• Astrid Helene
  • Kai Hammelsbeck
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  • Kai Hammelsbeck

Nepal und Indien 2026

Eine Reise vom Himalaya bis zum Meer 🥾 🏔️ 🌊 Read more
  • Trip start
    March 13, 2026

    Überraschend in Neu-Delhi

    March 14 in India ⋅ ☁️ 23 °C

    Ihr Lieben,

    meine letzte Fernreise ist eine Weile her und nach einigen Alleinreisen bin ich dieses Mal nicht alleine unterwegs, sondern gemeinsam mit meinem Freund Kai, worüber ich mich riesig freue. Die Idee für diese Reise ist bei unserem ersten Date entstanden, als Kai mich fragte, wohin ich am liebsten reisen wolle, wenn ich mich für einen Ort entscheiden müsste. Meine spontane Antwort war „Nepal“, bei Kai war es genauso. Wir wandern beide gerne, mögen Natur und das Erkunden fremder Kulturen, finden den Buddhismus spannend, interessieren uns für Yoga (ich mehr als Kai) und Meditation (Kai mehr als ich). Als Kai die Zusage für seinen neuen Job ab Mai bekommt und beschließt die Zeit zwischen seiner letzten Arbeitsstelle und seiner neuen Aufgabe für eine längere Reise zu nutzen, gehe ich zunächst davon aus, dass ich ihn höchstens drei Wochen begleiten können werde. Letztlich kommt es ein wenig anders, sodass wir die Möglichkeit erhalten, sechs Wochen gemeinsam zu reisen.

    Ende Januar ist der Iran-Krieg für uns beide noch in weiter Ferne, sodass wir kurzerhand einen Flug von Düsseldorf nach Kathmandu über Doha buchen. Wenige Tage später stellt sich jedoch heraus, dass eine sichere Reise über Doha nicht mehr möglich ist. Wir stornieren unseren Flug und entscheiden uns für eine Alternativverbindung über Neu-Delhi. Da der Flugverkehr in diesen Teil der Welt infolge der Iran-Krise deutlich eingeschränkt ist und wir keine sinnvolle unmittelbare Verbindung von Deutschland nach Kathmandu finden, entscheiden wir uns, insgesamt vier Nächte in Neu-Delhi zu bleiben, einen kleinen Abstecher nach Agra zu machen, um den Taj Mahal zu besichtigen und erst anschließend weiter nach Kathmandu zu fliegen. Unseren Plan schmieden wir jedoch ohne die Gewerkschaft Cockpit einzubeziehen, denn vier Tage vor Abflug verkündet die Lufthansa einen zweitägigen Streik der Piloten. Ein wenig fühle ich mich erinnert, an die Zeit in Kolumbien, als ich während des ersten Corona-Lockdowns auf einigen Umwegen zurückgekehrt bin nach Deutschland. Obwohl die Unsicherheiten im Zusammenhang mit eine kurzfristigen Umplanung wegen des ausgefallenen Fluges ein privilegiertes Problem sind, fühlen wir uns doch etwas herausgefordert von der Situation. Wir sind beide sehr neugierig auf Indien, haben aber beide etwas Respekt vor einem völlig spontanen Aufenthalt. Für mehr Planung als die absoluten Basics bleibt uns jedoch keine Zeit, denn zwischen letztem Arbeitstag und Abflug bleiben nur wenige Tage. Glücklicherweise ist Kai etwas „Planungs-affiner“ als ich und nimmt die Reiseplanung der ersten Tage in die Hand. Als wir unsere Rucksäcke packen, ist immernoch nicht sicher, ob wir am Freitag fliegen können und so fühlt sich die Reisevorbereitung etwas unwirklich an. Letztlich wird unser Flug über München nach Delhi aber zum Check-in freigeschaltet und ehe wir uns versehen, sitzen wir am frühen Freitagmorgen im Flugzeug nach München. Dort angekommen, realisieren wir so langsam, dass es nun wirklich losgeht und motivieren uns für die weitere Reise erstmal mit einem waschechten Weißwürschtl-Frühstück, dass wir mit einem großen Hellen herunterspülen, bevor wir die Brezn in den nächsten Wochen in Naan, Roti, Papadam und Chapati eintauschen. Unser Kellner am Münchener Flughafen erweist sich als versteckter Fotograf, sodass unser Ausflug in die bayrische Kulinarik umfangreich dokumentiert wird 😅🤗. Etwas müde, angenehm satt und jedenfalls sehr erleichtert steigen wir anschließend in den Flieger in Richtung Neu-Delhi. Wie wir dort empfangen wurden und wie wir uns in der wuseligen Metropole gefühlt haben, erzählen wir Euch in den nächsten Tagen.

    Reiselustige Grüße von Astrid und Kai 🤗 🌍 🗺️ 🥾

    P. S. Die Beiträge haben wir übrigens abwechselnd verfasst - ratet mal, wer welchen geschrieben hat 🤗😃.
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  • Alle Wege führen zum Connaught Place

    Mar 14–17 in India ⋅ ☁️ 23 °C

    Wir sitzen im Departure Area des Delhi International Airports und warten auf unseren Flug nach Kathmandu. Auf einer kleinen Bühne spielt ein Duo aus einem Trommler und einem Gitarristen, mit einer indian Slide Guitar, einem für traditionelle Klänge angepassten großen Instrument, eine beruhigende, nicht enden wollende Melodie. Beide sitzen nebeneinander auf Kissen. Der Geräuschpegel ist einer großen Wartehalle angemessen. Hochwertige Shops bekannter Edelboutiquen zieren die Randbereiche der klimatisierten Halle, der Boden ist gefliest und sauber, es riecht angenehm neutral. Mit anderen Worten; es ist ein völlig untypischer Ort für New Delhi. Es ist der größte „safe space“, den wir, seit unserer Ankunft in New Delhi besucht haben und damit der, gefühlt wohlverdiente, Höhepunkt eines „island-hoppings“, in dem wir uns die letzten vier Tage geübt haben. Die wenigen eingemauerten und für Touristen angenehmen Inseln in der Stadt sind rar gesäht und immer mit einem Eintrittspreis verbunden. Unsere Eintrittskarte heute; unsere Flugtickets.

    Jeder Reisende, der für sich neue Gewässer erschließt, respektiert die hohe See. Und so haben auch wir uns am ersten Tag voller Mut und Respekt für die Naturgewalten Delhis ins Getummel der Hauptstadt Indiens gestürzt. Die ausführlichen und wie sich später herausstellen sollte, wirklich seriösen, lieb und nett gemeinten Ratschläge, Hinweise und Angebote unseres Hotelmanagers ignorierend, wollten wir unser erstes Ziel, das Red Fort, eine alte Festung, im Rahmen eines 30-minütigen „Erkundungs-Spaziergangs“ ansteuern - ein fataler Fehler. Wenige Meter später waren wir in aufeinanderfolgenden Dialogen verwickelt. Im ersten wurde uns ein Angeot für eine Tuck Tuck Fahrt ins Zentrum gemacht. Dankend ablehnend haben wir kurz darauf freundliche Hinweise von einem Herrn erhalten, dass Vorbeifahrende gerne mal Smartphones klauen, wenn man sie zu exponiert am Straßenrand stehend einsetzt, um Fotos zu machen. Ein anderer, vertrauensvoll wirkender Mann hat uns auf exzellentem Englisch wärmstens empfohlen uns ins Zentrum fahren zu lassen, da es dort so viel für uns zu sehen gibt. Wieviel würde uns ein Tourist Helpcenter noch erklären. Er rief uns ein Tuck Tuck herbei, für das er uns mühelos den Preis von 40 Rupien (ca. 40 Cent) verhandelte. Mehr sollten auch Touristen nicht bezahlen, sagte er. Wir stiegen ein. Mit dem Handy die Fahrt verfolgend, merkten wir, dass wir zielstrebig auf dem Weg zum Connaught Place fuhren, der Ort, vor dem uns der Manager warnte, weil er für Touristenfallen bekannt ist. Die Masche soll, auch einer offiziellen Warnung des auswärtigen Amtes nach, immer gleich sein; Touristen werden systematisch zu Geschäften gebracht, wo sie, einmal eingetreten, zum Konsum überteuerter, gefälschter und vor allem zu solcher Ware gedrängt werden, von dessen Bedarf sie garnichts ahnten. So stehen große Teppiche, Schmuck und Mode ganz oben auf der Liste. Wer würde sich nicht freuen, mit einen neuen Wohnzimmrteppich im Handgepäck, die Weiterreise antreten zu dürfen. Die Erkenntnis traf uns wie ein Blitz und erschütterte unser gerade keimendes Vertrauen bis ins Mark. Wir forderten den Fahrer auf uns nächstmöglichst aussteigen zu lassen als er bereits in einen sackgassenähnlichen Hinterhof einbog und vor einem Government Information Center hielt. Ein anderer Herr kam heraus um uns zu empfangen. Gemeinsam brachten sie allerhand Überzeugungskraft auf, um uns hereinzulocken, doch wir ergriffen sofort die Flucht. Die Karte ließ einen Park erkennen, in dem wir uns erstmal neu sortieren wollten. Wie sich herausstellte sollte dies unsere erste Insel sein; ein Museum, in dem sich besondere Freilichtbauwerke befanden, für die wir gerne Eintritt bezahlten, auch wenn uns eine plötzlich auftauchende junge Frau dringlichst davon abriet, da es sich nicht lohnen würde. Was sich definitiv lohnte war einmal durchzuatmen, unseren Spaziergang in diesem sicheren Park, hinter hohen Mauern, fortzuführen und den nächsten Schritt noch einmal gut zu überdenken.

    Wir wählten einen Uber um zu einer Tempelanlage zu fahren. Wir wurden nicht enttäuscht. Die Fahrt war angenehm und wir erreichten den Ort in der blendenden Mittagssonne. Erneut konnten wir staunen, als wir erfuhren, dass man, außer seinem Portmonee nichts in die heilige Tempelanlage mitnehmen darf. Wir mussten uns überwinden, den überwiegend und zu Hauf ankommenden Einheimischen zu folgen und unsere Smartphones, Ladegeräte, Kameras und Getränke an einem Counter abzugeben. Wir erhielten nur eine Nummer auf einer Karte aus Plastik im Gegenzug und traten in die nach Geschlecht getrennten und sehr strengen Sicherheitskontrollen, die denen am Flughafen in nichts nachstehen, ein. Die Prozedur über sich ergehen zu lassen und sich zu trauen seine wertvollsten Gegenstände in das Nirvana des undurchsichtigen Aufbewahrungssystems zu entsenden haben sich gelohnt. Wir wurden mit berührenden Szenen wunderschön und traditionell gekleideter Menschen jeden Alters belohnt. Gemeinsam mit ihnen sind wir in den Genuss gekommen äußerst detailreiche und schmuckvolle Architektur zu bestaunen. Die von Mauern umgebene Anlage des Akshardam Hindutempels umfasst einen Hauptweg zum Hauptgebäude durch angelegte Gärten, sowie Nebenanlagen. In der Hauptachse befindet sich gegenüber des Tempels eine riesige goldene Figur einer stehenden Göttin mit in die Luft gestreckten Armen. Das Betreten des Tempels ist mit Schuhen nicht gestattet. Barfuss tapste man also umher und wurde beim Eintreten in das Tempelgebäude von einer käsigen Strenge empfangen. Im Inneren erinnerten uns die Bilder, die die mit Marmor verkleideten Wände schmücken, an biblische Geschichten. Doch das Plateau aus rötlichem Sandstein mit seinen Reliefs und Statuen aus unzähligen Tier und Götterdarstellungen übertraf jede zuvor gesehene Fülle an Formen, Szenen und Fantasie für die Gestaltung eines religiösen Gebäudes. Eine Reihe unzähliger, individuell gestalteter, circa einen Fuß großer Elefantenreliefs auf der Fassade umrundete den Tempel und bildete eine unendlich lang wirkende Parade, wie ich sie aus Walt Disney’s Film „Das Dschungelbuch“ kenne.

    Das hat also gut geklappt. Unser Hab und Gut an der Pforte gegen die Plastikarte und ein Lächeln in die abgleichende Überwachungskamera zurückgetauscht, saßen wir schon bald im nächsten Uber. Wir wollten noch alles aus dem Abend raushohlen und das im Licht von Strahlern inszenierte Rote Fort am Abend bestaunen, so wie von unserem Hotelmanager empfohlen. Das war dem Fahrer klar, schließlich hat er die Fahrt angenommen, wenn auch mit dem Versuch unsere PIN nicht einzugeben, die für die Abwicklung mit Uber erforderlich ist. Es folgte eine Aneinanderreihung, sagen wir wohlwollend, unglücklicher Versuche uns Alternativen vorzuschlagen, denn es sei schon spät und das Fort ist „clotscht“. Das Fort ist was? „It’s clotscht“. Aber damit nicht genug. Je länger die Fahrt dauerte desto mehr Alternativen waren auch „clotscht“. Letzten Endes gab es nur ein Ziel, das jetzt noch Sinn macht: der Connaught Place! Die Oase des touristisch motivierten Konsums, das Mekka, in dessen Richtung man in Delhi seine Taxen ausrichtet, das Mordor aller Gefährten aus dem entfernten Ausland, die im Auge des Bösen ihr Geld in das wütende Feuer werfen wollen.
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  • Zum Taj Mahal in Agra

    Mar 15–16 in India ⋅ ☀️ 30 °C

    Die REM-Phase im Schlaf ist, je machdem wieviel Erlebnisse das Gehirn verarbeiten muss, länger oder kürzer. Als wir am Frühstückstisch unseres Hotelrestaurants saßen, das sich anscheinend auch für andere Urlauber der Umgebung als sichere (Sand-)Bank in einem Haifischbecken herausstellte, zuckten unsere Lieder noch immer. Wir konnten unseren Fahrer noch kurz vor Mordor überreden unser Hotel anzusteuern und haben dann beschlossen, den gestrigen Tag zu Ende gehen zu lassen. Ohnehin ist der heutige Tag schon wieder voll verplant.

