• Hinteres Sonnwendjoch 1986m

    October 3 in Austria ⋅ ☀️ 7 °C

    Abschied vom Wilden Kaiser und von den Bergen, aber nicht ohne eine kleine Tour, denn ich wollte am Heimweg noch meine Paten in München besuchen. Und schon lange auf meiner Liste stand das Hintere Sonnwendjoch überm Ursprungtal. Mir war klar, dass es voll werden würde, aber ich war früh genug dran. Die Sonne schien, der Himmel war strahlendblau. Rasch komme ich auf dem Teer- und Forstweg in dem riesigen Almgebiet rund um die Ackernalm voran. Dann geht es endlich auf den Wiesenpfad und das Panorama wird immer besser. Der Weg schlängelt sich am Hang hinauf, wird schottriger und teilweise echt steil. Ich schwitze und schnaufe, was gut ist, weil so haben Gedanken an die Arbeit keine Chance - es reicht, dass sie sich später wieder in meinem Kopf schleichen mit Dingen, die ich erledigen, nachschauen und vorbereiten muss. Daheim gibt es dazu ein paar schnelle Notizen, der Laptop bleibt aber zu. Schon als ich losgefahren bin, denke ich mir, dass ich so gerne bleiben würde - auch wenn ich mich aufs vertraute Daheim freue. Am Weg hinauf zum Gipfel schwirren diese Gefühle erneut herum. Ich hab so ein tolles Leben - und dennoch bin ich manchmal unendlich traurig, mutlos - aus verschiedenen Gründen. Doch nun erfreue ich mich am Ausblick - weniger am Weg, denn Schotter mag ich nicht sonderlich - und beneide die Kühe, die sonst im Sommer hier oben sind. Da klatscht irgendwo ein Stein. Ich sehe links von mir ein großes Felsband und erspähe darin Gamsen; die eine scheint zurückzuschauen. Auch sie machen mir Freude. Dann wünsche ich mir aber endlich den Gipfel herbei - es ist steil, geht über ein paar Felsen, Schrofen und durch Latschen hindurch, ich habe Hunger. Dann blinzelt das Gipfelkreuz hervor und wenige Momente später bin ich oben - und atemberaubt von dem 360-Grad-Rundumblick. Trotz der Sonne ist es aufgrund des Winds etwas frisch, noch halten sich die Menschenmassen in Grenzen, aber als ich absteige, kommen mir viele, viele entgegen. Wie gut, dass ich gehe. Am Runterweg wähle ich die Variante über die Fromalm - über eine Steilstufe mit Mini-Kraxelei und durch eine Latschengasse hinunter auf die Almwiese und zurück zur Teerstraße. Oben auf der Wiese ist der Blick zum Kaiser magisch - dort habe ich schöne Stunden mit einem besonderen Menschen verbracht, den ich sicher nie vergessen werde - trotz allem. Zur Abrundung der kleinen, feinen Runde schaue ich bei der Almkapelle vorbei und natürlich im Almladen. Mit Bio-Bergkäse und vielen Erinnerungen düse ich zurück in den Alltag...Read more