• Tim Cording
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Rio de Janeiro und Patagonien

Über Rio nach Patagonien.
🇧🇷🇦🇷🇨🇱
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  • Start på rejsen
    14. februar 2026

    Abschalten und los geht’s

    14. februar, Tyskland ⋅ ☁️ 2 °C

    Die letzten Tage waren ein seltsamer Spagat: Tagsüber arbeiten und abends Packchaos und lernen. Und als wäre das Timing abgesprochen, wurde Olivia auch noch krank. In ihrer letzten Arbeitswoche, optimal… Und irgendwo zwischen Stress und Krankheit keimt die Vorfreude auf Sonne, Strand und Karneval.

    Tim’s Klausur heute? Erfolgreich. Ein kleiner innerer Haken hinter Wochen hoch konzentrierter Vorbereitung 😉.
    Olivia? Zum Glück wieder auf dem Weg der Besserung.

    Wir sitzen im Zug, feiern die Kommerzialisierung der Liebe (14.02) und während der letzte Arbeitsbezug langsam am Horizont vorbeizieht (V90 und V117 schätze ich) können wir langsam abschalten.

    Irgendwie passend: Erst rotiert noch alles im Kopf, To-dos, Deadlines, Lernstress, Übergaben, Packstress und eine Erkältung und dann rotiert nur noch der Horizont.

    Den Abend lassen wir noch bei Tims Familie in Köln ausklingen, bevor es dann morgen früh von Frankfurt aus über Paris und Fortaleza nach Rio geht.
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  • Bem vindos ao Rio

    16. februar, Brasilien ⋅ ☀️ 27 °C

    Oi, ihr Lieben ☀️

    Gestern war ganz offiziell Flugtag.
    Und nach über 20 Stunden on tour können wir bestätigen, man ist irgendwann nicht mehr ganz taufrisch, sondern eher Kategorie Zicke mit Handgepäck (also Tim).

    Die gute Nachricht: Wir sind richtig gut angekommen! Die Anreise verlief komplett problemlos, zumindest technisch. Emotional mussten wir uns nur kurz auf eine etwas, sagen wir, entspannte Version von Organisation einstellen. Am Schalter stand nämlich exakt eine Dame, die gefühlt 300 Ankömmlinge abgestempelt hat. Und natürlich hatte jeder davon einen Anschlussflug.

    In Fortaleza hieß es dann:
    Gepäck abholen.
    Wieder einchecken.
    Weiterlächeln.

    Wir Deutschen standen da innerlich leicht zuckend, während um uns herum die lateinamerikanische Gelassenheit in Reinform zelebriert wurde. Aber, man glaubt es kaum es hat alles wunderbar geklappt. Kein Gepäck verloren, kein Nervenzusammenbruch, nur ein paar zusätzliche graue Haare.

    Um 21:40 Uhr sind wir schließlich am Flughafen angekommen und waren gegen 23:00 Uhr in der Wohnung. Und da kam dann der Moment, in dem alle Müdigkeit kurz vergessen war:

    Katja und Detlef, was habt ihr da bitte gezaubert?!
    Das ist wirklich das Paradies auf Erden. Eine wunderschöne, stilvoll eingerichtete Wohnung, absolute 10 von 10. Wir sind komplett begeistert.

    Nach einer schnellen Pizza ging es dann auch ins Bett.

    Tim hat heute Morgen natürlich direkt die Energie eines Jetlags genutzt und war schon eine Runde laufen, inklusive Strandbesuch. Man muss ja schließlich erstmal Lage checken. 😉

    Heute starten wir entspannt in den Tag, kommen in Ruhe an und lassen alles auf uns wirken. Und dann schauen wir mal, was Rio noch alles für uns bereit hält.

    Ganz liebe Grüße aus dem (wirklich sehr, sehr schönen) Hier & Jetzt 🌴✨
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  • Rio und Santa Teresa 🎊🪭

    18. februar, Brasilien ⋅ ☀️ 28 °C

    Rio, zwischen Sonnenuntergang, Bloco & Gringo-Fail 🪭🎊

    Morgens klingelte der Wecker um 7:00 Uhr. Also: Laufschuhe an und ab an die Copacabana. Die Sonne war allerdings schon gnadenlos unterwegs und wir haben schnell gelernt: Morgen geht’s noch früher raus. Rio schläft nicht, aber schwitzt früh.

    Nach einem richtig leckeren Frühstück haben wir uns nochmal kurz hingelegt, bevor wir gegen 10/11 Uhr losgezogen sind. Erster Stopp: ein Bloco an der Copacabana. Nett, aber nicht ganz unser Vibe. Also spontan Planänderung und rüber nach Santa Teresa.

    Das war eine perfekte Entscheidung! Ein Bloco in den gewundenen, charmanten Straßen von Santa Teresa, tolle Menschen, wunderschöne Atmosphäre, ganz viel Leichtigkeit. Dreieinhalb Stunden getanzt, gelacht, getrunken. Es war genau so, wie man sich Karneval in Rio erträumt.

    Vorgestern gab’s übrigens noch einen kleinen Gringo Moment: Wir dachten am Strand, ein Sonnenschirm sei vielleicht optional, schließlich lagen auch viele ohne da. Kleiner Denkfehler. Die Einheimischen ohne Schirm waren offensichtlich besser an die Sonne angepasst. Wir nicht. Sagen wir so: Wir sind jetzt farblich sehr… integriert. Olivia hat den inoffiziellen „Gringo-Stempel“ bekommen, obwohl sie eigentlich noch die Anpassungsfähigste von uns beiden war.

    Die erste Tierische Begegnung hatten wir auch und freuen uns auf den Botanischen Garten und den Tijuca Nationalpark.

    Grüße aus Rio
    Oliv und Tim 🫶🏽
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  • 🥭🍌🍍Früchte, Kolibris und Abenteuer

    19. februar, Brasilien ⋅ 🌧 27 °C

    Sunrise Workout an der Copacabana:
    Gestern klingelte der Wecker früh, freiwillig und sportlich motiviert.
    Wir sind runter zum Workoutplatz an der Ipanema und haben erstmal eine Runde trainiert. Es gibt schon etwas sehr Befriedigendes daran, Liegestütze etc. mit Meerblick zu machen. Während andere noch im Bett liegen, fühlt man sich kurz wie ein Fitness Influencer.

    Frühstücken:
    Und das ist hier ein eigenes Kapitel.
    Wir essen morgens unfassbar viele Früchte.
    Papaya, Mango, Banane etc. die schmecken hier einfach dreimal so gut wie in Europa. Ob es an der Temperatur liegt oder daran, dass sie wirklich frisch sind, wir tippen stark auf Letzteres. Olivia lebt hier ihr bestes Leben mit ihrem Urlaubs Avocado Wochenendbrot:
    Avocado. Ei. Hummus.
    Olivia nennt es Frühstück, Tim nennt es sein Kunstwerk.

    Jardim Botânico:
    Danach haben wir uns einen Uber geschnappt und sind zum Jardim Botânico do Rio de Janeiro gefahren.
    Super schöne Anlage. Palmenalleen, tropische Pflanzen, warme Luft, einfach richtig entspannt.

