Gottesdienst am Pecos, Langtry, Marathon
21. april 2024, Forenede Stater ⋅ ☀️ 20 °C
Die Nacht wird ruhig und am nächsten Morgen fahren wir nach einem gemütlichen Frühstück nach Langtry zur Touristeninformation. Die Damen sind sehr nett und geben uns eine ganze Tüte Prospekte mit Infos zum Big Bend Nationalpark mit. Hinter der Touristeninfo sind zwei alte Gebäude nachgebaut. Der Ort bestand eigentlich aus diesen beiden Gebäuden, der Kneipe und dem Haus des Langtrygründers, einem offenbar etwas skurrilen Richter, der gleich in der Kneipe die Gerichtsverhandlungen abgehalten hat. Echt urig. Wir fahren weiter und versuchen, in einer nahegelegenen Baptistenkirche in einer kleinen Geisterstadt unser Glück. Thomas hat ein Photo im Internet gefunden laut dem um 11 Uhr ein Gottesdienst stattfinden soll. Die Damen in der Touristeninfo wußten gar nichts. Wir kommen pünktlich an und tatsächlich findet auch der Gottesdienst statt. Der Pfarrer begrüßt uns mit Handschlag und auch die anderen 14 Gottesdienstbesucher sind sehr freundlich. Nach einer schönen Predigt und vielen Gospelgesängen, welche auf zwei Klavieren von zwei Damen begleitet werden, welche ähnlich klingen wie unser Klavier zu Hause. Eben wie direkt aus einem Cowboysaloon. Zwei der Gottesdienstbesucher haben ganz selbstverständlich einen Revolver im Gürtelholster stecken. Das passt dazu. Die Atmosphäre ist super. Nach dem Gottesdienst werden wir herzlich eingeladen, an dem sonntäglichen Lunch der Gemeinde teilzunehmen. Die Frauen haben alle etwas mitgebracht und so ist ein großes Bufett auf einem Tisch in einem Raum hinter der Kirche aufgebaut. Frauen und Männer sitzen getrennt an zwei Tischen. Wir als Gäste sollen uns als erstes am Buffet bedienen. So viel Gastfreundschaft ist schon fast peinlich. Ich setze mich zu den Frauen und Thomas zu den Männern. Wir wollen die Sitten ja nicht unterwandern. Die Damen sind alle Rancherinnen von den umliegenden Höfen. Die nächste wohnt 14 Meilen entfernt und die weiteste 50 Meilen. Man trifft sich nach dem Gottesdienst, weil man die Woche über keinen sieht auf den einsamen Ranches. Nur eine hat eine klassische Ranch mit Kühen, alle anderen haben Schafs- und Ziegenfarmen. Das Land ist zu trocken und spärlich und gibt nicht viel her für das große Vieh. Das Essen ist sehr abwechslungsreich und ich habe mir von jedem einen Löffel genommen um alles gleichmäßig probieren und loben zu können. Die Frauen freuen sich und wir kommen schnell ins Gespräch. Sie sind neugierig was wir so machen und berichten von ihrem Farmleben, was so ganz anders ist als ich es kenne. Zum nächsten Supermarkt müssen sie 150 Meilen fahren in die nächste Stadt nach Del Rio. Das gleiche gilt für Arztbesuche. Alles ist sehr weitläufig und andere Menschen treffen sie nur selten. Die Kinder der meisten leben in den Städten. Nur wenige übernehmen die Farmen, welche wirklich harte Arbeit sind. Die Frauen beeindrucken mich. Die Herren an Thomas Tisch sind nicht so gesprächig. Hier geht es mehr um das Wild, was man so jagt, um Pumas und Klapperschlangen. Der eine ist der Lehrer der schon etwas herumgekommen ist. Der mit dem Revolver ist Ingenieur und der Pfarrer kommt eigentlich aus North Carolina. Nach dem Mittagessen verabschieden wir uns herzlich. Man wünscht uns eine gute Weiterreisen und wir versprechen über Facebook in Kontakt zu bleiben. Wir fahren weiter nach Marathon so etwa 200 km entfernt durch eine weite unbesiedelte Prärie. In Marathon gehen wir in die French Bakery, trinken einen Kaffee und erstehen ein richtiges deutsches Graubrot. Ein Gruppe deutscher Harleyfahrer ist am Nachbartisch. Sie sind total schräg aufgemacht, so Easy Rider mäßig. Das ist eher peinlich. Danach besuchen wir das berühmte Gage Hotel in dem James Dean, Elisabeth Taylor und noch andere Hollywood Größen übernachtet haben, als sie den Film „Giganten“ gedreht habe. Ist sehr rustikal und sehenswert. Wir gönnen uns noch ein Bierchen unter einem großen weißen Büffelkopf und fahren weiter. Unser Ziel heute ist die Black Game Wildlife Management Area, ein großes Gebiet, in dem einige wenige Campsites verstreut liegen, das verspricht eine einsame Campsite, ohne daß man vom Nachbarn alles mitbekommt. Schon der Weg dahin führt durch halbwüstenartige Steppenlandschaft mit grandiosen Felsformationen am Horizont. Dort angekommen, fahren wir zunächst zur Registriertung. Der Aufenthalt als solcher ist kostenfrei, man benötigt aber ein Jahrespermit, entweder incl. Jagdschein oder excl. Jagdschein (die günstigere Variante, die bräuchten wir). Wir hatten versucht, das im Internet zu kaufen, aber die Webseite ist immer wieder abgebrochen. Allerdings sind wir vor Ort auch nicht erfolgreich, in der Registrierung ist natürlich keiner da, man muß sich nur in einer Liste eintragen. Das machen wir dann, mehr können wir hier nicht tun. Wir suchen uns auf der dort ausgehängten Karte einen Platz, der nicht allzu weit von der Straße (alles Schotterpiste) entfernt ist. Es ist ein sehr weitläufiges Gelände, aber irgendwann kommt dann tatsächlich unser Abzweig. Die Piste wird immer holpriger – ob das unser Buschen noch schafft? An einer etwas steileren Stelle gibt es dann die Diskussion, ob wir oben bleiben (was hieße rückwärts zur nächsten ebenen Stelle zu fahren und dort zu übernachten) oder hinunterzufahren, der Platz ist fast schon zu sehen. Wir fahren weiter, es ist eine schwierige und holprige Piste, aber es geht gut. Der Platz ist klasse, wirklich einsam und mitten in der Wildnis. Fast schon Namibia-Qualität.Læs mere




