• Rio 1! Cristo breite Deine Arme aus!

    7. december 2025, Brasilien ⋅ ⛅ 25 °C

    Montagabend, kurz nach 22 Uhr, im Hotel direkt an der Copacobana. Ich lieg auf dem Bett, völlig voll mit Eindrücken und Essen. Tatsächlich musste ich mich aus munteren Gesprächen an einer Strandbar losreissen. Zum Einen weil ich nicht noch mehr Alkohol wollte, zum Anderen weil ich noch tippen wollte und morgen früh raus muss.
    Nun also Bett und Tippen. Neben dran, über der Straße, am Strand, ist noch Vollbetrieb. Es gibt Strandkneipen, die haben 24 Stunden offen. Also falls es mich dürstet... ...der Weg ist nicht weit.

    Weit war allerdings der Weg nach Rio de Janeiro. Gestern morgen um 7 Uhr war ich noch auf rd. 3.400 m Höhe in Cusco. Eimys' Vater holte mich ab. Wir hatten ein nettes Gespräch über Eimy und deren Luxusproblem und dem Leben von Gustavo, ihrem Vater. Gustavo, Eimys' Vater ist hoch in den Fünfzig und der erste Peruaner, der oben eine Platte hatte. Alle Peruaner bzw. Latinos, die ich bis dato getroffen hatte, waren mit vollem Haar bis ins hohe Alter gesegnet.
    Die Geschichte von Gustavo ist spannend. Aufgewachsen in Peru auf dem Dorf. Neun Geschwister. Auf einem Bauernhof. Alles war rudimentär. Kein Strom, fließend Wasser musste aus dem Brunnen geholt werden, alles händische Arbeit. Das Haus bestand im Prinzip aus zwei Räumen. In dem einen lebten die Großeltern, in dem anderen alle Kinder und die Eltern. Küche, wohnen, schlafen alles zusammen in einem Raum. Gustavo war intelligent und fleißig. So bekam er über ein Stipendium die Möglichkeit Abitur zu machen und über eine Uni-Partnerschaft landete er in Köln und studierte dort Germanistik. Vom Anden-Bauer zum Germanistik Studenten in Deutschland. Nicht schlecht. Es gibt sie, diese Bildungschancen. Auch ohne dicken Geldbeutel. Um den Geldbeutel für ein Leiben in Köln zu füllen machte Gustavo alles. Vom Plakate kleben, Kellnern, Tanzlehrer, Umzugshelfer, einfach alles.
    Er kam zurück nach Peru und begann als Reiseleiter für deutschsprachige Touristen. Seit 25 Jahren hat er seine eigene Reiseagentur. Da hat jemand den Spruch "Du bist Deines eigenen Glückes Schmied" in die Tat umgesetzt. Hut ab!

    Ein ähnlich interessanter Mensch begrüßte mich nach langem Flug und Transit in Rio de Janeiro. Ja, Brasilien. Meine letzte Station auf der Reise zu den 7 Weltwundern der Neuzeit. Destination: Rio de Janeiro! Auch so eine Sehnsuchtsstadt, die in tausenden Liedern besungen und auf tausenden Fotos abgelichtet ist.
    Empfangen wurde ich mit schnödem "Mr. Steger" Schild. Die Dame, die mich abends um 23.30 h am Flughafen in Empfang nahm war/ist Silvia.
    Silvia K. Ihres Zeichens 78 Jahre alt. In Rio geboren, verheiratet, zwei Söhne, vier Enkelkinder. Ich erzähl das, weil Silvia so einen Lebensentwurf , einen Lebenslauf hat ,der spannende und interessant ist. Silvia ist Vollblut Brasilianerin mit Vorfahren aus Spanien. Mit zwanzig Jahren lernte sie einen Mann kennen, den Herrn Kelber (Vornamen weiss ich tatsächlich nicht). Dieser junge Mann war ebenfalls in Brasilien geboren, seine Eltern stammten aus Thüringen (Suhl). Silvia verliebte sich in den jungen Deutsch-Brasilianer, heiratet und wurde "Siemens-Frau". Ihr Mann arbeitete in leitender Stellung bei Siemens. In Brasilien, dann Deutschland (Erlangen) und dann wieder Brasilien. 30 Jahre lang. Silvia bekam zwei Söhne, wovon der eine in Deutschland geboren wurde. Sie arbeitete nie. Bis sie sechzig wurde und ihr Mann in Vorruhestand ging. Dann wurd's zu eng Zuhause und auch die Rente war nicht so hoch, als dass sie ein sorgloses Leben führen konnten. Was machte Silvia dann? Sie wurde freiberufliche Reiseleiterin. Mit jungendlichen 60 Jahren. Heute ist sie 78! 78 Jahre alt und voller Energie. Also wenn ich mal 78 bin und noch soviel Energie in mir trage wie Silvia, dann muss ich ein extra Danke sagen und ein extra Kerzchen anzünden.
    Silvia und ihre Mann leben direkt hier an der Copacabana. Ein Sehnsuchtsort, an den viele Menschen hin wollen. Und ihre Söhne? Alle in Deutschland! Einer ist Konzertmusiker und Dirigent (zur Zeit leitet er eine Musikschule), wohnt bei Berlin, und der andere ist Ingenieur bei einem Traktorenhersteller und arbeitet im Allgäu. Vier Enkelkinder hat Silvia, alle in Deutschland. Da wohnen Silvia und ihr Mann an einem der begehrtesten Orte der Welt, im fünftgrößten Land der Erde, an einem der bekanntesten Strände der Erde, aber ihre Söhne haben der wirtschaftlichen Perspektiven wegen ein Leben in Deutschland vorgezogen. So sieht sie ihre Söhne und Enkelkinder so gut wie nie. So kann's gehen mit den Kindern. Sie meinte, sie (und ihre Mann) hätten alles geregelt. Begräbnis, Friedhof, Erbschaft alles. Es ist nicht so, dass das Verhältnis schlecht ist zu den Kindern, nein (so sagt Silvia), das Leben hat es so gewollt.
    Und diese Silvia war bzw. ist meine Reiseleiterin für die Zeit in Rio.
    Rio! Klaro! Was sonst! Tatsächlich der perfekte Ort für den Abschluß meiner Reise zu den 7 Weltwundern der Neuzeit. Rio ist "Cristo Redentor". Christus der Erlöser. So heisst die monumentale Statue hoch über Stadt. Neben dem Zuckerhut das Wahrzeichen von Rio. Und eben ein Weltwunder! Mein 7tes und damit finales Weltwunder meiner Reise.

    Soweit zum ersten Teil meiner Rio Berichte. Im nächsten schreibe ich über die Eindrücke der Stadt. Wer was zur Cristo Statue wissen will, bitte googlen.

    Dann Rio!
    ...nur so viel: der Sprung von, bis zu den Augenschlitzen verhüllten Frauen in Jordanien und Ägypten, zu den sich kaum verhüllenden Damen hier in Rio ist schon ein gewaltiger... ...das ist unsere Welt... ...das sind ihre Kulturen.
    Læs mere