• Auf nach Braemar, Cairngorms National Park

    May 20–22 in Scotland ⋅ 🌧 11 °C

    Theodor Fontane begab sich im August 1858 von Leeds aus mit dem Dampfer den Firth of Firth hinauf nach Stirling (Theodor Fontane, Jenseits des Tweed, 1860/2015, S. 93 f.) Ich lasse es mir nicht nehmen, mit Sebi ein ausgiebiges schottisches Frühstück zu zelebrieren. Ich mache mich auf den Weg in die Grampian Mountains. Leeds verlasse ich in Richtung Dunfermline und gelange auf der M 90 und der A93 über Perth (jahrelang Krönungsort der englischen Monarchen und seit kurzem Bewahrort des Stone of Destiny) und Blairgowrie auf den Cairnwell Pass.

    Dort begeistert mich die Landschaft derart, dass ich in die eine Richtung Fotos mache und auch von der anderen Seite müssen Erinnerungen fetgehalten werden. Um endlich das komplette Panorama adäquat einzufangen, gehe ich rückwärts, bleibe mit dem rechten Fuß in einem Abwassergulli, der mit einem Gitter abgedeckt sein sollte, hängen, drehe mich nicht unbedingt graziös über die rechte Seite und lande unsanft auf dem Bauch und beiden Armen. Dabei kann ich das Handy gerade noch so abfangen, dass der Aufschlag abgemildert wird. Das Panzerglas ist gesprungen. Ich trage einen intensiven Adrenalinstoß, Aufschürfungen am linken Daumen, am rechten Elllenbogen und seitlich am rechten Knie davon. Die Kleidung bleibt unbeschädigt. Erst nach einer Suppe normalisiert sich der Adrenalinpegel so weit, sodass ich die Fahrt duch das Tal Glen Shee über The Devil's Elbow zum Campingplatz Braemar fortsetzen kann. Die Teufels-Ellenbeuge ist eine extrem scharfe Doppel-Haarnadelkurve mit einer extremen Steigung am Cairnwellpass auf der A93, der höchstgelegenen Hauptstraße in Großbritannien. Hier beginnt der Cairngorms National Park in den Grampian Mountains.

    Braemar liegt am Zusammenfluss des Dee und von Clunie Water. Umgeben von waldreichen Bergen ist es Zentrum eines seit je her beliebten königlichen Jagdgebiets. Der Caravan Parc besticht durch seine großzügige Anlage, den Landstromanschluss, seine fußläufige Nähe zum Ortskern und seinen großzügig geheizten Waschraum, wo ich mich bei den niedrigen Außentemperaturen mit beachtlichem Wind und der ausgefallenen Dieselstandheizung aufwärmen kann.

    Am nächsten Morgen erkunde ich den Ortskern von Braemar und genieße in Gordon's Tearoom das erste echte Scottish Breakfast mit Haggis.

    Eine kleine, als entspannend geplante Fahrradtour nach dem Mittagsschlaf zum örtlichen Schloss Braemar Castle (nicht zu verwechseln mit der 13 km entfernten königlichen Residenz Balmore Castle, wo 2021 Queen Elizabth II starb) gerät zum Waldwanderweg-Mountainbike-Tracking ohne tracks. Ich ging von der Beschaffenheit der Trampelpfade auf der schwäbischen Alb aus und ignorierte das Schild "Walkers only". So muss ich mal abrupt bremsen, bin mal Fahrradträger oder schlittere das Rad, zur Vorsicht auf dem Waldboden sitzend, den Hang hinab.
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