    Unser Highlight des Gartens:
    Kleine Äffchen, die plötzlich irgendwo auftauchen. Und fast noch besser, ein Kolibri. Tim wollte unbedingt welche sehen. Diese kleinen Teile wirken einfach komplett unrealistisch, als hätte jemand die Geschwindigkeit der Flügel beim schlagen multipliziert. Wir haben es leider nicht geschafft ein Bild zu machen. Es war warm, aber nicht drückend, einfach perfektes Gartenwetter.

    Açai und Shoppen:
    Natürlich gab es mittags wieder eine kleine Açaí. Man muss ja vergleichen. Wissenschaftliche Feldforschung und so (wir versuchen euren Rio Guide zu erweitern @Detlef und @Katja)

    Danach noch ein bisschen shoppen, Olivia hat sich Havaianas geholt.
    Hier fühlt sich das einfach richtiger an als irgendwo in Europa.

    Bargeld Krimi:
    Abends ist uns aufgefallen, dass wir kein Bargeld mehr haben. Eigentlich nicht schlimm, da man überall mit Karte zahlen kann. Ein bisschen Geld haben wir aber gerne immer dabei. Also mussten wir noch Geld holen. Der nächste Internationale Bankkarten fähige Automat steht ein bisschen weiter Richtung Favela.

    Olivia hatte auf jeden Fall ein bisschen Schiss, Tim hat versucht, maximal souverän zu wirken, während er innerlich auch dachte:
    „Okay, hoffentlich funktioniert das jetzt einfach.“

    Hat es.
    Kein Drama.
    Aber ein kleiner Adrenalinkick war dabei.

    Zum Abschluss gab es noch eine Poke Bowl.
    Einfach sitzen, essen, reden und diesen warmen, leichten Rio Abend genießen.

    Kein spektakulärer Tag.
    Keine großen Expeditionen.
    Aber einer dieser richtig, richtig schönen Urlaubstage, wo alles leicht ist
    und man einfach merkt:

    Hier gerade zu sein, fühlt sich ziemlich gut an.
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  • Alman Wanderoutfit + Caipirinha 🌿🦜🥾

    19. februar, Brasilien ⋅ 🌧 26 °C

    5:30 Uhr Der deutsche Expeditionstrupp rührt sich: Heute Morgen klingelte der Wecker früh. Nicht für die Arbeit. Nicht für einen Flug. Nein, für den Dschungel.
    Es ging in den Tijuca Nationalpark bei Rio de Janeiro. Wir wurden vom Guide vorgewarnt:
    Wandersachen. Handtücher. Regensachen.

    Also stand Tim selbstverständlich zehn Minuten zu früh (Cordig’sche Unschärferelation gilt bei gebuchten Touren im Ausland nicht) geschniegelt im absoluten Alman Wanderoutfit an der Copacabana. Wanderschuhe geschnürt, bereit für die Amazonas Expedition (gefühlt).

    Dann steigt der Fahrer aus.
    Outdoorsandalen. In dem Moment wussten wir, shit… overdressed.

    Und dann trudelten die anderen ein:
    US-Amerikaner in Flip-Flops.
    Eine britische Familie im kompletten Strandlook.
    Hemd, Birkenstocks, alles außer Wanderkleidung.

    Tim stand da wie der deutsche Vertreter von „Outdoor Magazin International“. Gefühlt hat der ganze Strand gelacht…

    Dschungel, Höhlen & unser persönlicher Tukan Moment:
    Ab in den Dschungel. Höhlen, Wasserfälle,
    Urwald Feeling deluxe.
    Wir haben Skorpione gesehen, Kaputzineräffchen, große Schmetterlinge und dann unser Highlight einen Tukan.

    Tim hat sich ernsthaft gefreut wie ein Fünfjähriger im Zoo.
    Der Tukan war auf seiner inneren „Brasilien-Bucketlist“ ganz oben. Mission erfüllt.

    Unser Guide war super sympathisch und hat uns noch ein kleines Geschichts Briefing gegeben z.B. woher der Name „Rio de Janeiro“ kommt, wie die Stadt entstanden ist, bisschen Kontext zu den Favelas. Also nicht nur Natur, sondern auch Kultur Upgrade inklusive.

    Am Ende: komplett verschwitzt.
    Aber sehr glücklich.

    🥥 Açaí Experiment & Ipanema Vibes:
    Nach dem Dschungel sind wir noch an die Ipanema, vorher wurde sich selbstverständlich noch eine Açai geholt.
    Leider nicht so gut wie die davor.

    Dann ab an den Strand.
    Frisceball mit einem Portugiesen und einem anderen Deutschen.
    Instant Männerfreundschaften über Strand Sportarten.
    Kokosnüsse, Caipirinha, Sonnenbaden, diesmal mit Schirm (wir lernen ja dazu).

    Kleines spontanes Fotoshooting (Olivia hat nichts verlernt).

    Dann der Sonnenuntergang.
    Kurz dieser Moment von:
    Okay, das hier ist schon ziemlich krass.

    🛍️ Markt-Fundstücke & perfekter Abschluss:
    Olivia hat dann noch richtig stark geshoppt. Wir haben einen kleinen Markt entdeckt mit überraschend gutem Preis Leistungs Verhältnis.
    Kein Touri Nepp, sondern echte Glücksfunde.

    Jetzt sind wir gerade zurückgekommen, machen uns fertig und gehen gleich noch essen.

    Und ganz ehrlich?

    Das war einer dieser Tage, wo morgens alles ein bisschen absurd anfängt (Wanderstiefel an der Copacabana)
    … und abends sitzt man mit Caipirinha in der Hand und denkt:

    Jo, genau deswegen reist man. 🌅
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  • Kultur und Pão de açúar 🎟️🚠

    21. februar, Brasilien ⋅ ⛅ 28 °C

    Der Tag begann mit einer Laufrunde an der Ipanema (Detlefs favorisierte Joggingstrecke). Die Atmosphäre morgens dort ist einfach besonders: frische Luft, wenige Menschen, das Meer direkt daneben. Ein perfekter Start in den Tag. Olivia brauchte etwas Erholung und blieb zurück. Um 9:30 waren wir für eine Walkingtour angemeldet. Die Tour war richtig spannend, viel Geschichte, viel Kontext zur politischen und gesellschaftlichen Entwicklung Brasiliens.

    Ein echtes Highlight war das Real Gabinete Português de Leitura, die portugiesische Nationalbibliothek. Atemberaubend schön, fast wie aus einem Harry Potter Film. Hohe dunkle Holzregale, kunstvolle Verzierungen, tausende Werke aus Portugal. Spannend war auch zu hören, dass es gewissermaßen zwei „literarische Zentren“ gibt, eines für das portugiesische Erbe und eines für die brasilianische Literatur.

    Im historischen Zentrum ging es weiter durch alte Kirchen und Kolonialbauten. Besonders beeindruckend waren die goldverzierten Innenräume der Igreja de São Francisco da Penitência. Auch Orte wie die Confeitaria Colombo oder der Paço Imperial erzählen viel über die koloniale Vergangenheit, das portugiesische Königshaus und die politische Entwicklung Brasiliens, vom Kolonialgebiet zum Kaiserreich und später zur Republik. Man merkt in Rio wirklich, wie stark europäische Geschichte und südamerikanische Identität miteinander verwoben sind.

    Abends dann der Plan: Sonnenuntergang mit DJ-Session auf dem Zuckerhut.

    Slot zum Hochfahren: 17–18 Uhr.
    Ankunft: 16:45 Uhr.
    Oben angekommen: 19:30 Uhr.

