• Herzrasen! Auf zum Nabel der Welt!

    December 3, 2025 in Colombia ⋅ ☁️ 12 °C

    Von 0 auf 3.399 m! Da wird auch für den Welt reisenden Herren die Luft dünne.
    Gestern am Strande der Karibik gestartet, hieß das Übernachtungsziel Bogota.
    Kolumbien also. War ich noch nie. Was fällt einem zu Kolumbien ein? Wenn man's nett meint, dann kolumbianischer Kaffee. Wenn man's aus dem Bauch raus benennt, dann Drogen, Gewalt, Kartelle, Tote!
    So ging's denn also los von Cancun nach Bogota. Von Meereshöhe 0 auf 2.600 m. Die Ausreise verlief wie die Einreise mexikanisch entspannt. Meine Fluggesellschaft war die Avianca. Es gibt erstaunlich viele Fluggesellschaften hier. Fluggesellschaften deren Namen ich noch nie gehört hatte. Hab Avianca mal gegoogelt. Uns siehe da, die Avianca wurde von Deutschen zu Anfang der 19hunderter Jahre im Norden Kolumbiens gegründet. Avianca ist -lt. Internet- die zweitälteste Fluggesellschaft der Welt. Wer hätte das gedacht. Auf jeden Fall wollten viele Menschen mit Avianca von Cancun nach Bogota fliegen. Der Flieger war voll!
    Mal ein Wort zu den Flughäfen. Bis dato sind die Lateinamerikanischen Flughäfen auf Hochglanz und mit der neuesten Technik ausgestattete Ameisenhaufen. Es reisen soooo viele Menschen. Ich bin ziemlich sicher, das Wort "Flugscham" gibt's in den von mir bisher besuchten Ländern nicht. Und würde man es den Menschen erklären, würden die einen für bekloppt halten. Also an diesem deutschen "Flugscham"-Wesen wird die restliche Welt sicherlich nicht genesen bzw. hat kein Interesse.
    Zurück zu Avianca und Bogota. Abends um 8 Uhr landeten wir in Bogota. Mein Weiterflug war erst heute morgen, so dass eine Übernachtung anstand. Das Hotel war gebucht, was bedeutete, raus aus dem Flughafen, was bedeutete, ich musste in Kolumbien einreisen, mit Pass- und Zollkontrolle.
    Aber hallo, ich war nicht der einzige, der zu vorgerückter Stunde in Kolumbien einreisen wollte. Ein riesige Schlange wand sich in der Immigration Halle. Auwei, dachte ich, dass dauert ja Stunden bis ich da durch bin. Nix da! Die kolumbianischen BeamtInnen waren super fix. Die Schlange der Einreisenden war immer im Fluß. Tolle Sache. Ich wurde von einer jungen Dame kontrolliert. Hier saßen die BeamtInnen wieder hinter Sicherheitsglas. Die Einreise erfolgte jedoch ohne Abnahme der Fingerabdrücke und Ablichten des Konterfeis.
    Und was hatte die Beamtin vor sich liegen? Ihr Handy? Ihr Handy im Dauermodus? Während sie sich mit mir beschäftigte schaute sie auf dem Handy Filmchen an. Geht's noch?! Bei uns undenkbar (denke ich). Doch hier ist das Handy allgegenwärtig. Allgegenwärtig online. Sogar bei den BeamtInnen der Einreisebehörde.
    Nachdem die Einreise geklärt war, war das spannende die Beschaffung eines Taxis für die Fahrt zum Hotel. Und zwar eines Taxis, welches Kreditkarten annimmt, denn ich wollte für eine Nacht keine kolumbianischen Pesos tauschen. Was soll ich sagen? Direkt am Ausgang standen Männer in Warnweste mit Aufschrift "Taxi lizensiert". Kurze Nachfrage "You accept Kreditcards?". "Si, Si, sin problema" sagte der Warnwestenträger und auf ging die Fahrt ins nahe gelegene Hotel.
    Im Übrigen hab' ich keinerlei fiesen Gangster Visage gesehen. Keine Drogenhunde. Kaum/wenig Polizei. Nichts deutete darauf hin, dass ich hier in einem Land war, welches mir Hauptsächlich im Zusammenhang mit Drogen und Gewalt bekannt war.
    Alles normal, alle nett, alle aufgeräumt.
    Die Höhe von 2.600 m machte mir nicht zu schaffen. Konnte gut einschlafen. Das war auch wichtig, denn der Weiterflug war früh um 8 Uhr, so dass ich recht früh aus den Federn musste. Die Abflughalle war total voll. Was für ein Menschenauflauf morgens früh! Und die Abfertigung nur noch via Computerterminal. Ich musste meinen Reisepass scannen und meine Flugnummer eingeben und dann noch in eine Kamera schauen. Da mein Kameragesicht und mein Reisepassgesicht eine relativ hohe Übereinstimmung hatten, durfte ich passieren und mich in den Schlund des Flughafens begeben.
