Kafue: Tse-Tse & Kalaschnikow
1 maggio 2025, Zambia ⋅ ⛅ 16 °C
So! Sitze am Kafue Fluß im Kafue Nationalpark im Camp Kasabushi. Ein herrliches Plätzchen.
Um 16 Uhr gibt‘s einen Gamedrive per Boot. Bevor‘s jedoch losgeht schreib ich noch ein paar Zeilen, denn es gibt einiges zu erzählen.
Gestern morgen sind wir in Kayube gestart. Rund 11 Stunden Fahrt waren es bis zum Kafue Nationalpark. Ein heftiger Ritt. Wie gewohnt fast ausschließlich Piste, Sand, Schlaflöcher. Über die Fahrt selbst gibt‘s nicht viel zu erzählen, außer dass wir im Landy bald Sandburgen bauen können. Denn, wie ich schon erwähnte, ist ein Landrover nie ganz ganz und so ist er auch nie ganz dicht. Auch eine Umlufteinstellung in der Klimaanlage gibt‘s nicht. So weht durchaus eine zarter Hauch von Sand durch‘s Wageninnere. Alle Klamotten sind in Müllsäcke eingepackt, so dass die weitestgehend verschont bleiben.
Das gestrige Tagesziel war das Kasabushi Camp im Kafue Nationalpark (Sambia). Wir fuhren, fuhren, fuhren und es wurde später und später. Irgendwann war klar, dass wir Kasabushi keinesfalls bei Tageslicht erreichen werden. Wieder mal blieb Plan A nur der Plan, so dass Plan B greifte. Carsten setzte sich mit dem Headquater vom Kafue Park in Verbindung. Bei einbrechender Dunkelheit erreichten wir das Camp Malala. Wir waren die ersten Gäste auf der Campsite. Die Straße dorthin und das Camp sind noch in keiner Karte verzeichnet. Alle waren froh, dass ein langer Tag zu Ende ging und ein (zwei) leckerer Gin Tonic den Abend einläutete.
Für was steht der Kafue Nationalpark? Für Antilopen jeder Art, die üblichen Jäger, aber z.B. keine Giraffen. Und: Tse-Tse Fliegen!!! Wieso hat der liebe Gott so etwas geschaffen wie diese blutsaugenden Monster. Und das nicht nur einzelne Exemplare, sondern Millionen und Abermillionen. Tse-Tse Fliegen sind in etwa so groß wie die unsere Rossbremsen. Blutrünstig und „hard-to-kill“.
Der einzige „Vorteil“ dieser Blutsauger ist, dass sie nachts schlafen und uns Normalsterbliche in Ruhe lassen. Sie übertragen die Schlafkrankheit. Unbedenklich für Wildtiere. Juckend und ätzend für Menschen. Tödlich für Rinder. Deshalb gibt es nirgendwo Viehzucht wo es Tse-Tse Fliegen gibt. Um der Plage Herr zu werden hängen den Straßen blau-schwarz-blaue Lappen, die mit Gift getränkt sind. Aber wieso sollen die Tse-Tse diese Lappen besuchen? Wegen der Farbe Blau. Tse-Tse Fliegen sind Blau Fetischisten. Sie lieben alles blaue. Für mich, der viele blaue Klamotten hat, war deshalb ein Style Wechsel erforderlich. So kleidete ich mich heute morgen in „all-black“. Habe den Style „Tse-Tse-Black“ getauft. Udo erzählte während der Fahrt schon kleine Horrorgeschichten über seine Erfahrungen mit Tse-Tse Überfällen. Auch aus diesem Grund hatte Udo eine Tse-Tse-Abwehrwaffe an Bord: eine Fliegenklatsche.
Heute Morgen ging‘s bewaffnet und im neuen Style auf die Piste von Malala nach Kasabushi. Das waren überschaubare 80 Kilometer. Schon auf den ersten Metern ging der Kampf mit Klatsche gegen die Tse-Tse los. Udo fuhr, ich klatschte!
