Tag10: …zu den wilden Stieren.
Yesterday in Spain ⋅ ☀️ 27 °C
Luze el Torro! Frei übersetzt „Der Stier im Rampenlicht“. Und wo ist man in Spanien, wenn der Stier im Rampenlicht steht? Ganz klar, in Pamplona! Dort wo die Stiere in einem riesigen Spektakel durch die Straßen der Stadt getrieben werden und Männer die Stiere anstacheln und vor ihnen rennen (oder flüchten je nach Blickpunkt). Jedenfalls ist es doch immer wieder erstaunlich was männliches Testosteron, ebenjene Besitzer dieses Hormons, veranlasst zu tun.
Bei uns sind es nicht die Stiere, sondern die Pferdestärken, die unser Sein seit Tagen bestimmen.
Gestern noch am Mittelmeer führte der heutige Ritt auf den Zylindern quer durch das zentrale Spanien über Saragossa nach Pamplona. Wie immer wurden Autobahnen links liegen gelassen und über Landstraßen Land und Leute „erfahren“. Es gab zwei Road Missions, ein Task of the Day und eine Secret Mission. Die Road Mission -unsere Spezialität- waren (sind) in der Regel einfach. Auf der Karte finden, hinfahren, Beweisfoto machen und weg. Der heutige Task of the Day bestand im Finden des Party-Hotels. Auch das war eine leicht zu erledigende Aufgabe.
Die Secret Mission hatte es in sich. Die Rallye Leitung schickt um eine exakte festgesetzte Uhrzeit eine Nachricht, die beschreibt, wie ein Rätsel gelöst werden soll. Klingt nach einfacher Schnitzeljagd, doch schon beim Überfliegen der Erläuterung zum heutigen Rätsel, gab es bei uns ein Kopfschütteln mit vielen Fragezeichen und ein übereinstimmendes „Nee, das machen wir mal heute nicht.“
Gerne würde ich die Anleitung bzw. das eigentliche Rätsel hier in den Footprint rein kopieren, doch das sprengt den Rahmen.
Wir jedenfalls waren fokussiert auf die Road Mission
Morgens um 7 Uhr war Abfahrt. Nina und ich waren schon um 6.30 bereit für‘s „let‘s go“, doch Claus, dessen Biorhythmus eher spätere Stunden bevorzugt, war noch in der mentalen und körperlichen Vorbereitung. Nina und ich lungerten auf der Straße bei den Autos. Es war halbdunkel. Aus einem Gebäude keine 30 Meter von uns entfernt schien jedoch Licht und vereinzelt gingen Menschen dort ein und aus. Uns schwante schon „Kaffee im Cafe?“ und Tatsache, morgens um 6.30 hatte hier schon eine Kneipe offen. Es gab leckeren Kaffee und leckere Croissants. Ninas‘ und mein Morgen war gerettet. Was für Menschen besuchen am Sonntagmorgen 6.30 eine Kneipe? Partygänger? Gestrandete? In unserem Fall kennen wir die Antwort: Rallye Teilnehmer. Im Fall der Spanier können wir nur Vermutungen anstellen. Nina war -neben der Dame hinter der Theke- das einzige weibliche Wesen im Raum. Die anwesenden Männer waren keine Überbleibsel von wilden Partynächten oder einer Behausung suchenden Obdachlosen. Die einen saßen in Tarnkleidung an einem Tisch. Mein Tipp: Jäger, vor oder nach der Jagd. An der Bar einzelne Männer fortgeschrittenen Alters, deren senile Bettflucht und das alternativlos leere Kuschelbett, sie an an die Theke zum warmen Kaffee trieb. An Tischen saßen Gruppen von älteren Herren, sich sich angeregt über das unterhielten, was ältere Herren so anregt: Gespräche über Sex, Drugs und Prostata. Na ja, vielleicht ging‘s auch um den Staubsauger oder Wischmob, den sie ihrer über alles geliebten Frau zu Weihnachten schenken wollten. Denn schließlich hatte das ja keine Zukunft, wenn die Dame des Hauses den Herren des Hauses aus jenem Vertrieb, um morgens um 6 Uhr im Schweiße und auf Knien das Haus zu putzen. Ja, ja, die Männer haben‘s da nicht leicht… …und die Auswahl an Putzmitteln groß… …da ist Austausch und Rat suchen in der Bar morgens um 6.30 Uhr genau das Richtige.
Klingt das gehässig? Nee oder?
Wahrscheinlich sind‘s halt einfache Männer, wie ich und ich, die morgens alleine in der Wohnung rumlungern oder den Schönheitsschlaf der Dame nicht unterbrechen wollen. Die Alternative: Die Bar an der Ecke.
Nina und ich gestärkt, Claus wach, so ging‘s um kurz nach 7 Uhr in Richtung Norden. Norden und immer weiter.
Mit dem Großraum Peñinsola hatten wir den südlichsten Punkt erreicht. Ab jetzt geht‘s mit großen Schritten (langen Fahrten) in die Grobrichtung Normandie/Bretagne.
Zwischenstopp, „Wunden lecken“ und Geschichten ausstauschen war/ist hier im Luze el Torro. Ein tolles Hotel etwas ausserhalb von Pamplona. Wir sehen unterwegs ja immer wieder andere Teams und es gibt auch den ein- oder anderen Austausch, aber alle „Überlebenden“ auf einem Haufen, das gab‘s/gibt‘s nur noch hier und am Ziel.
Bis zum Ziel sind es noch ein paar Tage und einige Kilometer.
So gilt auch heute „Pferde satteln, Finger knacken lassen, Gas geben“.
Wünsche einen guten Start in die Woche!Read more


























