Dar Es Salaam | Chaos wird Alltag
21 maggio 2025, Tanzania ⋅ ⛅ 29 °C
Chaos wird Alltag!
Zurück aus der Welt von Serengeti & Co., empfing uns Dar Es Salaam mit dem nervenzehrenden Verkehrschaos.
Aber stimmt das noch? Nervenzehrend?! Chaos?!
Klaro, es ist ein riesiger Tumult an allem was Räder und Beine hat. Verkehrsregeln sind Verhaltensanweisungen auf dem Papier. Das einzige was immer eingehalten wird ist die Verkehrsrichtung, der Linksverkehr. Alles andere? Wird flexibel ausgelegt.
Chaos? Sollte das nicht eine Flut von Unfällen und eine gewisse Aggressivität der Verkehrsteilnehmer mit sich bringen?
Sollte! Tut es aber nicht! In der ganzen Zeit, die wir durch diesen Irrsinn kurven sahen wir nur sehr vereinzelt Unfälle. Nie einen Unfall mit Personenschaden. Liegengebliebene Fahrzeuge zu hauf, aber keine keine verunfallten Fahrzeuge durch Kollision mit anderen. Erstaunlich, oder?!
Meine Erklärung: In Deutschland sind Verkehrsteilnehmer Feinde! Autofahrer, Radfahrer, Fußgänger, keiner gönnt dem anderen „die Butter auf dem Brot“. Jeder für sich hat Recht. Der jeweils andere ist ein Gegner!
Hier ist das alles ein großer Schwarm. Hier sind es Verkehrsteilnehmer, die echte Teilnehmer sind und -man glaube es oder nicht- auf sich und die anderen achten. Handzeichen geben, Hupen und schon tut sich die Lücke auf und man wird hinein gelassen. Man muss zeigen was/wohin man will, dann klappts hervorragend.
Wenn man dieses System erst mal verstanden hat, dann wird aus dem Fahren in diesem Chaos Normalität und damit Alltag.
Zurück zum Tagesgeschehen.
Unser Landy bekam eine Wellnessbehandlung. Ölwechsel, Bremsbeläge erneuern, Wischwasser Düse gangbar machen und die Türschließer reparieren.
Udo blieb die ganze Zeit beim Landy, während ich zusammen mit Carsten und zwei anderen Mitreisenden auf Stadtbesichtigung ging. Carsten liegt die deutsche Kolonialzeit sehr am Herzen. So ist er ein profunder Stadtführer. Viel ist allerdings nicht geblieben aus dieser Zeit. Ein Krankenhaus, welches der Kaiser bauen lies und in dem Robert Koch forschte. Eine lutheranische Kirche, die heute noch steht und genutzt wird. 1901 wurde die Kirche eingeweiht. Vieles ist aus dieser Zeit noch vorhanden und in Betrieb. Bruno, ein junger Mann, führte uns durch die Kirche und in den Glockenturm. Die Glocken (3 Stück) werden heute noch vom Hand geläutet. Da hängen drei Seile vom Glockengestühl runter, an denen kräftige Hände ziehen müssen, damit‘s „Ding-Dong“ macht. Die Kirchenuhr ist ein Museumsstück. Alles mechanisch. Auf den Fotos und dem Video bekommt man einen Eindruck wie die Uhr funktioniert. Faszinierend. Und das seit 1901. Wir durften die Uhr sogar selbst stellen. Das war kurz vor 12 Uhr. 12 Uhr findet der zweite von drei täglichen Gottesdiensten statt. Bruno versicherte uns: 3 x am Tag ausverkauftes Haus. Kirche brechend voll! Sogar einen Live Stream gibt es! Tja, hier ist die Kirchenwelt noch in Ordnung.
