Auf nach Goa ✈️☀️🌊
Apr 12–24 in India ⋅ ☀️ 31 °C
Die Begeisterung über unsere wunderbare Zeit in Nepal im Gepäck steigen wir am Sonntagnachmittag ins Flugzeug Richtung Mumbai. Wir hatten von mehreren Seiten gehört, dass es sich bei der Ausreise aus Nepal lohnt, auf der rechten Seite im Flugzeug zu sitzen, da man so auf die Gipfel des Himalaya blicken kann. Tatsächlich haben wir zwei Fensterplätze hintereinander ergattert und auch das Wetter spielt mit - wir dürfen einige Minuten lang noch einmal die beeindruckend hohen Berge durch das Flugzeugfenster betrachten. Nepal verabschiedet sich von seiner authentischsten Seite von uns, ganz so als wollte es noch einmal sicherstellen, dass wir den Wesenskern des kleinen Landes auch ja nicht vergessen. 😌 🏔️ ✨
Knapp drei Stunden später landen wir wohlbehalten in Mumbai und sind aufgrund unserer Erfahrungen in Neu-Delhi etwas aufgeregt mit Blick auf das, was uns wohl außerhalb der sicheren Festung des Flughafens erwartet. Unsere Aufregung wird beim Warten auf die Passkontrolle noch deutlich gesteigert, denn Kai fällt kurz vor Prüfung unserer Pässe durch die Grenzbeamten auf, dass unser Touristenvisum um 23:59h desselben Tages ausläuft. Wir versuchen auf die Schnelle herauszufinden, ob dies tatsächlich zutrifft und kommen zu dem Ergebnis, dass wir die Visumsvorschriften falsch interpretiert haben. Deutschen Staatsbürgern gewährt Indien 30 Tage Aufenthalt mit zweimaliger Einreise im Rahmen eines regulären Touristenvisums. Da wir Mitte März zum ersten Mal eingereist sind, jedoch nur drei Tage im Land waren bevor wir nach Nepal weitergereist sind, waren wir davon ausgegangen, dass wir nach der zweiten Einreise noch 27 Tage im Land sein dürfen. Unser Verständnis erweist sich jedoch als falsch, wie uns der Grenzbeamte kurze Zeit später höflich erklärt. Wir können zwar mit unserem Visum an diesem Tag noch einreisen, sind jedoch ab dem nächsten Tag ohne wirksame Aufenthaltserlaubis im Land und müssen bei der zuständigen Einwanderungsbehörde eine ausdrückliche Ausreisegenehmigung beantragen. Dies gehe unproblematisch online, wie der Grenzbeamte uns erklärt. Was in Indien „unproblematisch online“ bedeutet, haben wir noch von unserer Visumsbeantragung vor einigen Wochen im Kopf, hinzu kommt meine beruflich geprägte Vorahnung, was es bedeuten kann, ohne wirksame Aufenthaltserlaubnis in einem Land zu sein. Wir durchschreiten also mit ziemlich beklommenem Gefühl die Grenzkontrolle und machen uns auf den Weg zu unserem Hotel. Da wir am nächsten Morgen sehr früh zum Bahnhof müssen, um mit dem Zug nach Goa zu fahren, haben wir ein Hotel auf dem Flughafengelände gewählt und können zu Fuß dorthinlaufen. Die erste Konsequenz unseres ablaufenden Visums wird uns gleich beim Check-in im Hotel bewusst: die Unterkünfte sind in Indien verpflichtet, die Aufenthaltserlaubnis der Gäste zu prüfen und da es sich um ein Hotel der amerikanischen Marriott-Gruppe handelt, das wir über meinen Bruder Adrian gebucht haben, nimmt man es sehr genau mit den Compliance-Vorschriften. Wir versuchen zunächst, genau zu erklären, was mit unserem Visum schiefgelaufen ist, jedoch fordert das Hotel einen schriftlichen Nachweis, den wir vom Grenzbeamten nicht erhalten haben. Nach einigem Hin und Her gibt sich das Personal schließlich mit einer Kopie unseres ursprünglichen Visumsantrages zufrieden und empfiehlt uns, die Ausreisegenehmigung sofort online zu beantragen. Dieses Projekt nehmen wir auch gleich nachdem wir auf unserem Zimmer sind in Angriff, scheitern jedoch eine gute Stunde später am unglaublich umfangreichen Fragebogen, auf dem wir neben unserer überwiegenden Lebensgeschichte auch noch die halbe Lebensgeschichte unserer Eltern und unserer Arbeitgeber eintragen müssen. Die meisten Angaben sind mit Belegen zu untermauern, die wir in bestimmten Dateiformaten im Online-Tool hochladen müssen. Besagtes Online-Tool ist jedoch wenig anwenderfreundlich - wir fragen uns wie schon bei der Visumsbeantragung, ob die hochgelobten indischen ITler es mit der Programmierung in eigenen Angelegenheiten wohl nicht ganz so genau nehmen. Nach mehreren Versuchen und zunehmend überstrapazierten Nerven, beschließt Kai, zumindest noch für einige Minuten in den Hotel-Pool zu springen und ich recherchiere die Öffnungszeiten der beiden Hotel-Restaurants. So kommen wir zumindest noch für zwei Stündchen in den Genuss eines hervorragenden Abendessens und etwas Schlaf, bevor wir uns am nächsten Morgen früh auf den Weg nach Goa machen.
