Pleiten - Pech - Matabo Hills
June 11, 2025 in Zimbabwe ⋅ 🌙 17 °C
Es ist 5,30 Uhr. Ich liege bei Kerzenschein - echt romantisch - im warmen Bett. Kerzenschein deshalb, weil das Deckenlicht so grell ist und das Tageslicht noch nicht ausreicht.
Im warmen Bett, weil die Nächte lausig kalt sind und wie beschlossen haben, in Camps wo es feste Unterkünfte gibt, die Klappmatratze in ein Bett zu tauschen.
Vorteil: Das Bett bringt warme Decken und feste Wände mit sich.
Der Rest (Raum- und Bodentemperatur) ist allerdings identisch mit den Aussentemperaturen.
Mein heutiges Betr steht in den Matopo Hills. Das ist ein Nationalpark südlich der Stadt Bulawayo und unsere letzte Station in Zimbabwe. Heute geht‘s über die Grenze nach Botswana. Endlich - so hoffe ich - keine Schlaglochpisten mehr.
Mein letzter Bericht stammt aus Victoria Falls. Das nun zwei Tage her. Wir verließen Vic Falls in Richtung Süden. Ziel war der Hwange Nationalpark. Die Strecke dahin war geprägt durch katastrophale Straßen, ärmliche Menschen und Kohle. Ja, Steinkohle.
Die Region von Vic Falls bis Hwange ist durch den Abbau von Steinkohle geprägt. Und so sieht‘s auch aus hier. Überall so ein schwarzer Film. Auf Blättern, Böden, Mensch und Tier. Hier gibt‘s nichts schönes zu berichten, ausser dass die gewonnene Kohle Lebensgrundlage für die hiesigen Menschen und Grundlage der Stromerzeugung in umliegenden Kohlekraftwerken ist. Ohne Kohle kein Strom. Ohne Strom kein Leben, kein Handy, kein morgendliches Tippen auf kleinem Display.
So schließt sich der Kreis 😅.
Wir fahren exakt die Strecke die Paul Graetz damals 1908 auch gefahren ist. Graetz brauchte damals 20 Tage von Hwange nach Bulawayo und wir 1 Tag. Wäre die Straßen nicht ein einziges großes Schlagloch, dann würden wie die Strecke in wenigen Stunden schaffen.
Durch diese aneinander Reihung von Löchern im Tee, bekommen wir wenigstens einen Eindruck, wie schwierig es sein musste, damals, i.P. ohne Straßen hier vorwärts zu kommen.
Im Bulawayo angekommen wurde Graetz. mitgeteilt. dass er Pleite sei und sein Auto verkaufen müsste.
Graetz hatte die gesamte Reise auf rd. 1,5 Mio Euro (umgerechnet von Reichsmark) budgetiert. Im Endeffekt kostete das ganze Abenteuer 3 Mio. Euro.
Finanziert wurde das in kleinem Maß aus Graetzschen Eigenmitteln und in der Masse aus Sponsorengeldern. Er war ständig auf ser Suche nach Gönnern und Spendern.
In Bulawayo war jedoch Schicht im Schacht. Ohne Moos nix los. Graetz wäre nicht Graetz, wenn er nicht Himmel-und-Hölle in Bewegung gesetzt hätte, um irgendwie an Geld zu kommen. Geholfen hat ihm letztendlich eine Sammlung unter den deutschen Familien in Südafrika. Das war Crowdfunding in seiner Vor-Digitalen Version.
In den Fotos habt ihr ein paar Schnappschüsse aus dem Reisebuch von Grätz.
Seine Reifen waren von Continental. 48 Satz Reifen brauchte er insgesamt. Jeder Reifen musste auf 12 bar aufgepumpt werden. 12 bar! Jeder der mit Luftpumpe einen Reifen auf 3 bar aufgepumpt hat, der ahnt welch schweißtreibende Arbeit und muskuläre Pumpkraft von Nöten war um nur einen solchen Reifen auf zu pumpen.
In Abständen ließ Graetz Depots anlegen. Er hatte seine Reiseroute im voraus geplant und errechnet wann er wo sein würde und was er brauchen würde. Ein Foto zeigt die Namen der Depots und was er alles dort einlagern lies.
Da es damals keine Lagerhäuser, Stationen oder Behausungen gab, lies er Reifen, Öl und Benzin vergraben. Jedes Depot war ein Grab. Und damit‘s auch kenntlich war, lies er auf jedem Depot ein Kreuz mit seinem Namen errichten.
Schlecht war nur, wenn seine geplante Route aufgrund von Natur (Regenzeit), Maschinenschaden o.ä. geändert werden musste. Dann saß er oft wochenlang fest, bis das nächstliegende Depot gehoben und zum Auto geschafft werden konnte.
Graetz ist übrigens nie (!!) selbst mit dem Suto gefahren. Er hat sich immer chauffieren lassen. Selbst fahren war unter des Deutschen Würde.
Die gesamte Logistik machte eine Firma aus Hamburg. Diese Firma lies ihm denn auch im Bulawayo mitteilen: „Herr Graetz sie sind pleite.“
Wie‘s mit Graetz weiterging erfahrt ihr später bzw. wie auch. Denn unser unerschöpflicher Fundus an Graetzschen Lebensstationen ist Carsten. Wer frägt bekommt einen schönen langen und detaillierten Vortrag über „Paul Graetz & Ich“.
Für mich ist jetzt Zeit aufzustehen. S‘ ist 7 Uhr, Der Tag will gelegt werden.
Jetzt heisst‘s Kerze aus, Decke weg und mit „geschmeidigem“ Schwung aus dem Bett gleiten. …und hoffen das nix knackt, spannt oder zwickt 😌😁.
Wünsche allseits einen schönen Samstag.Read more
















