• Großer Gebra 2057m

    2 oktober, österrike ⋅ ☁️ 7 °C

    Gemeldet für heute ist blauer Himmel mit Sonnenschein, doch morgens liegt alles im grauen Nebel. Nachdem ich den Kaiser nicht sehen kann und damit, wie die Schneelage ist, wähle ich statt Tristkopf/Kröndlhorn mit 2300/2400 Metern lieber den Großen Gebra 2057m. Auch weil ich da mal ein anderes Eck an Bergen sehe; sonst wäre ich immer mehr oder weniger im gleichen Gebiet und Panorama unterwegs gewesen. Am Wildalmparkplatz im Auracher Graben angekommen, ist es zapfig um die null Grad, aber klar und phasenweise sonnig. Mit mir kommt ein junges Pärchen mit Hund aus Hessen an; auf Menschen habe ich gerade keine Lust, ich schaue, dass ich auf dem Forstweg schnell Meter zwischen uns bringe, was mir leicht gelingt. Es geht erstmal entlang des wilden Bachlaufs rein in ein faszinierendes Almgebiet in einem weiten, großen Talkessel. Über dem erheben sich diverse, größtenteils angezuckerte Gipfel. Welcher wird mein Ziel sein? Während ich mich nun über eine gefrorenen, steilen Wiesenpfad zur Wildalpe hocharbeite und mir sicher bin, dass ich runter den Forstweg nehmen werde (was ich beinschonend denn auch später tue), kommt mir ein markanter Berg sehr bekannt vor: Mit dem Wissen, dass direkt hinter dem Bergrücken Fieberbrunn liegt, kann es nur der Wildseeloder sein, was mir später ein Wegweiser bestätigt. Gott sei Dank, denn den Zacken hätte ich nicht hochgehen wollen – also nicht von der Seite. Weiter über den Fahrweg geht es hinauf zur Hochwildalm. Von hier startet der Pfad – wunderschön mal flacher, mal steiler über frostige Almwiesen, gefrorene Pfützen, unzählige Haareislocken, die aus dem Boden zu wachsen scheinen, durch zahllose Schwarzbeerbüsche hindurch und über Steine hinweg. Noch immer sehe ich zwei Gipfelkreuze, die von meinem Pfad aus möglich wären. Der Weg windet sich am Hang entlang weiter nach oben – mit Ausblicken in den großen Kessel, dahinter hervorblitzende weiße Gipfelriesen und die Strecke Hahnenkamm – Schwarzkogel. Erst bei diesem Anblick wird mir klar, was ich da gestern an (toller) Strecke gemacht habe. Außerdem bin ich stolz, dass ich immer mehr Berge erkenne. An die Arbeit denke ich diesmal weniger – liegt sicher an der größeren Anstrengung, immerhin muss ich diesmal rund 1000hm am Stück bergan bewältigen. Aber ein anderer Gedanke zuckt vor allem beim Anblick der vielen Almen durch meinen Kopf: Ich bin nicht mutig genug, den Wunsch eines Almsommers zu leben, alles hinter mir zu lassen…. Ich komme an die nächsten Schilder; inzwischen ist mir klar, wo mein Weg enden wird. Zum Gebra geht es von hinten her – noch 15 Minuten laut Wegweiser. Es wird noch etwas eisiger, der Wind hält sich Gott sei Dank in Grenzen. Der Weg ist schmal. Ausrutschen beim Abstieg wäre sicher nicht die beste Idee… Und dann bin ich oben! Nach 2:10 Stunden statt angegebenen 3 Stunden. Gerannt bin ich aber nicht, seit der Herzsache gehe ich kontrolliert, höre in mich rein. Und wegen der einmaligen Herbstfarben musste ich eh ganz oft gucken, staunen und knipsen. Leider wird es nicht so sonnig wie gestern; im Gegenteil, es zieht eher zu. Also Jacke, Handschuhe an, kurz was essen und wieder runter. Da kommt mir das hessische Pärchen entgegen und am Abzweig ebenfalls ein Paar mit drei Hunden; die sind aber lustig drauf, wir kommen ins Gespräch. Sie kamen vom Wildpark her; nachdem es auf deren Hochweg ebenfalls zur Hochwildalm – wenn etwas länger – zurückgeht und ich ja noch Zeit habe, nehme ich die kleine Rundtour. Zuerst verfluche ich mich dafür – es geht steil und rutschig nach unten. Dann aber wird der Weg zu einem aussichtsreichen Höhenpfad über zum Gebra-Joch – zwischen großen Felsen und orangeroten-Farnen. Unten sehe ich Mauerreste und den Fahrweg um den Huckel herum zurück zur Hochwildalm. Der endet weit vor der Alm und mündet in einen schönen Wald- und Wiesenpfad auf fast einer Höhe. War doch eine gute Idee, so zu gehen! Ab der Alm geht es über den Forstweg zurück zum Auto. Keine Sonne, etwas Wind. Trotzdem gönne ich mir dann nach der Tour ein Keiser-Eis in Going – Tiramisu und Germknödel – lecker wie immer!Läs mer