    Nach dem Frühstück geht es inklusive unserer gepackten Tagesrucksäcke für Agra zu Humayun‘s Tomb, dem Grabmal des zweiten Kaisers des indischen Mogulreichs. Dort erlebten wir Schulklassen oder vielleicht auch ganze Schulen, so viele Kinder waren es, die uns über den Weg liefen; alle in Schuluniformen und getrennt zwischen Mädchen und Jungen. Euphorische Kontaktaufnahmeversuche gab es eher von den blau Uniformierten. Die Mädchen aus Delhi wirken auf uns generell viel zurückhaltender und angenehmer. Jungen üben sich wohl früh darin Grenzen auszutesten.

    Am Sonntagnachmittag nehmen wir von einem der südlicheren Bahnhöfe Delhis einen Schnellzug nach Agra, wo wir den Taj Mahal und die Agra Fort besichtigen möchten. Die Zugtickets haben wir vorab online gebucht und steigen in einen komfortablen Zugteil, bei dem nur das Muster auf den Sitzen an die Deutsche Bahn erinnert😆 Im Übrigen ist der Service wirklich klasse - der Zug startet auf die Minute pünktlich und jeder Passagier erhält zu Beginn der Reise eine Literflasche Wasser. Wir sind ziemlich überrascht, als ein Zugbegleiter auch noch mit einem kleinen Tablett mit Snacks, Apfelsaft und heißem Wasser für einen Instant-Masala Chaitee vorbeikommt, da unsere Tickets offensichtlich Verpflegung enthalten. Nach knapp zwei Stunden Zugfahrt kommen wir am Bahnhof in Agra an und starten einen unserer kläglichen Versuche, vom Bahnhof in unsere Unterkunft zu laufen. Natürlich mal wieder ohne die Rechnung mit den unzähligen Rikscha-, TukTuk- und Taxifahrern gemacht zu haben, die sich auf uns stürzen und mit aller Überredungskunst und allerlei Finessen versuchen, uns ihre Fahrdienstleistungen anzubieten (ich bin immernoch überrascht, dass unsere Füße in all dem Gewusel heile geblieben sind 🙈😅). Nach einigen Metern geben wir auf und steigen zu Herrn Khan ins TukTuk, der offensichtlich eine wahre Institution unter den Fahrern in Agra ist und uns stolz einen Zeitungsartikel über ihn und ein vollgeschriebenes Gästebuch für die Gäste aus seinem TukTuk zeigt. Er bringt uns gut in unser Hotel, das einfach, aber sehr sauber mit höflichen und hilfsbereiten Mitarbeitern ist. Besonders gut gefällt uns, dass es über einen grün bepflanzten Innenhof verfügt, wo man etwas essen und trinken und sich vom Gewusel der Stadt erholen kann. Wir lesen noch die Indian Times im Bett, so wie es sich für einen Sonntag gehört. Dabei stoßen wir auf die ausführlichen Kontaktanzeigen und erfahren, dass der „Singlemarkt“ anscheinend nicht vollständig über Tinder und Co abgewickelt wird. Es gibt klare Kategorien, von Community, Language und Religion bis hin zur Kaste. Dann ging es aber früh ins Bett, denn uns wurde von mehreren Seiten empfohlen, den Taj Mahal früh morgens zu besichtigen.

    Also stehen wir am nächsten Morgen sehr früh auf und fahren mit dem TukTuk zum Westeingang des Taj Mahal. Auf den letzten Metern zum Eingangstor müssen wir zunächst wieder eine Horde von Guides abwimmeln, die uns ihre Dienstleistungen anbieten möchten und uns nicht mehr von der Seite weichen. Wir beide möchten jedoch lieber in unserem eigenen Tempo über das Gelände laufen und dank unserer zunehmenden Routine im Umgang mit emsigen Verkäufern und Fahrern lässt man uns letztlich in Frieden. Als wir um 6 Uhr morgens durch die Eingangskontrolle auf das Gelände laufen, dämmert es nach und nach. Als wir den ersten Blick auf den Taj Mahal erhaschen, merken wir, dass sich das frühe Aufstehen gelohnt hat. Das Gebäude mit seinen Nebengebäuden und Gärten ist wirklich wunderschön, vor allem im Dunst der frühen Morgenstunden. Wir lassen uns treiben ohne uns dem Foto-Hype zu entziehen und freuen uns besonders über die wunderschönen, bunten Kleider und Saris der indischen Frauen. Als das Gelände gegen 10 Uhr morgens endgültig überlaufen ist, machen wir uns auf den Weg zum Agra Fort, das fußläufig vom Taj Mahal aus zu erreichen ist. Da beide Gebäude in einem abgetrennten Bereich sind, können wir dieses Mal wirklich laufen 😃 und erkunden nach einer Pause im Schatten die unterschiedlichen Gebäude der Agra Fort, die ursprünglich eine Festung, anschließend während der Moghul-Zeit als Regierungssitz und heute noch teilweise vom Indischen Militär genutzt wird. Begeistert von den vielen verzierten Bögen und Mustern sowie dem tollen Kontrast aus weißem Marmor und dem für Nordindien typischen roten Sandstein, beschließen wir, zum Mittagessen in unser Hotel zu fahren. Die Wahl des TukTuk-Fahrers ist wieder einmal mit einigen Hürden verbunden, denn Kai hat einen zurückhaltenden älteren Fahrer ausgewählt, was der jüngeren Konkurrenz überhaupt nicht passt. Es wird gedrängelt, wild gestikuliert und allerlei Preise ausgerufen, bis wir schließlich ins TukTuk geklettert sind. Leider erweist sich unser Taxifahrer als nicht unbedingt ortskundig, sodass Kai kurzerhand die Navigation übernimmt. Da uns ebenfalls die Ortskunde fehlt, fahren wir geradewegs durch das lokale Automechnaniker-Viertel - was allerdings gefühlt nebenbei auch noch eine Schuster-, Schreiner-, Tischler- und sonstige Werkstatt, Lebensmittelladen, Straßenrestaurant und Bauernhof ist 😅🎉. Wir geben uns größte Mühe, das Gewusel und die Fülle an Menschen, Tieren, Fahrzeugen, Bauschutt, Müll, Geräuschen und sonstigem Allerlei irgendwie zu erfassen, scheitern jedoch und düsen staunend durch die Gassen. Im Hotel angekommen, essen wir im ruhigen, grünen Innenhof zu Mittag und entscheiden, dass wir zunächst einmal eine Pause vom Gewimmel der Straßen in Agra brauchen. Wir haben nur wenige Stunden geschlafen und insbesondere ich merke, dass mein Körper zwischendurch ausreichend Zeit braucht, um das Erlebte zu verarbeiten. An diesem Tag haben wir allerdings etwas viel Zeit zur Erholung, denn unser Zug zurück nach Delhi geht erst um 19h. Glücklicherweise dürfen wir die Zeit im Innenhof des Hotels verbringen - das Hotelpersonal fragt sich im Laufe des Nachmittags vermutlich, ob wir jemals abreisen werden oder im Innenhof dauerhaft sesshaft werden 😅🤦🏼‍♀️. Beim Check-out nehmen sie es aber mit Humor und wir machen uns auf dem Weg zurück nach Delhi. Dieses Mal gab es nur noch Tickets für einen Schlafwagen, den wir nach dem langen Tag zu schätzen wissen. Es gibt Kissen und Decken und wir haben Spaß, unsere routinierten Mitreisenden zu beobachten. Nach gut drei Stunden Fahrt kommen wir wieder gut in Delhi an und schaffen es dieses Mal tatsächlich zu Fuß in unser Hotel zu gelangen. Dabei waren wir dieses Mal fest entschlossen, ein TukTuk zu nehmen - allerdings wollte man uns die Fahrt mehrfach zum etwa Zehnfachen des üblichen Preises verkaufen, sodass wir uns letztlich doch entschieden zu laufen und dieses Mal auch nicht aufgehalten werden. Entspannt sind wir dabei jedoch keineswegs - der Verkehr in Delhi ist wirklich wahnsinnig unübersichtlich und nach unserer Wahrnehmung auch nicht ungefährlich. So sind wir sehr erleichtert, als wir gegen 23 Uhr in unserem Hotel ankommen und im angrenzenden Café sogar noch ein Abendessen bekommen. Nach dem langen Tag fallen wir schließlich völlig erschöpft ins Bett und schlafen durch bis zum nächsten Morgen. Nach dem Aufwachen freuen wir uns auf ein letztes Frühstück in unserem Hotel, das wirklich köstlich war. Neben kontinetalem Frühstück gab es täglich verschiedene indische Speisen, wie vegetarische Curries, Chapati-Brote, gebratenes Gemüse, Kartoffelstampf mit Gewürzen, Focaccia mit Raita und frisches Obst. Der Verkehr zum Flughafen ist recht ruhig und auch der Flughafen ist - im Gegensatz zu den Bahnhöfen, die wir bisher in Delhi gesehen haben - sehr übersichtlich aufgebaut und gut organisiert. Bei einem vorerst letzten Kaffee in Indien sind wir nun gespannt auf unsere Zeit in Nepal, wovon wir Euch gerne in den kommenden Tagen berichten.
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  • Kathmandu, Nepal

    Mar 17–22 in Nepal ⋅ ⛅ 23 °C

    Wir steigen also ins Flugzeug und fliegen schon kurze Zeit später über die Ausläufer des Himalaya Richtung Kathmandu. Kurz vor der Landung wird es ein wenig ruckelig. Der Landeanflug in Kathmandu gilt aufgrund der unterschiedlichen Windströmungen über den Bergen als nicht ganz einfach. Nachdem die Landung gemeistert ist, erweist sich unser Start in Nepal jedoch als außergewöhnlich sanft. Der Flughafen ist sehr übersichtlich und wirkt mit seiner großen Buddha-Statue am Eingang vom Rollfeld, Pflanzen in Blumentöpfen und Figuren von hinduistischen Gottheiten fast gemütlich. Als wir vor der Buddha-Statue ein Foto machen, fühlen wir uns auf Anhieb wohl und willkommen. Der erste Eindruck wird noch einmal bestätigt, als wir den von unserem Hotel organisierten Taxifahrer vor dem Flughafen treffen. Kein Gedrängel, kein Gewusel, kein Gehupe - wir sind angenehm überrascht und fahren kurze Zeit später durch Kathmandu, während der Taxifahrer uns einige Sehenswürdigkeiten im Vorbeifahren erklärt. Nachdem wir während der ersten Meter noch halb-skeptisch den Connaught Place wittern 😆, entspannen wir uns mit jedem Meter. Je mehr wir in Richtung des Stadtviertels Thamel fahren, wo unser Hotel liegt, desto enger werden die Straßen und desto mehr Menschen sind auf den Straßen. Die Atmosphäre ist jedoch eine völlig andere als in Delhi - witzigerweise fallen uns mit als Erstes die Bürgersteige auf, die es zumindest in einigen Teilen der Stadt gibt. Wir freuen uns richtig, die Stadt am nächsten Tag zu Fuß zu erkunden. Mindestens genauso freuen wir uns, als wir in unserem Hotel ankommen, in dem wir unglaublich freundlich begrüßt werden und das über einen großen Garten mit mehreren Sitzecken, einem Teich mit einem kleinen Wasserfall und tollen Pflanzen verfügt. Hier werden wir in den kommenden Tagen in der Sonne frühstücken oder uns zwischendurch bei einem Bananen-Lassi oder einer heißen Zitrone mit Ingwer und Honig vom Gewimmel der Stadt erholen. Zunächst aber genießen wir unser erstes Abendessen in Nepal auf einer der zahlreichen Dachterrassen Kathmandus, von denen aus man eine tolle Sicht über die Stadt und bei klarem Wetter auch auf die Berge hat.

    Nach einer recht erholsamen Nacht machen wir uns am nächsten Tag bei angenehmen 23 Grad auf den Weg, um die unzähligen Gassen Thamels zu erkunden und sind überwältigt. Keiner von uns beiden hat jemals einen derartigen Ort erlebt. Zwischen mittelalterlichen Häusern, die teilweise im für Kathmandu typischen Newari-Baustil mit aufwändigen Holzschnitzereien verziert sind, wimmelt es nur so von Läden, in denen man von Hippie-Klamotten, Räucherstäbchen, Instrumenten über (überwiegend gefälschte) Trekking-Klamotten bis hin zu Lampions, Gebetsfahnen, Klangschalen, Tee, Gewürzen, Himalaya-Salz und Buddha-Statuen so ziemlich alles erstehen kann. Die exotischen Gerüche, die aus den Läden und zahlreichen Straßenküchen strömen, in der Nase, fühlen wir uns wie in einem riesigen „Eine-Welt-Laden“. Hinzukommen die vielen Räucherstäbchen, die in dem Gassengewirr vor den unterschiedlichsten und teilweise farbenprächtigen Tempeln stehen und ebenfalls ihren Duft verteilen. Für uns und unsere Kameras gibt es kein Halten mehr. Während wir uns den Weg durch die Gassen in Richtung des zentralen Durbar Square bahnen, fallen uns immer wieder Straßenhunde auf, die auffällig gut genährt sind. Mit der Zeit wird uns klar, dass die vielen Opfergaben, die die Gläubigen in Form von Essensresten vor den Tempeln in der Stadt aufstellen wohl eher weniger von hungrigen Hindu-Göttern vertilgt werden, als vielmehr in den Mägen der irdischen Vierbeiner landen .😅
    Am Durbar Square angekommen, lassen wir uns treiben und schauen uns den ehemaligen Königspalast und das Haus der aktuellen Kumari, einer nach dem Glauben vieler Nepalesen lebendig gewordener Hindu-Göttin, an. Besonders gut gefällt uns, dass sich auf dem Durbar Square gefühlt die halbe Stadt versammelt, während die Atmosphäre gleichwohl entspannt wirkt. Wir lassen den Tag beim Sonnenuntergang auf einer der Dachterrassen am Durbar Square ausklingen und beschließen, das Museum innerhalb des ehemaligen Königspalastes am nächsten Tag anzusehen. Der Museumsbesuch lohnt sich in jedem Falle sehr - es ist den Besuchern gestattet, über mehrere Holztreppen bis in den 9. Stock des ehemaligen Königspalastes zu klettern. Auf diese Weise erschließt sich uns die überwiegend auf Holz und Backstein basierende Bauweise und man hat einen tollen Ausblick über den angrenzenden Durbar Square und die weitere Stadt.

