Tokio: Weihrauch am Sumo-Sonntag
May 24 in Japan ⋅ ☁️ 22 °C
Kultur war heute angesagt: Zuerst in Asakusa in und um den riesigen Sensoji Tempel mit dem grossen Weihrauch-Räucherkessel. Danach bei der Final-Show der japanischen Sumo-Superstars in der Ryōgoku Kokugikan Sumo Halle.
Alles in mir möchte gleich vom Sumo lossprudeln. Doch ich spare mir das auf und beginne chronologisch. Denn ich startete in Asakusa in den Sumo-Sonntag. Asakusa ist mit dem Sensoji Tempel sowie den Einkaufsstrassen rundherum das beliebteste Touristenziel Tokios. Dementsprechend viele Leute waren unterwegs. So fehlte mir die Lust, um den Tempel zu erkunden. Was mir auffiel, war der Weihrauch-Räucherkessel. Es rauchte hier viel stärker als anderswo und alle wedelten sich den Rauch zu. Die Japaner lenken hier den Rauch zum Kopf für Weisheit und Konzentration, zu schmerzenden Körperstellen für Gesundheit und Heilung und vor die Brust für innere Stärke und ein gutes Herz.
Da ich nicht wie ein katholisches Würstli riechen wollte, liess ich das bleiben und streifte weiter durch das Quartier. Immer wieder mit Blick auf den Tokio Skytree. Das ist mit 634 Meter der höchste Fernsehturm der Welt und das dritthöchste Gebäude hinter Burj Khalifa in Dubai (828 m) und dem Merdeka 118 in Kuala Lumpur (687, 9 m). Die Aussicht muss gewaltig sein. Aber nie und nimmer wäre ich freiwillig dort hoch gegangen, nachdem im Februar dieses Jahres schon zum dritten Mal in zehn Jahren die Leute wegen Defekten eingeschlossen waren.
Also spazierte ich nur bis zum Sumida-Fuss, schaute mir den Riesen aus der Ferne an und ging dam Fluss entlang weiter Richtung meiner nächsten Station: Sumo – allerdings nur vor dem Stadion. Die Tickets für den Final des 15-tägigen Grand-Turniers waren schon lange ausverkauft. Aber ich hatte gelesen, dass es auch vor dem Stadion stets ein Happening ist. Und das kann ich nun bestätigen.
In den letzten Tagen hatte ich gelegentlich Sumo live am TV geschaut (siehe Filmli und Fotos), doch die sprachen so schnell Japanisch, dass ich nicht viel verstand … Mich nervte aber, dass die Startpositionen immer wieder verlassen wurden, es dauerte und dauerte, bis der Kampf endlich losging und er dann so schnell wieder vorbei war. Also recherchierte ich, um Antworten auf meine vielen Fragen zu finden. Nun habe ich mehr Geduld.
Zuerst werfen die Kämpfer Salz in den Ring und stampfen, um den Ring zu reinigen und die bösen Geister zu vertreiben. Sie zeigen die Hände, um zu beweisen, dass sie keine Waffen tragen. Sie trinken Wasser zur Reinigung von Körper und Geist. Alles andere ist reiner Psychokrieg. Die Kämpfer stehen wieder auf, um den Gegner einzuschüchtern, seine Konzentration zu stören und seine Nervosität zu testen. Spürt ein Ringer, dass das Timing des Gegners nicht perfekt mit seinem eigenen übereinstimmt, bricht er ab. Das wiederholte Zurückgehen in die Ecke gibt den Kämpfern Zeit, die Taktik anzupassen und den Fokus maximal zu schärfen. Die Kämpfer haben ein festes Zeitfenster (bis zu vier Minuten) für diese Vorbereitungsphase. Sie nutzen diese Deadline fast immer, um sich körperlich und mental aufzuwärmen. Der Kampf darf erst beginnen, wenn beide zeitgleich die Fäuste auf den Boden setzen und losstürmen.
Dann explodiert aber sofort der Ring. Unglaublich mit welcher Wucht die Kolosse aufeinanderprallen, da würden sogar die Walliser Kampfkühe neidisch. Ein Sumokämpfer gewinnt, wenn er seinen Gegner aus dem Ring drängt oder ihn dazu bringt, den Boden mit etwas anderem als den Fusssohlen zu berühren. Nach der langen Vorbereitung sind die Kämpfe selbst extrem schnell vorbei. Dabei spicken viele Kämpfer aus dem Ring über die Kante auf die Zuschauer herunter. Das sah oft echt übel aus.
Kein Wunder, machen es die Kämpfer nicht lange. Ein japanischer Mann hat eine durchschnittliche Lebenserwartung von über 81 Jahren, Sumokämpfer sterben mit 60 bis 65 Jahren. Die Kombination aus extremem Körpergewicht (Durchschnitt 170 kg), den gesundheitlichen Folgen der Ernährung und den körperlichen Belastungen führt zu massiven medizinischen Problemen.
Sumoringer stehen für lebende Tradition, Spiritualität und Selbstdisziplin. Sie nehmen dieses harte Leben auf sich, um sozialen Aufstieg, Reichtum und gottähnlichen Status als Profisportler zu erreichen. Die besten Sumoringer mit dem Titel Yokozuna verdienen bis zu 1 Mio. Franken pro Jahr. Yokozuna bleibt man auf Lebenszeit. Wenn die Leistung dauerhaft nachlässt, wird der ehrenvolle Rücktritt erwartet. Dafür werden die Kämpfer ein Leben lang verehrt.
Diese Verehrung habe ich heute erlebt. Vor den flatternden Bannern mit den Namen der Kämpfer und ihrer Sponsoren herrschte Feststimmung. Es gab Souvenirshops, Spiesschen-Stände, eine BBQ-Zone. Die Leute warteten beim Eingang ins Stadion auf die Kämpfer, die per Taxi oder zu Fuss vom Bahnhof aus eintrudelten. Fotos, Applaus – alles schön gesittet und respektvoll. Kein grosses Gedränge wie bei westlichen Starsportlern. Wenn die Kämpfer wieder aus dem Stadion kamen, folgte das gleiche Spiel umgekehrt. Jetzt erfüllten die Kämpfer – mal mehr, mal weniger angeschlagen – geduldig jeden Fotowunsch, bevor sie weitergingen. Nix da mit Fussballer-Allüren. Das gehört offenbar zur Turnierkultur und ich fand es richtig cool, habe sogar auch um ein Erinnerungsfoto gebeten. Leider weiss ich einfach nicht mit wem ...Read more































TravelerAlso die Technik hätte ich, aber am Kampfgewicht fehlt es noch 😉
TravelerLieber Rolf. Easy, daran können wir gemeinsam arbeiten ...
Traveler
Sieht aber nicht schlecht aus. Rund oder oval definitiv ein Bier 😂
TravelerLiebe Corinne. Interessant ist die Story zum goldenen Weiss-nicht-was daneben. Es gehört ebenfalls zu Asahi Breweries und sollte eine von Philippe Starck entworfene goldene Flamme darstellen und das brennende Herz von Asahi Beer symbolisieren. Aber, die meisten nennen es nur einen goldenen Kackhaufen. 🤣 360Tonnen wiegt die goldene Skulptur und hätte aufrecht platziert werden sollen, aus Sicherheitsgründen musste sie dann aber liegend aufgestellt werden. Das nenne ich mal eine Planung …