• Von Südmähren über den Böhmerwald nach Österreich

    August 1 in Austria ⋅ ☀️ 25 °C

    Nach dem stimmungsvollen Abend in Brünn beginnt der heutige Tag früh. Über Pohořelice erreiche ich noch vor 09.00 Uhr das Weingut Vinařství Lahofer. Um diese Zeit herrscht noch angenehme Ruhe, und ich kann das aussergewöhnliche Gebäude in aller Gelassenheit von innen und aussen erkunden. Die moderne Architektur fügt sich überraschend harmonisch in die Landschaft ein. Vom begehbaren Dach eröffnet sich ein schöner Blick über einen kleinen Teil der rund 500 Hektaren umfassenden Rebflächen – eindrücklich, welche Dimension der Weinbau hier erreicht.

    Znaim umfahre ich nördlich und folge den ruhigen Landstrassen weiter Richtung Westen. Kurz darauf bietet sich ein spektakulärer Blick auf das Schloss Vranov nad Dyjí, das majestätisch auf einem steilen Felsen hoch über dem gleichnamigen Städtchen thront. Von der gegenüberliegenden Talseite wirkt die barocke Anlage besonders eindrucksvoll und beherrscht die ganze Landschaft.

    Bei Šafov führt die Strasse zwischen mehreren kleinen Seen hindurch. Wenig später überrascht mich die Strecke mit herrlich geschwungenen Kurven. Über Slavonice und Nová Bystřice bis nach Lásenice macht das Motorradfahren besonders viel Freude. Die Strassen sind abwechslungsreich, der Verkehr hält sich in Grenzen, und immer wieder tauchen kleinere Seen und Weiher zwischen den Wäldern auf.

    Anschliessend folgt ein schnellerer Abschnitt, der mich knapp an Budweis vorbeiführt. Erst bei Český Krumlov verändert sich die Landschaft wieder deutlich. Die Strasse beginnt anzusteigen, und schon bald erreiche ich auf über 800 Metern Höhe den Böhmerwald. Dichte Wälder, angenehm kühlere Luft und die weitläufige Seenlandschaft rund um Černá v Pošumaví bilden einen wunderbaren Kontrast zur offenen Landschaft Südmährens.

    Bei einer Pause am See komme ich mit einem deutschen Motorrad-Ehepaar ins Gespräch. Aus den ersten Worten wird schnell eine längere Unterhaltung. Wir tauschen Reiseerlebnisse aus, lachen gemeinsam und geniessen die entspannte Atmosphäre am Wasser. Solche zufälligen Begegnungen gehören für mich zu den schönsten Momenten einer Reise.

    Wenig südlich bringt mich eine Fähre ans andere Ufer des Lipno-Stausees. Die kurze Überfahrt bietet nochmals schöne Ausblicke auf den See und die bewaldeten Hügel. Schon kurz danach überquere ich die Grenze nach Österreich. Die Landschaft des Böhmerwaldes setzt sich hier nahtlos fort und geht in den Mühlviertler Teil des Böhmerwaldes über – eine sanfte, waldreiche Hügellandschaft, die dem benachbarten Bayerischen Wald landschaftlich sehr ähnelt.

    Von hier ist es nur noch ein Katzensprung bis nach Ulrichsberg, meinem heutigen Tagesziel. Nach einer abwechslungsreichen Etappe mit moderner Architektur, historischen Schlössern, herrlichen Motorradstrecken, stillen Seen und einer sympathischen Begegnung unterwegs klingt der Tag entspannt im nördlichen Oberösterreich aus.
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