Chäsalp
February 13 in Switzerland ⋅ ☁️ 6 °C
Am Freitagnachmittag sind wir losgefahren, haben unterwegs alle eingesammelt – eigentlich mit dem Plan, entspannt anzukommen und vielleicht noch einen Kaffee zu trinken. Doch schon nach einer Stunde standen wir im Stau. Und es wurde leider nicht wirklich besser. Kilometer für Kilometer schoben wir uns Richtung Zürich.
Statt frühem Aperitif sind wir dann ziemlich pünktlich um 20:00 Uhr in der Chäsalp angekommen – unserem Restaurant für den ersten Abend.
Die Chäsalp liegt oberhalb der Stadt am Zürichberg im ehemaligen „Alten Tobelhof“ und wirkt wie eine Mischung aus Alphütte und Stadtrestaurant. Viel Holz, gemütliche Stuben, eine große Terrasse mit Blick über Zürich – und eine Speisekarte, die sich fast ausschließlich um Käse dreht. Über 15 verschiedene Fondues stehen zur Auswahl, dazu Raclette-Varianten und alpine Klassiker.
Zum Start gab es eine schöne Fleischplatte mit Bündner Fleisch und Möschbröckli – dünn geschnitten, würzig, genau richtig als Auftakt. Danach zwei unterschiedliche Fondues: ein klassisches Moitié-Moitié (Gruyère und Vacherin) und das „Stiereblut“-Fondue mit Chili.
Das Stiereblut war unser Favorit. Kräftig, cremig, mit einer angenehmen Schärfe, die sich langsam aufbaut, aber nie zu dominant wird. Serviert im traditionellen Caquelon über dem Rechaud, dazu frisches Brot, kleine gekochte Kartoffeln, Essiggurken und Silberzwiebeln. Besonders die Kartoffeln haben perfekt funktioniert – sie nehmen den geschmolzenen Käse fast noch besser auf als Brot.
Fondue ist ja eigentlich simpel: Käse, Weißwein, Knoblauch, etwas Kirsch. Aber die Kunst liegt im Gleichgewicht. Die richtige Mischung aus Gruyère und Vacherin sorgt für Cremigkeit, der Wein für die leichte Säure, die Hitze muss konstant bleiben, damit nichts gerinnt. Und am Ende geht es sowieso weniger um Technik als um Gemeinschaft – alle sitzen um einen Topf, tauchen ein, lachen, diskutieren, trinken ein Glas Wein mehr als geplant.
Nach einer leckeren Nachspeise ging es später zurück in die Stadt. Vor dem Apartment sind wir noch durch die Altstadt geschlendert – enge Gassen, warmes Licht, ruhige Stimmung. Trotz Stau war es am Ende genau der richtige Start ins Wochenende: Freunde, Käse, ein bisschen Chili – und das Gefühl, jetzt wirklich in Zürich angekommen zu sein.Read more
Nachtspaziergang in Zürich
February 13 in Switzerland ⋅ ☁️ 6 °C
Wir haben uns tatsächlich einen Parkplatz direkt am Paradeplatz gesucht. Zwischen all den Poser-Autos – BMW, Mercedes, tiefgelegte Sportwagen – sah unser Bus eher pragmatisch als prestigeträchtig aus. Aber egal. Mitten im Herzen von Zürich zu stehen, hat schon etwas.
Der Paradeplatz ist das finanzielle Zentrum der Schweiz. Hier sitzen unter anderem die großen Banken, nur wenige Schritte von der Bahnhofstrasse entfernt – eine der exklusivsten Einkaufsstraßen Europas. Doch ein paar Meter weiter wird es plötzlich ruhig.
Von dort sind wir Richtung Limmat gelaufen. Die Fotos zeigen vor allem das Gebiet rund um den Bürkliplatz, die Quaibrücke und die Altstadt entlang der Limmat. Die beiden markanten Türme gehören zum Grossmünster, dem Wahrzeichen Zürichs, dessen Ursprünge bis ins 12. Jahrhundert zurückreichen. Direkt gegenüber steht das Fraumünster mit seinem schlanken, grün schimmernden Turm – besonders schön angestrahlt bei Nacht. Berühmt ist es unter anderem für die Chagall-Fenster im Inneren.
