• Okay, ich gebe es zu: Ich war wieder mal an einer Food-Tour. Die Yatai-Strassenstände sind ein einzigartiges Kulturgut von Fukuoka und das wollte ich unbedingt erleben.

    Ab 18 Uhr werden die provisorischen Imbissstände geöffnet und ziehen bis 3, 4 Uhr morgens Massen von Einheimischen und Besuchern an. Nicht nur das Essen, auch die enge, gedrängte Atmosphäre und die Lichter im Dunkeln sind ein Teil des Reizes.

    Nach dem 2. Weltkrieg gab es rund 400 Stände, nun sind es nur noch etwa 100. Vorschriften, Kontrollen, Nachbarn, lange Arbeitszeiten, mehr Restaurants drinnen – es gibt viele Gründe für den Rückgang. Allerdings hat die Stadt erkannt, dass die Yatai-Stände viel Charme versprühen und versucht, die Szene wieder aufzubauen.

    An jedem Yatai-Stand finden rund zehn Gäste dicht nebeneinander Platz. An einem Ort mussten mein Guide Tomo und ich auf längs gestellten Hockern sitzen, weil es so weniger Platz benötigte. An einem anderen Stand dachte ich bereits, enger ginge es nicht mehr, aber der Boss sah das anders und quetschte noch mehr rein.

    Die Stände sind ausgezeichnete Orte, um die Kultur von Fukuoka zu erleben und mit Einheimischen über einer Schüssel Ramen, frisch gegrillten Yakitori (Spiesse) oder Dumplings in Kontakt zu kommen. Den Höhepunkt in Sachen Kontakt zu Einheimischen erlebte ich aber in einer Bar, in die mich Tomo schleppte.

    Dir Bar gehört einem Freund von ihm und ist nur für Freunde des Wirts offen. Der Wirt war schon lustig. Sein japanischer Vorname bedeutet Schiff. Weil er in Schottland alles über Whisky lernte, wollte er das schottische Wort für See zu seinem Barnamen machen und so als Schiff auf seinem See schippern.

    See heisst auf schottisch Loch. Doch als der Wirt wieder in Japan war, wurde er unsicher, ob er es sich bei den vielen gerollten «Rs» in Schottland vielleicht falsch gemerkt hatte, weil er das R ja nicht sagen kann. Also nannte er seine Bar Roch und doch klingt es hier in Japan jetzt halt immer wie Loch … Während er von seinem Fehler erzählte, lachte er sich selbst fast kaputt und zeichnete mir die japanischen Wörter auf. Japanische Zurückhaltung hatte ich mir anders vorgestellt.

    Wenig zurückhaltend ging es dann auch weiter. Irgendwann kamen noch zwei junge Frauen herein. Eine hatte Geburtstag. «Schiff» hatte für uns alle ein Glas mit Weisswein-Spritz bereit gemacht zum Anstossen. Die Japanerinnen waren so begeistert von meinen Pausbacken, dass sie nur noch Fotos mit mir machen wollten als Glücksbringerin für den Geburtstag. Dabei knuddelten sie mich und hüpften ständig vor Freude auf und ab. Was für ein Happening!
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