    An unserem letzten Tag in Kathmandu regnet es leider überwiegend, sodass wir uns zunächst die Zeit im Museum of Nepali Art sowie der angeschlossenen Galerie vertreiben. Wir schauen uns die unterschiedlichen Werke zeitgenössischer nepalesischer Künstler an und sind überrascht, wie häufig sich hinduistische Gottheiten in den Motiven wiederfinden. Am Nachmittag statten wir der sog. Freak Street einen kurzen Besuch ab, wo sich Ende der 60er Jahre die Hippies trafen, die nach Nepal reisten. Vom Hippie-Geist ist allerdings nicht mehr viel zu spüren - eher hat der Bubble Tea-Geist Einzug gehalten.🧋🙄 Wir suchen uns also ein gutes Café, wo wir richtig guten Cappuccino trinken und leckeren Apfel- bzw. Möhrenkuchen essen. Den Abend lassen wir in einem anderen der zahlreichen Cafés Kathmadus ausklingen, bevor wir am nächsten Morgen früh aufstehen, um mit dem Bus nach Bandipur zu fahren. Davon mehr im nächsten Beitrag.🤗
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  • Kapan - die Ruhe Buddhas vor dem Sturm

    March 20 in Nepal ⋅ ☁️ 24 °C

    Im sogenannten Kathmandu Valley, nördlich des Stadtzentrums, ist die, entgegen der Bevölkerung zu 80% Hinduistisch geprägten Tempellandschaft, von Buddhistischen Tempel, geprägt. Geht es in Hindutempeln sehr lebhaft zu, sind Buddhistische Tempel für Ruhe bekannt. Der Alltag der dort lebenden Mönche besteht aus drei Meditationen pro Tag. Die erste ist ganz früh morgens vor 6, die anderen beiden in den Abendstunden von 17 bis 18 und von 19 bis 20 Uhr. Den Rest des Tages gehen die Mönche verschiedenen Arbeiten nach oder werden unterrichtet; von ganz normalen Lehrrern, in ganz normalen Fächern. Woher wissen wir das? - Unter anderem von Surendra, einem English, SoWi und Nepalilehrer, den wir kennengelernt haben. Aber dazu später mehr.

    Am „Morgen“ unseres vierten Tages in Kathmandu, wir pflegen die letzte Charge des Frühstücksbuffets die unsere zu nennen, machen wir uns gegen 12 Uhr auf den Weg zum Pullahary Monastery. Wir ließen uns von einem Taxifahrer quer durch die Stadt fahren, bis ganz oben auf den Hügel. Hier traten wir in eine fast menschenleere Tempelanlage, die ruhig über der Stadt thront, ein. Zwei Gärtner jäten auf der kreisrunden Wiese vor dem Haupttempel Unkraut. Mönche im Alter von 5 oder 6 bis hin zu jungen Erwachsenen huschten in roten Roben an uns vorbei, grüßten freundlich und gingen weiter auf den Tempel zu, der wegen der verspiegelten Fenster nicht einsehbar ist. Traut man sich aber nah an die Scheibe heran um hineinzuschauen, sieht man einen quadratischen Meditationsraum mit einem großen Teppich ausgelegt und einem zentralen kleinen Podest. Die Umgänge unter den weit auskragenden Dächern des Tempels sind allseitig mit bunten Malereien verziert und wirken auf Grund der Farbwahl sehr fröhlich. Ein Abbild Buddhas befindet sich auf der Unterseite des Daches.

    Nach einiger Zeit brachen wir auf, um auf dem Weg zu einem, fußläufig in 15 Minuten erreichbaren, zweiten Buddhistischen Tempel in einem Café Halt zu machen. Dabei wurden wir von dunklen Wolken verfolgt, die uns aber nicht beeindruckten, denn etwas Regen hat bekanntlich noch Niemandem geschadet. Unsere Wahl fiel auf ein von einer Künstlerin, als Nebenverdienst, betriebenen Biokaffee, das sehr gepflegt und gemütlich daher kam. Wir aßen die besten Momos und intensivsten Bananen, an die wir uns erinnern konnten.

    Bei leichtem Regen gingen wir weiter um wenige Minuten später, einer nicht asphaltierten Straße folgend, unter einem Vordach, vor geschlossenen Rolltoren Unterschlupf zu finden. Dort standen wir nicht lang alleine. Zwei Nonnen, eine Mutter mit zwei Kindern und ein Mann, der zuvor einen Sandhaufen abdeckte, leisteten uns Gesellschaft. Mit dem Herrn kamen wir ins Gespräch; über den Regen, unsere Herkunft, unseren Urlaub, wieder über den Regen und schließlich zu der Frage, ob wir mit hoch kommen wollten. Schließlich stünden wir auf seiner Veranda. Er öffnete eine Tür im Gitterzaun, neben dem aufgehenden Gebäude und lud uns ein in seinem Wohnzimmer im Trockenen zu warten. Wir sagten nicht nein.

    Es ist schon erstaunlich wo man hingelangt, wenn man einfach öfter mal ‚ja‘ sagt. Nämlich unter anderem in die Wohnung von Surendra, einem English, SoWi und Nepalilehrer, der uns, in seinem Wohnzimmer und auf weichen Sofas sitzend, die Fotos an den Wänden erläutert. Dargestellt sind Bilder seiner Kinder, sowie von ihm und seiner Frau und natürlich von Ganesha, dem Gott der Weisheit, des Wissens und des Neuanfangs, so wie es zu einer Akademikerfamilie passt. Nach all den Erfahrungen in Neu Delhi fühlen wir uns hier sicher, auch wenn sich mehrere Fragen aufdrängen:
    1. Sind hier nicht noch andere Personen im Haus? Wir haben doch seine Frau schon gesehen, oder?
    2. Wird das zu einem handfesten Gewitter herangewachsene Unwetter, das die „Straße“ mittlerweile komplett aufgeweicht haben müsste, im Zeitkorridor einer angenehmen Wohnzimmerkonversation mit Fremden auch wieder vorübergehen?
    3. Was wenn nicht?
    Meine Gedanken werden von der Frage abgelenkt, ob wir gerne einen Tee mit Milch trinken wollen würden? Unsere Antwort auch diesmal: „Ja!“ Und so rief Surendra in das Haus hinein. Seine Tochter, sein Sohn und seine Frau kamen heraus. Damit war Frage 1 schonmal beantwortet. Zumindest zum Teil, denn es gab anscheinend noch einen, etwas älteren, in Hamburg lebenden Sohn, der kurzerhand angerufen wurde. Surendra hielt ihn uns hin. Allseits überrascht, in Hamburg erst einmal aus dem Bett fallend, grüßten wir den in Deutschland studierenden Sohn aus seinem eigenen Wohnzimmer heraus.

    Einige Minuten später, den Tee schon wieder leer, waren Handynummern ausgetauscht und mehrfache Einladungen im Haus zu übernachten ausgesprochen. Da wir ablehnten wurde gemeinschaftlich versucht mit InDrive, dem Nepalesichen Uber, ein Taxi zu finden, dass sich bei diesem Wetter traut, hier hoch zu kommen. Ein mutiger junger Fahrer sagte zu und Surendra redete ihm gut zu bis er in den schlammigen Fahrrillen angeglitten kam. Wir verabschiedeten uns von unseren ersten Nepalesischen Freunden, drückten die Daumen sicher in die Stadt zu rutschen und waren uns irgendwie einig darüber, dass wir diese Familie wiedersehen werden.
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  • Bandipur

    Mar 22–24 in Nepal ⋅ ⛅ 23 °C

    Bandipur liegt circa 140km von Kathmandu und 80km von Pokhara entfernt. Unsere frühe Hinfahrt auf den maximal gepolsterten Ledersesseln unseres Reisebusses dauerte etwa 5 Stunden. Damit betrug die Durchschnittsgeschwindigkeit, nach Abzug der Pausen 30km/h. Wir nahmen in der letzten Reihe Platz. Neben uns saß ein junges Pärchen, wir tippten aus Finnland. Der Tageszeit angemessen reserviert, fristete man eine schweigende Koexistenz. Wir fuhren durch die Hauptstadt und ließen die Vororte schon bald hinter uns und damit auch den Asphalt. Immer wieder wechselten sich Straße und Dirtroad ab. Schlaglöcher brachten den Bus ins Wanken und Hüpfen und die Finnen zum Lachen und Tauen. So kam man ins Gespräch und stellte fest, dass es Dänen sind.

    Wir waren die Einzigen, die schon nach 140km auf der Straße abgestellt wurden. Tatsächlich ging das ziemlich schnell, sodass wir uns erstmal sammeln mussten um dann in eine ziemlich komfortable und überraschend neue Seilbahn in das 700m höher liegende Bandipur zu steigen. Bandipur ist bis heute autofrei und war bis zur Fertigstellung der Straße, auf der wir kamen, ein wichtiger Handelsknotenpunkt zwischen Indien und Tibet und Kathmandu und Jumla. Noch heute zeugt die kleine und sehr ansehnliche Fußgängerzone mit Restaurants und kleinen Lädchen von dieser Zeit des Handels.

    Unsere Unterkunft befand sich auf einem Felsvorsprung am Ende des Dorfes. Damit hatten wir von unserem Balkon aus einen freien Blick ins Tal und einen idyllisch ruhigen Ort für uns gefunden. Als wir ankamen fegte unser Gastgeber gerade die steinerne Treppe, die in den Patio führte und begrüßte uns dann herzlich mit einem Tee. Seine offene und höfliche Art ist uns sehr angenehm in Erinnerung geblieben. Täglich spielte er Mantras ab, vollzog ein morgendliches Ritual und betrieb das Guesthouse auf seine eigene Weise. Wir sahen in ihm, nicht zuletzt wegen seines Alters, das neu erlangte Selbstbewustsein der sehr jungen Nepalesischen Bevölkerung, dessen Durchschnittsalter im Median zwischen 25 und 28 Jahren liegt.

    Uns mangelte es an nichts. Nach einem ausgewogenen kleinen Frühstück unternahmen wir in den drei Tagen eine Tageswanderung in das benachbarte und sehr landwirtschaftlich geprägte Dorf Ramkot, entspannten uns bei Spaziergängen durch Bandipur, bei Meditationen oder Lesesessions an der Unterkunft und lernten mal wieder unfassbar entspannte und nette Leute kennen, wie Heidi und Gerhard vom Bodensee aus Österreich.
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  • Pokhara

    Mar 24–28 in Nepal ⋅ ☁️ 18 °C

    Nach dem Frühstück machen wir uns wieder auf den Weg durchs Dorf Bandipur zur Seilbahn. Wir sind ein bisschen wehmütig, da es uns in Bandipur und insbesondere in unserer Unterkunft wirklich sehr gut gefallen hat. Viel Zeit für Wehmut bleibt jedoch nicht, die steile Abfahrt fordert unsere volle Aufmerksamkeit. 😅 Angekommen an der Talstation greift das freundliche Seilbahnpersonal gleich zum Telefon und vereinbart mit dem Busfahrer, der uns in Richtung Pokhara einsammeln soll, dass der Bus uns an der Seilbahnstation abholt. Eigentlich wäre der Abholort einige Kilometer weiter weg gewesen, aber unser Gastgeber in Bandipur hatte uns schon den Tipp gegeben, dass das Seilbahnpersonal einen kostenlosen Shuttlebus zum Abholort organisiert. Am Ende lief es sogar noch pragmatischer, da der Busfahrer kurzerhand für uns kontaktiert wurde und uns kurze Zeit später an der Talstation einsammelte.

    Nach einer ca. zweistündigen Fahrt kommen wir wohlbehalten in Pokhara an und stärken uns erst einmal mit einem leckeren Essen in einem der zahlreichen, direkt am Phewa-See gelegenen Restaurants. Unser Plan, anschließend gemütlich am Seeufer spazieren zu gehen, wird jedoch vom Wetter durchkreuzt, denn es fängt unglaublich stark an zu regnen und hört eine ganze Weile nicht mehr auf. So bestellen wir uns noch einen Nachtisch in Form von mit Äpfeln und Bananen gefüllten Momos mit Honig und Schokoladensoße. Wir ahnen noch nicht, dass dieser Nachmittag typisch für unsere Zeit in Pokhara werden wird: nachdem es vormittags meist schön warm und sonnig ist, schwenkt das Wetter zum Nachmittag hin meist um in heftigen Regen, teilweise mit Gewitter. Die Einheimischen berichten uns, dass dies das typische Monsun-Wetter ist, das jedoch eigentlich erst im Mai beginnt. Der Klimawandel bringt wohl auch in Nepal die Wetterverhältnisse ordentlich durcheinander.

