• Odawara: Das Thun Japans – ausser im Fussball ...

    May 16 in Japan ⋅ ☀️ 20 °C

    Seit heute bin in ich Odawara. Das ist mit dem Shinkansen rund 35 Minuten von Tokio entfernt und die zweitletzte Station meiner Reise. Mein Ziel hier: Spüren wie das ganz normale Japan tickt und Durchatmen vor der Millionenstadt Tokio.

    Rund 185’000 Einwohner leben in Odawara, es ist keine Weltstadt, nicht reich, nicht arm, nicht trendy – einfach «nur» eine strategisch gut gelegene Regionalstadt mit Meer, Bergen, Geschichte und Durchreiseverkehr. Vergleichbar wie Thun oder Bellinzona in der Schweiz. Wo Bellinzona das Durchgangstor Richtung Süden und Thun der Verteiler Richtung Berner Oberland ist, schleust Odawara die Touristen nach Hakone durch. Hakone gilt als das berühmteste Ryokan- und Onsen-Paradies Japans, eingebettet in den wunderschönen Fuji-Hakone-Izu-Nationalpark.

    Ich bin extra in Odawara geblieben, weil ich nicht die Tourismus-Weltmeister, sondern das bodenständige Japan entdecken will. Ich bleibe bei meinem Vergleich mit Thun. Da schlägt gerade mein Fussballherz und ich feiere die Thuner Meisterschaft hier in Japan. Vergleichbares gibt es in Odawara nicht. Der mit Abstand bedeutendste Sportverein Odawaras ist der Shonan Bellmare Futsal Club. Das Hallenfussball-Team tritt in der höchsten japanischen Futsal-Liga an und schloss in der 12er-Liga auf Rang 7 ab.

    In Odawara habe ich zum ersten Mal auch ein Ryokan, ein traditionelles japanisches Gasthaus gebucht. Das stand ganz oben auf meiner Bucketlist, nur das mit dem am Boden schlafen, ist halt nicht wirklich meins. Doch in Odawara habe ich endlich ein Ryokan gefunden mit einem richtigen Bett. Aber ansonsten ist alles ganz einfach. Die Katze bewacht den Hauseingang. Die Schuhe werden beim Eingang ausgezogen. Etagen-Toilette neben meinem Zimmer, Gemeinschaftsdusche und eine weitere Toilette im unteren Stock.

    Kyoto war wunderschön. Aber es war auch unglaublich touristisch. Hier in Odawara war der Groove vom ersten Moment an anders. Viel weniger Menschen, etwas langsamer, nicht so herausgeputzt, angenehm «normal». Dafür gehört hier das Risiko von Erdbeben und Tsunamis zum Alltag.

    Odawara liegt an der Sagami-Bucht und relativ nahe an tektonisch aktiven Regionen. Warn- und Hinweisschilder findet man überall. Ich bin überzeugt, dass ich auch in Luzern auf dem Fussgängerstreifen überfahren werden könnte. Trotzdem bin ich ein kleiner Schiss und will das Schicksal nicht herausfordern. Deshalb habe ich zwei Warn-Apps heruntergeladen, Fluchtwege studiert und vor dem Schlafengehen packe ich mein Täschchen mit Handy, Powerbank, Pass, Geld und Wasser.

    Cool wäre anders. Ist mir aber egal. Sowieso, nachdem mir Mani vom Erdbeben während seines Aufenthalts erzählt hatte. Mir ist es wichtiger, Plan B und C bereit zu halten. Ich will wieder nach Hause zu meiner Familie. Um das Ganze aber auch richtig einzuordnen noch diese Info: Statistisch realistischer sind Verletzungen wegen Erschöpfung, Stolpern, Überlastung vom vielen Gehen, falsche Züge, letzte Verbindungen verpassen etc. Da bin ich mit meinem Fuss ja schon voll dabei. Das reicht meiner Meinung nach dann auch …
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