Die Limmat fließt hier aus dem Zürichsee Richtung Norden und teilt die Altstadt in zwei Seiten: links der Lindenhof mit römischer Geschichte, rechts das Niederdorf mit Bars und kleinen Gassen. Nachts wirkt alles fast schon filmreif. Die Spiegelungen der Kirchen, der historischen Zunfthäuser und der Brücken im ruhigen Wasser – dazu vereinzelte Schwäne, die lautlos ihre Kreise ziehen.
Auf einem der Bilder sieht man die Quaibrücke mit der Tram, die in einer Lichtspur über die Brücke fährt. Zürich verbindet hier See und Fluss, Urbanität und Ruhe. Und obwohl es wirtschaftlich eine der reichsten Städte Europas ist – rund 430.000 Einwohner, hohe Lebensqualität, internationales Finanzzentrum – fühlt es sich nachts erstaunlich entspannt an.
Am Bürkliplatz beginnt der Zürichsee. Tagsüber starten hier die Kursschiffe der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft, abends liegen die Boote ruhig vertäut. Die Lichter der Stadt spiegeln sich im Wasser, im Hintergrund die dunklen Silhouetten der Hügel.
Kurz nach Mitternacht ging es dann ins Apartment in Altstetten.Read more
Frauenmünster
February 14 in Switzerland ⋅ ☁️ 5 °C
Am Morgen nach einem netten Frühstück sind wir mit der 2er Tram direkt zum Paradeplatz gefahren. Von dort sind es nur ein paar Schritte bis zum Fraumünster – und wir sind eigentlich ohne große Planung einfach hineingegangen.
Wirklich schön!! Warum war ich da noch nie drin?
Schon beim Eintreten merkt man diese besondere Stimmung. Die Kirche wirkt klar, fast schlicht – und genau dadurch entfalten die Fenster ihre enorme Wirkung. Gegründet wurde das Fraumünster bereits 853 von Ludwig dem Deutschen als Frauenkloster. Jahrhunderte lang hatten hier Äbtissinnen großen politischen Einfluss in Zürich. Erst mit der Reformation unter Zwingli wurde das Kloster aufgelöst.
Das Highlight sind natürlich die berühmten Chagall-Fenster im Chor. Fünf hohe, leuchtende Glasfenster, 1970 von Marc Chagall gestaltet. Dominierend sind intensive Blau- und Grüntöne, dazwischen Rot und Gelb. Die Szenen sind biblisch – Propheten, Jakob, Christus – aber nicht klassisch erzählt, sondern fast träumerisch, schwebend. Besonders das große blaue Fenster wirkt wie ein Lichtstrom, der den ganzen Raum erfüllt. Die Farben spiegeln sich auf dem Steinboden und erzeugen eine unglaublich ruhige, fast mystische Atmosphäre.
Im südlichen Querhaus gibt es noch ein weiteres modernes Fenster von Augusto Giacometti aus den 1940er-Jahren. Etwas abstrakter, geometrischer – ein spannender Kontrast zu Chagall.
Auch architektonisch gibt es schöne Details:
Die große Orgel auf der Westempore mit ihrem imposanten Pfeifenwerk.
Die fein geschnitzte Kanzel mit dem hölzernen Schalldeckel.
Das schlichte Taufbecken vorne im Chorraum.
Und der Kreuzgang mit Resten mittelalterlicher Fresken – ein stiller Ort abseits des Hauptschiffs.
Was das Fraumünster so besonders macht, ist nicht Größe oder Prunk, sondern Licht und Atmosphäre. Mitten im Zentrum von Zürich, nur wenige Meter vom Paradeplatz und der Bahnhofstrasse entfernt, steht dieser ruhige, farbige Raum.Read more
Café Odeon
February 14 in Switzerland ⋅ 🌧 5 °C
Nach dem Besuch im Fraumünster sind wir Richtung Bellevue gelaufen und im Café Odeon eingekehrt. Genau der richtige Ort für eine kleine Pause.
Das Odeon wurde 1911 eröffnet und ist eines der berühmtesten Kaffeehäuser der Schweiz. Hohe Decken, Marmorsäulen, große Fensterfronten, Kronleuchter – es hat diesen klassischen Wiener-Kaffeehaus-Charme mit einem Hauch Pariser Brasserie. Man sitzt dicht beieinander, viel Bewegung, viel Gespräch – und trotzdem wirkt alles angenehm entschleunigt.
