Aggenstein und Teufelstättkopf
Apr 27–28 in Germany
Manchmal muss man in Leben spontan und verrückt sein: Eine Kollegin hat vor einiger Zeit gesehen, dass einer, der bei Neuhaus aufgewachsen ist, nun Extrembergsteiger ist und schon zwei Achttausender ohne Sauerstoff gemeistert hat. Genau mein Thema. Norrdine Nouar war bereit zu einem Portrait und bei einem Telefonat entstand die Idee, das Gespräch dazu am Berg im Allgäu, seiner Wahlheimat, zu machen. Ich wollte eh genau in die Richtung zum Bergsteigen fahren, das Wetter sollte passen. Und das Geniale: Wir beiden waren noch nie am Aggenstein (1986m). Auf der Fahrt mit wunderschönem Sonnenaufgang und Nebel über den fränkischen Feldern schoss mir dann der Gedanke durch den Kopf, dass das etz vielleicht nicht meine beste Idee war… Mitschreiben beim Wandern. Der Typ mega fit und Trailrunner, ich ganz ok fit, aber mit motzendem Herz die letzte Zeit… Aber blamieren wollte ich mich nicht und Ehrgeiz hab ich ja auch. Und ich mag Herausforderungen, wie ich ihm dann später auch schmunzelnd verriet. Aber eines war eh klar: Der Tag würde genial werden – nicht nur wegen des Wetters, sondern wegen der Chance einer Begegnung mit einem Höhenbergsteiger (und dafür danke und liebe ich meinen Job!). Und die Begrüßung war gleich entspannt und so, als würde man sich schon länger kennen. Ja gut, das Tempo war ordentlich, aber ich musste ja wenig reden (und irgendwann konnte ich das auch nicht mehr)😉 Nur Stichpunkte für das Portrait notieren. Na gut, das ein oder andere konnte ich am Abend nicht mehr lesen… Während Norrdine entspannt, Frühstück essend, mit Jacke und Brötchentüte in der Hand und nicht schwitzend/schnaufend voran stürmte, versuchte ich, Kontakt zu halten. Ohne wirklich auf die Uhr zu gucken, hatte ich den Eindruck, der Aufstieg zur Kissinger Hütte ging fixer als der Abstieg – wir waren definitiv schneller als die angegebene Zeit. Und ich platzte innerlich vor Stolz! Die Gespräche waren einfach ehrlich, offen, bereichernd und auf einer Wellenlänge. Denn mein Gegenüber, das mit mir so aufmerksam umging, wie ich es selten erlebt habe, hat kluge, interessierte Rückfragen gestellt, die meine Selbstreflexion anregten – wer ich bin und was ich im Leben möchte. Man muss das tun, was einen erfüllt und glücklich macht, weil alles andere dankt einem eh keiner. Gerne viele Portraits mit den verschiedensten Menschen am Berg machen, als Buchprojekt, für Alpenverein, ein Bergmagazin… Solche Begegnungen wie mit Norrdine sind ein Geschenk! Und die Frau, die ihn im Leben haben darf, kann sich echt glücklich schätzen! Nach einer Interviewpause an der Hütte rissen wir die letzten Höhenmeter und angeblichen 45 Minuten zum Gipfel in etwa 25 Minuten ab. Und da wurde der eh tolle Pfad über Wurzeln und Steine, durch Wald und Wiese, der auch Norrdine begeisterte, erst richtig geil: Kraxelei fast senkrecht am Fels mit Seil! Love it! Keine Gedanken an irgendwas, nur offener Austausch, die Majestät der Berge, eine Sicht ohne Worte. Ein echtes Traumtagerl, für das ich unendlich dankbar bin! Anekdote am Rande: Als ich am Parkplatz gewartet hatte, ist neben mir ein Trio aus einem Mann und zwei Frauen zum Aggenstein losgezogen; eine Frau war mir etwas zu laut und drüber… Jedenfalls als Norrdine dann da war, klingelte ein Handy; der Mann hatte es am Autodach vergessen. Wir haben es unters Auto in den Schatten gelegt und ihn dann am Weg informiert. Dann klemmte ein Kinderriegel an meinem Außenspiegel. Der Berg hat einfach immer wieder schöne kleine Begegnungen parat.
Das trifft auch auf den zweiten Tag zu bei der sehr genialen Tour zum Teufelstättkopf (1758m). Da traf ich oben einen Rentner aus den Berchtesgadenern, mit dem ich den Abstieg gegangen bin mit ein paar netten Gesprächen. Doch von Anfang an: Zwar ging es die erste Stunde nur über eine Forststraße hoch, aber die war landschaftlich mit Wiesen-Wald schön und sie war bestens für Konditionstraining, also schnell Meter machen. Auf dem Forstweg traf ich nicht nur eine Gams, sondern eine Horde Bundeswehrler, die ich überholte. An der total süßen kleinen Kuhalm wechselte der Weg in einem schmalen, steilen Serpentinenpfad am Bergrücken hinauf. Dann erste Ausblicke – und kleinere Schneefelder… An zwei, drei Stellen war wegen der weißen, aufgeweichten Pracht der Steig plötzlich weg. Naja hab ich mich halt über den verschneiten Grashang hochgearbeitet – bisserl Abenteuer darf ja sein. Richtig genial wurde es am Grat oben: Wurzeln, Latschen, Steine – genau mein Fall! Daher steht fest: Ohne Schnee die Grattour von Linderhof über Hennenkopf, Laubeneck und Teufelstättkopf – die wird mega sein! Zum Schluss noch bisserl Kraxelei bis zum Gipfel nach knapp 2 Stunden statt 2:30); was für ein Ausblick nur für mich! Die Gedanken hatten Sendepause, das Herz lief super gut (ich glaube, dem tun die Berge einfach gut 😉) und jmd, der mich die letzten Wochen sehr beschäftigt hat, rückte in den Hintergrund. Ich war wohl mal wieder ein netter Zeitvertreib…Abhaken. Fazit: zwei wundertolle Tage in den beeindruckenden Allgäuer und Ammergauer Alpen! Ich komme wieder 😉Read more















Wie immer sehr nachvollziehbar und unterhaltsam beschrieben. Auch zwischen den Zeilen lese ich manches heraus. [Hans]
Traveler😍
TravelerDas sind die absoluten Höhepunkte des Berufs, aber auch des Lebens, diese Begegnungen. Freu mich auf den Bericht!
TravelerLieben Dank!