• Der Kaiser kommt nicht! Er führt Krieg!

    28. maj 2025, Tanzania ⋅ ☀️ 26 °C

    Der Kaiser kommt nicht!

    Und wenn er kommt, dann braucht er nicht nicht nur eine Eisenbahn, sondern auch ein adäquates Bötchen für den großen See.
    Und so wurde 1913 in der fernen Meyer Werft in Papenburg auf Geheiß des Reichskolonialamtes die MV Goetzen aufgelegt. Ein Schiff geplant zum Ruhme des Reiches und zum Warentransport auf dem Tanganjikasee.
    Alles klein Problem waren da nicht viele tausende Kilometer zwischen Papenburg und dem See im Herzen Afrikas. Aber was können die Deutschen gut? Ausser Nörgeln? Genau: Tüfteln!! Und so wurde das Schiff in Papenburg nur grob zusammengebaut, um dann in Einzelteile zerlegt und auf 5000 Holzkisten verteilt nach Dar Es Salaam verschifft. Von dort ging es mit neu geschaffenen Reichsbahn nach Kigoma, wo der Stolz der deutschen Kolonie Ostafrika im Juni 1915 zu Wasser gelassen wurde.
    Am Zusammenbau waren rund 250 einheimische Arbeiter, 20 Inder und einige deutsche Schiffsbauer von der Meyer Werft beteiligt. Insgesamt rund 160.000 Nieten wurden gesetzt, um das Schiff in Form zu bringen. Wer mehr über die Goetzen/Liemba erfahren möchte findet im Internet viele, viele Informationen.

    Diese 160.000 Nieten halten das Schiff auch heute noch zusammen. Bis zum Jahre 1927 hieß das Schiff Goetzen. Von den Engländern wurde es dann in den Namen MV Liemba umgetauft. Unter diesem Namen fuhr es bis 2018 kreuz und quer auf dem Tanganjikasee. Es war das weltweit am längsten im Dienst befindliche Passagierschiff.
    Und was dieses Schiff nicht alles erlebte. Als Kaiserschiff und Frachtschiff geplant war es zuerst Schlachtschiff im 1.Weltkrieg und Ruhm der deutschen Süßwassermarine. Anschließend über Jahrzehnte ein Fracht- und Passagierschiff, welches die Lebensader auf dem Tanganjikasee war. Eine vollkommen andere Bedeutung erlangte es, alles zu Flüchtlingsströmen aus Zentralafrika (Kongo, Burundi, Ruanda) kam. Hundertausende von Flüchtlingen fanden auf der Liemba Zuflucht und landeten hier in der Region Kigoma an.

    Und wir? Wir waren nun an diesem großen See und wollten die große Geschichte der Goetzen/Liemba mit eigenen Augen sehen. Das war nicht so einfach.
    Ausser Betrieb genommen und nun in der Instandsetzung liegt die Liemba im militärischen Teil des Hafens von Kigoma. Und wie wir alle wissen ist mit dem Militär nicht gut Kirschen essen - vor allem nicht in hiesigen Regionen -.
    Es war abgemacht, dass wir als Gruppe morgens um 10 Uhr am Hafen sein sollten. Carsten wollte versuchen über seine Kontakte die Möglichkeit zu bekommen, nah an die Liemba ran zu kommen und Fotos machen zu dürfen.
    Denn, auf dem Schild am Parkplatz stand in großen Buchstaben: „Strictly No Fotos“. Udo und ich waren schon früher am Ort des Geschehens, da wir uns ein Tuk Tuk gemietet hatten (hierzu ein eigener Footprint). Nichts böses denken machte ich ein Foto von unserem Tuk Tuk. Wiedermal keine einer besten Ideen. Aus dem Nichts tauchten junge Männer auf, die zwar nicht in Uniform waren, aber durch Gestus und Gehabe klar machten, dass sie hier was zu sagen hätten. Ich wieder gute Miene und lächelnd unsere Geschichte von der WOW Tour erzählend und dass die Liemba ein deutsches Schiff war wir es gerne fotografieren wollten. No!
    Der Aufhänger zur „Rettung“ war dieses Mal ein alter Landy der auf dem Parkplatz stand. Mit so einem würden wir durch Tansania fahren, sagte ich. Ja, so ein Landy wäre sein Traumauto, sagte einer Jungs. Damit war das Eis gebrochen. Ich zeigte ihnen Fotos von unserem Landy und alles war gut. Nun trudelten auch unsere Fahrzeuge ein, so dass Udo und ich nicht mehr ganz so verloren waren. Glücklicherweise hatte Carsten den langjährigen Kapitan der Liemba, Titus, im Schlepptau. Seine Person öffnete Türen, die vorher fest verschlossen waren. Plötzlich war alles möglich. Wir durften sogar auf‘s Schiff und Fotos machen. In vielen Videos, die beispielsweise bei Youtube über die Liemba zu finden sind, ist Titus zu sehen. Eine Legende auf dem See mit vielen Geschichten.
    Leider konnten wir uns nicht lange auf dem Schiff aufhalten. Es winkten weitere „deutsche Reichs-Highlights“. Eines war/ist der Endbahn (Kopfbahnhof) der ehemals kaiserlichen Reichsbahn in Kigoma. Die deutsche Kolonialzeit ist - glücklicherweise - schon lange Geschichte, aber die Hinterlassenschaften nützen noch heute. Das Bahnhofsgebäude ist so eine Hinterlassenschaft. Wirklich imposant in den Dimensionen und im Aussehen. Im inneren afrikanisch herb, versprüht es doch einen gewissen architektonischen Charme. Mit dem Bahnhofschef, Herrn Muzunga, hatte ich einen längeren Plausch. Zweimal in der Woche kommt ein Zug aus Dar Es Salaam. Der Zug ist immer ausgebucht. Die ausgeschriebene Erste Klasse gibt es nicht mehr. In der Zweiten Klasse gibt es sogar Betten. Die Dritte Klasse, die Holzklasse, ist für die Massen gemacht.
    Herr Muzunga war ganz stolz auf ein deutsches Wort das er kannte. „Schwein!“ Er wusste von seinem Großvater, das englisch „pig“ auf deutsch „Schwein“ hieß.
    Na toll! Da würde sich der deutsche Literaturbetrieb aber freuen, wenn sie feststellen müssten dass nach all den Jahren Goetheinstitute im Ausland, „Schwein“ das relevanteste deutsche Wort ist. Jedenfalls für Mr. Muzunga und seinen Opa.

    Nun will ich den kolonialen Einblick/Rückblick beenden. Gebaut haben sie gut und für die Ewigkeit, die deutschen Bauingenieure. Hut ab für deren Leistung!

    Für mich viel spannender ist ja das Leben heute!
    Und hier kommen wir zu Alex, unserem Tuk-Tuk-Kapitän und unserer Tuk-Tuk-Rallye.

    Bis später.
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