    Flugzeit rd. 3 1/2 Stunden von Bogota zum Nabel der Welt. Toller Name: Nabel der Welt! So heisst die Stadt Cusco (Peru) übersetzt. Cusco ist das Tor zu meinem sechsten Weltwunder und ist voll auf Tourismus ausgelegt. Von 2.600 m (Bogota) ging's auf rd. 3.400 m (Cusco). Die Luft wird dünner!
    Dünn bzw. kurz war/ist die Landebahn in Cusco. Der Flughafen liegt in der Stadt und die Landebahn ist nur ein kurzer Streifen. Das bedeutete heftige Schubumkehr des Anden Condors nach dem Touchdown.
    Die Einreise war mal wieder ganz anders wie erwartet. Ich dachte, dass die Peruaner eher entspannt sind und da Tourismus die Haupteinnahmequelle ist, auch die Einreise eher legér sei. Aber das kleine Peru wollte wieder alle Fingerabdrücke und ein wunderbares Foto eines jeden Einreisenden. Wie doch die Länder unterschiedlich ticken. Warum die einen so und die anderen anders?
    Da ich nichts zu verbergeben habe, ein fleißiger ehrlicher Steuerzahler bin und auch hinsichtlich Drogen eher unbescholten, war die Einreise kein Problem.
    Es war vereinbart, dass mich in Cusco am Ausgang wieder ein lokaler Tourguide mit Namensschild empfängt. Und da biege ich kaum um die Ecke, da schwenkt eine junge Dame freudenstrahlend ein Schild mit "STEGER" drauf geschrieben. Dann ruft sich auch noch meinen Namen "Hallo Herr Steger. Herzlich Willkommen in Cusco." Ääh, ich war platt. Meine bisherigen Empfangskomitees waren ausschließlich männlich und mittleren Alters aufwärts und höflich freundlich. Mit so einer Lebensfreude war ich bis dato noch nie empfangen worden. Sehr nett!
    Eimy stellte sich als meine Betreuerin rund um die An- und Abreise vor. Ihr Deutsch war/ist hervorragend. Sie plauderte und war voller Elan. Ihre Eltern seien auch Reiseleiter in Deutsch und sie wolle das auch machen, sei aber in ihrer Ausbildung noch nicht soweit. Deshalb dürfe sie nur An- und Abreise betreuen.
    Eimy hat sich mit ihrem einnehmenden Wesen in der Rangliste der Willkommens-Plakat-TrägerInnen sofort auf Platz 1 katapultiert. Stand heute: Uneinholbar auf Platz 1 katapultiert. Es ist wirklich nett so empfangen zu werden.
    Sie war auch beim Checkin im Hotel dabei. Mein Hotel ist ein wunderbar alt ehrwürdiges auf neu getrimmtes Altstadtpalais. Ambiente alt, Technik und Ausstattung neu. Sehr schön!
    Und dann Cusco! So was von herzig. Keine Mega City, sondern eine Kleinstadt mit einem wunderbaren Platz, auf dem sich das Leben abspielt. Um den Platz herum viele, viele Geschäfte in denen Alpaka Kleidung angeboten wird. Tolle Kleidung! Wenn ich Platz im Koffer hätte, dann... In einem Geschäft bin ich schwach geworden. Mein blaue Weste, die mich schon seit vielen vielen Jahren begleitet, hat das Ende ihrer Zeit erreicht. Die Nähte gehen auf, der Reißverschluss klemmt. Eigentlich wollte ich mit ihr bis zum Ende der Reise durchhalten, aber da kam mir so ein Alpaka Laden in die Quere. Eine gelbe Weste sprang mir ins Auge. Keine edle fein gewobene Alpaka Weste, sondern so eine Funktions (Outdoor) Weste. Tja was soll ich sagen, ich ging in den Laden mit blauer Weste rein und verließ ihn mit gelber Weste. Ab sofort gibt's Fotos in formschöner leuchtend gelber Alpaka Weste. Und ich darf sagen, hab ich auf 3.400 m Höhe von peruanischer Produktion (buy local) gekauft.

    Morgen steht Cusco - Sightseeing mit lokalem Führer an. Hatte Eimy gefragt, ob einer ihrer Eltern mit Cusco zeigt (auf Deutsch) aber sie verneinte, meine Führung sei auf Englisch. Well then, let's see!
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