Helden von damals, die heut Rentne sind
15 juni 2025, Botswana ⋅ ⛅ 19 °C
Südafrika!
Das Land auf welches die Nachbarländer schauen. Groß, industrialisiert, Mitglied im BRICs Staatenverbund und Heimat des Kruger Nationalparks und exzellenter Weine.
Heute war Grenzübertritt Botswana nach Südafrika. Eigentlich sollte das der einfachste
aller bisherigen Grenzgänge sein, da Botswana, Südafrika und Namibia eine Zollunion haben. Da fällt z.B. das aufreibende Verzollen bzw. Einführen der Autos weg.
Das mit der Einfachheit und schnellem Abfertigen war auch so… …und dennoch, es bleibt ein „Gschmäckle“.
Dieses „Gschmäckle“ rührt von einem Zöllner, der ein echtes A…loch war. Das fing damit am, dass er überheblich und arrogant war. „So können wir nicht einreisen!“, so ging‘s los. Sein Aufhänger war, dass unser vorderes Nummernschild nicht mehr vollständig ist. Ich hatte eine Teil des Kennzeichens in Malawi an einer Wurzel abgefahren. Alle Zöllner dir wir seit Malawi hatten beanstandeten nie unser Nummernschild. Nur der Herr vom südafrikanischem Zoll „machte ein Faß auf“. Er verlangte meinen Führerschein und fing an zu
lamentieren, dass er einen Report schreiben müsse. Wir erklärten unsere Reise und dass wir nun seit 13.000 km unterwegs seien und das bisher kein Zoll etwas zu beanstanden hatte. Dann fing er an etwas vom einem Strafzettel in Höhe von mehreren tausend Rand zu
faseln. Glücklicherweise war noch ein Kollege da, der etwas besänftigend wirkte. Plötzlich meinte der stressige Zöllner ich soll ihm mein Leatherman (Multi Tool) schenken (baumelt immer an meinem Gürtel). Das war ne blöde Situation. Es war nicht ganz klar, ob er das nun ernst meinte oder nur witzig sein wollte (wobei wir den Witz nicht verstanden). Das ist ein doofes Gefühl so einem Typen ausgeliefert zu sein. Er ging weg, um einen Lkw zu kontrollieren. Der gemäßigte Zöllner macht eine Handbewegung im Sinne vom „alles gut, fahrt los“. Wir nix wie rein in den Landy und durchgestartet. Das war ein doofer Einstieg für Südafrika in unsere Tour. Von anderen aus unserer Gruppe erfuhren wir, dass er ebenfalls so fordernd war. Die einen gaben eine Sonnenbrille und die anderen schenkte einen Flyer über deren Ferienwohnung in der Pfalz. Sie fanden‘s lustig, er war „verwirrt“.
Unisono waren wir alle der Meinung, dass das der menschlich mieseste Grenzübergang war, den bis dato hatten.
Von der Grenze ging’s schnurstracks auf besten Straßen zum EEPGT. Für Neulinge: EinEchterPaulGraetzPunkt.
Das Dorf Groot Marico beheimatete Graetz nachweislich für einige Stunden. Sie mussten hier Halt machen, denn bei einem ungeplanten Bremsvorgang wurden alle vier Passagiere über die Motorhaube des Autos geschleudert (war ja ein Cabriolet).
Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass uns unser Weg nach Groot Marico führte.
Als nette Überraschung hatte Carsten eine Führung durch das Heimatmuseum und eine Schnapsprobe organisiert. Sowohl Führung wie Schnapsprobe wurde von Santa gemacht.
Sie beschrieb wie die frühen Siedler und die Eingeborenen hier lebten, bauten und feierten. Alles Baumaterial wurde aus dem gewonnen, was hier in der Gegend wuchs und vorhanden war. Der neuzeitliche Gips entsprach damals Kuhmist. Die Mischung aus Heu/Stroh und Dung war perfekt für Wände und Boden. Farben wurden aus Fruchtschalen, Erde und Bäumen gewonnen.
Letztendlich war das Museum genau so wie die vielen Heimatmuseen Zuhause (z.B. Vogtsbauernhöfe).
Die Schnapsprobe war - naturgemäß - hochprozentig und sehr launig. Santa erklärte wie der Schnaps und die Liköre gemacht wurden, schenkte uns reichlich Proben aus und trank selbst mit.
Unerwähnt sollte nicht bleiben, dass es erst Mittag war und wir alle noch rd. 20 Kilometer zu unserer Unterkunft fahren mussten.
Aber wir haben ja Allrad!
Jetzt ist es 21.05 Uhr. Ich liege in meinem Zelt direkt am Marico Staudamm. Sehr, sehr idyllisch bei Sonnenschein. Sehr, sehr kalt in der Nacht. Habe schon mal 3 Wärmflaschen gemacht. Die große stecke ich in die Kleider, damit die so lange als möglich etwas Wärme abbekommen und nicht so klamm werden. Die anderen beidem liegen am Fußende meines Schlafsacks. Eigentlich, gemäß Herstellerangaben, hat mein Schlafsack einen Komfortbereich bis - 5 Grad. Somit sollte ich eigentlich auch ohne Wärmflaschen kuschlig haben… …aber man weiß ja nie… …und die Nacht ist lang und kalt 🥶… …und ich bin bekennender Warmduscher!
Diese kalten Temperaturen zerstören das Gemeinschaftsleben der Gruppe schon sehr. Die meisten flüchten schon kurz nach dem Abendessen in ihre Schlafsäcke. Das war heute so gegen 19 Uhr. Einige versammelten sich noch am Lagerfeuer und lauschten Carsten. „Der tägliche Graetz“ so beschreibt Carsten seine Schilderungen der Graetzschen Reise, die wir ja genau nachfahren. Schon sehr interessant was er erzählt. Einiges landet auch hier in meinen Zeilen.
Morgen geht‘s für zwei Tage in eine Wellness-Hotel. Ja, werte Lesenden, ein Wellness-Hotel erwartet uns! Heiße Duschen, warme Betten, Wäscheservice! Geilomat!
Nun verabschiede ich mich in die Nacht.
Bin gespannt was sie mit mir macht.
Jetzt ist 21.20 Uhr. Wenn ich jetzt einschlafe, bin ich um 3 Uhr, spätestens 4 Uhr ausgeschlafen. Was mach‘ ich dann bis Sonnenaufgang?
Fragen über Fragen, deren Antwort ich morgen bei Sonnenaufgang kenne.Meer informatie






















