Hiroshima: Krieg und Frieden
May 7 in Japan ⋅ ☁️ 24 °C
Worte werden dem, was ich heute in Hiroshima gesehen, gehört und gefühlt habe nicht gerecht. 81 Jahre nach dem Abwurf der ersten Atombombe scheinen viele Mächtige kaum etwas daraus gelernt zu haben. Nicht so die Menschen von Hiroshima. Sie senden die Botschaft von Frieden, Vergebung und Einigkeit in die Welt hinaus. Und das so sanft und gleichzeitig kraftvoll, dass es mich mitten ins Herz traf.
Gestern war ich mit dem Shinkansen-Zug von Fukuoka nach Hiroshima gerast. Weil ich zuerst wieder Probleme mit meiner E-Sim-Karte und danach mit dem Wäsche-Tumbler im Hotel hatte, fiel meine erste Erkundigung in Hiroshima leider ins Wasser. Also ging es erst heute mit meiner E-Bike-Tour mit Guide durch Hiroshima richtig los.
Dabei stürzte so viel auf mich herein, das muss ich erst mal sacken lassen. Deshalb habe ich mich entschieden, den geplanten Besuch des Friedensmuseums auf morgen zu verlegen und meine morgige Abreise nach Osaka auf den späteren Nachmittag zu verschieben. Ich werde dann morgen meine heutigen Eindrücke über das Epizentrum des Grauens und das Erlebnis im Museum zusammennehmen und detailliert darauf eingehen.
Heute brauchte ich erst mal ein wenig Abstand und bin deshalb mit dem Tram rund eine Stunde zum Meer gefahren und danach mit der Fähre auf die Insel Miyajima, um inneren Frieden zu finden beim Itsukushima Schrein. Der Schrein entstand im 6. Jahrhundert und existiert in der heutigen Form seit 1168.
Das rote, 16 Meter hohe und scheinbar im Meer schwebende Holztor zum Schrein – hier sagt man Torii dazu – ist eine der bekanntesten Touristenattraktionen Japans. Die Insel selbst galt einst als so heilig, dass sie vom Schrein getrennt wurde, damit niemand den heiligen Boden entweihen konnte. Aus diesem Grund befindet sich das Torii vor der Küste.
Das Torii ist nur bei Flut von Wasser umgeben, bei Ebbe kann es von der Insel zu Fuss erreicht werden. Die Kombination von Bergen, Wäldern, Meer und Schrein erscheint fast mystisch. Hier setzte ich mich einfach ans Ufer, liess die Natur auf mich wirken, schaute den Touristen und den mitten unter den Menschen herumstreunenden Wildtieren zu und ordnete meine Gedanken.
Ich kann immer noch kaum glauben, dass ich überhaupt auf dieser Reise bin und was ich dabei alles erleben darf. In einer Stadt, die so viel Tod und Grauen erlebt hat, erscheint das Leben besonders wertvoll. Und das Wunderbare an den Menschen hier ist, dass sie das genauso sehen. Sie gedenken den Toten, aber sie wollen nicht, dass man traurig ist. Sie suchen nicht Vergeltung, sondern Freunde. Denn Freunde tun sich nicht weh. Sie geben jedem die Botschaft mit, immer nach vorne zu schauen, das Gute zu sehen und alles für den Frieden zu tun. Das sollten wir alle versuchen!Read more
























