Paulchen-HigherOnTire-Wassermassen
9. juni 2025, Zambia ⋅ ☀️ 29 °C
Viktoria Fälle!
1851 stand Sir David Livingstone an einer Spalte in der Erde, über die sich Millionen an Kubikmetern Wasser ergossen. Ein Naturspektakel.
Sein erste Reaktion - überliefert, jedoch nicht wissenschaftlich belegt -: „Boah Ehhh!“
Da sich „Boah Ehhh!“ nur bedingt für die Geschichtsbücher und Landkarten eignete, nannte er sie der Einfachheit halber „Victoria Falls“. Frei nach seiner Königin, denn er wollte ja reich,. berühmt und zum Ritter geschlagen werden.
So kam es, dass Sir David den Sambesi Fällen diesen königlichen Namen gab. Der alte Fuchs schaffte es auch noch, dass die paar Hütten an den Fällen seinen Namen annahmen. Das nennt man heute Marketing und Schaffung einer Corporate Identitiy.
Im Jahre 1908 war es unser allseits geliebter Paul Graetz, der als erster Mensch mit einem Automobil an eben jenem Wasserfall stand. Wieder gab es ein „Boah Ehh!“ Diese Mal jedoch nicht wegen der Wassermassen, sondern wegen dieses Ungetüms auf vier Rädern. Das erste Auto, welches die Victoria Fälle und damit Livingstone erreichte. Und so sieht man unser Paulchen auf seinem Eisenpferd sitzen und mit Stolz geschwellter Brust rufen: „Nix Boah Ehh! Ich heiß Paulchen Graetz, bin leicht größenwahnsinng, aber das ist gut so und von Kaiser und Reich anerkannt.“ Er wollte noch den Zusatz bringen „ich bin der deutsche Indiana Jones“, das war denn doch etwas zu vermessen, zumal Steven Spielberg bzw. Hollywood rund 70 Jahre später in womöglich wegen Namensklau verklagt hätten. Und wer das amerikanische Rechtssystem kennt, der weiß wie teuer das hätte werden können.
So blieb Paul Graetz ganz bescheiden in seinem Auto sitzen und winkte majestätisch den staunenden Menschen am Straßenrand zu.
Aber ganz klar: Er war eine Sensation! Er und sein Auto!
Es war eine Meisterleistung an Wagemut, Entschlossenheit und Durchhaltevermögen. Und natürlich auch eine Meisterleistung deutscher Ingenieurskunst.
Alleine die Organisation von Treibstoff (Benzin) war ein Unterfangen, welches heute Abteilungen von Logistikern beschäftigen würde. So wurde beispielsweise Benzin in Whiskeyflaschen zu Fuß an vereinbarte Punkte gebracht. Es gab keine Tankstellen und es gab keine Tanklaster.
Mann/Frau/Divers muss sich das mal vor Augen führen, um die Dimension dieses Abenteuers richtig bewerten zu können.
Jedenfalls sind dürfen wir uns ebenfalls in die Reihe von Livingstone und Graetz stellen, denn auch wir standen/stehen an den Viktoria Fällen und sagen „Boah Ehh!“
Diese „Boah Ehh!“ haben wir uns jedoch mit unseren Allrad getriebenen, wohl gefederten und klimatisierten (ausser unserem Landy) Autos erarbeitet. Deshalb sind wir im Vergleich zu Livingstone und Paul Graetz bescheiden und finden die Fälle einfach nur „hure geil“ (Ausdruck unserer schweizer Nachbarn wenn etwas was noch sensationeller/spektakulärer ist als das schweizer Bankgeheimnis).
Weg von den „hure geile!“ Wasserfällen hin zum profanen Leben eines Landyfahrers. Wie im letzten Footprint erzählt, durften wir unser Projekt „Tue Gutes und lass andere für dich arbeiten“ schon beim erforderlichen Reifenwechsel einem Teil der sambischen Bevölkerung vorstellen.
Der Erfolg dieses Projektes machte uns - vor allem Udo, als der eigentliche Besitzer des Landy - mutig. So entwickelten wir diese Initiative weiter und besuchten in Livingstone eine lokale Reifenfirma. Die von uns auserkorenen Projektteilnehmer mussten als einzige Qualifikation mit sich bringen, dass sie Reifen gekonnt flicken und wechseln konnten. In der „Auto World“ in Livingstone fanden wir drei Freiwillige welche für eine Handvoll Dollar zwei neue Reifen montierten.
Der/die mitdenkende LeserIn wird nun die Stirn in Falten legen und sich fragen: „Warum? Wieso? Und überhaupt, wieso Zwei?“
Ich als geneigter Schreiberling sage: „Gute Frage!“
Antwort: Na ja, ein Reifen war ja platt. Optisch war jedoch kein Riss, kein Loch zu sehen. Also pumpten wir den Reifen voll auf und warteten eine Nacht. Das platte Ergebnis bestätigte morgens die Diagnose, der Reifen ist futsch.
Nun gab es zwei Möglichkeiten. Die eine hieß, flicken lassen. Die andere lautete, neu kaufen.
