• „Die Serengeti wird nicht sterben!“

    18 maggio 2025, Tanzania ⋅ ☀️ 24 °C

    Ich hab‘ keine Ahnung wie mein Klein- und Großhirn all diese Eindrücke verarbeiten sollen.
    Wenn IT-Systeme lahm gelegt werden , erhält der Server so viele Anfragen, bis dieser das Volumen nicht mehr verarbeiten kann und abstürzt. „Denial of Service“ nennt sich dieser Absturz.
    Ob es das auch beim menschlichen Gehirn passieren kann? Reizüberflutung?
    Wenn Ja, bin ich gefährdet 😩😄!
    Allerdings im positiven Sinn! Ich lass‘ gerne diese Reize fluten. Nur das Verarbeiten, das kann dauern.

    Es ist 16.40 Uhr, ich sitze in der Country Garden Lodge in Karatu. Ein Kellner hat soeben einen Kaffee und - als Aufmerksamkeit des Hauses - Popcorn gebracht. Der Kaffee lässt mein Herz beben (viel, viel stark) und die Popcorn sind salzig (Wer auf dieser Welt mag salzige Popcorn? Ich nicht! Aber geschenkt ist geschenkt.)
    An meiner ausführlichen Beschreibung des Ist-Zustandes sieht der/die Interessierte: Der Bub‘ hat Zeit!
    Yes! Hab heute keinen anderen Termin und zum Abendessen sind es noch ein paar Stunden Zeit.

    Los geht‘s m mit den Eindrücken und Geschichten aus dem Besuch der Landy-Boys im Serengeti National Park und im Ngorogoro Krater.

    Der letzte Beitrag endete mit dem „Stranden“ im unbekannten Camp und sehr leckerem Abendessen.
    Der nächste Morgen (gestern) brach sonnendurchflutet an. Das Frühstück, welches wir wieder ganz verloren und einsam im 50-Personen-Zelt einnahmen, war super lecker. Sogar mit frisch gepressten Saft und Omelette nach Wahl. Um 9 Uhr waren wir „ready-to-rumble“, denn um 9 Uhr sollte unser neuer Guide nebst neuem Fahrzeug kommen.
    „Hakuna Matata“ hieß dann gegen 10 Uhr als immer noch niemand da war. „Hakuna Matata“ bedeutet so viel wie „alles wird gut“. In unserem Fall wurde dieser Ausdruck an diesem Morgen sehr oft benutzt. Um 12 Uhr bog Justin mit Safariauto in unser Camp ein. Wir waren „gerettet“, unser Asylstatus beendet! Serengeti wir kommen!
    Der Name Serengeti stammt von den Massai und bedeutet „flache Graslandschaft“. Damit ist die Serengeti schon beschrieben. Eine unendliche Ebene mit Gras und den typischen Schirmakazien, vereinzelte Steinhügel, Erhebungen und Wasserstellen.
    Wir hatten das Glück die Serengeti grün, blühend, mit genügend Wasser zu erleben. Und, in der Nebensaison! Ab Mitte Juni beginnt die Hochsaison und die Grasebene wandelt sich in eine Staubwüste. Hochsaison und Trockenzeit bedeuten Massen an Menschen und Massen an Staub. Die Tierbeobachtung ist in dieser Zeit besser, da die Tiere sich an den Wasserstellen treffen.
    Für uns war/ist die jetzige Zeit perfekt. Die wogenden Graslandschaften und die blühenden Pflanzen sind schon klasse an zu schauen. An Tiersichtungen hat es wahrlich nicht gemangelt. Genial!
    Spätnachmittags ging es in unsere gebuchte Unterkunft, die „Serengeti Safari Lodge“.
    Auf einem Hügel gelegen, in bester Sundowner Lage, erwarteten uns üppig ausgestattete Chalets. Tolle Sache! Jeder hatte ein eigenes Chalet. Tolle Sache! Eine fantastische Küche. Das Allerbeste! Die Angestellten ließen uns nicht aus den Augen und bei jedem Augenaufschlag unsererseits, wurden wir gefragt ob alles in Ordnung sei und ob sie etwas für uns tun könnten. Denn, wie konnte es anders sein, wir waren die einzigen (zahlenden) Gäste in der gesamten Lodge. Es gab zwar eine weitere Gruppe, die bestand jedoch aus der Besitzerin und deren Freunde.
    Das Abendessen wurde im Freien serviert. Ein ellenlanges Buffett mit verschieden Stationen. Für Udo, Justin und mich wurde ein extra Tisch aufgestellt. Ein Kellner und eine Kellnerin waren exklusiv für uns zuständig. Was ein Service! Zi essen gab‘s gerilltem Fisch, Lamm und Hühnchen. Verschiedenste Gemüse, Spinat und Reis in verschiedenen Variationen. Und das Dessert-Buffett! D‘Knaller!!
    Alles, auch Brot, Kuchen, Pralinen wird in der Lodge hergestellt. Zugekauft wird das frische Gemüse. Ansonsten wir alles aus eigener Hand geschaffen. Das Essen war wirklich sehr gut. Satt, voll und leicht angetrunken (2 Flaschen Wein) wurden wir in unsere Chalets geleitet. Niemand darf nach Einbruch der Nacht ohne Security durch‘s Gelände streifen.