    Sonnenuntergang? Vorbei…

    Da war die Enttäuschung natürlich groß, vor allem wegen der Organisation. Wenn man sich so auf diesen Moment freut und dann wegen stundenlangen Wartezeiten den eigentlichen Magic Moment verpasst, ist das einfach ärgerlich.

    Trotzdem, oben war es schön. Der Blick auf die beleuchtete Stadt hatte auch etwas. Aber es ist eben nicht dasselbe wie dieses goldene Licht über Copacabana, Ipanema und der Guanabara Bucht.

    Zurück in der Stadt haben wir uns noch eine Pizza geholt ein klassischer „Wir sind ein bisschen müde und ein bisschen enttäuscht, aber trotzdem glücklich“ Move und dann relativ früh ins Bett.

    Olivia: „Unser Höhenflug musste ja bald mal einen kleinen Dämpfer bekommen“
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  • Desfile das Campeãs 💃🏾🪩🏳️‍🌈

    22. februar, Brasilien ⋅ 🌧 27 °C

    Gestern war einer dieser Tage, die man wahrscheinlich nie wieder ganz greifen kann.

    Tagsüber war alles noch ganz entspannt. Wir sind etwas später aufgestanden, gemütlich frühstücken gewesen, haben auch Tim mit ordentlich Havaianas ausgestattet und uns dann einfach an den Strand gelegt. Stundenlang Sonne, Meer, quatschen, neue Leute kennenlernen. Ich habe Friscoball gespielt und wir haben sogar unseren eigenen kleinen Zuckerhut aus Sand gebaut erstaunlich stabil übrigens (Frustbewältigung).

    Am späten Nachmittag sind wir zurück in die Wohnung, haben uns fertig gemacht und sind dann mit dem Taxi zum Sambódromo gefahren. Und allein dort anzukommen ist schon komplett absurd. Dieses riesige Stadion, knapp 100.000 Menschen, überall Vorfreude. Abends stand die Desfile das Campeãs an, die Parade der sechs besten Sambaschulen des Karnevals in Rio.

    Was wir allerdings vorher hatten: kurzzeitig Puls 180.
    Tim hatte die Tickets aus Deutschland gekauft, natürlich etwas teurer und hatten die ganze Zeit im Hinterkopf: Hoffentlich sind die echt. Hoffentlich funktioniert das alles. Man hört ja genug Geschichten.

    Die Sambaschulen laufen in umgekehrter Reihenfolge, von Platz sechs bis zum Champion, und starten gegen 22:30 Uhr. Das Ganze geht bis in die frühen Morgenstunden, ungefähr bis sechs.

    6️⃣ Estação Primeira de Mangueira – 6. Platz
    5️⃣ Imperatriz Leopoldinense – 5. Platz 
    4️⃣ Acadêmicos do Salgueiro – 4. Platz 
    3️⃣ Unidos de Vila Isabel – 3. Platz 
    2️⃣ Beija-Flor de Nilópolis – 2. Platz (dem Namen nach Tims Lieblingsschule, da es Kolibri bedeutet)
    1️⃣ Unidos do Viradouro – Champion des Rio-Karnevals 2026 

    Und was soll man sagen: Das Gehirn kann das eigentlich nicht verarbeiten. Diese Farben, diese Kostüme, diese riesigen Wagen, diese Energie von tausenden Tänzerinnen und Tänzern und dazu dieses Stadion voller Menschen. Es ist so intensiv, dass man irgendwann einfach nur noch dasteht und denkt: Das kann nicht real sein.

    Normalerweise wird beim Karneval ja jeder kleinste Fehler bewertet. Rhythmus, Harmonie, Kostüme, Wägen, einfach alles. Aber bei der Desfile das Champeas fällt dieser Druck weg. Keine Jury mehr, kein Punkteabzug. Nur noch pure Freude. Man merkt richtig, wie frei alle sind. Es wird getanzt, gesungen, gefeiert, einfach maximale Energie. Unsere Lieblings-Sambaschule war Salgueiro unfassbare Kostüme, unfassbare Präsenz, Gänsehaut.

    Wir sind bis etwa 4:30 Uhr geblieben, komplett überwältigt, und dann zurück, weil es für uns direkt weiterging.

    Heute sind wir nämlich auf Ilha Grande angekommen. Und der Kontrast könnte größer nicht sein. Nach 100.000 Menschen, Trommeln und Ausnahmezustand plötzlich türkisblaues Wasser, kleine Boote im Hafen, Palmen, keine Autos, fast schon Karibik-Vibes. Es fühlt sich ein bisschen surreal an, wie schnell sich alles verändert hat. Von kompletter Reizüberflutung zu kompletter Entschleunigung.

    Jetzt gehen wir entspannt etwas essen und lassen die letzten Tage sacken.

    Fails? Eigentlich keine.
    Nur kurz Herzklopfen am Eingang und dann einer der besten Abende überhaupt.

    🫶🏽💃🏽🎊
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  • Mango mit Zwiebeln 🥭🧅

    22. februar, Brasilien ⋅ 🌧 25 °C

    Gestern sind wir am frühen Nachmittag auf Ilha Grande angekommen. Die Überfahrt lief reibungslos, gegen 15 Uhr standen wir mit leicht salziger Haut und ziemlich guter Laune am Pier. Unser Hotel entpuppte sich als richtig süß.

    Nach dem Einchecken ging es direkt los: erst etwas essen, dann ein Caipirinha. Und schon beim ersten Blick in die Landschaft zeigte sich eines der Highlights der Insel, ganz rechts im Panorama ragt der Pico do Papagaio auf. Wenn man hineinzoomt, erkennt man tatsächlich die Silhouette eines Papageis.

    Am späten Nachmittag kam dann das, was angekündigt war, nur deutlich dramatischer: Tropenregen. Kein Niesel, kein „bisschen Schauer“, sondern ein kompromissloses, tropisches Herunterprasseln. Wir waren natürlich gerade unterwegs und wurden entsprechend komplett durchnässt.

    Zum Abendessen landeten wir bei „Lady Roots“, einem Restaurant, das wirkt, als hätten drei Freunde beschlossen: „Komm, wir machen jetzt eine Bude auf.“ Länger suchen ging nicht und bei den Restaurants am Strand war Weltuntergang. Vorne saß ein Captain Jack Sparrow Verschnitt bei der hauseigenen Ausflugsagentur, es gibt Caipirinha Touren und kulinarisch scheint vieles eher spontan entstanden zu sein. Auf der Karte stand unter anderem ein Salat mit „Wahlfrucht“, allerdings ohne Wahlmöglichkeit.

    Tim bestellte eine „Bananen Ceviche“, in der Annahme, es handle sich um Ceviche mit Kochbananen. Stattdessen bekam er eine Mischung aus Banane, Tomate, Zwiebeln und viel Limette, mehr Salat als Ceviche, aber überraschend großartig. Wurde auch großartig serviert… Manchmal trifft man aus Versehen genau ins Schwarze. Dazu gab es eine große Portion Pommes, Olivia hatte den besagten Salat (siehe Video). Alle anderen Gerichte waren frittiert oder mit Lebewesen.

    Später gönnten wir uns noch eine kurze Massage, während draußen der Regen weiter gegen Dächer und Palmen trommelte. Irgendwann fielen wir müde ins Bett, begleitet vom Geräusch tropischer Wassermassen.