    An unserem zweiten Tag in Pokhara haben wir doch noch ziemliches Glück mit dem Wetter und machen eine Tageswanderung am Seeufer vorbei hinauf zur „World Peace Pagoda“, einem kleinen buddhistischen Tempel auf einem der Hügel am Phewa-See. Vom Café gleich neben der World Peace Pagoda aus hat man eine tolle Sicht auf den See und Pokhara, wobei uns noch einmal bewusst wird, dass es sich um die zweitgrößte Stadt Nepals handelt, die mit gut 600.000 Einwohnern fast so groß ist wie Düsseldorf. Von der World Peace Pagoda aus wandern wir noch ein Stückchen weiter bis zu einem hinduistischen Shiva-Tempel, dessen riesige blaue Shiva-Statue weit sichtbar über den Phewa-See wacht. Der Shiva-Tempel ist gut besucht, für unseren Geschmack ist uns die Stimmung jedoch etwas zu wuselig, sodass wir den Weg zurück ins Tal antreten. Nachdem uns die Taxipreise deutlich überzogen erscheinen, entscheiden wir uns für eine Fahrt mit einem öffentlichen Bus und werden mit herzlichen Mitfahrenden, einem glücklicherweise sehr besonnenen und im Bewältigen von Serpentinen erfahrenen Busfahrer sowie einem herrlich-bunten Bus-Interieur belohnt. Als auf der Strecke ins Tal noch weitere Fahrgäste dazusteigen, wird es doch etwas eng. Auch hier geht es wieder sehr pragmatisch zu - ehe ich mich versehe, setzt sich eine Dame quasi auf meinen Schoß und nimmt Kais Rucksack auf ihren Schoß. 😅 So kommen wir wohlbehalten zurück ins Tal und lassen den Abend bei einem Abendessen ausklingen.

    Die kommenden beiden Tage stehen sodann im Zeichen der Planung einer Trekking-Tour, die man von Pokhara aus gut starten kann. Da wir beide aktuell nicht unbedingt auf dem Höhepunkt unserer körperlichen Fitness sind, haben wir uns bereits im Vorhinein gegen eine längere Tour wie eine Annapurna-Umrundung oder Manaslu-Umrundung entschieden. Das Angebot von Trekking-Veranstaltern und -Agenturen ist in Pokhara schlicht überfordernd - man kann sich vor Angeboten kaum retten. Gefühlt ist jeder Kellner, Kiosk- oder Waschsaloninhaber nebenbei auch noch sehr erfahrener Trekking-Guide und bietet uns bereitwillig seine Dienste an. Irgendwann gehen wir dazu über, nur noch sehr vage über unsere Trekking-Pläne zu berichten, um die Angebote etwas in Schach zu halten. Letztlich entscheiden wir uns für eine ausschließlich von Frauen betriebene und für besonders faire Bezahlung der ausschließlich weiblichen Guides und Porter ausgezeichnete Agentur. Unsere Frage, ob Kai als Mann denn auch mitkommen darf, wird mit einiger Belustigung bejaht 😆 und so buchen wir eine fünftägige Wanderung mit einer Besteigung des 3.210 m hohen Poon Hill, die als gute Einsteigertour gilt. Unsere Pläne, die Tour am übernächsten Tag zu starten, werden jedoch noch einmal vom Wetter durchkreuzt, da es in den kommenden Tagen sehr regnerisch werden soll.

    Etwas ratlos über das ziemlich unvorhersehbare Wetter machen wir uns noch einmal auf den Weg zu unserer Trekking-Agentur und sind froh, dass wir unsere Trekking-Pläne um vier Tage verschieben können. Unsere letzten 1,5 Tage in Pokhara sind von relativ viel Reiseplanung geprägt, die wir überwiegend in den vielen schönen Cafés in Pokhara in die Tat umsetzen und uns durch das reichhaltige Essens- und Getränkeangebot testen. Der „Flat White - Cappuccino - Avocado auf Sauerteigbrot-Index“ ist in Pokhara extrem hoch und preislich, verglichen mit Deutschland, unschlagbar. Kurz bevor wir uns auf den Weg in unsere nächste Unterkunft in den Bergen rund um Pokhara machen, treffen wir noch Heidi und Gerhard auf ein ausgiebiges Frühstück. Wir haben die beiden Österreicher in unserer Unterkunft in Bandipur kennengelernt und uns auf Anhieb ins Herz geschlossen. Die beiden kommen ursprünglich aus Vorarlberg am Bodensee, sind jedoch seit vier Jahren auf Reisen und arbeiten von unterwegs aus. Aktuell planen sie jedoch ihre Rückkehr nach Österreich und den Bau eines Tiny Houses. Wir haben uns viel zu erzählen und tauschen Tipps und Erfahrungen aus. Im Laufe des Mittags verabschieden wir uns von den beiden und machen uns auf den Weg zu unserem nächsten Ziel, raus aus dem wuseligen Pokhara und hinauf in die deutlich ruhigeren, rund um Pokhara gelegenen Berge. Wie es uns dort gefallen hat, berichten wir Euch gerne im nächsten Beitrag.😌
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  • Kaskikot, Pokhara

    Mar 28–31 in Nepal ⋅ ☁️ 17 °C

    Unsere nächste Unterkunft in Kaskikot erreichen wir am frühen Nachmittag nach einer überraschend ziellosen Taxifahrt. Der Taxifahrer wirkte in Pokhara noch recht ortskundig, wird auf dem Weg in die umliegenden Hügel jedoch immer unsicherer, sodass wir irgendwann die Navigation übernehmen und uns fragen, wer von uns eigentlich der „Local“ ist 😆. Im für Nepal typischen Taxi, einem mini-kleinen weißen Suzuki Alto, geht es in immer enger und steiler werdenden Serpentinen die Hügel hinauf. Mehr als einmal verlässt uns die mobile Internetverbindung und während der Suzuki unter unserem Gewicht und dem unserer Rucksäcke ächzt und stöhnt, sind wir mehrfach kurz davor, den Wagen anzuschieben und hoffen, dass wir auf der richtigen Straße sind.

    Schließlich kommen wir jedoch in unserer Unterkunft an, die auf etwa 1.400m, oberhalb von Pokhara liegt und über einen tollen Garten auf verschiedenen Ebenen mit vielen verschiedenen (Nutz-)Pflanzen und einer großen Terrasse verfügt. Ganz besonders wurden die Panoramafenster in den kleinen Bungalows angepriesen, vor denen wir kurze Zeit später sitzen. Anstelle auf das erhoffte Himalaya-Panorama blicken wir jedoch geradewegs in eine weiße Wolkenwand, frei nach dem Motto „Wie Sie sehen, sehen Sie nichts“ 🤷🏼‍♂️🤦🏼‍♀️. Wir versuchen es zunächst positiv zu sehen und widmen uns mit möglichst wenig Ablenkung dem Beantworten von Nachrichten, lesen etwas und befassen uns mit der Umbuchung unseres Rückfluges, der zwischenzeitlich wegen des Irankrieges gecancelt worden ist. Wir beide merken, dass wir recht müde sind, sei es wegen der Höhe oder wegen des für uns skurrilen Klimas, irgendwo zwischen schwüler Wärme, Nieselregen und erheblich eingeschränkter Sicht in den Wolken. In der Hoffnung, dass sich die dichte Wolkendecke am nächsten Morgen verzogen haben könnte, gehen wir früh schlafen.

    Unsere Hoffnungen werden jedoch auch am nächsten Morgen nicht erfüllt - die Sicht reicht mit viel gutem Willen soeben bis zum nächsten Rhododendronstrauch, die in Nepal momentan blühen. Beim Frühstück auf der Terrasse unserer Unterkunft treffen wir ein indisches Pärchen aus Bangalore, die wie Heidi und Gerhard Digital Nomads sind und überwiegend von unterwegs aus arbeiten. Zwischen Masala-Chai-Tee und Omelette verziehen sich die dicken Wolken dann doch für einige Minuten, sodass wir kurze Blicke auf die Bergspitzen des Annapurna-Nationalparks erhaschen können und eine Idee davon bekommen, welch beeindruckende 7.000 - 8.000er sich hinter den Wolken verbergen.

    Die Begeisterung währt jedoch nur kurz, die Berge verstecken sich blitzschnell wieder hinter den Wolken. So lassen wir es auch an diesem Tag eher ruhig angehen, da es zwischendurch immer wieder regnet. Am Nachmittag entschließen wir uns, ein wenig das Dorf Kaskikot zu erkunden und uns etwas zu essen zu suchen. Wir haben riesiges Glück im kleinen Restaurant einer sehr sympathischen Nepalesichen Familie zu landen und essen unser erstes „Nepali Thaali“. Nepali Thaali ist das Nepalesische Nationalgericht, serviert auf einem großen Teller mit einer Portion Reis in der Mitte und allerlei Curries, Pickles, fermentiertem Spinat, Chili-Paste etc. um den Reis herum platziert. Wir kommen mit den Inhabern ins Gespräch, die wirklich unglaublich herzlich und offen sind. Unser Gastgeber berichtet uns, dass er früher als Journalist und Fotograf, insbesondere in der nepalesischen Region Upper Mustang gearbeitet hat. Über unsere Frage, ob er auch über politische Themen berichtet hat, kommen wir auf die politische Situation in Nepal zu sprechen. Er erzählt uns, dass er nur über kulturelle und Naturthemen geschrieben hat, da man während seiner Zeit als Journalist nicht frei politisch berichten konnte. Dies werde sich nun, so seine Hoffnung, mit der neuen Regierung ändern.

    Tatsächlich sind wir momentan zu einer politisch spannenden Zeit in Nepal, denn die ehemalige, konservative Regierung wurde im September 2025 aufgrund von erheblichen Protesten der sog. „Gen Z“ gestürzt und nach Neuwahlen durch ein neue, junge Regierung rund um den 35-jährigen Premierminister Balendra Shah ersetzt. Das spannende an Balendra Shah ist, dass er neben einer Ingenieurstätigkeit vor allem als Rapper bekannt geworden ist und die erste Ansprache an die Nation nach seiner Vereidigung Ende März 2026 als Rap-Song adressiert hat. Die von ihm ausgehende Aufbruchstimmung und die mit seiner Wahl verbundenen Hoffnungen, insbesondere in Bezug auf die Verbesserung der Bildung und der Verhinderung von Korruption spüren wir deutlich und werden uns während mehreren Gesprächen mit Nepalesen geschildert. So blicken auch unsere Gastgeber in Kaskikot hoffnungsvoll in die Zukunft und wir freuen uns, dass sie ihre Gedanken mit uns teilen.

    Noch mehr freuen wir uns, dass sie sich während des Essens gemütlich zu uns setzen und uns beteuern, dass sie sämtliche Besucher, ob Kunden, Freunde oder Verwandte, als von Gott gesandt betrachten und sich somit über jeden Besucher freuen. So plaudern wir noch ein bisschen mit den beiden, die uns auch von ihrem kleinen Bio-Garten berichten, in dem sie alles, was sie in ihrem Restaurant anbieten, selbst anbauen - vom Spinat bis zum Honig. So beschließen wir, am nächsten Tag noch einmal wiederzukommen und machen uns auf den Rückweg durchs Dorf in unsere Unterkunft.

    Dort treffen wir noch einmal auf das indische Paar aus Bangalore, mit denen wir den Abend mit einigen Gesprächen ausklingen lassen. Wie schon bei der Einreise in Neu-Delhi kommt das Gespräch irgendwann auf Adolf Hitler, den die beiden zunächst als „großartig und beeindruckend“ betrachten, was uns wieder einmal irritiert und erschreckt. Wir beschließen jedoch, uns auf das Gespräch einzulassen und die Frage der beiden, wie wir Hitler sehen, wahrheitsgemäß zu beantworten. So erzählen wir, dass es sich beim Dritten Reich um die vermutlich dunkelste Geschichte Deutschlands handelt, Millionen von unschuldigen Menschen umgebracht wurden und das Thema wirklich sensibel zu sehen ist. Unsere beiden Gesprächspartner sind ehrlich erschrocken und überrascht und erzählen, dass sie diese Seite des Dritten Reiches nicht kannten und bislang nur die mitreißende Nationalstaatsbildung durch Hitler im Kopf hatten. Umgekehrt schildern die beiden uns die aus ihrer Sicht kritischen Aspekte der Verfahrensweisen Mahatma Gandhis und seine Rolle am Konflikt zwischen Indien und Pakistan, was uns umgekehrt nicht so bekannt war.