Halb verschlafen möchten wir um 3:30 Uhr morgens aus dem Hotel auschecken, nur um festzustellen, dass auch beim Check-Out noch einmal die gesamte Visums-Thematik erfragt wird. Letztlich ist das Hotel jedoch zufrieden, als wir nochmals unsere ursprünglichen Visumsanträge zeigen und man lässt uns ziehen. Es folgt eine etwa 45-minütige Taxifahrt von Nord-Mumbai zum Bahnhof in Süd-Mumbai, während der uns die Dimensionen der indischen Metropole eindrucksvoll bewusst werden. Am Bahnhof angekommen, merken wir endgültig, dass wir zurück in Indien sind: da die ersten Züge erst am 5h morgens fahren, sitzen und liegen die Fahrgäste bereits in der Bahnhofsvorhalle auf dem Boden und warten geduldig auf ihre jeweiligen Züge. Wir mischen uns mit unseren Rucksäcken unter die Wartenden und nehmen kurze Zeit später Platz in unserem Zug in Richtung Goa. Die Zugstrecke von Mumbai nach Goa, die sog. „Konkan-Railway-Strecke“, war uns bei der Reisevorbereitung als besonders sehenswert empfohlen worden, insbesondere wenn man einen der begehrten Plätze im Panorama-Waggon ergattert, bei dem man die Sitze zur Seite in Richtung großer Fenster drehen kann. Die Fahrt ist tatsächlich spannend, wenn auch nicht ganz so szenisch-spektakulär, wie angepriesen. Entgegen der Darstellung im YouTube-Video sind die großen Fenster des Panorama-Waggons doch etwas in die Jahre gekommen und verkratzt und die Landschaft etwas eintöniger als erwartet. Dennoch lohnt sich die gut 9,5-stündige Fahrt, da wir noch einmal eine deutliche Vorstellung von den Dimesionen und der Vegetation des Landes erhalten. Auch der Service an Bord des Zuges ist wirklich hervorragend, wie wir schon bei unseren beiden Zugfahrten zwischen Neu-Delhi und Agra festgestellt hatten. Zum Frühstück gibt es Sandwiches mit Masala-Omelette und zum Mittagessen Matar-Paneer, ein leckeres Tomaten-Curry mit Paneer-Käse und Reis. Zwischendurch gibt es immer wieder die Möglichkeit, Kaffee oder Masala-Chai in kleinen Bechern zu kaufen und sich so die lange Zugfahrt zu versüßen.
Glücklicherweise werden im Zug unsere Visa nicht kontrolliert, sodass wir am frühen Nachmittag in Madgaon, im südlichen Teil Goas eintrudeln. Bis zu unserer Unterkunft am Patnem Beach sind es noch einmal gut 45 Minuten mit dem Taxi - entsprechend groß ist unsere Skepsis gegenüber den Taxifahrern, die uns aus Neu-Delhi noch bestens in Erinnerung sind. Unsere Skepsis erweist sich jedoch als unbegründet, denn die Mentalität der Taxifahrer in Goa erweist sich als grundlegend anders als derjenigen in Neu-Delhi und Agra. Der Preis entspricht auf Anhieb demjenigen, den wir vorab recherchiert haben und unser Taxifahrer bringt uns zielsicher direkt zu unserem Hotel, während er uns auf der Fahrt dorthin immer mal wieder etwas über die bevorstehende Cashewkern- und Mangoernte berichtet.