Die Finanzierung der Kirche ist auch spannend. Es gibt ja keine Kirchensteuer wie bei uns, sondern die Kirche finanziert sich über Spenden/Zuwendungen. Jedes Mitglied hat sein „Spendertütchen“ in welches er seinen Obulus steckt. Wir bekamen selbstverständlich auch einen Tütchen. In neutralem braun
gehslten, mit Klebekante, da steckten wir unsere Spende rein.
Zurück in der Werkstatt entwickelte sich die Welnessbehandlung des Landy zu einem Ganztagesprojekt. Das ganze endete in einer Nachtfahrt durch die Stadt, Und das, meine geneigten LeserInnen, ist nochmal eine ganz andere Nummer. Tagsüber schon chaotisch, entwickelt sich der nächtliche Verkehr zur echten Herausforderung für die Nerven. Sehr viele schlecht beleuchtete, sogar unbeleuchtete Fahrzeuge. Und die Geschwindigkeiten werden nicht reduziert. Die Mopeds schießen wie Torpedos links und rechts am Auto vorbei. Die Tuk-Tuks schwirren wie Hornissen in den Verkehrsstrom hinein und wieder raus. Und man sieht einfach weniger. Die Orientierung ist schlechter und vorausschauend zu fahren ist echt schwierig.
Aber wir haben‘s geschafft. Spät Abends kamen wir am Kipepeo Beach an. Die letzte Nacht Dar Es Salaam brach an.
Am nächsten Morgen wurde als Etappenziel ein Hotel in der Stadt Morogro ausgegeben. Etwas über 200 Kilometer war die Strecke. Anfangs über Hauptstraßen, dann über Nebenstrecken. Alle die Erlebnisse und Eindrücke vom Straßenrand sind inzwischen auch Alltag für uns, so dass ich all die Besonderheiten nicht mehr als solche wahrnehme.
Ab heute, ab dem Verlassen Dar Es Salaams beginnt der zweite Teil der WOW Tour, die OW Querung. Von Ost nach West auf den Spuren von Paul Graetz. Eben jener Paul Graetz, der als erster Mensch den afrikanischen Kontinent per Automobil vom Ost nach West (Deutsch SüdOst nach Deutsch SüdWest) durchfuhr.
Das alles fand 1907 statt. Graetz brauchte 630 Tage dafür! Wie wollen es in 39 Tagen schaffen.
Carsten, „Mr. Namibia“, ist sozusagen der Lord-Siegel-Bewahrer für alles was das Leben von Paul Graetz angeht. Egal wo Graetz seinen Fuß hinsetzte, sein Allerwertester den Boden flach drückte, Carsten weiß es. Und so richten wir unsere Reiseroute an der Originalroute von Paul Graetz aus. 1907 waren die Straßen keine Straßen im modernen Sinn, sondern Karawanenwege und Handelspfade. Brücken gab es nicht und Tankstellen mussten noch erfunden werden. Wen‘s interessiert kann gerne nach Paul Graetz googeln.
Was diese erste Etappe anbelangt, so endete diese in einer Nachtfahrt auf Tansanias Landstraßen. Und das, das machen wie NIE MEHR! Das ist tatsächlich lebensgefährlich. Es ist eine Frage der Zeit bevor‘s kracht. Alle, Busse, Lkws, Autos fahren mit unverminderter
Geschwindigkeit und halsbrecherischen Überholmanövern durch die Nacht. Für uns, nicht machbar! Die Stimmung der Truppe war denn auch etwas gereizt als wir -glücklicherweise alle heil- im Hotel ankamen. Nie mehr nimmer!
Mit „jederzeit immer“ werde ich den nächsten Bericht betiteln. Aber jetzt muss ich frühstücken, denn gestern gab‘s nur heißenLuft zum Abendessen.
Wünsche gutes Erwachen und einen fulminaten, stressfreien Start in die Woche.Leggi altro























ViaggiatoreMeinrad ohne Musik hätte ich mir auch nicht vorstellen können! LG und weiterhin gute Reise wünscht Christiane