Historisch ist das Café fast schon legendär. Hier saßen früher Intellektuelle und Künstler, unter anderem Albert Einstein während seiner Zürcher Zeit, später auch Schriftsteller wie James Joyce. Es war Treffpunkt für Exilanten, Denker und Politiker – ein Stück europäische Kaffeehauskultur mitten in Zürich.
Wir haben uns an die Bar gesetzt, ein Glas Weißwein bestellt und eine kleine Platte mit Trockenfleisch und Käse geteilt. Genau richtig zwischen Kultur und Stadtbummel. Durch die großen Fenster sieht man das Treiben am Bellevue, Tramlinien kreuzen sich, Menschen strömen vorbei – drinnen dagegen warmes Licht und dieses klassische Ambiente.
Das Odeon ist kein versteckter Geheimtipp, sondern eine Institution. Und genau das macht es aus. Man kommt nicht nur wegen des Kaffees oder Weins, sondern wegen der Atmosphäre. Ein Ort, an dem man sitzen bleibt, schaut, diskutiert – und einfach kurz das Zürcher Lebensgefühl genießt.Read more
Auf dem Zürisee
February 14 in Switzerland ⋅ ☁️ 6 °C
Jetzt wollten wir also doch noch aufs Wasser – und es ging tatsächlich schneller als gedacht. Mit unserem Tagesticket konnten wir ganz unkompliziert eines der Kursschiffe der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft nehmen. Vom Bürkliplatz aus starteten wir Richtung Zürichhorn. Schon beim Ablegen wehte die Schweizer Fahne am Heck im kalten Wind, während sich die Stadt langsam vom Boot entfernte.
Der Zürichsee selbst wirkt auf den ersten Blick ruhig und fast unspektakulär – aber gerade diese Weite macht ihn so besonders. Rund 40 Kilometer lang zieht er sich vom Zürcher Oberland bis in die Stadt hinein, entstanden aus einem Gletscherbecken der letzten Eiszeit. An grauen Tagen wie diesem verschwimmen Himmel, Wasser und die Hügel fast ineinander. Trotzdem hatte die Fahrt etwas Beruhigendes: Möwen auf dem Wasser, vereinzelte Segelboote, dahinter die dicht bebauten Hänge von Küsnacht und Zollikon.
Unser Schiff – die „Uetliberg“ – glitt gleichmäßig durch das Wasser. Die modernen Kursschiffe sind erstaunlich komfortabel, mit großen Panoramafenstern und offenen Decks. Gerade im Winter ist es angenehm, zwischendurch hineinzugehen und sich aufzuwärmen. Der Blick zurück Richtung Stadt zeigte die beiden Türme des Grossmünsters, die Silhouette der Altstadt und die Quaibrücke – Zürich präsentiert sich vom See aus fast schon mediterran, wenn auch mit deutlich kühleren Temperaturen.
Am Zürichhorn angekommen, sind wir ausgestiegen. Dieser östliche Teil des Sees gehört zu den ruhigeren Ecken der Stadt. Weite Grünflächen, alte Bäume und viel Platz direkt am Wasser. Gleich ins Auge fällt das auffällige, schwarze Stahlkunstwerk von Jean Tinguely – eine seiner typischen, komplex verschachtelten Maschinen-Skulpturen, die eigentlich Bewegung suggerieren, selbst wenn sie stillstehen. Ganz in der Nähe steht der Chinagarten Zürich mit seinem traditionellen Tor und den goldenen Dächern – ein Geschenk der Partnerstadt Kunming und einer der schönsten chinesischen Gärten außerhalb Chinas.
Direkt am Wasser liegt auch das Restaurant „Fischerstube“ im Stil eines Pfahlbaus – mit seinem markanten, großen Schilfdach wirkt es fast wie ein Relikt aus einer anderen Zeit. Ruderboote zogen ihre Bahnen vorbei, trotz des Wetters waren einige Sportler unterwegs.
Von dort sind wir gemütlich am Seeufer zurückgelaufen. Der Uferweg ist perfekt ausgebaut, immer wieder mit kleinen Stegen, Blickachsen auf die Stadt und die gegenüberliegenden Hänge. Auf der rechten Seite Villen mit direktem Seezugang, auf der linken das ruhige Wasser. Je näher man wieder Richtung Bellevue kommt, desto urbaner wird es – mehr Spaziergänger, Cafés und die Tram, die parallel zum See fährt.