Wie wir kurze Zeit später feststellen, ist die höflich-entspannte Haltung unseres Taxifahrers keine Ausnahme in Süd-Indien, sondern entspricht der weit überwiegenden Mentalität der Menschen in Goa. Auch das Personal in unserer Unterkunft ist ausdrücklich zuvorkommend und sympathisch und wird uns in den kommenden Tagen ans Herz wachsen. Glücklicherweise nimmt man es beim Check-in in Goa auch nicht ganz so genau mit der Visakontrolle, sodass wir uns riesig über unser wunderschönes kleines Zimmer in einem Pavillon-ähnlichen Häuschen mit Blick aufs Meer freuen und kurze Zeit später unseren ersten Strandspaziergang machen. Gleichwohl ist uns bewusst, dass wir die Ausreisegenehmigung schnellstmöglich beantragen müssen und so entschließen wir uns, am nächsten Morgen den Hotelmanager um Rat zu bitten. Dieser erweist sich als deutlich entspannter als das Hotelpersonal in Mumbai und weiß direkt, welches Formular wir ausfüllen müssen und wie die erforderlichen Nachweise in das Online-Tool gelangen. Er empfiehlt uns, am nächsten Morgen in das nahegelegene Örtchen Canacona zu fahren, um dort im sog. „Cyber-Café“ den Antrag vollständig online einzureichen. Seinem Rat folgen wir gerne und sind dankbar, dass das Hotelpersonal unseren Antrag bereits für uns vorbereitet hat, als wir uns am nächsten Morgen auf den Weg ins Cyber-Café machen. Dort angekommen, stellen wir fest, dass wir offensichtlich nicht die Einzigen sind, die Unterstützung beim Einreichen von Anträgen bei indischen Behörden haben. Die Mitarbeiter im Cyber-Café erweisen sich als hilfreiche Schnittstelle zwischen Bürger und Behörden und übernehmen sämtlichen Papier- und Kommunikationsaufwand gegen eine Gebühr - von der Beantragung einer SIM-Karte oder eines Kredits bis zur Zahlung der Kfz-Steuer oder eben der Beantragung einer Ausreisegenehmigung. Allein das Warten im Cyber-Büro bis wir an der Reihe sind, ist eine Erfahrung für sich und gibt uns einen kleinen Einblick in die indische Art der Bewältigung alltäglichen Verwaltungsaufwand. Schließlich nimmt man sich unseres Antrages an und wir sind froh, als der Mitarbeiter vorschlägt, die Überschreitung unseres Visum mit „due to war in Iran“ zu begründen. Ganz aus der Luft gegriffen ist die Begründung schließlich nicht, denn ursprünglich wären wir tatsächlich erst am 12. April zum ersten Mal nach Indien eingereist und dann hätte unser Visum völlig unproblematisch ausgereicht. Kurze Zeit später ist unser Antrag eingereicht und wir schaffen es, uns dem entspannten „Beach Vibe“ Süd-Goas hinzugeben.
Die kommenden Tage verbringen wir abwechselnd am Patnem Beach und am Palolem Beach, bestaunen die vielen Kokospalmen, schwimmen im warmen Wasser oder kehren in eines der vielen kleinen Strand-Restaurants ein, um Garnelen-Kokos-Curry zu essen oder die Cocktail-Happy Hour auszunutzen. An einem der Tage gehen wir zu einem der vielen Yoga-Kurse, die in Goa am Strand oder in den Wäldern in Strandnähe angeboten werden. Da sich die Saison dem Ende zuneigt und es unglaublich warm ist mit hoher Luftfeuchtigkeit, sind wir die einzigen beiden Kursteilnehmer bei einer japanischen Yoga-Lehrerin. Wir schaffen es trotz des Klimas einigermaßen auf den Beinen zu bleiben, allerdings bleibt es eine einmalige Sache, denn es wird von Tag zu Tag wärmer und schwüler.
Ein weiteres Highlight unserer Zeit in Goa ist der Kochkurs mit Chef Raoul, den Kai mir zum Geburtstag geschenkt hat. Auch hier sind wir die einzigen beiden Teilnehmer und unternehmen mit Raoul einen leckeren, kulinarischen Ausflug in die südindische Küche. Mit Palak Paneer, einem süßlich-würzigen Champignon-Curry und einem lokalen Garnelen-Kokoscurry kochen wir drei Hauptgerichte, die mit marinierten Garnelen, einem Koriander-Dip und selbstgemachtem Naan-Brot abgerundet werden. Rund sind wir nach der Mahlzeit ebenfalls und nehmen die Hälfte unseres selbstgekochten Essens mit und haben am Folgetag noch einmal ein vollständiges Abendessen.
