Von den Karpaten nach Tokaj
July 26 in Hungary ⋅ ⛅ 28 °C
Abschied von Rumänien
Am Morgen verlasse ich Petrova und nehme Abschied von der Maramureș. Noch einmal wartet ein landschaftlicher Höhepunkt auf mich, bevor ich Rumänien verlasse.
Schon bald beginnt der Aufstieg zum Gutâi-Pass. Die Strasse windet sich in unzähligen Serpentinen durch dichte Wälder den Berg hinauf und wieder hinunter. Für Motorradfahrer ist sie ein wahrer Genuss. Kurve reiht sich an Kurve, der Asphalt ist gut ausgebaut, und die bewaldete Berglandschaft vermittelt das Gefühl, noch einmal tief in die Karpaten einzutauchen. Es ist ein würdiger Abschluss meiner rumänischen Bergtouren.
Baia Mare umfahre ich auf Umfahrungsstrassen und fahre zügig weiter in Richtung Satu Mare. Dort gönne ich mir eine längere Pause im historischen Stadtzentrum. Die zahlreichen Jugendstilbauten rund um den grosszügigen Platz verleihen der Stadt ein elegantes Flair. In einem Restaurant direkt an der Parkanlage lösche ich meinen Durst und geniesse die Mittagspause. An diesem Sommertag steigen die Temperaturen inzwischen deutlich an.
Nach Satu Mare verändert sich die Landschaft Schritt für Schritt. Die Karpaten bleiben immer weiter zurück, ihre Silhouette verschwindet langsam im Dunst des Horizonts. Das Land wird flacher und weiter. Kurz vor Petea erreiche ich die Grenze zu Ungarn. Die Grenzanlage wirkt beinahe verlassen – weder auf rumänischer noch auf ungarischer Seite ist Personal zu sehen. Innerhalb des Schengen-Raums verläuft der Grenzübertritt völlig unkompliziert.
Mein heutiges Tagesziel liegt allerdings noch rund 150 Kilometer entfernt. Fahrerisch verliert die Strecke nun deutlich an Reiz. Lange, schnurgerade Strassen ziehen sich kilometerweit durch die weite Ebene. Links und rechts wechseln sich Maisfelder, leuchtende Sonnenblumen, Obstplantagen, frisch abgeerntete Getreidefelder und kleinere Waldstücke ab. Auch die Dörfer unterscheiden sich kaum voneinander. Viele Häuser besitzen denselben quadratischen Grundriss und wirken beinahe wie nach einem gemeinsamen Bauplan errichtet. Erst später angefügte Anbauten verleihen ihnen etwas Individualität.
Kurz vor dem Ziel sorgt ein Velorennen noch für eine ungeplante Umleitung. Dadurch überquere ich mehrmals die Theiss, an deren Ufern zahlreiche Einheimische den heissen Sonntagnachmittag beim Baden verbringen. Die sommerliche Hitze wird nun immer intensiver, und ich freue mich, als ich gegen 16:00 Uhr mein Hotel in Tokaj erreiche.
Nach den kurvenreichen Tagen in den Karpaten fühlt sich die ungarische Tiefebene fast wie eine andere Welt an. Während Rumänien mit Bergen, Pässen und ursprünglichen Dörfern begeistert hat, bestimmen hier Weite, Landwirtschaft und endlose Horizonte das Landschaftsbild.
Am Abend wartet schliesslich der passende Abschluss dieses Reisetages. In Tokaj gehört zu einem feinen Nachtessen selbstverständlich auch ein Glas des berühmten Tokajer Weins. Kaum ein anderer Ort wäre geeigneter, um auf die vielen grossartigen Eindrücke der vergangenen Wochen in Rumänien anzustossen.Read more


























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