    Uns wird bewusst, wie wichtig es ist, zunächst einmal genau zuzuhören und nicht gleich nach der ersten, nach unserer Wahrnehmung kritischen Äußerung, gleich zu urteilen. So begeben wir uns in unseren kleinen Bungalow, der aufgrund des Wetters leider recht klamm und somit etwas ungemütlich geworden ist. Unsere Motivation, ins klamme Bett zu steigen, ist daher nicht allzu hoch und auch unsere bislang unbekannte, neue Mitbewohnerin, eine handflächengroße Spinne, die es sich in unserem Badezimmer bequem gemacht hat, trägt nicht gerade zur Höchststimmung bei. Wir sind froh, dass wir dennoch schnell einschlafen und werden morgens durch ein Klopfen unseres Gastgebers an unserer Tür geweckt, da man die Berge sehen kann. Zumindest für einen kurzen Moment. 🏔️ ✨

    Da das Wetter zumindest etwas besser ist, entscheiden wir uns für eine kürzere, halbtägige Wanderung zu zwei kleinen Tempeln auf den umliegenden Hügeln. Es tut gut, sich etwas mehr zu bewegen und so wandern wir gemütlich durch den Nebel und kehren am frühen Nachmittag wieder im Restaurant des Nepalesischen Paares ein. Dieses Mal sind die beiden noch herzlicher, zeigen uns Bilder aus dem Upper Mustang und berichten uns, dass sie nach ihrer Zeit dort zunächst einen kleinen Supermarkt in Pokhara hatten. Während der Corona-Zeit, in der Nepal lange sehr isoliert war, mussten sie den Laden jedoch aufgeben und haben anschließend das Restaurant mit Homestay in Kaskikot eröffnet. Beeindruckt von so vielen Neuanfängen, fragen wir die beiden nach einem gemeinsamen Foto und werden kurzerhand in traditionelle nepalesische Kleidung gesteckt - ich in einen Sari und Kai wird ein Dhaka Topi, die traditionelle Kopfbedeckung nepalesischer Männer, aufgesetzt. Der Abschied fällt uns gar nicht so leicht und wir laufen beseelt durch die tolle Begegnung mit der Familie zurück in unsere Unterkunft. Auf dem Weg zurück durchs Dorf trägt Kai den Dhaka Topi, den er von der Familie geschenkt bekommen hat, auf dem Kopf, was anerkennend von einem nepalesischen Jungen kommentiert wurde mit: „Oh, you are Nepali now!“ 😅 So schnell kann‘s gehen: auf dem Hinweg noch mit schwarzer Cappie und auf dem Rückweg mit Dhaka Topi in einen waschechten Nepalesen transformiert. 🤷🏼‍♂️😆

    An unserem letzten Abend in Kaskikot sitzen wir noch bei einem Lemon-Ginger-Honey-Tee (der hier schnell zu unserem Lieblings-Getränk geworden ist) im gemütlichen Gemeinschaftsraum unserer Unterkunft, als der Strom ausfällt. Unser Gastgeber, ein sympathischer Nepalese der Kaste Sherpa, den wir auf etwa Mitte 70 schätzen, kommt gleich mit einer Stirnlampe auf dem Kopf vorbei und bringt uns eine Kerze. Schönste nepalesische Hütten-Romantik! Er erkundigt sich nach unseren Trekking-Plänen und berichtet uns von seiner Bergsteiger-Vergangenheit in jüngeren Jahren. Stolz zeigt er uns sein Bergsteiger-Zertifikat, aus dem sich die Besteigung mehrerer 7.000er ergibt. Als wir erzählen, dass wir aus Deutschland kommen, erinnert er sich an eine kritische Situation, als er im Alter von 18 Jahren mit einem Deutschen namens Hansi auf einem 7.000er unterwegs war. Nachdem Hansi auf einem Gletscher ausgerutscht und sich am Kopf verletzt hatte, irrten die beiden ohne Licht auf dem Berg herum, bis sie schließlich um 4 Uhr morgens ins Camp zurückkehrten. Als Ausdruck seiner Dankbarkeit schickte Hansi seinem nepalesischen Lebensretter eine Uhr aus Deutschland und es entstand eine Brieffreundschaft zwischen den beiden Männern. Nach zwei weiteren, lebensbedrohlichen Situationen in den Bergen bat seine Frau ihn, die Bergsteiger-Karriere an den Nagel zu hängen, sodass die Familie heute von der Zimmervermietung lebt. Etwas beklommen von der heiklen Bergsteiger-Geschichte gehen wir ins Bett, wobei uns bewusst ist, dass wir nicht ansatzweise so hoch hinaus wandern werden wie Sonam Tshering Sherpa und Hansi.

    Am nächsten Morgen heißt es Abschied nehmen von Kaskikot, unseren Gastgebern und dem indischen Paar, die uns sehr herzlich ihre Unterstützung in Indien anbieten, wenn wir ab Mitte April in Goa sind. Wir stellen noch fest, dass die beiden dasselbe Trekking-Ziel wie wir haben und so scherzen wir, dass wir uns am übernächsten Tag früh morgens auf dem Poon Hill treffen - eher unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Mit dieser wieder einmal schönen Erfahrung steigen wir in den Jeep unserer Trekking-Organisation und fahren zum Startpunkt unserer viertägigen Wanderung, von der wir Euch in den nächsten Tagen berichten. 🤗☀️
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  • Ghorepani Ghandruk Circuit Trek I/II

    Mar 31–Apr 3 in Nepal ⋅ ☁️ 14 °C

    Dann war der Tag endlich gekommen, an dem unsere mehrtägige Wanderung zum Poon Hill, nördlich von Pokhara, begann. Die Planung des Rundwanderweges erfolgte einige Tage zuvor, mit Hilfe der erwähnten Trekking-Agentur Three Sisters, die Wanderungen ausschließlich von und hauptsächlich für Frauen begleitet. Unsere Guide Indra ist eine circa 1,50m große, aus einem kleinen Dorf Ostnepals abstammende, 37 jährige, außerordentlich nette und zurückhaltende Frau, die uns, zusammen mit dem Fahrer eines großen SUVs, von unserer, immernoch in weiße Watte gepackte, Unterkunft abholte.

    Indra gehört einem der, wie wir im Verlauf unserer Wanderung erfuhren, circa 120 Stämme Nepals an, in dem, genau wie in allen anderen, eine eigene Sprache gesprochen wird. Damit spricht auch sie drei Sprachen; Nepalesisch, Englisch und die ihres Stammes. Der Stamm ist allerdings nicht mit der Kaste zu verwechseln. Die Kasten haben einen kulturellen Hintergrund und sind für uns noch schwer zu differenzieren, außer, dass sie im Nachnamen ablesbar sind. Indra gehört zur Kaste der Raj und stammt von einem Volk aus der Mongolei ab, was man auch sieht, da sie ein eher rundes Gesicht hat. Unser ehemaliger Gastgeber und Bergsteiger Sonam Tshering Sherpa, der Hansi das Leben rettete, gehört hingegen zum Stamm der Sherpa.

    Unabhängig davon verspürten wir mit Indra an unserer Seite den passenden Vibe für die anstehende Wanderung. Im Vergleich zu vielen anderen Wandergruppen, die sich aus überraschend unterschiedlichen Konstellationen zusammensetzten, hatten wir keinen zusätzlichen Porter, der unser Gepäck trug. Somit trug jeder von uns sein eigenes Gepäck; für uns Europäer auch ein Stück weit sinnbildlich für den Weg des Lebens. Vergleichsweise zu jedem anderen Weg in Europa, der für einen Spaziergang geeignet ist, haben wir hier jedoch keine Jacobsweg-Muschel entdeckt. Auch mal ganz schön! 😊

    Die 5 Tage wurden in sehr unterschiedliche Etappen eingeteilt. So war es geplant den ersten Tag, von Birethanti aus, mit circa 3 Stunden und 300 Höhenmetern ganz ruhig angehen zu lassen und am zweiten Tag dann, in circa 8 Stunden, weitere 1.600 Höhenmeter zu bewältigen. Hochmotiviert wie wir waren, nicht zuletzt weil die Tour bereits verschoben wurde, fragten wir Indra ob wir etwas umplanen könnten. Das schien kein Problem zu sein, sodass wir die steile Treppe mit 3.360 Stufen am ersten Tag zusätzlich ins Auge fassten um am späten Nachmittag bei einer Höhe von circa 1.960m in Ulleri einzukehren. Somit ergab sich, vom Start in Birethanti auf 1.025m, an Tag 1 ein Aufstieg mit 935 Höhenmetern und an Tag 2 ein weiterer mit 900 Höhenmetern bis wir Ghorepani auf 2.860m, unseren Ausgangspunkt für den Aufstieg auf den Gipfel des Poon Hill, der bei 3.210m liegt, erreichten. Die verbleibenden 350m waren demnach unser Programm für den Aufstieg am sehr frühen Morgen des dritten Tages 😮‍💨🤩. Nach dem, immernoch morgendlichen, Abstieg und anschließenden Frühstück zurück in Ghorepani, ging es weiter über den Deuralipass bei 3.090m bis Tadapani auf 2.630m. Der planmäßige Rundwanderweg bestand aus weiteren zwei Tagen, die wir auf Grund der überschaubaren Distanzen zusammengelegt haben, sodass unsere Wanderung nach 4 vollen Tagen schon wieder vorbei war.

    Aber genug von den Zahlen. Eine mehrtägige Wanderung besteht aus vielen Erlebnissen, die zusammen das Abenteuer ergeben. Jedes einzelne Erlebnis wird zum Zeitpunkt der Erfahrung anders bewertet als in der Retrospektive. Dabei spielen Zeit und Relativität natürlich eine Rolle. Bedeutung und Intensität verschieben sich in der Erinnerung zugunsten vergleichsweise positiver Erlebnisse; ein Phänomen, mit dem sich unsere Psyche schützt um möglichst angenehme Erinnerungen zu speichern und negative zu verdrängen. So werden Erinnerungen schöner je länger sie zurückliegen. Bei Wanderungen würde ich sagen, sie werden romantisiert. 🤓

    So kann es, in den größtenteils, insbesondere bezüglich der (Gemeinschafts-) Bäder, sehr einfachen Unterkünften in den Bergen nachts recht frisch werden. Kommt noch ein Hygieneproblem und Feuchtigkeit dazu ist man besser beraten mit langer Hose und langärmeligem Oberteil zu schlafen 😉. Die Gasträume der Teehäuser wurden aber gut mit Holzöfen beheizt, über denen Leinen gespannt wurden, an denen man seine handgewaschenen Kleidungsstücke trocknen konnte. Insgesamt eine runde Sache, da man nach der Dusche einen warmen Platz zu schätzen wusste, auch wenn es passieren konnte, dass der Gastraum verrauchte. Wie so oft im Leben und damit auch auf Reisen, begleitete uns eine gewisse Logik, die wir ableiteten; die „Yes, But - Logik“. So hatten wir teilweise ein eigenes Bad, aber was für eins 🫣! Wir hatten ein leckeres Nepali Thali aber haben es nicht vertragen. Wanderer aus der ganzen Welt kennenzulernen war sehr interessant, aber wir verstehen kein Chinesisch, egal wie laut es gesprochen wird. Und in der Natur haben wir die Momente der Stille, vor allem beim Fotografieren, sehr genossen.

    Tatsächlich gab es aus meiner Sicht aber kein „But“, das meine Erinnerung an die erlebte Natur mit seiner Vielfalt an Pflanzenarten, Tieren, Geräuschen, Gerüchen und Aussichten trüben könnte. Bereits heute, zwei Tage nach der Wanderung, sind die Unannehmlichkeiten so unbedeutend, dass ich sie hier lediglich der Vollständigkeit halber festhalten wollte, damit sie nicht verloren gehen.
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  • Ghorepani Ghandruk Circuit Trek II/II

    Mar 31–Apr 3 in Nepal ⋅ ☁️ 11 °C

    Der erste Tag unserer Wanderung ist zwischendurch immer wieder von Regenfällen und teilweise auch Gewitter geprägt. Nach den letzten, häufig eher regnerischen Tagen macht uns dies noch etwas Sorgen, denn beim Wandern mit Poncho bei relativ warmen Temperaturen fühlen wir uns ein wenig wie wandelnde Gewächshäuser. Bei unsicheren Dusch-Aussichten nicht gerade die angenehmste Verfassung. 😆 Gleichzeitig wird uns bewusst, dass das Klima ideal für die reichhaltige und variantenreiche Vegetation im gesamten Trekking-Gebiet ist.

    Wir wandern vier Tage lang durch eine abwechslungsreiche Wald- und Gebirgslandschaft, die unglaublich saftig-grün bewachsen ist und von Farnen und Moosen über Orchideen bis zu wilden Magnolienbäumen vor Artenvielfalt nur so strotzt. Besonders begeistern uns die riesigen Rhododendron-Büsche und -bäume, unter deren tiefroten, rosanen und pinken Blüten wir hindurchlaufen. Der Rhododendron ist die Nationalpflanze Nepals und wir haben das Glück, unsere Wanderung zur Hauptblütezeit zu machen. Auch unsere Guide Indra freut sich besonders, diese Wanderung nach längerer Zeit mal wieder zur Zeit der Rhododendron-Blüte zu machen und verfällt zeitweise in einen wahren „Selfie-Flash“.😅 Für uns ist es schön zu merken, dass auch Indra richtig begeistert ist von der Route und so laufen wir zu Dritt tief beeindruckt von der uns umgebenden Natur und den atemberaubenden Berglandschaften. Als sich dann noch abzeichnet, dass am Tag der Besteigung des Poon Hill sonniges Wetter und klare Sicht auf das Annapurna-Gebirge ist, freuen wir uns wirklich riesig. Auch wenn die Besteigung des Poon Hill bei Sonnenaufgang schon lange kein Geheimtipp mehr ist und sich eine bunt-gemischte Menge morgens um kurz nach 5 Uhr Richtung Gipfel bewegt, ist die Aussicht bei aufgehender Sonne wunderschön und beeindruckend, sodass uns die wuselige Menge der Mit-Wanderer nur bedingt ablenken kann.