Während sich unsere Zeit in Goa und unsere Reise so langsam dem Ende neigt, freuen wir uns besonders, dass Heidi und Gerhard, die wir in Bandipur kennengelernt und in Pokhara wiedergetroffen hatten, ebenfalls noch für ein paar Tage nach Goa kommen und am Patnem Beach bleiben werden. So verbringen wir noch drei tolle, gemeinsame Abende in Goa, tauschen Reiseerfahrungen und Gedanken zu bezahlbarem Wohnen und alternativen Wohnprojekten aus.
Unser indisches Strand-Idyll wäre fast sorgenfrei, wenn wir nicht bis zur Mitte der letzten Woche immernoch keine wirksame Ausreisegenehmigung gehabt hätten. Zwar war Kai zwischendurch seitens der Behörde aufgefordert worden, eine ausführliche Stellungnahme einzureichen und die Überschreitung des Visums zu erklären. Dieser Aufforderung sind wir natürlich nachgekommen, hörten jedoch anschließend wieder einige Tage nichts. Zwei Tage vor unserem geplanten Rückflug erhielt ich dann eine Zahlungsaufforderung für eine Bearbeitungsgebühr - anschließend wieder nichts und auch keine Zahlungsaufforderung für Kai. Nach Rücksprache mit unserem Hotel sehen wir daher keine andere Möglichkeit, einen Tag vor unserer Abreise zur Einwanderungsbehörde in Panjim zu fahren, der Hauptstadt des Bundesstaates Goa. Das Städtchen erweist sich als ausgesprochen hübsch mit vielen bunten Häusern aus Zeiten der portugiesischen Kolonialzeit. Unser Besuch bei der Einwanderungsbehörde erweist sich jedoch als ausgesprochen ernüchternd. Man betrachtet sich als unzuständig und verweist uns an die Einwanderungsbehörde im gut 600km entfernten Mumbai. Nach mehreren Nachfragen erhalten wir zumindest eine Telefonnummer der Behörde in Mumbai, die wir allerdings ohne indische SIM-Karte nicht anrufen können. Da die Zeit bis zu unserem Rückflug am Abend des nächsten Tages wirklich drängt und wir uns schon mit dem Gedanken anfreunden, unseren Rückflug nochmals verschieben zu müssen, beschließen wir, uns im nächstbesten Handyladen eine lokale SIM-Karte zu besorgen. Auch hierbei haben wir die Rechnung ohne die indischen Visumsvorgaben gemacht - die Beantragung einer SIM-Karte scheitert abermals am abgelaufenen Visum. Wir erklären dem Handyverkäufer, zunehmend nervös, dass wir die Visumsthematik gerne klären möchten, hierfür jedoch mit einem indischen Handy telefonieren müssen. Kurzerhand gibt uns der Handyverkäufer sein privates Handy und ich erreiche glücklicherweise einen Sachbearbeiter der Einwanderungsbehörde. Er versteht unsere Zeitnot und bearbeitet unsere Anträge im Schnellverfahren, sodass wir beide noch am selben Tag unsere Ausreisegenehmigung haben. Riesig erleichtert verbringen wir so noch einen letzten Tag in Goa, zumal unser ursprüngliches Hotelzimmer für die bevorstehende Monsun-Zeit vorbereitet wird und das Hotel uns daher ein deutlich größeres Zimmer mit direktem Meerblick gewährt hat.
Ein Abschiedscocktail und ein leckeres Abendessen später, sitzen wir schließlich im Taxi auf dem Weg zum Flughafen Goa, von wo aus wir über Mumbai nach Athen fliegen werden. Bei der Ausreise in Mumbai geht unser Puls dann noch einmal hoch, als der Grenzbeamte noch mehrfach nachfragt, ob der Grund für die Visumsüberschreitung tatsächlich „due to war“ ist und er noch einmal mit einem Kollegen Rücksprache hält. Schließlich lächelt er uns an, sagt „ahhh, finally going home“ (ähhhh, jaaa, so ähnlich 😅🙈), stempelt unsere Pässe und verabschiedet uns mit den Worten „Hope you come back soon“. Dass wir gerade erstmal froh sind, Indien rechtmäßig verlassen zu dürfen, behalten wir sicherheitshalber für uns und stehen kurz darauf im Duty Free-Shop.
Froh und erleichtert warten wir nun auf unseren Flug nach Athen und freuen uns, Schritt für Schritt zurück nach Europa zu gelangen.Read more





























Traveler
😀😀
TravelerDa haben wir das heilige Kälbchen beim Shoppen erwischt 😆 💄 👜 🛍️
Traveler
🥰