• Frauenmünster

    Today in Switzerland ⋅ ☁️ 5 °C

    Am Morgen nach einem netten Frühstück sind wir mit der 2er Tram direkt zum Paradeplatz gefahren. Von dort sind es nur ein paar Schritte bis zum Fraumünster – und wir sind eigentlich ohne große Planung einfach hineingegangen.

    Wirklich schön!! Warum war ich da noch nie drin?

    Schon beim Eintreten merkt man diese besondere Stimmung. Die Kirche wirkt klar, fast schlicht – und genau dadurch entfalten die Fenster ihre enorme Wirkung. Gegründet wurde das Fraumünster bereits 853 von Ludwig dem Deutschen als Frauenkloster. Jahrhunderte lang hatten hier Äbtissinnen großen politischen Einfluss in Zürich. Erst mit der Reformation unter Zwingli wurde das Kloster aufgelöst.

    Das Highlight sind natürlich die berühmten Chagall-Fenster im Chor. Fünf hohe, leuchtende Glasfenster, 1970 von Marc Chagall gestaltet. Dominierend sind intensive Blau- und Grüntöne, dazwischen Rot und Gelb. Die Szenen sind biblisch – Propheten, Jakob, Christus – aber nicht klassisch erzählt, sondern fast träumerisch, schwebend. Besonders das große blaue Fenster wirkt wie ein Lichtstrom, der den ganzen Raum erfüllt. Die Farben spiegeln sich auf dem Steinboden und erzeugen eine unglaublich ruhige, fast mystische Atmosphäre.

    Im südlichen Querhaus gibt es noch ein weiteres modernes Fenster von Augusto Giacometti aus den 1940er-Jahren. Etwas abstrakter, geometrischer – ein spannender Kontrast zu Chagall.

    Auch architektonisch gibt es schöne Details:
    Die große Orgel auf der Westempore mit ihrem imposanten Pfeifenwerk.
    Die fein geschnitzte Kanzel mit dem hölzernen Schalldeckel.
    Das schlichte Taufbecken vorne im Chorraum.
    Und der Kreuzgang mit Resten mittelalterlicher Fresken – ein stiller Ort abseits des Hauptschiffs.

    Was das Fraumünster so besonders macht, ist nicht Größe oder Prunk, sondern Licht und Atmosphäre. Mitten im Zentrum von Zürich, nur wenige Meter vom Paradeplatz und der Bahnhofstrasse entfernt, steht dieser ruhige, farbige Raum.
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