    Nach einer geruhsamen Nacht im Himmelbett ging‘s 6 Uhr zum Frühstück und 6.30 Uhr sattelten wir den Toyota und auf ging die wilde, wildreiche Fahrt in den Ngorogoro Krater. Auf dem Weg dahin war Katzentreff. Löwen, Geparden, Hyänen, alle „standen Spalier“ zu unserem Abschied. Ach ja, die tausende Gnus und Zebras nicht zu vergessen.
    Die Serengeti liegt auf 1.000 Höhenmeter. Der Ngorogoro Kraterrand liegt auf rd. 2.200 m. Der Kraterboden auf rd. 1.600 m Meereshöhe. Bei der Anfahrt zum Krater gab‘s einiges zu kraxeln. Der Temperaturunterschied war krass. In der Ebene heiß, am Kraterrand kalt, nass mit kaltem zerrenden Wind. Hinunter und wieder raus aus dem Krater geht‘s im Einbahnstraßensystem. Unten angekommen „muss“ man sich erst mal der Szenerie ergeben. Alles flach, i.P. baumlos, alles satt grün, mit Blütenteppichen überzogen und großen Feuchtgebieten/Seen. Fast kreisrund mit steil aufsteigenden satt grün bewachsenen Kraterwänden. Ein Juwel! Die Temperaturen waren wieder sommerlich heiß. Der Ngorogoro ist eine eigene Welt in der Welt. Quasi ist der Ngorogoro sein eigener Zoo. Auf einer überschaubaren Fläche sind sie alle zu finden. Fleischfresser, Pflanzenfresser,
    Allesfresser. Die berühmten afrikanischen Big Five (Löwen, Leoparden, Nashörner, Büffel, Elefanten) alles auf kleiner Fläche. Hinzu kommt die Vogelwelt mit Pelikanen, Flamingos, Kronenkraniche, Riesentrappen und den vielen, vielen mir unbekannten Vögelein. Alle zusammen in diesem Krater. Wirklich einmalig! Wiederum unser Glück: Nebensaison. Justin meinte, dass es in der Hauptsaison von Safarifahrzeugen wimmle und es Staus gebe. Bei uns war alles easy. Es waren einige Safaris unterwegs, aber bei weitem kein Gedränge.

    Nachdem auch der wildeste Löwe bei uns nur noch gedämpftes Gähnen hervorrief war klar: Wir sind durch! Satt! Eindrucks-Satt! Bilder-Satt! Information-Overflow!

    Raus aus dem Krater und auf in unsere lauschige Lodge.

    Grizmeks Film „Die Serengeti darf nicht sterben.“ hat sein Ziel erreicht:
    „Die Serengeti wird nicht sterben“!

    Bevor ich schließe noch eine kleine Episode von unserer Fahrt von der Serengeti zum Krater. Bevor die Ebene in die Berge ansteigt gibt es ein Museum. Das Museum ist Ausgrabungen im Olduvai Gorge gewidmet. Im Olduvai Gorge wurden die ältesten Zeugnisse aufrecht stehender, auf zwei Beinen gehender Menschen gefunden. Die gesamte Gegend ist als „Cradle of Humankind“ bekannt. Die „Wiege der Menschheit“. Hier begann der aufrechte Gang unsereins und die Entwicklung zu unserem Verständnis von „Mensch“. Wir alle stammen aus Afrika, egal wo auf dieser Welt wir leben.
    Jedenfalls gibt es dieses Museum an dem über die fossilen Funde und die zwei dort gefunden Menschentypen ausgestellt und informiert wird. Wie hielten dort an, weil Justin auf Toilette musste. Nicht wegen der Ausstellung und dem Denkmal. Ich schlenderte vom Auto zu dem Denkmal als mich ein Mann aufgeregt zu sich winkte. Ich solle unbedingt mit ihm und (s)einer Frau auf‘s Foto. Ich fand‘s witzig. So entstanden Fotos auf denen die Krone der Schöpfung (Frau) von zwei Prinzen der Schöpfung (Männer) an den Händen gehalten wird. Schwarz-weiß-Mann-Frau halten sich an den Händen. Weil wir alle eins sind! Wir sind alle Menschen! Wir stammen alle vom gleichen Stamm!
    „We all smile the same.“
    Wir lächeln alle gleich!

    Ich hab‘ keine Ahnung wer die beiden waren. Ich weiss weder deren Namen noch woher sie kamen, noch wohin sie wollten.
    Aber für einem kurzen Moment in unserer aller Leben hielten wir Händchen! 😄🚀

    Nun ist gut! Inzwischen ist 18.45 Uhr. Meine Daumen glühen, mein rechter Arm schmerzt und die Buchstaben verschwimmen.

    „Die Serengeti wird nicht sterben!“
    „We all smile the same!“

    Wünsche allen einen schönen Abend!
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