    Nach einem stärkenden Frühstück geht es am selben und am Folgetag weiter auf und ab durch vermooste Feenwälder, die immer wieder durch Bachläufe oder auch richtige Schluchten mit Wasserfällen durchkreuzt werden. Beim Wandern fällt uns immer wieder auf, wie viele unterschiedliche Vogelstimmen uns auf unserem Weg begleiten. Die Vögel werden immer wieder untermalt vom Glockengeläut der Yaks, die tagsüber in den Wäldern grasen und der Ponys, Esel und Mulis, die allerlei Güter durch die Berge transportieren und unseren Weg immer wieder kreuzen. Unsere Guide Indra, die selbst sehr naturnah in Ost-Nepal aufgewachsen ist, macht uns immer wieder auf Tiere und besondere Pflanzen und Blumen aufmerksam, die wir ohne ihr wachsames Auge so manches Mal übersehen hätten. In den auf unserem Weg liegenden Dörfern sind wir immer wieder beeindruckt, wie viel Obst und vor allem Gemüse in den kleinen Gärten angebaut wird und in vielen Fällen unmittelbar auf den Mittag- und Abendessentellern landet. Auch über die Landwirtschaft, wie z.B. das Anbauen von süßen Baum-Tomaten, die Herstellung von Ghee oder Honig in traditionell-hölzernen Bienenstöcken, bringt Indra uns einiges bei und wir finden es wunderbar, mit wie viel Liebe für Ästhetik und Detail auch vor den manchmal einfachsten Häuschen oder Hütten noch bunte Blumenkästen oder Blumenkübel aufgestellt sind und so ein einladendes Ambiente schaffen.

    An unserem letzten Wandertag beenden wir den Trail im Dörfchen Ghandruk, das für seine Steinhäuser nach traditioneller Bauweise der Bevölkerungsgruppe der Gurung bekannt ist. Kurz bevor wir aus dem Dorf hinabsteigen, besuchen wir mit Indra noch einen kleinen Buddhistischen Tempel im Dorf und ein Museum, das die traditionelle Lebensweise der Gurung ausstellt. Aufgrund des niedrigen Eingangstür und Deckenhöhe müssen wir ganz schön den Kopf einziehen, um nicht überall anzustoßen. Als wir die Museumswärterin treffen, eine ältere und für uns unglaublich kleine Dame von weniger als 1,50m, bekommen wir eine Idee von den Größenverhältnissen der lokalen Bevölkerung und der entsprechenden Bauweise. Als Indra uns die im Museum ausgestellten Werkzeuge, Haushaltsutensilien, aus Bambus und getrockneten Maisblättern gefertigten Körbe und Aufbewahrungsmittel aus Ton, Kupfer oder Holz erklärt, fühlen wir uns irgendwo zwischen Freilichtmuseum und Hobbit-Haus. Das behalten wir aber lieber für uns, denn Indra erwähnt immer wieder, dass sie die Ausstellungsstücke auch deshalb so gut kennt, weil sie mit ganz ähnlichen Utensilien in Ost-Nepal aufgewachsen ist.

    Als Indra uns auf dem Rückweg von ihrer kürzlich stattgefundenen Hochzeit in ihrem Heimatdorf erzählt und wir neugierig die Fotos von ihrer Hochzeit anschauen, merken wir einmal mehr, wie unterschiedlich wir aufgewachsen sind. Umso schöner ist es zu sehen, wie sehr wir auf einer Wellenlänge sind und über dieselben Dinge lachen können. So endet unsere Wanderung mit vielen tollen Eindrücken, müden Beinen und auch einer gewissen Erleichterung, dass wir weder eingeregnet noch in irgendeine Felsspalte gerutscht sind und wir lassen unsere Zeit in den Bergen mit einem leckeren Abendessen auf einer Dachterrasse in Pokhara ausklingen.

    Der nächste Tag in Pokhara empfängt uns mit schönem Sonnenschein, sodass wir in Ruhe unsere Kleidung waschen und es ansonsten ganz ruhig angehen lassen und uns durch die zahlreichen Cafés und Restaurants treiben lassen, bevor wir uns am nächsten Tag auf die lange Busreise zurück Richtung Kathmandu / Bhaktapur begeben.
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  • Nagarkot

    Apr 5–9 in Nepal ⋅ ⛅ 21 °C

    Früh morgens um 7h steigen wir in den Bus zurück Richtung Osten und werden ein weiteres Mal daran erinnert, dass man viel Zeit und Geduld einplanen muss, wenn man in Nepal über Land reist. Der Reisebus ist wirklich komfortabel mit breiten, gut gepolsterten Sitzen, die wir auf der überwiegend ruckeligen Straße zu schätzen wissen.

    Am späten Nachmittag erreichen wir Bhaktapur, einem hübschen Städtchen in der Nähe von Kathmandu, das wir uns jedoch erst einige Tage später anschauen werden. Bis dahin haben wir uns eine ruhige Unterkunft im Örtchen Nagarkot ausgesucht, das auf etwa 2.000m liegt. Als wir unsere Unterkunft erreichen, freuen wir uns wirklich riesig über das tolle Hotel mit einem riesigen Blumengarten auf mehreren Ebenen mit vielen verwinkelten Ecken und Sitzmöglichkeiten. Da das Hotel nicht einmal ansatzweise ausgebucht ist und die einzelnen Zimmer über einen größeren, in einer alten Festung angesiedelten Gebäudekomplex und mehrere Cottages im Garten verteilt sind, hat man stellenweise das Gefühl, den schönen Ort für sich zu haben. Das Personal ist überaus höflich und herzlich und wir haben das Glück, ein großes, L-förmiges Zimmer mit einer großen Fensterfront mit Blick auf die Berge zu erhalten. Es entspricht genau unseren Vorstellungen, wie wir einige ruhige Tage nach der Wanderung und dem lebhaften Pokhara verbringen möchten.

    Die Sicht ist ab unserem ersten Tag in Nagarkot zwar wieder einmal diesig bis teilweise wolkenverhangen, dennoch genießen wir es, ausgiebig im Garten zu frühstücken und den vielen Vögeln zu lauschen. Am frühen Morgen unserer zweiten Nacht klopft es wieder einmal wild an unserer Tür: nach einem heftigen Gewitter am Vorabend haben sich die Wolken früh morgens verzogen, sodass das aufmerksame Hotelpersonal die Gäste weckt, um das beeindruckende Bergpanorama von Osten bis Westen zu bestaunen. Wir schnappen halb verschlafen unsere Kameras, ziehen unsere Jacken über und gehen auf die Dachterrasse des Hotels, wo einer der Hotelmitarbeiter uns bereitwillig jeden einzelnen, zu sehenden Berg erklärt. Die Aussicht und Stimmung bei Sonnenaufgang sind wirklich wunderbar und wir sind begeistert von den tollen Bildern, die wir aufnehmen können. Nach dem Sonnenaufgang verkrümeln wir uns noch einmal ins Bett und starten nach dem Frühstück mit einer kleinen Tageswanderung in der Umgebung während der wir den kleinen „Buddha Peace Garden“ besuchen und auf dem Rückweg im „Himalaya Java Coffee“ einkehren, einer nepalesischen Café-Kette mit sehr leckeren Kaffee-Spezialitäten.

    Unser letzter Tag in Nargakot ist noch einmal sehr verregnet, sodass wir genügend Zeit haben, unsere Fotos zu sortieren und unsere letzte Station in Nepal - Bhaktapur - ein wenig zu planen. So gehen vier eher ruhige Tage an einem wunderbar friedlichen Ort zuende und wir freuen uns wieder auf etwas mehr Action in Bhaktapur.
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  • Bhaktapur

    Apr 9–12 in Nepal ⋅ ☁️ 19 °C

    Auf dem Weg zu neuen Abenteuern, teilen wir uns mit Stein, einem Niederländer aus dem Resort, ein Hoteltaxi nach Bhaktapur. Stein ist ein Vorname, der von dem Deutschen „Stein“ und dem ausgeschriebenen Namen „Augustijn“ abstammt. Wir hatten uns bereits einige Male beim Abendessen unterhalten und erfahren, dass er für eine anstehende Expidition angereist ist. Er möchte den 8.586 m hohen Kanchenjunga besteigen, der unweit vom Mount Everest liegt. Vergleichsweise sei dieser deutlich seltener Ziel touristischer Gipfelstürmer und dessen Besteigung mit 25.000€ für alle Ausgaben dieses mindestens 5-wöchigen Unterfangens, also inkl. Porter, Guide, Unterkünfte, Verpflegung, Permit, Versicherungen usw. nur halb so teuer wie die Besteigung des Mount Everest. Wir staunen auf unserer einstündigen Talfahrt nicht schlecht, als wir darüber hinaus noch über die vergangen Abenteuer des, geschätzt Mitte dreißig jährigen Arztes hören, zu denen unter anderem eine 12 monatige Expedition an den Südpol, zur Erforschung des Lebens auf einem anderen Planeten, zählt. Er schien voller positiver Energie zu sein und erzählte uns, dass für ihn persönlich der Reiz darin besteht, in diesen fremden Welten, das eng getaktete Leben aus dem er kommt, ruhen lassen zu können. Ich vermute, dass es auch damit zutun hat, dass ein Abstand zu den Niederlanden landschaftlich und geographisch kaum größer sein könnte, vor allem was die Höhe über dem Meeresspiegel angeht.

    Energie ist allgegenwärtig. Wahrgenommen wird Energie jedoch meistens nur im Prozess der Umwandlung, also wenn elektrische Energie eine Lampe erhellt oder Gegenstände in Bewegung bringt. Die Energie, die in Steins Augen funkelte war eher eine spirituelle Energie, die ihn zwar schon hier her geführt hat, sich aber erst durch die Besteigung des Berges vollständig entfalten wird.

    Eine ähnliche, nämlich spirituelle und vor allem positive Energie, haben wir auch in der jungen Bevölkerung Nepals wahrgenommen, insbesondere bei unserem Besuch in Bhaktapur. Dieser fiel, ohne dass wir es so geplant hätten, genau auf die Tage der jährlichen Neujahrszeremonien; eine Zeit in der die ganze Stadt voll Energie geladen ist.

    In Bhaktapur, so heißt es, finden die spektakulärsten Neujahrsfeierlichkeiten des Landes statt. Sie dauern 9 Tage an und werden Bisket Jatra genannt. Dabei werden verschiedene Rituale durchgeführt. Zu diesen zählen Musik- und Tanzvorführungen, das Ziehen von zwei massiven Holzwagen und das Aufstellen eines Holzpfahls, als Zeichen des Sieges über das Böse. All das fanden wir heraus, da wir zufällig auf dem Taumadhi Square in eine Vorführung stolperten und unser Gastgeber auf der daneben liegenden Dachterrasse über die Ereignisse berichtete. Sein Englisch war gut und trotzdem glaubten wir die Teilnehmerzahl von 100.000, die für den darauffolgenden Tag, zum Ereignis des Holzwagenziehens, erwartet wurden, falsch verstanden zu haben.

    Hatten wir nicht. Die Menschenmenge auf dem Taumadhi Square, direkt neben dem Durbar Square, wuchs am nächsten Tag zum Höhepunkt des Neujahrsfestes, langsam aber stetig an. Wir hatten uns vormittags einen Platz ausgesucht, uns mit Momos, Wasser und Kaffee gestärkt und dann mit den Kameras bewaffnet, vor der Außenwand eines Tempelgebäudes in Stellung gebracht. Der Sockel des Gebäudes war, wie viele der Tempel- und ehemaligen Regierungsgebäude auf den Plätzen wie ein pyramidenartiges Podest gebaut und funktionierte wie eine Sitztreppe im öffentlichen Raum. Unsere war zweistufig, wir saßen auf der oberen, anfangs ausschließlich neben betagteren Menschen und fieberten dem offiziellen Beginn um 3pm entgegen. Beschäftigt mit unseren Kameraeinstellungen und Beobachtungen der Vorbereitungen, wie dem Schmücken des großen Wagens, der unmittelbar vor uns stand, füllte sich der Platz, genauso wie unsere Sitztreppe. Immer mehr Familien mit kleinen Kindern drängelten sich neben und vor uns auf den Stufen. Schließlich gaben wir unsere Sitzplätze auf und stellten uns mit dem Rücken an die Außenwand des Gebäudes.

    Der kleinere der beiden Wagen war mittags bereits „weggezogen“ worden. Damit ist gemeint, dass eine von zwei rivalisierenden Parteien (Nord- und Südstadt) unter stetem Widerstand, das Tauziehen gewonnen haben und den Streitwagen einer Gottheit (Bhairav oder Kali) in und durch ihren Stadtteil gezogen haben. War der Akt mit dem kleineren Wagen am Mittag noch den jüngeren Männern vorbehalten, begann am späten Nachmittag der Hauptakt. Für uns als Rheinländer taten sich in der Vorbereitung mehrere Parallelen zum Karneval auf, da der Wagen aufwändig geschmückt wurde und vor Beginn jeweils vier wichtige Repräsentanten der Stadtteile nacheinander, bei Musik „im Saal einliefen“ um ihre Plätze einzunehmen. Dann konnte es aber irgendwann, unter Beobachtung des öffentlichen Fernsehens, hunderter Kameras und mehrerer Drohnen (siehe https://www.youtube.com/live/h5qc624P5SQ?si=8qx…) auch mal losgehen.

    Der Streitwagen setzte sich in Bewegung und die Menge tobte. Auf beiden Seiten des Wagens waren mehrere dicke Taue befestigt an denen je Seite circa hundert Männer zogen. Immer wieder geriet der fahrbare, mehrgeschossige tempelartige Aufbau ins Wanken, da er teilweise rhythmisch hin und hergezogen wurde. Etliche Männer standen und saßen auf dem Wagen, hielten sich fest und feuerten ihre Mannschaften gebetsmühlenartig mit den immer gleichen Ausrufen an! Die Männer auf den auskragenden Enden gestikulierten dabei motivierend mit dynamischen Bewegungen in die Richtung, in die der Wagen gezogen werden sollte. Immer wieder brach der Wagen aus und wurde in eine Richtung, quer über den Platz, gezogen und dabei gefeiert. Nach mehreren Stunden schien die Schlacht gewonnen. Der taumelnde Tempel verließ den Platz und wurde eine Straße hochgezogen, die Meute hinterher.