    Heute Morgen wachte Tim etwas früher auf. Die Welt hatte sich komplett verwandelt. Strahlender Sonnenschein, ruhiges Meer, leuchtendes Grün nach dem Regen.

    Nach einem tropischen Frühstück, viel Kuchen, Früchte, süß und reichlich, kauften wir noch Snacks und buchten spontan eine Bootstour rund um die Insel.

    Die Tour begann perfekt: klares Wasser, traumhafte Strände, erste Stopps in wunderschönen Buchten. In einer entdeckten wir eine Gottesanbeterin beim wandern durch den Wald, in einer anderen Bucht (Praia do Aventureiro) hingen zahlreiche Handgroße Spinnen zwischen den Bäumen. Trotz der Achtbeiner war die Kulisse spektakulär.

    Beim letzten Strand gingen wir schnorcheln. Wir entdeckten ein paar wirklich schöne Fische, wenn auch keine Schildkröten, Delfine oder Orcas welche man hier auch zu Gesicht bekommen kann, die blieben leider aus.

    Teil des Programms war außerdem ein regionales Mittagessen. Wir waren etwas skeptisch, wurden aber komplett überrascht. Tim bekam ein hervorragend zubereitetes Fischgericht mit Kapern und Kartoffeln. Olivia wählte einen regionaltypischen Eintopf, kein Feijoada, sondern Moqueca mit Palmherzen, Kochbananen, Kartoffeln, Paprika, Tomaten und frischem Koriander. Dazu gab es Farofa, geröstetes Maniokmehl. Es war teurer als üblich, aber absolut lohnenswert, intensiv, aromatisch, authentisch (schätzen wir). Als Nachtisch gab es noch ein Eis.

    Auf der Rückfahrt kam das nächste Tropenspektakel: wieder heftiger Regen, Wind, Blitze über dem Meer. Das Boot kämpfte sich durch die graue Wand aus Wasser, wir bekamen den Regen ins Gesicht, alles war nass also mal wieder ein bisschen Nervenkitzel inklusive.

    Zurück an Land gaben wir unsere komplett durchnässten Sachen zur Wäsche, vermutlich die teuerste Wäsche unseres Lebens (18€) und liegen jetzt unter einem Pavillon, während es draußen weiterregnet.

    Wir diskutieren, ob wir noch essen gehen sollen.
    Tim ist dagegen.
    Olivia hat Angst vor Nachthunger… was auch immer das sein mag.

    Und gleich geht es ins Bett, gespannt darauf, was dieser tropische Mikrokosmos morgen wieder für uns bereithält.
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  • Bootstour 🚤 , Riff Lexikon 🐠, Geladinho🍦

    24. februar, Brasilien ⋅ 🌧 26 °C

    Heute Morgen haben wir ganz entspannt gefrühstückt und dann relativ spontan beschlossen: Wir machen noch eine Bootstour. Gleicher Anbieter aber diesmal die Tour „Ihlas Paradisiocas“ zu einigen der schönsten Spots rund um Ilha Grande.

    Vier Stopps. Traumhafte Strände. Postkartenwasser.

    Erster Spot + Schildkrötenmoment:

    Das Wasser war etwas trüber, aber wir sind trotzdem direkt schnorcheln gegangen.

    Und dann hat Tim mehrmals eine junge Green Sea Turtle, ungefähr 60–70 cm groß gesehen.

    Olivia ist anderthalb Meter über ihr geschwommen. Hat sie aber leider nicht gesehen.

    Ob es am Wasser lag oder ob das Thema Augenlasern doch noch aufkommt, bleibt offen.

    Zweiter Spot, Ilha da Gipóia:

    Weiter ging es Richtung Ilha da Gipóia, vorbei an beeindruckenden Villen mit privaten Stegen und tropischen Gärten. Es wirkt wie das Wochenenddomizil der brasilianischen Elite. Wenn dein Steg auch gleichzeitig Helipad ist…

    Am Strand dann:
    -ein ziemlich süßer Hund
    -ein paar Hühner zwischen Palmen und Sand

    und vor allem jede Menge Privatgrundstücke.

    Dritter Spot Ilhas Botinas:

    Bei den Ilhas Botinas wurde es unter Wasser spektakulär. Tim schwamm etwas weiter raus und landete mitten im Riff-Paradies.

    Da wir keine Unterwasserkamera haben kommt ein kleiner Nachtrag zu den später identifizierten Fischen.

    •French Angelfish
    •Papageienfisch
    •Flying Gurnard
    •Pufferfish
    •Doktorfisch
    •viele kleine andere bunte Riffbewohner

    @Mama, ich packe dir ein paar Fotos rein, du würdest sie eh googeln.

    Währenddessen hatte Olivia eine andere Mission: Tim wiederfinden, der war ins Riff-Lexikon vertieft schon 50m weiter.
    Zehn Minuten Suchaktion. Kurz schlechte Laune.
    Fünf Minuten später alles wieder gut.

    Ein paar der Fische blieben leider exklusiv in Tims Erinnerung, da wir schon wieder weiter mussten.

    Letzter Spot, Praia do Dentista:

    Zum Abschluss ging es zur Praia do Dentista benannt nach einem berühmten Zahnarzt, der sogar brasilianische Präsidenten behandelt hat.

    Natürlich mussten wir sofort an Detlef denken. Ab jetzt ist das offiziell „dein“ Strand. Vielleicht schaust du mal vorbei.
    Und einer der schönsten war es auch!

    Nach der Tour sind wir wie gestern ins Restaurant geschippert und haben uns eine kleine Moqueca geteilt. Deutschland Vibes versprühte das Eisenbahn Pilsner und abgerundet wurde mit einem Nutella Morango Geladinho.

    Kurz darauf fing es wieder heftig an zu regnen und wir hatten eine Rückfahrt mit Actionfaktor.

    Mehr Seegang, mehr Tempo und der Skipper musste sich wegen der Gischt eine Taucherbrille aufsetzen es war fast schon filmreif.

    Zurück in Abraão, Strand, Anruf bei den Eltern & Abend

    Gegen 17:30 Uhr waren wir zurück.

    Erstmal duschen und frisch machen.
    Dann mit einem Corona an den Strand setzen. Barfuß im Sand sitzen kurz mit den Eltern telefonieren um ein Lebenszeichen geben.

    Jetzt sitzen wir in einer Sandwicheria, haben ein gutes Sandwich gegessen, einen Caipirinha für umgerechnet 2,50 € getrunken und fallen gleich sehr zufrieden ins Bett.

    Morgen wartet der Pico do Papagaio.
    Heute Meer, morgen Dschungel.

    PS: Dreimal dürft ihr raten, wo Olivia ihren Nachthunger gestern noch gestillt hat!
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  • Pico do Papagaio 🦜⛰️

    26. februar, Brasilien ⋅ 🌧 21 °C

    Abschied von Ilha Grande und aufstieg durch den Regenwald 🌿⛰️

    Unser letzter Tag auf Ilha Grande begann überraschend freundlich. Nach mehreren wechselhaften Tagen begrüßte uns der Morgen mit recht gutem Wetter (leider etwas bewölkt), halbwegs gute Bedingungen für unser Vorhaben: den Aufstieg auf den Pico do Papagaio, den zweithöchsten Berg der Insel mit ca. 950 Metern Höhe.