Am Bellevue angekommen, sind wir dann wieder in die 2er-Tram gestiegen. Einige Stationen später waren wir zurück in unserer Wohnung – mit dem Gefühl, trotz grauem Himmel einen perfekten Zürcher Nachmittag erwischt zu haben: ein bisschen Stadt, ein bisschen See, ein bisschen Weite.Read more
Kle
February 14 in Switzerland ⋅ 🌧 5 °C
Nach ein paar Stunden Olympia-Schauen – leider ohne neue Medaillen – ging es am frühen Abend wieder mit der 2er Richtung Stadt, aber nur ein paar Stationen. Das Wetter hatte leider nicht wirklich aufgeklart, und die letzten Meter zum KLE mussten wir dann mit Regenschirmen zurücklegen. Leichter Regen, nasse Straßen, diese typische Zürcher Abendstimmung im Winter.
Im ersten Stock hatten wir den Chef’s Table – sehr gemütlich, fast schon wohnzimmerartig. Der Raum ist ruhig, warm, minimalistisch, mit viel Holz und sanften Farben, genau die Art von Atmosphäre, die sofort entschleunigt. Silvia hat uns den ganzen Abend über wunderbar begleitet: aufmerksam, herzlich, sehr entspannt, mit genau dem richtigen Maß an Erklärung und Zurückhaltung.
Wir haben uns für das 6-Gänge-Überraschungsmenü entschieden. Immer wieder erstaunlich, was Zizi Hattab mit ihrer veganen Küche auf den Teller bringt. Die Gerichte sind präzise, klar aufgebaut und gleichzeitig verspielt – viel Textur, überraschende Säure, feine Röstaromen, oft kombiniert mit Kräutern, Nüssen oder fermentierten Komponenten. Nichts wirkt dogmatisch oder „ersetzend“, sondern einfach eigenständig und durchdacht. Man vermisst zu keinem Zeitpunkt Fleisch, Fisch oder Milchprodukte – im Gegenteil, man denkt gar nicht darüber nach.
Schade nur, dass Zizi an diesem Abend selbst nicht da war. Ihre Handschrift ist trotzdem in jedem Gang spürbar: diese Mischung aus Schweizer Produktfokus, internationaler Technik und großer Lust am Experimentieren. Kein Wunder, dass KLE zu den spannendsten veganen Restaurants der Stadt zählt und auch weit über Zürich hinaus einen Namen hat.
Zum Absacker sind wir danach gleich um die Ecke noch in ihre Weinbar Cor gegangen. Sehr entspannte Atmosphäre, gute Musik, ein sorgfältig kuratierter Weinfokus mit viel Naturwein, aber ohne belehrend zu sein. Der perfekte Abschluss für einen langen, genussvollen Abend – ein paar Gläser haben wir uns noch gegönnt!Read more
Frühstück im Sprüngli
February 15 in Switzerland ⋅ ☁️ 0 °C
Am Morgen ging es schon wieder los. Mit der 2er Tram direkt zum Paradeplatz – gefühlt gehört das inzwischen schon zum festen Zürich-Ritual. Draußen noch grauer Himmel, drinnen bei Sprüngli warmes Licht, Holzvertäfelung, Marmor, diese klassische Mischung aus Grandezza und Schweizer Zurückhaltung.
Die Confiserie Sprüngli gibt es seit 1836, gegründet von David Sprüngli. Heute ist sie vor allem berühmt für ihre Luxemburgerli – die zarten, kleineren Schweizer Macarons – und natürlich für die edlen Pralinés. Am Paradeplatz sitzt man quasi im Wohnzimmer der Zürcher Genusskultur.
Der Sonntagsbrunch ist mit 79 CHF pro Erwachsenem kein Schnäppchen, aber dafür sehr umfassend. Schon der Start ist typisch Sprüngli: Ein Glas Prosecco (oder alkoholfreie Alternative) inklusive. Als Basis bekommt man eine Etagère an den Tisch – bei uns mit Mini-Bagel mit Pastrami und Meerrettichcreme, einem Waffelstück mit Grapefruit-Curd und Joghurt-Tonka-Schaum sowie weiteren kleinen, fein arrangierten Häppchen.
Vom Buffet gibt es alles, was das Frühstücksherz begehrt:
Gipfeli, Laugengebäck, Brioche, verschiedene Brotsorten – dazu Butter, Honig und die hauseigenen Konfitüren in kleinen Gläsern. Aprikose, Beeren, klassisch und perfekt abgeschmeckt. Daneben Joghurt-Variationen, Granola, Bircher-Müesli, frischer Fruchtsalat.
