• Tag 110: Matschhölle

    September 20, 2024 in Georgia ⋅ ☁️ 13 °C

    Heute gefahren: 58km
    Bisher gefahren gesamt: 6.070km
    Heute Höhenmeter im Anstieg: 828hm
    Höhenmeter im Anstieg bisher: 64.202hm
    Platte Reifen: 4
    Pausentage gesamt: 27
    Fahrtage gesamt: 81

    Wir haben gut geschlafen - trotz starkem Wind. Der pustet auch unser nasses Zelt trocken, was ganz dankenswert ist.
    Weiter geht es über Dörfchen, der Wind bläst extrem - natürlich Gegenwind. Und wir kommen kaum voran, weil es immer wieder extrem steil bergauf und bergab geht. Das zieht auch an der Motivation. Zudem ist es etwas bedeckter und in Kombination mit dem Wind teils kalt.
    In einem Dorf in der Pampa stärken wir uns mit einer neuen leckeren Brot-Sache: Lobiani
    Brot gefüllt mit zerdrückten Bohnen. Das ist heiß, kommt direkt aus dem Ofen und schmeckt himmlisch. Jeder von uns verdrückt gleich 2 und danach gibt’s noch 2 türkische Kaffee für uns.
    Das hat uns motiviert und wir trotzen auch dem Nieselregen, der eingesetzt hat. Wir sollten uns glücklich schätzen, denn zu dem Zeitpunkt waren wir noch auf Asphalt.
    Das ändert sich ein paar km weiter. Die Straße endet bzw. eine km-lange Baustelle beginnt. Sie bauen anscheinend eine asphaltierte Straße.
    Mal wieder das Schild „Sorry for the inconvenience”
    Das ist ja nett, aber bringt nix, denn die Straße wird zunehmend im Regen zur Schlammwüste. Zuerst geht es noch, weil der Boden fest ist, irgendwann wird der Regen stärker und die Räder fressen sich mit Lehmboden voll. Wir können sie nicht mal mehr schieben.
    Wir sind kurz vor einem Dorf, in dem es nichts außer einem Mini-Laden gibt, Schweine auf der Straße, Schlamm überall und verlassene Häuser. Es regnet mittlerweile in Strömen, wir stellen uns kurz unter und versuchen mit Stöckchen den Dreck zu entfernen, um unsere Reifen wieder zum Drehen zu bringen.

    Unserer Motivation ist am Tiefpunkt und uns ist kalt, wir beschließen in dem Dorf zu bleiben und einen trockenen Ort zu finden.
    Ein Mann zeigt uns ein verlassenes Haus, das uns schon zuvor aufgefallen ist. Wir beäugen es näher und beschließen zu bleiben.
    Liebevoll nennen wir es das Gruselhaus - aber immerhin war es trocken.
    Es war echt etwas gruselig. Alle Räume sind mit Vorhängeschlössern abgeschlossen, in einen Raum konnten wir reinschauen und es waren viele alte Bücher aufgestapelt.
    Zuerst gibt es mal warmen Tee, dann „duschen“ wir unsere dreckigen Füße und Beine am Regenrinnenwasser, was vom Dach kommt. Fast wie eine Dusche.
    Wir fühlen uns wie im survival Camp, denn wir fangen mit unserer Spülschüssel und Flasche noch Regenwasser auf, um damit unsere Räder zu säubern und Geschirr zu spülen. Auf meine Idee, in einen Plastikflaschenverschluss Löcher zu stechen, um damit unsere Bremsscheiben bzw. sensiblen Bauteile abzuspritzen, bin ich besonders stolz. 😉
    Wir spannen unsere Wäscheleine auf und hängen erstmal alles Nasse auf und kochen Essen. Im Dorfladen gegenüber haben wir noch fast abgelaufenes Buchweizen bekommen.
    Später quetschen wir unser Zelt in den Gang. Haut genau hin. Wir freuen uns, dass es langsam trocken und warm wird und schlafen auch gut!
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