    Da wir bereits aus dem Hotel auschecken mussten, ließen wir unser großes Gepäck dort zurück und packten nur das Nötigste in unsere Rucksäcke. Besonders wichtig: genug Wasser. Uns wurde eindringlich geraten, mindestens zwei Liter pro Person mitzunehmen, wir entschieden uns vorsichtshalber für drei. Eine Entscheidung, für die wir später sehr dankbar waren.

    Gut eingesprüht gegen Mücken und alles, was im tropischen Regenwald sonst noch sticht oder beißt, machten wir uns auf den Weg. Schon nach kurzer Zeit merkten wir, dass dieser Aufstieg kein gewöhnlicher Spaziergang werden würde. Die Luftfeuchtigkeit lag gefühlt bei 100 %, und selbst im Schatten des dichten atlantischen Regenwaldes waren wir bald komplett durchgeschwitzt.

    Der Weg führte tief hinein in die grüne Wildnis, begleitet vom Rascheln im Unterholz und Vogelstimmen aus allen Richtungen. Auch Brüllaffen haben wir gehört. Plötzlich bewegte sich etwas vor uns auf dem Pfad: Eine Caninana, eine in unseren Augen große Schlange, schlängelte sich etwa drei Meter vor uns über den Weg. Rund zwei Meter lang, kräftig gebaut und überraschend schnell verschwand sie wieder im Unterholz, beeindruckend und ein bisschen erschrocken zugleich, auch wenn sie für Menschen ungefährlich ist.

    Je höher wir kamen, desto nebliger wurde es. Kurz unterhalb des Gipfels hing die Wolkendecke tief zwischen den Bäumen. Die letzten etwa hundert Höhenmeter gingen wir trotzdem noch weiter, in der Hoffnung, dass sich oben alles aufklären würde.

    Ganz reichte es leider nicht. Statt des berühmten Rundblicks über Ilha Grande riss der Nebel nur kurz auf und gab den Blick in eine Richtung über den Regenwald frei. Kein Panorama, aber trotzdem ein besonderer Moment nach diesem intensiven Aufstieg.

    Dass wir insgesamt sechs Liter Wasser dabeihatten, erwies sich als absolut notwendig. Die zwei Liter, die jeder von uns bis dahin getrunken hatte, hatten wir gefühlt direkt wieder ausgeschwitzt. Umso erstaunter waren wir über Wanderer, die uns mit kleinen 0,5 Liter Flaschen entgegenkamen.

    Beim Abstieg entdeckten wir noch mehr vom Leben im Regenwald: bunte Vögel, darunter ein kleiner grüner Kolibri, und immer wieder Rascheln im Gebüsch. Besonders ärgerlich war nur, dass wir unterwegs mehrfach Tukane gehört hatten, welches und allerdings erst im Nachhinein klar wurde. Sonst hätten wir sicher genauer Ausschau gehalten. Olivia wurde noch auf die Cap geschissen, wir denken es war ein Tukan ;).

    Zurück im Ort gönnten wir uns erst einmal eine Dusche und ein großes Sandwich, wohlverdient nach diesem tropischen Kraftakt. Anschließend liefen wir am Strand entlang zur Fähre.

    Gegen 21 Uhr waren wir wieder in unserer Wohnung in Rio, erschöpft aber glücklich nach dem letzten Tag auf der Ihla Grande.
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  • Bombastic Side Eye 🥸

    27. februar, Brasilien ⋅ ☁️ 24 °C

    Letzte Eindrücke aus Rio, Zwischen Wolken, Affen und bunten Fliesen 🌥️🐒

    Heute Morgen klingelte der Wecker früh. Wir hatten Tickets für die zweite Bahn hinauf zum Cristo Redentor (Cocorvado), und unser Zeitfenster begann um 7:20 Uhr.

    Mit der Zahnradbahn ging es durch den dichten Wald des Tijuca-Nationalparks nach oben. Trotz vieler Wolken hatten wir Glück: Für eine Weile war die Sicht noch halbwegs klar, sodass wir über Rio hinunterblicken und einige schöne Fotos machen konnten, bevor sich die Wolken wieder schlossen. Was ansonsten oben alles sein Unwesen trieb ist mehr oder weniger unchristlich…

    Selbst zu dieser frühen Uhrzeit war es bereits erstaunlich voll. Wir fragten uns unwillkürlich, wie es wohl am Nachmittag aussehen muss. Trotzdem waren wir uns einig: Wenn man schon in Rio ist, gehört der Besuch beim Cristo einfach dazu. Das Maracanã konnten wir auch kurz sehen, kleiner throwback zum WM Titel 2014.

    Danach ging es weiter zum Parque Lage. Zwischen Palmen und alten Bäumen spazierten wir durch die Anlage, ein ruhiger Kontrast zum Trubel am Morgen. Leider war das historische Gebäude mit dem berühmten Innenhof-Café wegen Restaurierungsarbeiten geschlossen.

    Anschließend fuhren wir in die Innenstadt zu den Arcos da Lapa, dem alten Aquädukt, über das heute die historische Straßenbahn nach Santa Teresa fährt.

    Nicht weit entfernt besuchten wir danach noch die berühmte Escadaria Selarón, die bunte Künstlertreppe zwischen Lapa und Santa Teresa. Zwischen den unzähligen Fliesen aus aller Welt hielten wir gezielt Ausschau nach den Stadtplaketten von Orten, mit denen wir eine persönliche Verbindung haben. Gerade das machte den Besuch ein bisschen witziger als bei unserer Stadtführung, die kleinen Spuren von Zuhause inmitten dieser internationalen Sammlung zu entdecken.

    Von dort liefen wir weiter hinauf nach Santa Teresa, eines der charmantesten Viertel Rios. Zwischen alten Häusern, schmalen Gassen und viel Grün fühlt sich das Viertel fast wie eine kleine eigene Welt über der Stadt an.

    In einer kleinen, liebevoll eingerichteten Churrascaria machten wir (zu Tims Freuden) Pause und hatten ein richtig gutes Essen genau das, was wir nach den intensiven Tagen gebraucht hatten. Es gab ein hervorragendes Picanha und gemischte Vorspeisen. (Das Video ist leider ziemlich cringe und nicht so süß wie erhofft.

    Und dann tauchten sie plötzlich auf: die kleinen Affen von Santa Teresa, Saguis, kleine Marmosetten mit neugierigen Gesichtern. Sie sprangen über Dächer und Stromleitungen und bewegten sich völlig selbstverständlich mitten durch die Stadt. Ein unerwartetes Highlight. (Siehe Video 2)

    Eigentlich wollten wir danach noch mit der historischen Straßenbahn fahren, aber wir merkten etwas zu spät, dass man dafür Tickets vorher organisieren muss. Also liefen wir noch ein Stück weiter durch das Viertel.

    Langsam machte sich die Erschöpfung der letzten Tage bemerkbar. Olivia war inzwischen ziemlich platt, und als wir dann durch einen kurzen Moment der Unachtsamkeit beinahe ein Handy verloren hätten, entschieden wir uns endgültig für den Rückweg. Der Uber Fahrer hatte uns noch eine Standpauke gehalten, denn der Motorraddieb war nur einen halben Meter vorbeigefahren. Es gab ein Bombastic Side Eye…

    Mit dem Uber ging es zurück zur Wohnung.