    Langsam löste sich die Menschenmenge auf dem Platz. Wir fragten uns wo das Ziel des Wagens wohl ist und wann dieses bereits etliche Stunden andauernde Spektakel ein Ende finden würde, gingen aber erstmal in Richtung Hotel. Am Abend machten wir uns auf den Weg in ein Restaurant, in dem wir die außergewöhnlich erfolgreiche Lebensgeschichte eines deutschen Paares unaufgefordert erzählt bekamen. Abgelenkt vom Gesäusel Lothars, der, genau wie Anette etwas angetrunken wirkte, nicht zuletzt weil er beim Toilettengang umherstehende Tische antitschte, traten wir den Heimweg an. Die Gassen schienen leer und die Stadt im Schlummerschlaf; nachvollziehbar nach so einem Event.

    Wieder Mal hatten wir die vibrierende Energie der Nepalesen unterschätzt als wir in einer der Nebenstraßen in eine Menschenmenge hineingerieten, die nur der Vorbote von etwas war, das wir niemals geglaubt hätten. In den dunklen Tiefen der engen Gasse arbitete sich uns, schwermütig und wankend, der tempelartige hölzerne Wagen entgegen. Begleitet von den immer lauter werdenden gleichen Klängen, die auch am Nachmittag den Rhythmus angaben. Mit offenen Mündern standen wir da bis wir begriffen, dass wir zurück weichen müssen, denn der Wagen füllte die engen Gasse aus durch die er gezogen wurde. Die Meute war so lebahft und voller Energie wie zu Beginn des Nachmittags, circa acht Stunden zuvor und wiedermal blieb unsere Frage unbeantwortet: wann und wo würde dieses Spektakel wohl ein Ende finden?
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  • Boudha Stupa, Boudhanath

    April 11 in Nepal ⋅ ⛅ 24 °C

    An unserem letzten Nachmittag in Nepal entschließen wir uns, von Bhaktapur nach Boudhanath zu fahren, um das buddhistische Shechen-Kloster und die riesige Boudha Stupa zu besuchen. Eigentlich hatten wir dies schon ganz zu Beginn unserer Zeit in Nepal vor, jedoch hatte es zu diesem Zeitpunkt recht viel geregnet, sodass wir den Besuch verschoben hatten. Dieses Mal haben wir richtiges Glück mit dem Wetter, die Sonne schien den ganzen Tag.

    Unsere Kameras unterm Arm machen wir uns also auf den Weg in Richtung des Shechen-Klosters, wo man am späteren Nachmittag die buddhistischen Mönche beim Beten beobachten kann. So hatten wir es von mehreren Reisenden, die wir unterwegs getroffen haben, gehört. Wenig überraschend waren wir nicht die Einzigen, die auf diese Idee gekommen sind. Ausgerechnet an diesem Samstagnachmittag ist das Shechen-Kloster offensichtlich zu einer Art „Tag des offenen Gebets“ geöffnet - der gesamte Hof bzw. Garten des Klosters ist vollkommen überfüllt mit Besuchern, Gläubigen und Mönchen, die sich unter vollem Körpereinsatz durch die Tore des Klosters zu quetschen versuchen. Das von einem Mönch vorgesprochene Gebet, das uns wie ein nicht enden wollendes Mantra erscheint, wird auf einem großen Bildschirm nach draußen übertragen. Die Stimmung bewegt sich für uns irgendwo zwischen Weltjugendtag und Volksfest. Wir schauen uns das Geschehen ein wenig durch den Zaun und das Eingangstor an, beschließen jedoch, uns nicht ins Gebets-Getümmel zu stürzen, sondern uns auf den Fußweg zur nahe gelegenen Boudha-Stupa zu machen.

    Der Weg führt durch einige enge Gässchen, in denen sich die Dichte an Geschäften, in denen man von Gebetsfahnen, über Buddha-Statuen bis zu Kerzen und Räucherstäbchen so ziemlich alles an Material erstehen kann, was der Gläubige oder Spirituelle so brauchen könnte, stetig erhöht. Und dann blicken wir zum ersten Mal in die wachsamen Augen der Boudha Stupa, die auf alle vier Seiten des goldenen Turmes der Stupa gemalt sind und die zahlreichen Besucher im Blick behalten.

    Einmal mehr erweist sich Nepal als ein absolutes Paradies für Fotografie-Begeisterte - die Stupa im Licht der Abendsonne ist für uns einfach überwältigend schön! Alter und exakter Ursprung der Stupa sind nach unseren Recherchen etwas umstritten, jedenfalls ist das 36 Meter hohe und zum UNESCO Weltkulturerbe zählende Gebäude auf der ehemaligen Handelsroute von Tibet nach Indien gelegen und gilt als einer der wichtigsten Ankerpunkte des tibetischen Buddhismus. So siedelten sich bereits Ende der 1950er Jahre tibetische Buddhisten in Boudhanath an und sind bis heute mit Gasthäusern, Herbergen und Geschäften rund um die Stupa präsent. Wir mischen uns unter die Mönche und Gläubigen, die ihre Gebete und Mantras sprechen, während sie immer wieder um die Stupa herumlaufen oder während des Laufens die vielen Mantrarollen drehen, die an der Stupa befestigt sind. Das Drehen der Mantrarollen kann das Aufsagen der teils sehr langen Mantratexte ersetzen und scheint uns ein recht pragmatischer Ansatz für den Alltags-Buddhismus.

    Was die Besucherquote, Souvenirläden, Restaurants, Cafés und Bars rund um die Stupa betrifft, steht Boudhanath europäischen Sehenswürdigkeiten wie beispielsweise dem Brandenburger Tor oder dem Eiffelturm in nichts nach und doch sind wir zutiefst begeistert von dem Ort mit seinen vielen unterschiedlichen Perspektiven im Lichte des Sonnenuntergangs und den Gebetsfahnen, die sich im leichten Wind wiegen und der Stupa immer wieder ein leicht verändertes Aussehen verleihen. Als die Sonne hinter den nahe gelegenen Hügeln verschwunden ist und die blaue Stunde den Ort in pastellige Sepiafarben hüllt, steigen wir auf eine der vielen Dachterrassen und sehen die Stupa noch einmal von einer höheren Ebene aus, was uns abermals den Atem verschlägt.

    Zum Abschluss des Abends kommen wir der Stupa noch einmal besonders nahe, indem wir in einem der Restaurants mit Dachterrasse zu Abend essen und einen Tisch mit unmittelbarem Blick auf die Stupa ergattern. Glücklich und dankbar für unsere knapp vier Wochen im wunderschönen Nepal nehmen wir Abschied, bevor wir am nächsten Tag nach Mumbai fliegen, um von dort aus noch einige Tage in Goa zu verbringen.
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  • Auf nach Goa ✈️☀️🌊

    Apr 12–24 in India ⋅ ☀️ 31 °C

    Die Begeisterung über unsere wunderbare Zeit in Nepal im Gepäck steigen wir am Sonntagnachmittag ins Flugzeug Richtung Mumbai. Wir hatten von mehreren Seiten gehört, dass es sich bei der Ausreise aus Nepal lohnt, auf der rechten Seite im Flugzeug zu sitzen, da man so auf die Gipfel des Himalaya blicken kann. Tatsächlich haben wir zwei Fensterplätze hintereinander ergattert und auch das Wetter spielt mit - wir dürfen einige Minuten lang noch einmal die beeindruckend hohen Berge durch das Flugzeugfenster betrachten. Nepal verabschiedet sich von seiner authentischsten Seite von uns, ganz so als wollte es noch einmal sicherstellen, dass wir den Wesenskern des kleinen Landes auch ja nicht vergessen. 😌 🏔️ ✨

    Knapp drei Stunden später landen wir wohlbehalten in Mumbai und sind aufgrund unserer Erfahrungen in Neu-Delhi etwas aufgeregt mit Blick auf das, was uns wohl außerhalb der sicheren Festung des Flughafens erwartet. Unsere Aufregung wird beim Warten auf die Passkontrolle noch deutlich gesteigert, denn Kai fällt kurz vor Prüfung unserer Pässe durch die Grenzbeamten auf, dass unser Touristenvisum um 23:59h desselben Tages ausläuft. Wir versuchen auf die Schnelle herauszufinden, ob dies tatsächlich zutrifft und kommen zu dem Ergebnis, dass wir die Visumsvorschriften falsch interpretiert haben. Deutschen Staatsbürgern gewährt Indien 30 Tage Aufenthalt mit zweimaliger Einreise im Rahmen eines regulären Touristenvisums. Da wir Mitte März zum ersten Mal eingereist sind, jedoch nur drei Tage im Land waren bevor wir nach Nepal weitergereist sind, waren wir davon ausgegangen, dass wir nach der zweiten Einreise noch 27 Tage im Land sein dürfen. Unser Verständnis erweist sich jedoch als falsch, wie uns der Grenzbeamte kurze Zeit später höflich erklärt. Wir können zwar mit unserem Visum an diesem Tag noch einreisen, sind jedoch ab dem nächsten Tag ohne wirksame Aufenthaltserlaubis im Land und müssen bei der zuständigen Einwanderungsbehörde eine ausdrückliche Ausreisegenehmigung beantragen. Dies gehe unproblematisch online, wie der Grenzbeamte uns erklärt. Was in Indien „unproblematisch online“ bedeutet, haben wir noch von unserer Visumsbeantragung vor einigen Wochen im Kopf, hinzu kommt meine beruflich geprägte Vorahnung, was es bedeuten kann, ohne wirksame Aufenthaltserlaubnis in einem Land zu sein. Wir durchschreiten also mit ziemlich beklommenem Gefühl die Grenzkontrolle und machen uns auf den Weg zu unserem Hotel. Da wir am nächsten Morgen sehr früh zum Bahnhof müssen, um mit dem Zug nach Goa zu fahren, haben wir ein Hotel auf dem Flughafengelände gewählt und können zu Fuß dorthinlaufen. Die erste Konsequenz unseres ablaufenden Visums wird uns gleich beim Check-in im Hotel bewusst: die Unterkünfte sind in Indien verpflichtet, die Aufenthaltserlaubnis der Gäste zu prüfen und da es sich um ein Hotel der amerikanischen Marriott-Gruppe handelt, das wir über meinen Bruder Adrian gebucht haben, nimmt man es sehr genau mit den Compliance-Vorschriften. Wir versuchen zunächst, genau zu erklären, was mit unserem Visum schiefgelaufen ist, jedoch fordert das Hotel einen schriftlichen Nachweis, den wir vom Grenzbeamten nicht erhalten haben. Nach einigem Hin und Her gibt sich das Personal schließlich mit einer Kopie unseres ursprünglichen Visumsantrages zufrieden und empfiehlt uns, die Ausreisegenehmigung sofort online zu beantragen. Dieses Projekt nehmen wir auch gleich nachdem wir auf unserem Zimmer sind in Angriff, scheitern jedoch eine gute Stunde später am unglaublich umfangreichen Fragebogen, auf dem wir neben unserer überwiegenden Lebensgeschichte auch noch die halbe Lebensgeschichte unserer Eltern und unserer Arbeitgeber eintragen müssen. Die meisten Angaben sind mit Belegen zu untermauern, die wir in bestimmten Dateiformaten im Online-Tool hochladen müssen. Besagtes Online-Tool ist jedoch wenig anwenderfreundlich - wir fragen uns wie schon bei der Visumsbeantragung, ob die hochgelobten indischen ITler es mit der Programmierung in eigenen Angelegenheiten wohl nicht ganz so genau nehmen. Nach mehreren Versuchen und zunehmend überstrapazierten Nerven, beschließt Kai, zumindest noch für einige Minuten in den Hotel-Pool zu springen und ich recherchiere die Öffnungszeiten der beiden Hotel-Restaurants. So kommen wir zumindest noch für zwei Stündchen in den Genuss eines hervorragenden Abendessens und etwas Schlaf, bevor wir uns am nächsten Morgen früh auf den Weg nach Goa machen.

    Halb verschlafen möchten wir um 3:30 Uhr morgens aus dem Hotel auschecken, nur um festzustellen, dass auch beim Check-Out noch einmal die gesamte Visums-Thematik erfragt wird. Letztlich ist das Hotel jedoch zufrieden, als wir nochmals unsere ursprünglichen Visumsanträge zeigen und man lässt uns ziehen. Es folgt eine etwa 45-minütige Taxifahrt von Nord-Mumbai zum Bahnhof in Süd-Mumbai, während der uns die Dimensionen der indischen Metropole eindrucksvoll bewusst werden. Am Bahnhof angekommen, merken wir endgültig, dass wir zurück in Indien sind: da die ersten Züge erst am 5h morgens fahren, sitzen und liegen die Fahrgäste bereits in der Bahnhofsvorhalle auf dem Boden und warten geduldig auf ihre jeweiligen Züge. Wir mischen uns mit unseren Rucksäcken unter die Wartenden und nehmen kurze Zeit später Platz in unserem Zug in Richtung Goa. Die Zugstrecke von Mumbai nach Goa, die sog. „Konkan-Railway-Strecke“, war uns bei der Reisevorbereitung als besonders sehenswert empfohlen worden, insbesondere wenn man einen der begehrten Plätze im Panorama-Waggon ergattert, bei dem man die Sitze zur Seite in Richtung großer Fenster drehen kann. Die Fahrt ist tatsächlich spannend, wenn auch nicht ganz so szenisch-spektakulär, wie angepriesen. Entgegen der Darstellung im YouTube-Video sind die großen Fenster des Panorama-Waggons doch etwas in die Jahre gekommen und verkratzt und die Landschaft etwas eintöniger als erwartet. Dennoch lohnt sich die gut 9,5-stündige Fahrt, da wir noch einmal eine deutliche Vorstellung von den Dimesionen und der Vegetation des Landes erhalten. Auch der Service an Bord des Zuges ist wirklich hervorragend, wie wir schon bei unseren beiden Zugfahrten zwischen Neu-Delhi und Agra festgestellt hatten. Zum Frühstück gibt es Sandwiches mit Masala-Omelette und zum Mittagessen Matar-Paneer, ein leckeres Tomaten-Curry mit Paneer-Käse und Reis. Zwischendurch gibt es immer wieder die Möglichkeit, Kaffee oder Masala-Chai in kleinen Bechern zu kaufen und sich so die lange Zugfahrt zu versüßen.

