• Kyoto: Goldrausch am Bölleli-Geburi

    May 15 in Japan ⋅ ☀️ 28 °C

    Mein Bölleli muss heute alleine Geburtstag feiern. Habe ich ein schlechtes Gewissen? Äs bitzeli. Ist es schlimm? Nein, ich flicke es einfach mit Kintsugi und danach ist alles besser und noch wertvoller als zuvor!

    Seit ich vor Jahren zum ersten Mal von Kintsugi gehört habe, bin ich fasziniert davon. Mein Lieblingsschal ist voller Kintsugi. Die zerschlissenen Stellen habe ich zwar knallpink gewiefelt, weil ich keinen Goldfaden hatte. Dennoch bin nicht traurig, dass der Schal kaputt war und geflickt ist, sondern glücklich, dass es ihn noch gibt. Kintsugi wertschätzt Resilienz und Heilung, indem es die Geschichte eines Objekts oder eines Menschen feiert, anstatt die Brüche zu verstecken.

    Kintsugi bedeutet wörtlich, goldene Verbindung. Es steht für die japanische Kunst, zerbrochene Keramik mit einem speziellen Lack und Goldpulver zu reparieren. Anstatt Brüche zu kaschieren, betont diese Methode die Risse, was das Objekt noch einzigartiger, schöner und wertvoller macht. Kintsugi ist eng mit der Wabi-Sabi-Philosophie verbunden, die ich vorgestern im Zusammenhang mit den japanischen Gärten thematisiert habe. Schönheit liegt in der Unvollkommenheit und der Vergänglichkeit. Altern ist Würde.

    Damit kann ich mich super gut identifizieren. Denn ich gebe gerne zu: Ich altere, ich bin unvollkommen und ich bin vergänglich. Wie genial ist das denn, wenn das alles plötzlich cool ist? 🤣

    Deshalb habe ich heute in Kyoto einen Kintsugi-Workshop im angesagten Gion-Quartier besucht und einem zerbrochenen Steingut-Schälchen neues Leben eingehaucht. Das werde ich dann Urs schenken, wenn ich wieder daheim bin. Und da ich gerade so im Goldrausch war, bin ich auch noch zum Goldenen Pavillon im Rokuon-Ji-Tempel gefahren. Seit 1397 steht der ikonische, mit Blattgold überzogene Zen-Tempel hier. Und es war echt eindrucksvoll, wie der Goldene Pavillon erhaben über dem Teich thronte , in der Sonne leuchtete und sich im Wasser spiegelte.

    Für Urs habe ich beim Goldenen Pavillon noch einen goldenen Omamori-Talismann organisiert, der ihn beim Autofahren beschützen wird.

    Goldige Aussichten also!
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