• Armenhaus & Lakeshore Paradise

    May 30, 2025 in Tanzania ⋅ ⛅ 22 °C

    Armenhaus & Lakeshore Paradise

    Drei Nächte verbrachten wir in Kigoma. Schöne Erlebnisse, nette Begegnungen.
    Aber nun war‘s Zeit die „Heimreise“ an zu treten. Heimreise?!
    Ja, weil Kigoma sozusagen der nördlichste Punkt unserer Reise war und wir von nun an wieder in Richtung Namibia fahren.
    Der erste Tag unserer „Heimreise“ führt uns am Ufer des Tanganjika Sees entlang. Allerdings nicht am See direkt, sondern auf einer Route durch‘s Hinterland. Anfangs noch ganz angenehm zu fahren und auch landschaftlich schön grün, verlagerte sich die Strecke mehr und mehr in Richtung Rumpelkiste und auch die Landschaft änderte sich. Es wurde karger und trocknener. Und die Menschen wurden anders.
    Die ganze Zeit, die wir nun in Tansania verbrachten machten die Menschen nie (ganz selten) einen wirklich ärmlichen Eindruck. Das war nun anders. Die Menschen waren verschlossener, verhärmter und die Behausungen einfacher. Es fühlte sich an, als ob wir durch‘s Armenhaus Tansanias fahren würden.
    Unser Ziel war einer abgelegenste, jedoch wildesten Nationalsparks, der Katavi National Park. Die Straße dahin war das absolute Abenteuer. Kaum Verkehr und wenn dann rasende Busse und vollkommen überladene Lkw.
    Udo und ich waren früh morgens bei den ersten lichten Momenten gestartet. Wir kamen gut durch und so schlugen wir gegen 13 Uhr am Entrance Gate des Nationalparks auf. Das Verwaltungs- / Rangergebaude war brandneu. Selbstverständlich mit finanzieller Unterstützung der deutschen Steuerzahlern gebaut. Neu und schick. Und -nicht selbstverständlich- die Toiletten funktionierten noch. Der Rest in der Umgebung des Gebäudes war „turbulent“. Die original Zufahrtsstraße war gesperrt, da ein Teil in den Fluß gebrochen war. Eine Behelfsbrücke führte in Richtung Gebäude. Die dortigen Ranger zeigten sich bei der Nennung der Anzahl der Fahrzeuge (11) schon ziemlich überfordert. Das „überfordert zeigen“ änderte sich nach eintreffen unserer aller Fahrzeuge in „total überfordert sein“. Gegen 15 Uhr waren alle Fahrzeuge da und wir konnten uns bei den Rangern registrieren und die Eintrittsgebühren bezahlen. Katavi ist einer der teuersten Nationalparks. Die Gebühr für Auto mit zwei Besuchern liegt bei rund 250 USD. Das ist super teuer! Der zuständige Ranger musste alle unsere Daten auf nehmen. Alle! Auch alle Fahrzeugdaten. Alle Fahrzeugpapiere und die Nummerschilder wurden abfotografiert. Dann musste er alle Daten in ein Computerprogramm eingeben. Das wir eine kaum erfüllbare Herausforderung für ihn. Während wir draussen geduldig warteten leistete Carsten ihm bei der administrativen Herkulesaufgabe Gesellschaft.
    Dann kam der Punkt der ersten Verzweiflung. Der Ranger hatte all unsere Daten vermasselt. Nichts passte mehr zusammen. Somit hieß es: „Same Player shoot again.“, d.h. Das ganze Spiel nochmal von vorne. Alles abfotografieren und in den Computer eingeben. Die Stunden strichen dahin und die Aussicht auf Einfahrt in den Parkt bei Tageslicht schwanden zusehends. Carsten kam immer mal wieder raus zu uns und war durchaus auch etwas frustriert. An einem Punkt mussten Entscheidungen bzw. Alternativen gefunden werden. Carsten schickte Udo und mich auf Pirschfahrt für alternative Unterkünfte. Im Internet waren mehrere Lodges in der Umgebung verzeichnet. Wir fuhren kreuz und quer und was sich zeigte waren allesamt Ruinen. Keine der angesteuerten Lodges war in Betrieb. Mittlerweise hatte der Computer als Gesamtstumme für unsere Truppe eine Summe weit über 4.000 USD ausgepuckt! Das konnte nie und nimmer sein. Irgendwas in 2000der USD wäre realistisch, niemals 4.000 USD plus. Der Ranger war auch irgendwie hilflos, da das System nun mal diese Summe auswarf. Carsten waren zwischenzeitlich etwas frustriert und verhandelte mit Ranger über realistischere Zahlen. Wir waren ausserhalb vom Park unterwegs um einen Platz für die Nacht zu finden. Endlich fanden wir ein Camp was passte. Wir waren gerade am verhandeln mit einem jungen Mann, als der Anruf von Carsten kam „Gebühren sind verhandelt und bezahlt. Wir fahren in den Park.“ Wir brachen unsere Verhandlungen ab und fuhren in Park, in dem uns unsere Truppe erwartete. Bei einbrechender Dunkelheit ging es dann auf einen Public Campground im Inneren des Parks. Der Platz war toll! Große Fläche mit niedrigem Gras, am Rande zwei Häuschen. Ein Haus war eine Art Versammlungshaus, das zweite hätte das Toilettenhaus sein sollen. Uff, das war jedoch eine Zumutung und nicht annähernd als Toilette zu benutzen.