Herzhaft wird es mit Fleisch- und Käseauswahl, Lachs, Eierspeisen und wechselnden warmen Gerichten. Aus der Küche kommen zusätzlich frisch zubereitete Speisen wie Buttermilch-Pancakes mit Mango und Mandelkrokant oder die Sprüngli-Waffeln mit Grapefruit-Curd und Pistazien. Auch Eggs Benedict mit Sauce Hollandaise stehen auf der Karte, ebenso Roastbeef mit Béarnaise oder – etwas moderner – Kichererbsen-Tomaten-Ragout und gebratener Broccolini.
Besonders schön: Alles wirkt hochwertig, aber nie überladen. Kein Massenbuffet, sondern eher eine kuratierte Auswahl mit klarer Handschrift. Service aufmerksam, freundlich, sehr professionell – genau das erwartet man hier.
Mit Blick aus dem Fenster auf die Fassaden rund um den Paradeplatz, einer guten Tasse Kaffee und noch einem Luxemburgerli zum Abschluss war das ein sehr stilvoller Start in den Sonntag. Zürich kann schon Brunchen.Read more
Kunsthaus Zürich
February 15 in Switzerland ⋅ ☁️ 2 °C
Nach dem genialen Frühstück bei Sprüngli am Paradeplatz mussten wir uns erst einmal bewegen – wir hatten natürlich wieder viel zu viel gegessen. Die gut 20 Minuten Richtung Heimplatz waren perfekt. Ein entspannter Spaziergang durch Zürich, frische Luft, ein bisschen Verdauung – und dann steht man vor dem Kunsthaus.
Das Gebäude selbst ist beeindruckend. Der historische Bau wirkt klassisch und fast ehrwürdig, der neue Erweiterungsbau dagegen klar, reduziert und modern. Viel Stein, viel Licht, großzügige Räume. Innen wirkt alles ruhig und konzentriert – fast sakral. Kunst bekommt hier wirklich Raum.
Schon im Eingangsbereich haben uns die großen Installationen begeistert. Monumentale Figuren mit schillernden, fast metallisch glänzenden Gewändern, riesige farbige Wandarbeiten – sehr stark inszeniert und ein spannender Kontrast zur klaren Architektur. Man bleibt automatisch stehen und schaut.
Die Ausstellung der Sammlung Merzbacher ist dann das eigentliche Highlight. Eine unglaubliche Dichte an Klassischer Moderne – und man merkt sofort: Das ist mit Leidenschaft gesammelt worden.
Besonders beeindruckt haben uns die Werke von Van Gogh. Das Weizenfeld mit der dunklen Zypresse – diese vibrierenden Pinselstriche, der bewegte Himmel, das leuchtende Gelb. Alles wirkt lebendig und voller Energie. Und dann das Portrait des alten Bauern – dieser Blick, die Hände, das intensive Gelb im Hintergrund. Man steht davor und wird ganz ruhig.
Monets Küstenlandschaft bringt dagegen Leichtigkeit. Man spürt das Meer, das Licht, die Luft. Ganz anders wiederum Vlaminck – kräftige, fast aggressive Farben, expressive Linien, pure Dynamik im Feld. Und Chagalls Blumenstrauß in diesem tiefen Blau – traumhaft, poetisch, fast schwebend.
Zum Schluss noch die abstrakte Energie eines Pollock – schwarz auf weiß, scheinbares Chaos, das doch Struktur hat. Man versucht Muster zu erkennen und merkt schnell: Es geht mehr um Bewegung als um Motiv.
Die Mischung aus Klassischer Moderne und zeitgenössischen Installationen funktioniert hier wirklich hervorragend. Kein Bruch, sondern ein Dialog über Epochen hinweg.
Fazit: Nach dem üppigen Frühstück war das genau der richtige kulturelle Vormittag. Das Kunsthaus Zürich ist nicht nur ein Museum, sondern ein Erlebnis. Architektur, Atmosphäre und eine Sammlung, die wirklich begeistert. Ein richtig starker Programmpunkt in Zürich.Read more
Kunsthaus - Moser Bau
February 15 in Switzerland ⋅ ☁️ 3 °C
Im älteren Gebäudeteil des Kunsthauses waren wir zuerst in der großen Ausstellung „Berührung des Essenziellen“ von Wolfgang Laib. Die ruhigen, fast meditativen Arbeiten mit Blütenstaub, Reis, Bienenwachs und Milch wirkten in den hohen, von Oberlicht durchfluteten Räumen besonders intensiv. Die reduzierten Formen und natürlichen Materialien entfalten dort eine enorme Präsenz – leise, aber eindringlich.
