• Via Crucis und Fahrt nach Somoto

    18. april 2025, Nicaragua ⋅ ☀️ 26 °C

    Nach einer ruhigen Nacht sind wir direkt an der Kirche, an der die Prozession startet. Pünktlich um 10 Uhr geht es los. Die Gemeinde versammelt sich vor der Kirche. Umständlich werden die Jesusfigur, die Marienfigur und die des Apostels Johannes seitlich zur Calvarientreppe heruntergetragen. Dann beginnt die Prozession am unteren Ende des Calvarienbergs auf dem Kirchengelände. Die Prozession folgt den Stufen nach oben, etwa alle drei Stufen ist eine Kreuzwegstation, an der dann Predigten und Gebete gesprochen werden. Die Gemeinde knubbelt sich um die Figuren. Die Prozession läuft sehr feierlich ab, bis die Prozession in der Kirche ankommt und der Priester mit einem Gebet in der Kirche endet. Wir verlassen den Kirchenparkplatz. Dort haben sich am Ausgang sehr auffällig Militärposten mit schweren Maschinengewehren positioniert. Diese sind von der Staatsgewalt geschickt, um die Einhaltung des Versammlungsverbots auf der öffentlichen Straße zu beaufsichtigen. Daher das Gedränge um den Calvarienberg. Ortegas Regime erlaubt diese Prozession nur auf dem Kirchengelände. Auf der öffentlichen Straße ist sie verboten. Was ein übergriffiger Staat. Es ist erstaunlich, dass trotzdem so viele Menschen zu Kirche gehen und traurig zugleich, wie dieses Regime die Glaubensfreiheit beschneidet. Wenn man die ausufernd bunten und lauten Prozessionen in Antigua Guatemala dagegen sieht, weiß man, was diesen Menschen verboten wird. Wir möchten nicht wissen, wie viele für ihren Glauben Einschrenkungen ihres persönlichen Lebens hinnehmen müssen, wenn dies schon im öffentlichen Leben so demonstartiv zur Schau gestellt wird. Armes Nicaragua und vor allem arme Nicaruagianer. Es ist für uns ein bedrückendes Gefühl und das als Touristen. Wir verlassen San Rafael del Norte und fahren durch die Berge Richtung Staatsgrenze Honduras. Am Nachmittag kommen wir am Somoto Canyon an. Wir bezahlen unseren Eintritt, welcher für Ausläder das mehr als viefache kostet wie für die Einheimischen. Das handhaben hier alle Länder in Mittelamerika so. Auch das ist mit unserem mitteleuropäischen Gleichheitsempfinden nicht vereinbar. Was würde in Deutschland für ein Aufschrei durch die Presse gehen, wenn Ausländer einen mehrfachen Eintrittspreis bezahlen müssten wie Deutsche. Das wäre undenkbar. Aber hier ist es normal. Wir parken auf dem noch recht vollen Parkplatz. Es ist Ostersamstag und die Nicaraguaner haben alle frei. Die Dame des angrenzenden Restaurants meint, am Abend seien alle weg und wir können gerne über Nacht stehen bleiben. Wir parken im Schatten und laufen vor zum Canyon. Wir müssen zweimal den kleinen Fluss kreuzen und stehen am Eingang des Canyons, der allerdings recht unspektakulär aussieht. Viele nicaraguanische Familien platschen im Wasser und viele recht Betrunkene torkeln herum. Wir gehen zurück. Der Parkplatz ist schon fast leer. Wir gehen duschen und essen zu Abend. Dann sind alle fort und es ist wunderschön ruhig.Læs mere