    Jetzt gehen wir noch eine Kleinigkeit essen und dann früh ins Bett. Morgen wird gepackt und dann heißt es Abschied nehmen von Rio und von Brasilien.

    Eine Reise voller Regenwald, Berge, Meer, Tiere und intensiver Eindrücke geht zu Ende und es fühlt sich ein bisschen unwirklich an, dass wir morgen schon wieder weiterziehen. 🇧🇷✈️
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  • Tukan Jagd und até logo Rio 🔭🇧🇷

    27. februar, Brasilien ⋅ ☁️ 24 °C

    Tukan-Jagd und Abschied vom Meer 🦜🌊

    Unser letzter Tag in Rio begann ungewohnt ruhig. Zum ersten Mal seit Langem konnten wir ausschlafen, kein früher Bus, keine Wanderung, kein Zeitplan. Stattdessen dieses leise Gefühl, dass sich die Reise langsam dem Ende näherte.

    Doch bevor wir Brasilien verlassen konnten, gab es noch eine letzte Mission: die Tukan-Jagd.

    In den Havaianas-Läden kann man seine Flip-Flops mit kleinen Pins individuell gestalten, eine ziemlich charmante Idee. Als wir ein paar Tage zuvor im Laden gesehen hatten, dass es dort tatsächlich einen Tukan-Pin gibt, war für Tim sofort klar: Ohne diesen Pin würde er Brasilien nicht verlassen. Gringo halt…

    Also zogen wir los und suchten von Laden zu Laden. Drei verschiedene Havaianas-Stores durchkämmten wir, zwischendurch landeten wir sogar in einem Schuhgeschäft, weil wir gehört hatten, dass dort ebenfalls Pins verkauft werden könnten. Es wurde fast zu einer kleinen Schnitzeljagd, quer durch die Zona Sul, also die Strand- und Touristenviertel von Rio. Erst ganz am Ende wurden wir tatsächlich noch fündig, gerade rechtzeitig.

    Danach besorgten wir noch ein paar letzte Mitbringsel und gönnten uns zum Abschluss ein Açaí bei einem Laden, der angeblich das beste in Rio macht. Ob es wirklich das beste war, lässt sich schwer sagen aber es war auf jeden Fall genau das Richtige für diesen letzten Tag: kalt, frisch und typisch brasilianisch.

    Zurück in der Wohnung wurde gepackt, aufgeräumt und alles wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt. Olivia hat die große Panik, dass wir etwas vergessen haben und die Wohnung nicht ordentlich hinterlassen haben, wir werden sehen. Diese letzten Stunden haben immer etwas Eigenartiges, als würde sich das Zuhause auf Zeit langsam auflösen.

    Bevor wir endgültig aufbrachen, gingen wir noch einmal zu „unserem“ Strand, der Praia dos Diabos. Das Wetter zeigte sich von seiner raueren Seite: grauer Himmel, kräftiger Wind und unruhige Wellen. Ganz anders als an den sonnigen Tagen zuvor und vielleicht genau passend für einen Abschied.

    Wir machten noch ein paar Fotos und blieben einen Moment stehen, um das Meer und die Ipanema ein vorerst letztes Mal anzusehen.

    Die Fahrt zum Flughafen verlief dann etwas hektischer als geplant. Olivia wäre am liebsten dreieinhalb Stunden vorher angekommen, aber der Verkehr machte uns einen Strich durch die Rechnung und Tim brauchte angeblich auch ein bisschen zu lange beim Aufbrechen. Wahrscheinlich lag die Wahrheit irgendwo dazwischen.

    Am Flughafen kam schließlich der Moment des Abschieds. Olivia fliegt zurück nach Europa, wo für sie schon das nächste Kapitel wartet, am Montag beginnt ihr neuer Job. Gerade deshalb fiel der Abschied nicht ganz leicht. Nach zwei Wochen voller gemeinsamer Erlebnisse fühlt sich ein Flughafen plötzlich sehr endgültig an.

    Für Tim geht die Reise jetzt noch weiter. Von Rio aus fliege ich über Buenos Aires nach El Calafate in Patagonien, wo ich Freunde besuchen werde. Also packe ich Duolingo ein und mein Schulspanisch aus 🧳

    Während Olivia in einen neuen Alltag startet, beginnt für mich noch einmal ein neues Stück Reise.

    Jetzt sitze ich hier am Flughafen, Olivia ist schon über den Wolken, verdrücke eine kleine Abschieds/Freudenträne und warte auf meinen eigenen Flug.

    Brasilien liegt hinter uns, mit Regenwald, Bergen, Tukangeräuschen, tropischer Hitze und dem Atlantik vor der Tür. Und hoffentlich auch irgendwann wieder vor uns, den warmgelaufen sind wir jetzt. Ausgeschriebene potentielle Ziele sind Pantanal, Amazonas, Bahia und Florianopolis. Wenn die Tukane wüssten, dass ihr größter Fan kommt…

    Natürlich werden wir uns niemals wirklich Cariocas nennen können. Aber wir haben zumindest ein bisschen verstanden, warum es etwas ganz Besonderes ist, einer zu sein und wir durften für eine Weile ein kleines Stück dieses Lebensgefühls miterleben.

    Es war eine großartige Reise.

    Und natürlich würden wir wahnsinnig gern irgendwann wiederkommen.

    Und irgendwie fühlt es sich an wie ein gutes Ende und gleichzeitig wie ein neuer Anfang.

    Até a próxima, Brasil. 🇧🇷
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  • Vom Chaos in Buenos Aires bis zum Millionär in Patagonien:

    Von Rio ging es weiter nach Buenos Aires zumindest theoretisch. Praktisch begann der Tag mit einem kleinen Abenteuer: Verspätungen und ein Streik in Argentinien sorgten für ordentlich Unsicherheit bezüglich meines Weiterfluges nach El Calafate. Zwischendurch sah es sogar so aus, als müsste ich einmal quer durch Buenos Aires zum anderen Flughafen fahren, ein Szenario, das ich mir mit Rucksack und Reisetasche eher mittelmäßig romantisch vorgestellt habe.

    Nach mehreren Gesprächen am Schalter wurde die Lage zum Glück geklärt. Ein Ersatzflug nach El Calafate war organisiert, zwar mit anderthalb Stunden Verspätung, aber immerhin. Südamerika scheint einem früh beizubringen, dass Pläne eher als freundliche Vorschläge zu verstehen sind.

    Durch die Verspätung konnte mich mein Kumpel Nenu (Nehuén), rechts neben mir auf dem Bild, leider nicht mehr vom Flughafen abholen. Sein Team hatte ein Testspiel gegen den Stadtrivalen und vorher coachte er noch sein Damenteam. Also nahm ich kurzerhand ein Taxi direkt zur Sporthalle.

    Die Halle selbst war großartig. Hallenhockey wird hier noch auf echtem Parkett gespielt, kein Kunststoffboden, sondern richtig klassisch. Die Halle hat sichtbar schon viele Jahre hinter sich, aber genau das machte den Charme aus.

    Unglaublich herzlich Empfangen wurde ich von Nenus Mutter Ofelia. Mit ein bisschen Hilfe von ChatGPT haben wir uns sogar auf Spanisch unterhalten. Ich war wirklich gerührt, wie offen ich hier aufgenommen wurde. Keine fünf Minuten da und ich hatte das Gefühl, bei alten Freunden zu sein.