Mit diesem Entscheidungskonstellation tragen wir in Livingstone ein und starteten „Tue Gutes und lass andere arbeiten“. Mit der Auto World unseren drei Projektteilnehmer fanden wir die idealen Partner.
Kurioserweise waren auch diese drei in Rot gekleidet. Wie unser „rotes T-Shirt“ Held von vorgestern. Einzig trugen unser Drei eine Ganrzkörper-Rot und nicht nur ein T-Shirt. Auch war die Wirkungsstätte eine gänzlich andere. Während sich unser „rotes T-Shirt“ Held noch in den Dreck schmeißen musste, hatten unser Drei „Ganzkörper-Rot“ schon ein festes Dach über dem Kopf und top Maschinen. So hinkt der Vergleich zwischen T-Shirt und Ganzkörper Projektteilnehmern ein bisschen. Gemeinsam haben sie jedoch eine unverbrüchliche Liebe zu Gummi (Reifen) und zu Dollars.
Unsere drei Livingstoner Helden waren super kompetent und super freundlich. Sehr gute Voraussetzungen für einen gemeinsam erarbeiteten Projekterfolg.
Nach Prüfung des kaputten Reifens entschieden wir uns diesen nicht flicken zu lassen, sondern einen neuen Reifen zu nehmen. Glücklicherweise hatten sie einen Reifen der gleichen Größe und mit ähnlichem Stollenprofil. Perfekt!
Somit stand der Entschluss fest einen neuen Reifen zu kaufen und diesen als Ersatzreifen zu verwenden. Gesagt, getan und Reifen bezahlt.
Wir vereinbarten mit den Männern, dass wir heute morgen wieder kommen würden, um den Reifen ab zu holen. Wir wollten nicht warten, da wir noch unbedingt in den Shoprite (Supermarkt) gehen mussten, um unsere Vorräte an Rotwein, Gin Tonic und an Rusks auf zu stocken.
Nachdem das Reifenprojekt initiiert und die Vorräte aufgestockt waren, fuhren wir zu unsere Bleibe, dem Kayube Estate. Das Kayube Estate war schon in der Nacht zum 01. Mail unser Behausung. Somit waren wir nun zum zweiten Mal Gast in dieser wunderschönen Anlage. Direkt am Sambesi gelegen mit sehr schön und gemütlich eingerichteten Bungalows. Dieses Mal logieren Udo und ich im Bootshaus 1. Ausgesattet mit Küche, Glasfront und einer großen Terrasse bietet es alles was das Herz begehrt. Und noch etwas gibt‘ was das Herz höher schlagen lässt: Heizdecken! Ja, wirklich! Beide Betten sind mit Heizdecken ausgestattet. Ein Traum! Und absolut seniorengerecht! Da unser Bootshaus zwar hübsch eingerichtet ist, jedoch nicht isoliert und ohne Heizung ist, ist das Gefühl in eine elektrisch vorgewärmtes Bett zu steigen unbeschreiblich. Ein echtes „Boah Ehh!“ Erlebnis. Ein Genuß auf ganzer Körperlänge.
So ging die Nacht elektrisch gewärmt dahin und der heutige Tag, als Abschlußtages unseres Projektes begann. Udo hatte über Nacht die glorreiche Idee unser Projekt um einen Reifen zu erweitern und ausserdem die kognitiven Fähigkeiten unserer drei „Ganzkörper Rot“ Teilnehmer zu fordern. Wie immer wenn Udo aufwacht und sich eine Idee in seinen Gedanken manifestiert hat, dann ist er nicht zu halten. Also ließen wir das gemeinsame Frühstück sausen und begaben uns gleich nach Livingstone.
Alle drei waren schon da!
Wir erklärten was wir wollten: Den auf der Kühlerhaube runter und rechts hinten anbringen. Den rechts hinten abnehmen, neu bereifen und vorne auf der Kühlerhaube montieren. Den gestrigen hinten an der Tür befestigen. Alle sechs mit Drehmomentschlüssel prüfen bzw.festziehen und alle sechs auf 3 bar aufblasen.
Und, konntet der geneigte Leser/Leserin folgen?
Unsere drei Projektteilnehmer konnten es jedenfalls. So wurde aus Udos Gedanken eine Challenge für die Synapsen der Teilnehmer und schlußendlich eine Erhöhung unserer Rechnung.
Da unsere Reise auch unter dem Motto „Care and share“ steht, waren wir selbstverständlich gerne bereit unsere hart erarbeiteten Ersparnisse, mit den Jungs zu teilen. Wieder mal nur Gewinner. Auf der ganzen Linie!
Alle waren glücklich und zufrieden. Udo war glücklich (siehe Foto), dass sein gedankliches Projekt so perfekt umgesetzt wurde. Die Jungs waren glücklich Teilnehmer eines so ausgewählten Projektes gewesen zu sein.
Und ich? Ich bin glücklich wenn alle glücklich sind!
Diesen glückseligen Moment wollen wir festhalten und in die virtuelle Welt FindPenguins hochladen.
Bis denne!Læs mere






















Rejsende
♥️
Rejsende
♥️
Rejsende
Plastico ? 🤪