• Tag 99: Angekommen am Schwarzen Meer

    September 9, 2024 in Turkey ⋅ ☁️ 26 °C

    Heute gefahren: 81km
    Bisher gefahren gesamt: 5.709km
    Heute Höhenmeter im Anstieg: 668hm
    **Heute Höhenmeter im Abstieg auf ca. 55km: 3.261hm**
    Höhenmeter im Anstieg bisher: 59.404hm
    Platte Reifen: 4
    Pausentage gesamt: 23
    Fahrtage gesamt: 76

    Die Nacht auf der Baustelle war richtig gut. Durch die offenen Fenster schön kühl und morgens strahlt die Sonne. Gewitter und Regen sind verflogen.
    Vincent ist schon früh auf und begegnet dem ägyptischen Arbeiter als er vom Fluss mit Fischen kommt. Sie schlafen in einem kleinen Verschlag auf der Baustelle - bestimmt sehr einfach und schlechte Arbeitsbedingungen.
    Wir frühstücken und bedanken uns nochmal bei den Arbeitern, dass sie uns am Abend zuvor ins Gebäude geholt haben, Decken und Teppiche bereitgelegt haben, uns ein Verlängerungskabel hingelegt haben. Sie waren richtig herzlich und haben sich gekümmert. Wir konnten das am Vorabend gar nicht wertschätzen und waren etwas genervt, deswegen sind wir nochmal mit Google Translator zu ihnen hin, um uns zu bedanken.

    Vor uns liegt nur noch ein Pass, um ans Schwarze Meer zu kommen.
    Wir umfahren den neu gebauten Ovit Tunnel auf der alten Passstraße und können wieder die Landschaft in vollen Zügen genießen und alles aufsaugen. Überraschend viele kleine Dörfchen und immer mit einer ganz schön großen Moschee. Nicht nur kleinen Mescits. Teilweise sehr einfache Behausungen und teilweise auch richtige Häuser oder Ferienhäuser.
    Auf der Straße, die sich seicht nach oben zieht, ist nichts los. Rechts und links von uns sind die Ovit-Berge, die über 3.500m messen. Beeindruckend und schön zugleich.
    Wir haben erwartet, dass die Pässe viel schwieriger werden, aber es war halb so wild. Lediglich die Rahmenbedingungen aus Gewitterwarnungen, Bären und Schlafmangel haben es teilweise schwierig gemacht.
    Aber spätestens als wir am Passschild auf 2.630m ankommen, ist alles vergessen und wir sind so dankbar für die Reise und die Begegnungen, die wir bisher gemacht haben.
    Die Szenerie ist unbeschreiblich, während im Anstieg karges, raues Klima an den Bergen herrschte, wird es in der Abfahrt waldig, grüner und milder.
    Die Abfahrt war steil (gut, dass wir da nicht hochmussten!) und Menschen- und Autoleer bis wir am Tunnelausgang herauskommen. Auch da ist nicht wirklich viel los.
    Vermutlich soll die Trasse mal das Schwarze Meer mit Erzurum verbinden, aktuell werden aber die Zugangsstraßen (zweispurig auf jeder Seite) auf riesigen Brücken noch über das oder in das Tal gebaut. Denn kein LKW schafft die steilen Straßen.
    Wir fahren 30km ab in den ersten Ort und machen dort Pause. Die Umgebung ist wie in Südtirol und Österreich, in die Berge gebaute Häuser - nur die Moscheen erinnern, dass wir in der Türkei sind. Es ist wunderschön und unwirklich, dass auch das die Türkei ist.
    Die Bilder können die Szenerie nicht auffangen, ich hoffe, ich behalte sie immer im Kopf….

    Wir fahren weiter und zunehmend kommen Tunnel auf unserer Strecke, die noch auf keiner Karte eingezeichnet sind. Vermutlich auch recht neu, um die Trasse auszubauen. Einen können wir umfahren, bei den anderen fühlen wir uns recht sicher, denn sie sind zweispurig, wir blinken was geht und die Tunnel sind gut beleuchtet. Also halb so wild, trotzdem ist die Akustik immer beängstigend, wenn die LKWs vorbeirauschen.

    Und plötzlich nach einer Tunnelumfahrung erschließt sich vor uns ein komplett anderes Gebiet: Es wird heiß und schwül und rechts und links ziehen sich Teeplantagen die Berge nach oben. Wir haben das Gefühl in Südamerika oder Südostasien zu sein. Die Wolken des gemeldeten Regens bzw. Gewitters hängen über uns. Vollkommen surreal zu der Berglandschaft noch einige Stunden zuvor. Und offensichtlich ist auch Teeernte. Überall liegen liegen Säcke mit Teeblättern, kleine und große LKWs fahren an uns vorbei zu den unzähligen Teefabriken. Frauen sitzen in den Berghängen und schneiden mit einer Art kleinen Heckenscheren, an denen ein Sack befestigt ist, die Teeblätter ab. Irgendwie muss der Çay-Konsum ja befriedigt werden.
    Leider geht es nicht nur bergab, um schön schauen zu können, sondern wir müssen noch über einen der Teeberge drüber.
    Es ist super schwül und sehr, sehr steil. Wir landen in mitten der Teeplantagen und kleinen Dörfchen. Uns läuft das Wasser herunter, aber die tolle Szenerie und Aussicht auf eine Dusche heute Abend im Hotel motivieren uns.
    In den Dörfern kommen definitiv nicht so häufig Touristen vorbei - wir werden sehr irritiert angeschaut. Durch unsere Tour durch die Dörfchen sehen wir die komplette Produktion. Die Häuser haben Lagerräume für die Teeblätter mit eingebaut und irgendwann kommt der Laster mit einem riesigen Saugrohr und holt die Blätter ab, um sie in die Teefabriken zu bringen.
    Auch hier haben wir wieder das Gefühl, dass die Frauen vorrangig arbeiten, während die Männer in den Çay-Cafés sitzen.

    Irgendwann haben wir auch den letzten Hügel erklommen und sehen tatsächlich das Schwarze Meer. Wir haben ganz offensichtlich das Pontische Gebirge überquert! Es sind nur noch knapp 100km zur georgischen Grenze. So richtig realisieren wir unsere Leistung nicht.
    Es geht nochmal steil bergab nach Rize, unserem Ziel. Dort haben wir uns ein Hotel ausgesucht, steuern es an und fragen nach dem Preis (der meist günstiger ist als im Internet) und checken ein.
    Kleine Routine-Tätigkeiten, zumindest Klamotten auswaschen und DUSCHEN. Herrlich. Seit der letzten Dusch-Pause fühlten wir uns schon ziemlich eklig… Aber nun ist alles gut.
    Wir gehen lecker essen und genießen die Hotel-Annehmlichkeiten und freuen uns SEHR auf das Frühstücksbuffet und die Nacht im Bett. Es sind die kleinen Dinge die uns glücklich machen.
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