    Glücklicherweise werden im Zug unsere Visa nicht kontrolliert, sodass wir am frühen Nachmittag in Madgaon, im südlichen Teil Goas eintrudeln. Bis zu unserer Unterkunft am Patnem Beach sind es noch einmal gut 45 Minuten mit dem Taxi - entsprechend groß ist unsere Skepsis gegenüber den Taxifahrern, die uns aus Neu-Delhi noch bestens in Erinnerung sind. Unsere Skepsis erweist sich jedoch als unbegründet, denn die Mentalität der Taxifahrer in Goa erweist sich als grundlegend anders als derjenigen in Neu-Delhi und Agra. Der Preis entspricht auf Anhieb demjenigen, den wir vorab recherchiert haben und unser Taxifahrer bringt uns zielsicher direkt zu unserem Hotel, während er uns auf der Fahrt dorthin immer mal wieder etwas über die bevorstehende Cashewkern- und Mangoernte berichtet.

    Wie wir kurze Zeit später feststellen, ist die höflich-entspannte Haltung unseres Taxifahrers keine Ausnahme in Süd-Indien, sondern entspricht der weit überwiegenden Mentalität der Menschen in Goa. Auch das Personal in unserer Unterkunft ist ausdrücklich zuvorkommend und sympathisch und wird uns in den kommenden Tagen ans Herz wachsen. Glücklicherweise nimmt man es beim Check-in in Goa auch nicht ganz so genau mit der Visakontrolle, sodass wir uns riesig über unser wunderschönes kleines Zimmer in einem Pavillon-ähnlichen Häuschen mit Blick aufs Meer freuen und kurze Zeit später unseren ersten Strandspaziergang machen. Gleichwohl ist uns bewusst, dass wir die Ausreisegenehmigung schnellstmöglich beantragen müssen und so entschließen wir uns, am nächsten Morgen den Hotelmanager um Rat zu bitten. Dieser erweist sich als deutlich entspannter als das Hotelpersonal in Mumbai und weiß direkt, welches Formular wir ausfüllen müssen und wie die erforderlichen Nachweise in das Online-Tool gelangen. Er empfiehlt uns, am nächsten Morgen in das nahegelegene Örtchen Canacona zu fahren, um dort im sog. „Cyber-Café“ den Antrag vollständig online einzureichen. Seinem Rat folgen wir gerne und sind dankbar, dass das Hotelpersonal unseren Antrag bereits für uns vorbereitet hat, als wir uns am nächsten Morgen auf den Weg ins Cyber-Café machen. Dort angekommen, stellen wir fest, dass wir offensichtlich nicht die Einzigen sind, die Unterstützung beim Einreichen von Anträgen bei indischen Behörden haben. Die Mitarbeiter im Cyber-Café erweisen sich als hilfreiche Schnittstelle zwischen Bürger und Behörden und übernehmen sämtlichen Papier- und Kommunikationsaufwand gegen eine Gebühr - von der Beantragung einer SIM-Karte oder eines Kredits bis zur Zahlung der Kfz-Steuer oder eben der Beantragung einer Ausreisegenehmigung. Allein das Warten im Cyber-Büro bis wir an der Reihe sind, ist eine Erfahrung für sich und gibt uns einen kleinen Einblick in die indische Art der Bewältigung alltäglichen Verwaltungsaufwand. Schließlich nimmt man sich unseres Antrages an und wir sind froh, als der Mitarbeiter vorschlägt, die Überschreitung unseres Visum mit „due to war in Iran“ zu begründen. Ganz aus der Luft gegriffen ist die Begründung schließlich nicht, denn ursprünglich wären wir tatsächlich erst am 12. April zum ersten Mal nach Indien eingereist und dann hätte unser Visum völlig unproblematisch ausgereicht. Kurze Zeit später ist unser Antrag eingereicht und wir schaffen es, uns dem entspannten „Beach Vibe“ Süd-Goas hinzugeben.

    Die kommenden Tage verbringen wir abwechselnd am Patnem Beach und am Palolem Beach, bestaunen die vielen Kokospalmen, schwimmen im warmen Wasser oder kehren in eines der vielen kleinen Strand-Restaurants ein, um Garnelen-Kokos-Curry zu essen oder die Cocktail-Happy Hour auszunutzen. An einem der Tage gehen wir zu einem der vielen Yoga-Kurse, die in Goa am Strand oder in den Wäldern in Strandnähe angeboten werden. Da sich die Saison dem Ende zuneigt und es unglaublich warm ist mit hoher Luftfeuchtigkeit, sind wir die einzigen beiden Kursteilnehmer bei einer japanischen Yoga-Lehrerin. Wir schaffen es trotz des Klimas einigermaßen auf den Beinen zu bleiben, allerdings bleibt es eine einmalige Sache, denn es wird von Tag zu Tag wärmer und schwüler.

    Ein weiteres Highlight unserer Zeit in Goa ist der Kochkurs mit Chef Raoul, den Kai mir zum Geburtstag geschenkt hat. Auch hier sind wir die einzigen beiden Teilnehmer und unternehmen mit Raoul einen leckeren, kulinarischen Ausflug in die südindische Küche. Mit Palak Paneer, einem süßlich-würzigen Champignon-Curry und einem lokalen Garnelen-Kokoscurry kochen wir drei Hauptgerichte, die mit marinierten Garnelen, einem Koriander-Dip und selbstgemachtem Naan-Brot abgerundet werden. Rund sind wir nach der Mahlzeit ebenfalls und nehmen die Hälfte unseres selbstgekochten Essens mit und haben am Folgetag noch einmal ein vollständiges Abendessen.

    Während sich unsere Zeit in Goa und unsere Reise so langsam dem Ende neigt, freuen wir uns besonders, dass Heidi und Gerhard, die wir in Bandipur kennengelernt und in Pokhara wiedergetroffen hatten, ebenfalls noch für ein paar Tage nach Goa kommen und am Patnem Beach bleiben werden. So verbringen wir noch drei tolle, gemeinsame Abende in Goa, tauschen Reiseerfahrungen und Gedanken zu bezahlbarem Wohnen und alternativen Wohnprojekten aus.

    Unser indisches Strand-Idyll wäre fast sorgenfrei, wenn wir nicht bis zur Mitte der letzten Woche immernoch keine wirksame Ausreisegenehmigung gehabt hätten. Zwar war Kai zwischendurch seitens der Behörde aufgefordert worden, eine ausführliche Stellungnahme einzureichen und die Überschreitung des Visums zu erklären. Dieser Aufforderung sind wir natürlich nachgekommen, hörten jedoch anschließend wieder einige Tage nichts. Zwei Tage vor unserem geplanten Rückflug erhielt ich dann eine Zahlungsaufforderung für eine Bearbeitungsgebühr - anschließend wieder nichts und auch keine Zahlungsaufforderung für Kai. Nach Rücksprache mit unserem Hotel sehen wir daher keine andere Möglichkeit, einen Tag vor unserer Abreise zur Einwanderungsbehörde in Panjim zu fahren, der Hauptstadt des Bundesstaates Goa. Das Städtchen erweist sich als ausgesprochen hübsch mit vielen bunten Häusern aus Zeiten der portugiesischen Kolonialzeit. Unser Besuch bei der Einwanderungsbehörde erweist sich jedoch als ausgesprochen ernüchternd. Man betrachtet sich als unzuständig und verweist uns an die Einwanderungsbehörde im gut 600km entfernten Mumbai. Nach mehreren Nachfragen erhalten wir zumindest eine Telefonnummer der Behörde in Mumbai, die wir allerdings ohne indische SIM-Karte nicht anrufen können. Da die Zeit bis zu unserem Rückflug am Abend des nächsten Tages wirklich drängt und wir uns schon mit dem Gedanken anfreunden, unseren Rückflug nochmals verschieben zu müssen, beschließen wir, uns im nächstbesten Handyladen eine lokale SIM-Karte zu besorgen. Auch hierbei haben wir die Rechnung ohne die indischen Visumsvorgaben gemacht - die Beantragung einer SIM-Karte scheitert abermals am abgelaufenen Visum. Wir erklären dem Handyverkäufer, zunehmend nervös, dass wir die Visumsthematik gerne klären möchten, hierfür jedoch mit einem indischen Handy telefonieren müssen. Kurzerhand gibt uns der Handyverkäufer sein privates Handy und ich erreiche glücklicherweise einen Sachbearbeiter der Einwanderungsbehörde. Er versteht unsere Zeitnot und bearbeitet unsere Anträge im Schnellverfahren, sodass wir beide noch am selben Tag unsere Ausreisegenehmigung haben. Riesig erleichtert verbringen wir so noch einen letzten Tag in Goa, zumal unser ursprüngliches Hotelzimmer für die bevorstehende Monsun-Zeit vorbereitet wird und das Hotel uns daher ein deutlich größeres Zimmer mit direktem Meerblick gewährt hat.

    Ein Abschiedscocktail und ein leckeres Abendessen später, sitzen wir schließlich im Taxi auf dem Weg zum Flughafen Goa, von wo aus wir über Mumbai nach Athen fliegen werden. Bei der Ausreise in Mumbai geht unser Puls dann noch einmal hoch, als der Grenzbeamte noch mehrfach nachfragt, ob der Grund für die Visumsüberschreitung tatsächlich „due to war“ ist und er noch einmal mit einem Kollegen Rücksprache hält. Schließlich lächelt er uns an, sagt „ahhh, finally going home“ (ähhhh, jaaa, so ähnlich 😅🙈), stempelt unsere Pässe und verabschiedet uns mit den Worten „Hope you come back soon“. Dass wir gerade erstmal froh sind, Indien rechtmäßig verlassen zu dürfen, behalten wir sicherheitshalber für uns und stehen kurz darauf im Duty Free-Shop.

    Froh und erleichtert warten wir nun auf unseren Flug nach Athen und freuen uns, Schritt für Schritt zurück nach Europa zu gelangen.
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  • Athen - back to Europe

    Apr 25–28 in Greece ⋅ ⛅ 20 °C

    Nach fast sechs Stunden layover am Flughafen Mumbai landen wir am Samstagmittag in Athen und freuen uns, vor unserer Rückkehr nach Deutschland noch einige Tage im sonnigen Athen zu verbringen. Als wir die elektronische Passkontrolle in wenigen Minuten passieren, wissen wir die Europäische Union und den Schengenraum einmal mehr zu schätzen - es fühlt sich schön an, wieder europäischen Boden unter den Füßen zu spüren.

    Da wir beide schon einmal in Athen waren, lassen wir uns in den nächsten 2,5 Tagen durch die herrlich entspannte griechische Hauptstadt treiben, trinken Freddo Cappuccino, essen köstliche griechische Mezze, bummeln über einen Antiquitätenmarkt und durch die Markthalle, kaufen Oliven und Olivenöl und lassen die Abende bei einem Gläschen griechischen Rotwein ausklingen. Ganz besonders gefällt uns ein Besuch im von Renzo Piano entworfenen Gebäude der Stavros Niarchos Foundation, in dem sich unter anderem die griechische Nationalbibliothek und die Nationaloper befinden. Wir sind begeistert von dem Gebäude, auf dessen abgeschrägtem Dach sich ein Garten befindet, der nach und nach in einem ebenen Garten mündet und so in die Stadt übergeht. So sehr wir die wunderbare Natur während unserer Reise auch genossen haben, so merken wir beide auch immer wieder, dass wir auch begeisterte Städtereisende sind und uns für Bauwerke, Kulturangebote und städtische Räume begeistern können, an denen Menschen zusammenkommen. Von solchen Orten gibt es in Athen einige und so kommen wir Schritt für Schritt wieder an in Europa mit seinen vielseitigen Städten und Kulturen.

    Als wir am Samstagmittag wohlbehalten und bei strahlendem Sonnenschein in Düsseldorf landen, sind wir erfüllt von einem tiefen Gefühl der Dankbarkeit für all die Orte, die wir bereisen durften, für die Menschen, die uns aufgenommen, unterstützt und so manches Mal ein kleines bisschen ihres Alltags mit uns geteilt haben und auch für den Einblick in die innere Haltung, die Menschen in Nepal und Indien gegenüber den kleinen und großen Themen des Lebens haben. So waren die Konsequenzen des Iran-Krieges sowohl in Nepal als auch in Indien zu spüren, sei es durch die zurückgehende Anzahl an Touristen in beiden Ländern oder durch den zunehmenden Mangel an Gas und steigende Benzinpreise. Der Umgang mit diesen Auswirkungen erschien uns jedoch weitaus entspannter als die deutsche Haltung hierzu - sei es, aufgrund einer entspannteren Mentalität oder auch aufgrund der Tatsache, dass die überwiegende Anzahl der Menschen es sowohl in Indien als auch in Nepal gewöhnt sind, mit erheblichen Herausforderungen im Alltag konfrontiert zu sein.

    Wir haben uns fest vorgenommen, ein wenig dieser Haltung und Lebenseinstellung mitzunehmen und uns im Alltag möglichst häufig daran zu erinnern. Möge es uns gelingen und wir so oft es geht an die vielen schönen, atemberaubenden und mutmachenden Momente zurückdenken. 😌✨
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    Trip end
    April 28, 2026