Die zwei Granitnadeln 🏔️
March 10 in Argentina ⋅ ⛅ 11 °C
Zwei Tage in El Chaltén, zwischen Granitnadeln, Gletscher und ein bisschen Aufruhr.
Vorgestern sind Nenu und ich früh morgens nach El Chaltén gefahren, dem kleinen Ort am Rand des Nationalparks, der als das Alpinismuszentrum Patagoniens auf der argentinischen Seite gilt. Hier stehen zwei der berühmtesten Berge der Welt: Cerro Torre und Monte Fitz Roy.
Schon die Busfahrt hinein war spektakulär. Wir hatten die beiden Plätze ganz vorne und konnten die Berge schon aus der Ferne sehen. Für mich war das ein besonderer Moment, weil ich mich schon früher viel mit den Bergen der Welt beschäftigt habe und diese beiden Granitnadeln zu den ikonischsten Gipfeln überhaupt gehören. Nicht wegen ihrer Höhe, sondern wegen ihrer Form. Sie sind unglaublich steil und technisch extrem anspruchsvoll zu besteigen. Besonders der Cerro Torre ist berüchtigt, unter anderem wegen des riesigen Schneepilzes auf seinem Gipfel.
Nach der Ankunft im Ort haben wir uns kurz umgeschaut. Ich hätte eigentlich super gerne auf der Bonanza Farm ein Asado gemacht, aber da die Hochsaison gerade endet, findet das nur noch selten statt.
Also sind wir direkt losgewandert. Unser erstes Ziel war die Laguna Torre. Der Weg dorthin ist wunderschön, immer wieder mit Blick auf die Berge. Unterwegs haben wir sogar einen patagonischen Specht gesehen, und dank meines kleinen Monokulars konnte ich ein paar Videos machen.
Am Abend sind wir weitergewandert und haben nach einem schnellen Abstecher in den See schließlich unser Zelt aufgeschlagen, direkt unterhalb des Fitz Roy. Ein ziemlich surrealer Ort zum Übernachten.
Das Wetter war typisch patagonisch: mal bewölkt, mal klar, ziemlich wechselhaft. Wir haben uns etwas zu essen gemacht, Reis mit Thunfisch, Salz und ein bisschen Rotwein und den Abend genossen.
Am nächsten Morgen bin ich um halb sechs aufgestanden, weil wir eigentlich zum Sonnenaufgang hoch wollten. Leider konnte man überhaupt nichts sehen und es hat geregnet. Der Berg war komplett in Wolken. Also haben wir uns einfach wieder hingelegt und noch bis halb neun geschlafen.
Später klarte es etwas auf und wir sind trotzdem hoch zur Laguna de los Tres gegangen. Die Sicht war nicht perfekt, aber wir konnten ein paar spektakuläre Gletscherabbrüche beobachten.
Zurück im Ort gab es dann noch ein anderes Gesprächsthema: In der lokalen Bergsteiger-Community herrscht gerade ziemlich viel Aufruhr. Drei Kletterer haben kürzlich ein Video veröffentlicht, in dem sie einen Wingsuit-Sprung vom Monte Fitz Roy zeigen. Offenbar ist der Sprung erst vor ein oder zwei Wochen passiert.
Die Reaktionen darauf sind sehr gemischt. Einerseits gibt es große Bewunderung für die Leistung und den Mut. Andererseits stößt die Aktion auch auf deutliche Kritik, weil sie gegen die lokale Bergsteigerethik verstößt. Der Berg liegt im Nationalpark, und eigentlich muss man jede Besteigung vorher bei der Parkverwaltung anmelden. Solche Sprünge sind dort sowieso nicht erlaubt.
Man merkt hier schnell, wie ernst viele Menschen die Berge nehmen.
Am Abend sind wir dann noch mit Freunden von Nenu essen gegangen. Viele von ihnen arbeiten hier in der Gastronomie, und das Dorf ist voller Kletterer. Witzigerweise spielen fast alle Hallenhockey und El Chalten hat aktuell wohl die beste indoor Mannschaft Argentiniens. Einer seiner Freunde ist sogar Profikletterer. Lustigerweise erzählte er mir, dass zwei deutsche Freunde von ihm früher oft hier waren und dann stellte sich heraus, dass es die Huber-Brüder sind. Er erzählte mir von ihren gemeinsamen Touren in Patagonien.
Und während wir darüber gesprochen haben, wurde mir auch klar: Mit ein bisschen mehr Erfahrung könnte ich mir tatsächlich vorstellen, irgendwann einmal den Fitz Roy zu klettern. Das wäre ein absoluter Traum.
Der Cerro Torre dagegen ist eine ganz andere Kategorie. Je mehr ich mit den Leuten hier gesprochen habe, desto klarer wurde mir, dass dieser Berg für normale Sterbliche eigentlich eine Unmöglichkeit ist. Den hebe ich mir dann wohl für ein nächstes Leben als Profikletterer auf.
Das Abendessen war fantastisch ein kleines, super gemütliches Restaurant, das sogar sein eigenes Bier braut.Read more
























Traveler👍beeindruckende Fotos!😁
TravelerIch habe 1979 mehr als 12 Stunden an der Abzweigung der Ruta 40 zum Fitz Roy gestanden - und kein Auto ist vorbeigekommen, das mich hätte mitnehmen können. Ich musste umkehren und in beide Richtungen trampen, weil mir das Wasser ausging. Der Fitz Roy steht also noch auf meiner Short List..
TravelerToller Bericht und beeindruckende Bilder 👍🏻