    Nach ein paar Gesprächen mit den Spielern kam dann die entscheidende Frage:„Willst du mitspielen?“

    Natürlich wollte ich.

    Sportsachen hatte ich ja dabei, man weiß ja nie. Einen Schläger und Handschuh konnte ich mir leihen, und Ofelia ging mit mir noch schnell in die Apotheke gegenüber, um einen Mundschutz zu kaufen. Vermutlich der spontanste Einkauf meines Lebens.

    So kam ich völlig unerwartet zu meinem südamerikanischem Kontinentaldebüt im Hallenhockey. Und das nicht einmal 75min nach der Landung und etwas mehr als 30h ohne richtigen Schlaf.

    Und es lief gar nicht schlecht: Fast hätte ich sogar noch das Ausgleichstor erzielt und die Niederlage abgewendet. Leider blieb es beim „fast“, aber für mein erstes Spiel auf einem neuen Kontinent nehme ich das trotzdem als Erfolg.

    Nach dem obligatorischen Mannschaftsfoto ging es dann schnell zu Ofelia nach Hause zum Duschen, Luxus auf Zeit. Viel Zeit blieb nämlich nicht, denn in 25 Minuten sollte mein Bus nach Puerto Natales in Chile abfahren.

    Ofelia stellte sicher, dass ich auch wirklich alles dabeihatte, inklusive Bargeld und dann brachten mich die beiden noch zum Busbahnhof. Ohne sie hätte ich vermutlich mindestens eine Socke oder meinen Reisepass vergessen.

    Die Busfahrt durch die endlose Pampa war beeindruckend. Ich hatte mir für die Strecke einen Sitz in der ersten Klasse gegönnt, wenn man schon über 6 Stunden unterwegs ist, darf man sich auch mal etwas Komfort leisten. Außerdem bin ich inzwischen finanziell ziemlich gut aufgestellt: Ich bin offiziell Millionär, zumindest in argentinischen und chilenischen Pesos. Leider reicht das trotzdem nur für ein paar Restaurantbesuche und Busfahrten.

    Neben mir saß ein deutsches Paar auf Hochzeitsreise. Wir unterhielten uns lange und aßen abends sogar gemeinsam, Busfahrten sind offenbar die neuen Wohnzimmer.

    Nach den Grenzkontrollen ging es dann weiter Richtung Chile und schließlich nach Puerto Natales.

    Mein Hostel ist klein, gemütlich und genau richtig für diesen Ort, Mehrbettzimmer inklusive internationaler Schnarch-Symphonie. Der Australier sägt leider nicht nur Eukalyptus, sondern Steine.

    Danach zog es mich direkt zum Hafen. Und dort war er dann: dieser Moment. Zum ersten Mal sah ich die patagonischen Berge und Fjorde. Ich stand einfach da und habe geschaut. Patagonien, der nächste Lebenstraum.

    Abends gingen David, Verena und ich in ein sensationelles Fischrestaurant und bestellten eine patagonische Auswahl an Meeresfrüchten: Muscheln, Königskrabbe, Jakobsmuscheln, Conger und Shrimps. Für das Geld hätte man in Deutschland wahrscheinlich nicht einmal einen Vorspeisenteller bekommen.

    Jetzt liege ich im Bett, immer noch leicht überwältigt von diesem Tag.

    Vom Flughafenchaos über ein spontanes Hockeyspiel bis hin zu patagonischen Fjorden, ich habe das Gefühl, diese Reise entwickelt schon jetzt mal wieder ein Eigenleben.
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  • Provincia de Última Esperanza

    1. marts, Chile ⋅ ☁️ 9 °C

    Andenkondore, der Weg zu den Pumas und meine kurze Karriere als Naturforscher:

    Der Tag begann mit einem Plan:
    Frühstück um sechs, dann ab in die Wildnis. Ein Plan, der sich in der Theorie hervorragend anhörte und in der Praxis ungefähr so realistisch war wie eine Puma Sichtung auf Bestellung. Ich hatte nicht besonders gut geschlafen, was am Zimmerkollegen aus Down Under lag… und tauchte schließlich irgendwann zwischen 7:30 und 8:00 Uhr beim Frühstück auf, leicht zerknittert, aber immerhin anwesend.

    Das Frühstück war sehr nett, und ich unterhielt mich noch eine ganze Weile mit meiner Zimmernachbarin Flavia. Hostels sind wirklich erstaunlich, man kennt sich kaum, aber nach einem Frühstücksgespräch fühlt es sich an, als hätte man schon gemeinsam Krisen durchlebt.

    Danach kam ich mit dem Sohn der Hostelbesitzer ins Gespräch, der ausgerechnet in Kiel lebte. Es scheint ein Naturgesetz zu sein, dass man am Ende der Welt immer jemanden trifft, der Norddeutschland kennt (Ja Moin). Er erzählte mir von einem Hausberg in der Nähe, von dem aus man mit etwas Glück Andenkondore sehen kann. Für mich klang das nach genau der richtigen Mischung aus Abenteuer und überschaubarer körperlicher Anstrengung.

    Also nahm ich ein Uber ins Nirgendwo, zahlte einem Bauern 5000 Pesos Eintritt (etwa fünf Euro, wahrscheinlich die charmanteste Privatwirtschaft im Outdoorbereich) und begann einen entspannten Aufstieg.

    Unterwegs traf ich einige US-Amerikaner, die offensichtlich weniger wegen der Kondore dort waren als wegen einer spontanen politischen Gruppentherapie. Wir tauschten uns eine Weile über die Lage in den USA aus.
    Nach einer Einladung in die USA/Oregon und 30min Geläster über den „Friedenstifter“ im Weißen Haus ging es weiter.

    Oben angekommen setzte ich mich erstmal hin und versuchte meinem Status als Ornithologe auf Probe gerecht zu werden. Kurz darauf sah ich tatsächlich den ersten Kondor. Und dann noch einen. Riesige Tiere, die mühelos durch die Luft glitten, während ich feststellte, dass meine Handy Kamera ungefähr die Reichweite eines Taschenrechners hat.

    Ich blieb ziemlich lange oben, las ein bisschen und beobachtete immer wieder die Kondore, wie sie elegant die Thermik nutzten. Wirklich beeindruckende Tiere, lautlos und mit einer Spannweite, die einen daran erinnert, dass man selbst evolutionär eher für Bürojobs optimiert wurde.

    Zwischendurch traf ich einen Guide, der mir erklärte, wie man im Torres del Paine Nationalpark am besten Pumas sehen kann. Er beschrieb sehr detailliert, wo man früh morgens hingehen muss, wie man sich verhält und worauf man achten sollte. Ich nickte sehr fachmännisch, als hätte ich regelmäßig Großkatzenbegegnungen, während im Hinterkopf nur die Frage aufkam, wie gefährlich die Kätzchen werden können.
    Trotzdem war es faszinierend zu hören. Offenbar gibt es tatsächlich gute Chancen, Pumas zu sehen, vorausgesetzt, man steht absurd früh auf, bewegt sich leise und hat Geduld. Davon erfülle ich ungefähr einen Punkt zuverlässig.

    Als es schließlich zu nieseln begann, machte ich mich an den Abstieg. Unten angekommen startete ich mein erstes Hitchhiking-Experiment. Ich stellte mich an die Straße und versuchte möglichst vertrauenswürdig auszusehen , eine Mischung aus Abenteurer und jemand, der garantiert keine seltsamen Geschichten erzählt.