Irgendwann ging eine Piste, die nicht im Navi eingezeichnet war, rechts ab. Ich meinte, Udo lass uns doch die Piste nehmen, mal schauen was wir sehen. Denn Tiere hatten wir bis dato kaum gesehen. Das Gras ist so hoch und die Wälder so dicht, dass Wildtiere genügend Deckung haben. Einzig die Tse-Tse war ständig präsent. Wir fuhren also die Piste runter. Gegen Ende sahen wir rechter Hand Zelte stehen und einige Einheimische. Die Piste war eine Sackgasse. Udo wollte einen Loop drehen und fuhr dabei direkt ins Camp der Leute. Viele Augen, ausschließlich junger Männer, schauten uns an. Einer gestikulierte und redete. Wir wollten jedoch nicht anhalten und/oder den Wagen verlassen (wegen der Tse-Tse). Udo fuhr umbeirrt weiter. Wieder in eine Sackgasse. Wieder umdrehen und wieder durch das Camp. Der Mann stand wieder da und gestikulierte. Sein Gesichtsausdruck war durchaus angesäuert. Einige andere junge Männer standen mit Kalaschnikows bewaffnet daneben. Udo fuhr weiter. Wieder in eine Sachgasse. Wieder zurück. Dann war Schluß. Der Mann stellte sich vor‘s Auto und machte uns unmissverständlich klar, dass er was zu sagen hätte. Also stieg ich aus. Dann ging das Donnerwetter los. Was wir glaubten wer wir seien. Ob wir ihn für blöde hielten. Dann faselte er davon, dass wir eine Wasserleitung im Camp beschädigt hätten. Es bildete sich eine Traube von bewaffneten Männern um uns herum. O-joi-joi, da lag Spannung in der Luft. Ich versicherte, dass wir nichts in böser Absicht getan hätten und es uns laut täte. Der Mann steigerte sich immer mehr hinein. Dann musste Udo aussteigen. Warum er weiter gefahren sei, so der Anschiss. Wir sagten, dass wir nicht aussteigen wollten, um keine Tse-Tse ins Auto zu lassen. Auweia, schlechtes Argument. Ob wir glaubten wir seien was besseres. Sie wären draussen mit den Fliegen und wir wären sicher Auto. Udo wollte das ganze über Geld lösen. Er fragte den Mann, wieviel es koste (die ominöse Wasserleitung). Gaaaanz schlecht! Jetzt explodierte der Mann. Ob wir glaubten, dass er käuflich sei. Die Tirade ging weiter, er war nicht zu beruhigen. Die anderen Jungs, die mit den Karren, standen drum herum, sagten nichts. Wir betonten wiederholt, dass wir nichts böses wollten und für Schaden aufkommen würden. Wir seien Touristen aus Deutschland und hätten die Straße genommen, um Wildtiere sehen. Wir sind dann zusammen mit dem Clan zu deren Camp gelaufen, denn der Mann bestand darauf, uns die Wasserleitung zeigen. Die Leitung (dickes schwarzes oberirdisch verlegte Rohr) zeigte zwar Abdrücke unserer Reifen, aber keinen echten Schaden. Das half nur bedingt. Wiederum die Sache, weshalb wir ihn -wiederholt- ignoriert hätten. Was hätten wir gemacht. wenn sie auf uns gefeiert hätten, so seine Frage. Wieder von uns die Entschuldigung (in ruhigem, freundlichen Ton). Wir hätten ja gehalten, aber wir hatten Angst von den Tse-Tse gefressen zu werden. Und wieder deren Argument, ob wir den glaubten etwas besseres zu sein. Ich sagte, dass sie (die Jungs) hier geboren und aufgewachsen wären und deshalb an die Fliegen gewöhnt seien, wir dagegen nicht. Langsam, ganz langsam beruhigte sich die Situation. Ich erzählte dann die Geschichte unserer Reise, in welchem Camp wir genächtigt hätten (Malala) und wo wir hin wollten (Kasabushi). Die Stimmung normalisierte sich zusehends. Irgendwann, nach unserer hundertsten Entschuldigung, wünschte er uns gute Fahrt. Wir, in ruhigem, schnellen Schritt, zurück zum Landy. Zündschlüssel rum und ab durch die Mitte!
Udo war ganz fertig. Ohne weiteren Halt fuhren wir ims Kasabushi Camp.
Nun die Auflösung: Alle Mitarbeiter des Parks tragen Waffen. Bevorzugt Kalschnikows und andere Schnellfeuergewehre. Nicht für den Einsatz gegen Menschen sondern gegen Tierattacken. Nicht als Angriffswaffen sondern zur Verteidigung. Die Jungs waren Angestellte des Campbetreibers. Sie sind dort stationiert, um eine neue Campsite und eine Lodge zu bauen. Unser Fehler war, durch deren Camp zufahren und sie -wiederholt- zu ignorieren. Ergo: Fehlverhalten des weißen Mannes! …na ja eine Gruppe junger Männer mit Kalaschnikows sind nicht gerade einladende „Welcome-Gruppe“.
Aber alles gut! Alle beruhigt! Udo ist schlafen und ich tippe.
Das Camp Kasabushi ist sehr nett angelegt. Am Ufer des Kafue und -fast- ohne Tse-Tse. Am Eingang werden alles Autos mit Doom (Sprühgift) desinfiziert. Im Camp selbst
wird auch desinfiziert.
Quintin und Tessa sind zwei junge Holländer, die vor zwei Jahren das Camp übernommen haben. Sehr zum Vorteil des Camps. Alles gut, sauber und nett. Eine echte Oase.
Sodele, das soll‘s für heute gewesen sein. Mal schauen ob ich den Footprint hochladen kann. Im Sambia funktioniert meine Telekomkarte nicht. Christoph hat jedoch Starlink mit dabei. So sind wir auch im afrikanischen Busch mit der Welt verbunden.Leggi altro















🤣 [Reggin]
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