    Wir waren jedoch alle froh endlich unsere Zelte aufschlagen zu können. Udo und ich stellten unseren Tisch in die Mitte des Camps und eröffneten „Gin Tonic Come Together“. Das wart gut. Und es tut gut am Ende eines langen Tages die Erlebnisse bei einem (oder zwei) Gin Tonic zu verarbeiten. Christoph und Meike zauberten ein exzellentes Abendessen (Hühnchencurry mit Reis). Zufrieden und satt schlüpften wir ins unsere Schlafsäcke.
    Am nächsten Morgen, dem 31. Mai, ging es bei beim ersten Licht für Udo und mich schon wieder los. Udo und ich haben einen ähnlichen Biorhythmus. Beide wachen zur gleichen Zeit auf und beide wollen den frühen Morgen für die Fahrt in den Tag nutzen. So war es kurz nach sieben Uhr, als wir zum Gamedrive in den Katavi Nationalpark starteten. Der Katavi ist tatsächlich einer der wildesten Parks. Super dicht bewachsen mit einem Fluß und Sumpflandschaften. Details und Fotos vom Park lass‘ ich weg, da das hundertste Bild von Hippos oder Giraffen nicht unbedingt den Pulsschalg erhöhen.
    Raus aus dem Park und in Richtung Tanganjikasee. Endziel war die Lakeshore Lodge in der Nähe von Kipili. Bis dorthin fuhren wir durch eine Region, die ich ebenfalls als eher ärmliche Region bezeichnen will. Der Reichtum liegt sicherlich in den Rinderherden, die zuhauf über die Ebene zogen. Unseren Blick zogen die tansanischen Cowboys auf sich. Der US Wilde Westen kennt die Cowboystiefel aus Leder, spitz zulaufend, edel aussehend. Der tansanische Cowboystiefel besticht durch seine individuelle Eleganz und Machart. Gummistiefel! Der prägende Design an den Füßen der Cowboys waren Gummistiefel. Schnöde, einfache Gummistiefel. Allerdings sehr farblich individuell. Rot,braun, blau, unifarben oder gemustert, alles dabei. Einer hatte sogar Gummis mit Leopardenmuster. Das nenn‘ ich stylisch!
    Nach Stunden auf den Pisten verhieß ein Schild am Straßenrand „Kipili“. Nun bogen wir rechts ab vom Inland in Richtung See. Die Landschaft war fantastisch. Dicht bewaldet mit sich verfärbenden Blättern. Indian Summer in Africa. Die Straße war auch fantastisch. Anfangs tadellos und wunderbar, entwickeltet sie sich wie so oft zu einer Konzentrationsfahrt für Mensch und Maschine.
    Am Ende allen Fahrens erwartete uns ein Schild „Come as Guests leave as Friends“. Das war doch mal eine wirklich nette Begrüßung.
    Und, ich darf das vorwegschicken, es trifft tatsächlich zu.
    Mit der Lakeshore Lodge bietet sich uns ein Kronjuwel der tansanischen Herbergen und ein absolut exquisites Gourmet Erlebnis. Super schön und heimelig eingerichtet, mit deutlichem Akzent, dass hier Betreiber am Werke sind, die wollen dass sich ihre Gäste wohlfühlen. Und das tun wir.
    Die Manager sind Jemma und Oliver. Jemma ist gebürtig in Zimbabwe und hat eine deutsche Mutter. Sie spricht ein gutes Deutsch. Oliver ist aus London und kennt kam schon als Kind hierher. Irgendwann entschloss er sich eine Art Praktikum hier zu machen. Das klappte so gut, dass er hier blieb. Hier lernte er Jemma kenne. Jemma, ist gelernte Köchin und war schon Küchenchefin in Europa. Dieses Können und das Verständnis von Service dürfen wir erleben und genießen. Gestern kochte sie für uns ein vorzügliches 3-Gänge Menü. Alle waren sich einige: Das war spitze!

    Und jetzt? Jetzt ist 12.15 Uhr ich sitze im Restaurant am langen Tisch mit Ausblick auf das tiefe Blau des Tanganjikasees. Ein durchaus kräftiger, leicht kühlender Wind durchstreift meine lichten Locken (muss dringen zum Friseur… …aber mein Herr Lohr ist weit). Die Wellen laufen auf den Sandstrand und klatschen an die Steine der kleinen Mauer. Idyliisch!

    Um 13 Uhr gibt‘s Mittagessen. Nur eine Kleinigkeit. Aber mit Sicherheit eine super leckere Kleinigkeit.

    Morgen geht‘s weiter in Richtung Kasanga, dem ehemaligen Bismarckburg. Dort treffen wir wieder auf die Spuren von Paul Graetz. Der hatte damals sein Auto bei Kigoma verschiffen lassen (es gab keine wirkliche Straße am See entlang) und in Bismarkburg entladen und seine Fahrt in Richtung Sambia fortgesetzt.

    Das werden auch wir tun! Über das wie und wo werde ich berichten.

    Wünsche allen einen schönen 1.Juni. Auf dass es das Leben gut mit uns allen meint.
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