• Heiße Quellen

    November 3, 2024 in Turkey ⋅ ☁️ 5 °C

    Diese Nacht an der Tankstelle war leider nicht so erholsam, da sie an der Bundesstraße liegt, die aus dem Iran kommt. Aus diesem Grund donnerten jede Menge LKWs vorbei.

    Dafür wurde ich aber direkt nach Abfahrt durch wunderschöne und beeindruckende Natur entschädigt. In Diyadin ging es entlang des Murat Canyons zu den heißen Quellen. Bereits die steilen Felswände des Canyons waren beeindruckend. Noch beeindruckender waren allerdings die zwei Durchbrüche, durch die der Fluss die Felsen überwand und so eine natürliche Brücke geschaffen hatte. Hier wäre tatsächlich auch eine optimale Campinggelegenheit gewesen. Ein paar hundert Meter später kam ich dann an den heißen Quellen an. Tatsächlich blubbert hier einfach das Wasser aus einem Loch neben der Straße. Noch ein beeindruckendes Naturschauspiel, das durch den Schwefel so stark nach faulen Eiern riecht, dass einem fast schlecht werden kann.
    Das einzige Ärgernis an diesem Ort ist die kommerzielle Nutzung. Hier haben ein paar Leute ein paar „Bäder“ gebaut, zapfen das heiße Wasser ab, kassieren Geld, kümmern sich aber in keinster Weise um den Müll, der überall herumliegt.

    Auf dem Rückweg fahre ich noch einmal durch Diyadin. In vielen Gärten oder auf vielen Mauern fallen mir braune Türme auf, die wie gestapelt sind und aussehen wie Torf. Ich frage eine Frau, die an einem dieser Türme herumwerkelt, und bekomme, nachdem sie ihre Tochter gerufen hat, erklärt, dass es sich um getrockneten Mist handelt, der zum Verfeuern genutzt wird. Vermutlich ist es das einzige brennbare Material, denn Bäume gibt es hier fast keine.
    Neben einem kurzen Einkauf gehe ich in der Stadt noch einen Döner essen, den ich aus irgendeinem Grund wieder nicht bezahlen soll.
    Insgesamt muss ich sagen, dass mir Diyadin sehr gut gefallen hat. Es wirkt sehr natürlich und die Menschen waren alle sehr freundlich und haben gegrüßt. Der Tourismus schien hier noch nicht angekommen zu sein.

    Ich mache mich auf den Weg zum nächsten Pass. Die Strecke führt auf einer Nebenstraße durch viele kleine Dörfer. Auch hier trocknet überall auf den Mauern der Mist zum Heizen. Überhaupt scheint man hier vor allem von der Viehhaltung zu leben. Es gibt etliche Schafherden, große weite Flächen und fast keine Feldwirtschaft.

    Als es dunkel wird, biege ich auf eine der Weiden ab und schlage mein Zelt auf. Ich freue mich schon darauf, gekocht zu haben und in meinem Zelt zu sitzen, wenn es draußen kälter wird und anfängt zu regnen. Was gibt es schon Schöneres, außer vielleicht ein Wohnzimmer mit einem warmen Ofen und einem Kakao?
    Nach dem Essen verkrieche ich mich in den Schlafsack. Alles, was noch warm ist oder was morgen früh warm sein soll, kommt mit hinein. Als ich noch Fotos sortiere und FindPenguins schreibe, verwandelt sich das Prasseln auf der Zeltplane in ein Knistern. Es scheint zu schneien.

    Çaycounter: tatsächlich nur eine Thermoskanne, was war da los?
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