerade erst begonnen hat.

    Unterwegs begegnen mir immer wieder Menschen, doch Gespräche bleiben meist kurz. Die Sprachbarriere ist deutlich spürbar, vieles beschränkt sich auf einfache Worte oder Gesten. Trotzdem sind die Begegnungen freundlich. Oft sind es kurze, ruhige Momente, ein Nicken, ein Lächeln oder eine kleine Hilfe am Wegesrand.

    An einigen Tagen gönne ich mir zur Mittagszeit eine Pause in einem der kleinen Restaurants entlang der Strecke. Die Küche ist herzhaft und einfach. Immer wieder stehen Knödel in verschiedenen Varianten auf dem Tisch, oft kombiniert mit Fleisch und kräftigen Soßen. Es sind diese warmen Mahlzeiten, die an kühleren Tagen besonders guttun und für eine Weile neue Energie geben.

    Mit jedem Kilometer wird das Fahren vertrauter. Die Abläufe stellen sich ein, die Tage bekommen eine klare Struktur und vieles passiert inzwischen ganz automatisch.
    Je näher ich der österreichischen Grenze komme, desto ruhiger wird die Umgebung. Die Orte liegen weiter auseinander, die Landschaft wirkt weiter und offener.
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  • Durch das winterliche Erzgebirge

    Mar 29–31 in Germany ⋅ ☁️ 2 °C

    Der erste Abschnitt meiner Reise führt mich über das Erzgebirge und verteilt sich auf zwei Tage.
    Zu Beginn ist vieles noch ruhig. Die Strecke verläuft durch vertraute Landschaft, die Bewegung fühlt sich gleichmäßig an und ich finde schnell in meinen Rhythmus. Mit jedem Kilometer wird die Umgebung etwas hügeliger, doch lange bleibt es angenehm zu fahren. Später werden die Anstiege jedoch härter und fordern zunehmend Kraft.
    Mit der Höhe taucht schließlich auch wieder Schnee auf. Anfangs liegt er nur vereinzelt am Rand, doch nach und nach bedeckt er auch die Strecke. Trotzdem komme ich gut voran und erreiche am Abend Albernau. Dort wartet die Familie Stark auf mich, deren Angebot ich über 1Nite Tent gefunden habe. Statt draußen zu zelten, bekomme ich einen Platz in ihrer Werkstatt und kann nach dem langen Tag sogar warm duschen.

    Am nächsten Morgen laden sie mich zum Frühstück in die Küche ein. Wir tauschen Geschichten aus und sprechen über vergangene und kommende Reisen.
    Als ich aufbreche, beginnt es zu schneien. Große Flocken fallen dicht und begleiten mich durch den Tag. Zunächst folge ich noch ein Stück dem flachen Mulderadweg, bevor ich ins Tal der Großen Bockau abbiege. Von hier an geht es stetig bergauf.
    Kurz nach Wildenthal verwandelt sich der Waldweg in eine geschlossene Schneedecke. Anfangs lässt es sich noch fahren, doch mit jedem Meter wird es schwieriger, bis ich schließlich die letzten anderthalb Kilometer nur noch schiebend zurücklege. Mit dem schweren Fahrrad durch knöcheltiefen Schnee zu gehen, kostet viel Kraft und bringt mich nur sehr langsam voran.
    Oben angekommen zeigt sich für einen kurzen Moment die Sonne. Es ist der einzige Sonnenschein des Tages und passt genau zu der Erleichterung, den anstrengenden Anstieg hinter mir zu haben.
    Die lange Abfahrt in Richtung Karlsbad beginnt vorsichtig. Der Untergrund ist rutschig, die Temperaturen liegen nahe am Gefrierpunkt, und die Kälte kriecht schnell in Hände und Füße. Zusammen mit dem anhaltenden Schneefall fühlt sich dieser Tag mehr nach Winter als nach Frühlingsbeginn an.
    Am Vorabend habe ich mir vorsorglich eine Unterkunft in Karlsbad gebucht. Als ich dort ankomme, bin ich mehr als erleichtert. Eine warme Dusche und ein trockenes Bett fühlen sich in diesem Moment genau richtig an.
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  • Glauchau

    March 29 in Germany ⋅ ⛅ 8 °C

    Nun schon zum dritten Mal innerhalb der letzten vier Jahre heißt es Abschied nehmen von Freunden und Familie.
    Diesmal beginnt die Reise jedoch nicht in Berlin, sondern in meiner Heimatstadt Glauchau. Auf vertrauten Wegen fahre ich los, zunächst in Richtung Erzgebirge. Vieles fühlt sich bekannt an und gleichzeitig doch anders, weil ich weiß, was vor mir liegt.
    Mein Fahrrad bringt insgesamt rund 40 Kilogramm auf die Waage und ist ausgestattet mit allem, von dem ich glaube, es auf der langen Strecke bis nach Asien zu brauchen. Mit jedem Tritt entferne ich mich ein Stück mehr vom Gewohnten und tauche langsam wieder in diesen vertrauten Rhythmus des Unterwegsseins ein.
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    Trip start
    March 29, 2026