Danach der abrupte Stilwechsel zur Pop Art – und hier hingen tatsächlich Werke von Roy Lichtenstein und Andy Warhol. Bei Lichtenstein war die typische Bildsprache sofort erkennbar: klare, schwarze Konturen, starke Primärfarben und die charakteristischen Ben-Day-Dots, die an vergrößerte Comic-Druckraster erinnern. Seine Arbeiten spielen bewusst mit der Ästhetik der Massenmedien, zitieren Comic-Panels oder Alltagsmotive und heben sie auf Museumsniveau – kühl, ironisch und zugleich extrem präzise komponiert.
Andy Warhol war mit ikonischen Motiven vertreten, die Konsumkultur und Starkult thematisieren. Serielle Wiederholungen, leuchtende Farbvariationen, Siebdrucktechnik – dieses Spiel mit Reproduktion und Oberfläche ist typisch für ihn. Ob Alltagsprodukte wie Suppendosen oder stark stilisierte Porträts – Warhols Werke wirken auf den ersten Blick simpel, entfalten aber bei genauerem Hinsehen eine starke gesellschaftliche Aussage über Massenproduktion, Medien und Celebrity-Kultur.
Gerade im Kontrast zu Wolfgang Laib wurde deutlich, wie unterschiedlich künstlerische Positionen sein können: hier kontemplative Reduktion mit Naturmaterialien, dort grelle, mediale Bilderwelt der 1960er-Jahre. Und dann weiter zu den Alten Meistern im nächsten Saal.
Die Räume mit den grün gefassten Wänden, schweren Goldrahmen und dem großen Glasoberlicht vermitteln eine klassische Museumsatmosphäre. Landschaften, Historienbilder und fein ausgearbeitete Figurenstudien zeigen die handwerkliche Virtuosität vergangener Jahrhunderte. Das Licht fällt gleichmäßig von oben ein und lässt die Farben weich leuchten. In der Mitte des Raumes eine Skulptur auf einem Sockel – fast wie ein ruhender Mittelpunkt zwischen den großen Erzählungen an den Wänden.
Der ältere Bau des Kunsthauses mit seiner klaren Achsenstruktur, den hohen Decken und dem natürlichen Licht bietet dafür die perfekte Bühne. Er wirkt würdevoll und ruhig, fast zeitlos – und genau das macht diesen Teil des Museums so besonders.Read more
Mein Büro
February 15 in Switzerland ⋅ ☁️ 4 °C
Auf dem Heimweg vom Museum wollten wir noch kurz bei meinem Büro vorbeischauen. Inzwischen war das Wetter deutlich besser, die Wolken rissen auf und wir hofften auf eine klare Sicht über die Stadt. Schon von unten wirkt der Prime Tower beeindruckend. Mit seinen 126 Metern und 36 Stockwerken ist er nach wie vor das höchste Gebäude Zürichs. Die Glasfassade spiegelt den Himmel und je nach Licht schimmert sie fast türkis. Er steht mitten in Zürich West, einem ehemaligen Industriequartier, das sich in den letzten Jahren komplett gewandelt hat – heute moderne Büros, Restaurants, Galerien und viel neues Leben zwischen alten Viaduktbögen und Bahntrassen.
Wie eigentlich zu erwarten war, sind wir nicht einfach so hineingekommen. Der Zugang erfolgt über einen biometrischen Handvenen-Scanner – ohne registrierte rechte Hand kein Einlass. Besucher mit reinnehmen ist also nicht ganz trivial. Also sind wir hoch ins Clouds im 35. Stock gefahren. Und das hat sich gelohnt. Die Aussicht von dort oben ist spektakulär. Unter uns das riesige Gleisfeld des Hauptbahnhofs, das alte Viadukt mit den Zügen, der markante rot-weiß gestreifte Kamin des Heizkraftwerks, dahinter die Stadt, der Zürichsee und bei klarer Sicht sogar die Alpen. Vom 35. Stock wirkt alles noch einmal weiter und offener als vom 18. – fast wie eine perfekt inszenierte Miniaturwelt.
