Taj Mahal & Die Schwäche des Mannes!
22. november 2025, Indien ⋅ ☀️ 21 °C
Heiraten in Las Vegas ist Kinderkram.
Heiraten in Agra, das ist ganz großes Kino!
Bin in Agra. Der Stadt des Taj Mahal und der Stadt in dem viele Inder -die Geld haben- heiraten. Aber nicht einfach heiraten sondern ein echte Bollywood-Show inszenieren.
Von Oktober bis März ist in Indien Heiratssaison. Warum? Keine Ahnung. Vielleicht gab's Weihnachtsgeld oder Bonuszahlung vom Chef. Oder es herrscht einfach eine angenehmere Temperatur als im Sommer. Ich weiß es nicht.
Jedenfalls ist Agra ein Hotspot der Heiratsfestes. Schon bei der Einfahrt nach Agra kommt man in einen Verkehrskreisel auf dem der Gott Krishna eine Flöte mit zwei Händen haltend dargestellt wird. Krishna steht hier nicht für die verwirrten Seelen, die in unseren Fußgängerzonen "Hare, Hare" singen und Kleingeld für die freie Liebe sammeln.
Hier in Agra meinen die es ernst mit Gott Krishna und der großen Liebe.
Den groß sind die Feste, die hier gefeiert werden. Manche Hochzeiten dauern drei bis zu fünf Tage. Riesige Säle und Gärten werden als Märchenschlösser drapiert. Es sieht wirklich aus wie 1001 Nacht. Und das auf 1001 verschiedene Arten. Der Bräutigam reitet mit einem weißen Pferd (ein echtes Pferd) in die Hochzeitsgesellschaft ein. Es wird geböllert, geballert und gegessen. Alles super farbenfroh und opulent.
Einige dieser Lokalitäten konnte ich von außen bestaunen. Tolle Sache! Und irgendwie halt Bollywood (Hollywood) mäßig.
Hauptattraktion in Agra ist jedoch das Taj Mahal. Eines der 7 Weltwunder der Neuzeit und Nummer drei auf meiner Liste.
Das Taj Mahal wurde zu Ehren einer Königin gebaut. Ist quasi ein Mausoleum.
Im Jahre des Herren, 1631 n.C., begab es sich, dass Mumtaz Mahai von Großmogul Shah Jahan schwanger wurde. Es war nicht ihre erste Schwangerschaft. Schon 19 Jahre war Mumtaz bereits mit Shah verheiratet. Von diesen 19 Jahren was sie 14 Jahre schwanger. Auf gut deutsch: 13 Jahre in die (Kinder)Scheiße gegriffen. Leider, leider sollte es kein 14tes Mal geben, denn die Geburt ihres 14ten Kindes (einer Tochter) überlebte Mumtaz nicht. Sie starb im Kindbett. Ihr Mann Großmogul Shah war von tiefer Trauer ergriffen und schwor im Angesicht seiner großen Liebe zu Mumtaz ihr eine Grabstätte zu bauen, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat.
Taj Mahal war geboren worden.
Eine Randnotiz: Von den 14 Kindern, die Mumtaz dem Shah schenkte erreichten nur 7 das Erwachsenenalter. Von sieben, putschte der Drittälteste gegen den Vater Shah Jahan und schickte ihn ins Exil. Warum? Mein "Freund" Adi meinte, dass die Menschen, das Volk, wütend auf den Shah Jahan waren, da er sie zur Finanzierung des Taj Mahal alle auspresste. Die genaue Summe, die der Bau kostete ist nicht bekannt, aber alleine die Dauer der Arbeiten und die Anzahl der Arbeiter und die verwendeten Materialien lassen darauf schließen, dass er dies nicht aus der Portokasse bezahlt hat.
Soweit zur Randnotiz. Nun wieder zum eigentlichen Bau Taj Mahall.
Das Taj Mahal steht auf 80 "Dämpfern" im Falle von Erdbeben. Es wurden 80 tiefe Löcher gegraben. In diese Löcher hat man Holz und Steine gestellt. Diese Löcher wurden dann mit 80 Bögen zu einem flexiblen Konstrukt verbunden. Dumm waren die nicht, die Architekten der damaligen Zeit.
Man hat ausgerechnet, dass das gesamte Gebäude ca. 80.000 to wiegt, wobei die Kuppel 12.000 to ausmacht.
Fantastisch sind die Steinarbeiten des Taj Mahal. So was von kunstfertig. Nichts gemalt, sondern als Basis ein Marmorgestein hier aus Indien. Nicht porös und 6x härter als der uns bekannte Carrara Marmor. Die eingelegten Halbedelsteine wurden alle von Hand hundertfach geschliffen und eingefasst. Ein unglaubliche Meisterleistung der Steinmetze.
Auch heute noch gibt es - so Adi - Familien hier in Agra, deren Vorfahren am Taj Mahal beschäftigt waren und heute noch hier produzieren.
Und schon tauchte das Problem am Horizont auf! Als Adi mich fragte, ob ich denn die Produktion einer dieser Familien anschauen wolle, sagte ich natürlich "Ja". Ich sagte Adi gleich, dass ich nix kaufen würde, da mein Koffer voll und ich eh schon was in Jordanien gekauft habe.
Aber wie sie nun mal sind die Männer. Starke Brust aber schwacher Wille!
Die Produktionsräume waren eher Schauwerkstätten, der Rest waren Verkaufsräume. Die Herstellung der Steinintarsien ist super interessant und super kreativ.
Trotz meiner Versicherung nichts kaufen zu wollen, wurde mir -selbstverständlich unverbindlich- angeboten die Schauräume zu besuchen. Tja das war's dann. Heraus kam ich mit einem Kaufbeleg über eine wie ich finde super tolle Steinarbeit. Der Grundstein ist Marmor. Die Halbedelsteine sind Malchit mit Perlmuteinlagen. Tolles Teil. Und ja, der Preis war nicht so, dass ich die Flucht ergriffen hätte, eher im Gegenteil. Ich empfang es eher als günstig, da im Preise Verpackung, Versicherung und Lieferung frei Haus mit drin war.
So werden nun also ab demnächst zwei schöne Steinarbeiten im Föhrental zu besichtigen sein, der Mosaiktisch aus Madaba (wo Moses in Himmel gefahren ist) und aus Agra (wo Shah Jahan ein Weltwunder in Liebe zu seiner Frau bauen lies).
Es gäbe noch viel zu berichten, aber es soll nun gut sein.
Hier ist Samstagabend, 20.30 Uhr. Um mich herum steppt der Bär bzw. dringt Musik aus allen Gassen. Vielleicht gehe ich noch auf die Straße und schau mal ob ich so eine Hochzeitsgesellschaft zu Gesicht bekomme.
Morgen geht's um 6.15 Uhr (!!) los. Keine Ahnung was Adi mir zu dieser Zeit zeigen will, aber s' isch wie's isch. Die Nacht wird kurz.
Morgen Nachmittag geht's zurück nach Dehli. Direkt zum Flughafen. China wartet!
Ergo ist das meine letzte Nacht in Indien. Mal schauen welche Träume mir Krishna schickt.Læs mere





























Rejsende
Kann ich verstehen 🙃
Rejsende
Jetzt musst Du von den nächsten Stationen auch jeweils 1 Souvenir mitbringen 😇