Tokio: Nachtleben im Mini-Format
May 22 in Japan ⋅ ☁️ 13 °C
Bar-Hopping stand heute Abend für mich auf dem Programm. Essen und Trinken an der berühmten Omoide Yokocho («Memory Lane») und noch ein Absacker in der Golden Gai. Nun weiss ich: Tokio geht mitten in den Wolkenkratzern auch im Mini-Format.
Omoide Yokocho bedeutet wörtlicher «Erinnerungsgasse». Die Gassen stammen aus der Zeit direkt nach dem Zweiten Weltkrieg und waren damals Schwarzmarktgebiert. 1999 wurde die Mehrheit der winzigen Holzbuden nach einem grossen Brand neu aufgebaut. Heute gibt es hier rund 80 winzige Izakayas und Yakitori-Lokale. Manche haben im Erdgeschoss Platz für vier Personen, quetschen aber acht rein. Bei vielen gibt es noch einen oberen Stock mit ein wenig mehr Platz. Hier treffen sich die Einheimischen und die Touristen nach Feierabend zum Essen und Trinken. Es riecht nach Holzkohle, Sojasauce, Rauch, Bier und Grillfleisch. Und irgendwie kommen die vielen Leute alle aneinander vorbei.
Genauso in der Golden Gai. Das Netz von sechs schmalen Gassen beheimatet über 200 Mini-Bars auf winzigem Raum. Viele sind nur wenige Quadratmeter gross und bieten Platz für fünf bis acht Gäste. Oft gibt es steile Mini-Treppen in den ersten und zweiten Stock. Dort wo sich früher die Hostessen und Gäste (illegal) näherkamen, wird heute einfach gesessen, geredet und getrunken. Golden Gai war jahrzehntelang Treffpunkt für Künstler und Kreative. Vielen Bars haben bis heute ihre Themen, beispielsweise Jazz, Punkt, Death Metal, Film, Literatur, Vinyl, Karaoke, Horrorfilme.
Omoide Yokocho und Golden Gai zeigen ein Tokio, das fast verschwunden ist: klein, improvisiert, chaotisch, eng und sehr menschlich. Genau deshalb wirken die beiden Zonen zwischen den gigantischen LED-Werbeanzeigen und Wolkenkratzern von Shinjuku fast surreal. Wenn ein Haus in Tokio 60 Jahre lang steht, ist es schon sehr in die Jahre gekommen. Denn irgendein Krieg, ein Erdbeben oder ein Feuer hat immer wieder alles zerstört. Doch so wie an diesen beiden Orten könnte Tokio vor 60 bis 70 Jahren gerochen und geklungen haben. Es ist cool, dass man das hier auch erleben kann.Read more





















TravelerDie feuerpolizeilichen Vorschriften scheinen in Tokio recht locker zu sein…
TravelerLieber Rolf. Wenn die Japaner etwas sind, dann sind sie praktisch. Es gibt immer Lösungen, man muss sie einfach finden.
Traveler
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