Auf dem Weg dorthin sind wir noch durch das UBS-Gebäude an der Europaallee gelaufen. Die Europaallee ist eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Zürichs direkt neben dem Hauptbahnhof. Hier sind in den letzten Jahren moderne Bürogebäude, Wohnungen, Gastronomie und Bildungsinstitutionen entstanden. Das UBS-Areal wirkt massiv, aber sehr klar strukturiert – viel Naturstein, große Glasflächen und großzügige Innenhöfe. Man spürt, dass hier einer der zentralen Standorte der größten Schweizer Bank sitzt, strategisch perfekt angebunden am wichtigsten Verkehrsknotenpunkt des Landes.
Nur ein paar Schritte weiter befindet sich auch einer der bedeutendsten Google-Standorte außerhalb der USA. Zürich ist für Google ein zentraler Entwicklungsstandort, insbesondere für Engineering und Produktentwicklung. Die Gebäude rund um die Europaallee und die Sihlpost verbinden moderne Architektur mit offenen, kreativen Arbeitswelten. Viel Glas, viel Licht, flexible Flächen und dieses typische Campus-Gefühl mitten in der Stadt. Es ist schon bemerkenswert, wie sich hier Bankenwelt, Tech-Giganten und urbane Lebensqualität auf engstem Raum treffen.
So wurde aus dem kurzen Abstecher ins Büro noch ein kleiner Architektur- und Perspektivwechsel durch das neue Zürich. Und mit der Aussicht vom Prime Tower über Stadt, See und Berge war es ein würdiger Abschluss des Tages.Read more
Herbert Grönemeyer Konzert
February 15 in Switzerland ⋅ 🌧 2 °C
Zum Abschluss des Tages ging es noch auf das Konzert von Herbert Grönemeyer. Die Anfahrt mit der S-Bahn hat wunderbar funktioniert – entspannt, ohne Stress, und pünktlich um 20 Uhr ging es los. Schon beim Betreten der Halle war klar: Das wird kein ruhiger Abend.
Die Arena war bis auf den letzten Platz gefüllt. Rundbühne in der Mitte, große Lichtinstallation darüber, überall gespannte Erwartung. Und dann kam er – und hatte das Publikum sofort im Griff. Grönemeyer kann einfach Stimmung machen. Zwischen kraftvoll, nachdenklich, politisch und humorvoll – er spielte das komplette Spektrum aus. Man merkte ihm an, wie sehr er diese Momente genießt.
Mit einer riesigen Band im Rücken – Bläser, Streicher, Percussion, mehrere Keyboards – klang das Ganze unglaublich satt und dynamisch. Über drei Stunden lang hat er alte Klassiker und neue Songs gespielt. Natürlich durften „Bochum“, „Männer“, „Mensch“ oder „Zeit, dass sich was dreht“ nicht fehlen. Die Halle hat jede Zeile mitgesungen, teilweise lauter als die Band selbst. Das Publikum war textsicher bis in die letzte Strophe und hat nicht nur mitgesungen, sondern die Chöre regelrecht übernommen.
Genial war die Mischung aus Energie und Emotionalität. Mal stand die ganze Halle, mal wurde es ganz still. Und immer wieder dieser direkte Draht ins Publikum. Keine Distanz, kein Star-Gehabe – eher das Gefühl eines großen gemeinsamen Abends.
Ein richtig schöner Abschluss. Musik, die verbindet, über Generationen hinweg. Und nach über drei Stunden mit Gänsehautmomenten ging es glücklich wieder zurück – ein rundum gelungener Abend.Read more














































































































































































































TravelerKlasse, das wäre auch genau unser Ding!
TravelerKeiner musste, weil das Brot verlorenging, in den See?
TravelerWir haben eine andere Regel … „nackt ums Haus rennen“ - musste aber keiner :-)