• SARAJEVO

    May 17, 2025 in Bosnia and Herzegovina ☁️ 14 °C

    Nach einem kurzen Besuch von Jajce (eher touristisch: Wasserfall, Burg und kleine Altstadt) starten wie in Richtung der Hauptstadt von BIH. Weiter durch den "Grünen Balkan" und bald einmal entlang dem längsten Fluss im Lande, der Bosna. Kurz vor Travnik haben wir Hunger. Im angepeilten Cafe gibts nicht zu essen, aber der Chef bringt uns persönlich zu einem Freund, der uns sehr freundlich mit Cevapcici bedient.

    Auf der Hauptstrasse weiter bis Sarajevo, wo für uns auf einem kleinen Stellplatz reserviert ist. Am Abend schauen wir Videos mit Thema Jugoslawien-Krieg. Unglaublich wer da weshalb abwechselnd gegen wen gekämpft hat. Schlussendlich scheint am wahrscheinlichsten, dass die Serben ganz Bosnien-Herzegowina erobern wollten und die dort ansässigen Christen (die sich eher als mit den Kroaten verwandt sehen?) vertreiben wollten. EU, UNO und Nato waren so halbherzig auch immer irgendwo dabei, wollten aber offenbar schlussendlich hauptsächlich verhindern, dass ein rein muslimischer Staat "Gross-Serbien" inmitten Europas entsteht. Furchtbar, was da alles (nicht weit weg von der Schweiz!) passiert ist. - Man kann aber nicht einfach wegsehen...

    ***
    Sa, 17.5.2025
    Per Bus fahren wir mit örtlichem Führer in die Stadt. Er erzählt vieles über die Region. Die schönste Zeit hier wäre vor und nach der Olympiade gewesen. Hier aber hat mit dem Attentat auf den designierten Kaiser von Österreich-Ungarn und der darauf folgenden Kriegserklärung Österreichs an Serbien der Erste Weltkrieg seinen Ursprung gefunden. Und genau hier wurde die Stadt im Jugoslawienkrieg mehr als 3 Jahre von Serben belagert. Die Aggressoren haben sich total verschätzt: Sie gingen davon aus, dass die Stadt in 1-2 Wochen eingenommen ist und dann nach der Idee "Wem die Hauptstadt gehört, dem gehört Bosnien" den Rest des Landes schnell unterjochen werden. Geplant war, alle Nicht-Serben baldmöglichst auszugrenzen, umzustimmen und zu vertreiben. (Ist nicht fast dasselbe aktuell in der Ukraine im Gange?! ...und einst in Finnland mit Teilerfolg passiert?)

    Wir besichtigen zuerst den Tunnel, der von den Bosniaken in kurzer Zeit von Hand unter der Piste des Int. Airport gebaut wurde, um einerseits die eingeschlossene bosnische Armee ausschleusen und nachher die Stadt mit dem Notwendigsten versorgen zu können.

    Nun aber wird es wieder heiterer: Die Stadt ist neu aufgebaut und man meint, positive Energie und Lebensfreude zu spüren: Viele kleine Geschäfte im Zentrum. Schöne Gebäude von der Mosche über die christliche Kirche bis zu Synagogen. Der Führer (Mohamed) erklärt überzeugend, dass hier alle Konfessionen friedlich zusammenleben und alle Feste wie Weihnachten etc miteinander feiern. Man schaut hier nicht auf die Konfession (viele Leute sind nicht praktizierend, sondern nur auf Papier einer bestimmten Konfession angehörend) sondern darauf, ob ein Mensch gut oder schlecht ist.

    Müde kehren wir zurück in unseren Sprinty und müssen erst mal ein Bier trinken und etwas ausruhen. - Gar so intensiv haben wir die Eindrücke nicht erwartet...
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