    Es funktionierte erstaunlich schnell. Eine supernette Chilenin und ihre argentinische Freundin nahmen mich mit nach Puerto Natales. Offenbar ist Trampen hier völlig normal, vermutlich, weil man sonst einfach irgendwo in der Landschaft stehen bleibt und langsam Teil der Vegetation wird.

    Zurück in der Stadt erledigte ich die klassische Trekkingvorbereitung: Snacks kaufen, Apotheke besuchen und mich fragen, was ich garantiert vergessen habe. In einem Outdoorladen kaufte ich mir außerdem ein Monokular, ein halbes Fernglas für ambitionierte Tierbeobachter ohne großes Gepäck. Jetzt kann ich Kondore und Pumas theoretisch sehr gut sehen und auch mit der Habdykamera besser fotografieren.

    Außerdem kaufte ich mir noch eine Tierkarte, damit ich zumindest nachträglich herausfinden kann, was ich gerade nicht gesehen habe.

    Am Abend gingen Flavia, Lilly und ich noch Burger essen und spielten eine kleine Runde Billard. Über die Ergebnisse wurde Stillschweigen vereinbart.

    Der Australier aus dem Zimmer ist inzwischen abgereist und wir erwarten eine deutliche Verbesserung der nächtlichen Sicherheitslage.

    Jetzt liege ich im Bett, der Rucksack ist gepackt, und morgen um sieben geht der Bus in den Nationalpark.

    Heute habe ich Kondore gesehen.Morgen suche ich Pumas. 🦅🐈

    Für die, die es interessiert, folgt meine Route, die ich laufen werde:

    Ab morgen starte ich den berühmten W-Track im Torres del Paine Nationalpark vier Tage und drei Nächte.

    Die Route ist im Grunde wie ein großes „W“ aufgebaut, daher der Name. Ich laufe die klassische Ost West Variante und übernachte nacheinander im Central, Cuernos und Francés Mountain Hostel. Klingt komfortabel, bedeutet aber trotzdem jeden Tag mehrere Stunden mit Rucksack unterwegs zu sein.

    Tag 1 – Aufstieg zu den Torres (Central → Base Torres → Central)
    Gleich am ersten Tag wartet das bekannteste Stück der gesamten Tour auf mich: der Aufstieg zu den berühmten drei Granittürmen, den Torres del Paine. Der Weg führt zunächst durch Wälder und über offene Täler, bevor am Ende ein steiler Geröllanstieg kommt, bei dem man langsam merkt, dass man eigentlich doch lieber im Flachland lebt. Oben wartet ein türkisfarbener Gletschersee direkt vor den fast senkrecht aufragenden Türmen angeblich einer der spektakulärsten Orte in ganz Patagonien.
    Danach geht es wieder zurück zum Central Hostel, der einzige Tag, an dem ich denselben Weg hin und zurück laufe.

    Tag 2 – Central → Cuernos
    Am zweiten Tag laufe ich entlang des Nordufers des Lago Nordenskjöld Richtung Cuernos. Das soll ein besonders schöner Abschnitt sein, mit weitem Blick über das türkisfarbene Wasser und die Berge dahinter.Der Weg ist weniger steil, dafür länger, also genau die Art von Strecke, auf der man Zeit hat, über Blasen an den Füßen und die eigene Lebensplanung nachzudenken.Unterwegs sieht man häufig Guanakos, manchmal Füchse und mit sehr viel Glück sogar Pumas, zumindest laut dem Guide, der mir gestern erklärt hat, wie einfach das angeblich ist.

    Tag 3 – Cuernos → Valle Francés → Francés
    Der dritte Tag führt ins Valle Francés hinein – das Herzstück des Nationalparks. Hier geht es tiefer ins Gebirge, vorbei an Gletscherflüssen und unterhalb steiler Felswände.Vom Aussichtspunkt aus soll man einen Rundumblick auf die Berge haben, inklusive hängender Gletscher und gelegentlicher Eisabbrüche, die wie entferntes Donnern klingen. Das ist vermutlich der landschaftlich spektakulärste Tag und gleichzeitig der Moment, an dem sich zeigt, wie gut die Kondition wirklich ist und wie optimistisch die ursprüngliche Planung war.

    Tag 4 – Francés → Paine Grande → Rückfahrt
    Am letzten Tag geht es weiter Richtung Paine Grande, meist relativ flach entlang des Lago Pehoé. Das ist der Abschnitt, an dem man langsam wieder in die Zivilisation zurückkehrt und gleichzeitig versucht, möglichst abenteuerlich auszusehen. Von dort geht es mit dem Katamaran über den See und anschließend mit dem Bus zurück nach Puerto Natales, vermutlich mit dem Gefühl, gleichzeitig stolz und komplett müde zu sein.

    Wenn alles gut läuft, werde ich in den nächsten Tagen sehen:

    die Torres del Paine aus nächster Nähe,
    mehrere Gletscher, riesige Seen in absurden Farben, Kondore am Himmel, Guanakos auf den Ebenen, vielleicht Füchse, und mit sehr viel Glück einen Puma.
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  • El Fin del Mundo 🇨🇱🌎

    3. marts, Chile ⋅ 🌧 3 °C

    El Fin del Mundo – Torres del Paine

    Ein kleines Update von mir aus Patagonien. Ich bin gerade in Cuernos, ungefähr auf halber Strecke des berühmten W-Treks im Torres-del-Paine-Nationalpark. Es ist gar nicht so leicht, hier etwas aufzunehmen oder zu schreiben. Entweder der Wind pfeift so stark, dass man kaum ein Wort versteht oder man kann es nicht abschicken da kein Empfang ist.

    Gestern war ich bei den Torres Base, den berühmten Granittürmen des Parks. Heute Morgen bin ich sogar noch einmal zum Sonnenaufgang hochgelaufen. Der Wecker klingelte um 2:45 Uhr. Kaum hatte ich mich fertig gemacht und die Tür geöffnet, fing es allerdings an zu schütten, und zwar richtig. Innerhalb von Sekunden war alles nass. Trotz guter Ausrüstung war ich oben ziemlich durchnässt.

    Der Sonnenaufgang selbst war trotzdem beeindruckend. Die Türme leuchteten im Morgenlicht, auch wenn diesmal leider nicht die berühmten rosa und violettfarbenen Töne dabei waren. Trotzdem ein besonderer Moment, allein schon wegen der Stimmung dort oben am frühen Morgen. Es wurde schnell sehr kalt und ich hatte Glück, dass ein Chilene, mit dem ich die zweite Etappe gekraxelt bin, eine große Thermoskanne dabeihatte.

    Danach ging es wieder zurück. Insgesamt bin ich heute etwa 30 bis 34 Kilometer gelaufen und habe rund 1500 Höhenmeter in beide Richtungen gemacht. Der Weg entlang des Sees auf dem Weg nach Cuernos ist absolut traumhaft – eine dieser Landschaften, bei denen man ständig stehen bleiben und Fotos machen möchte.

    Morgen werde ich ein Stück mit ein paar Leuten weiterlaufen, die ich hier kennengelernt habe. Es sollen bis zu 90 km/h Wind aufkommen und eventuell skippen wir deshalb den Aufstieg nach Británico.

    Die Refugios hier sind übrigens erstaunlich komfortabel. Das Essen ist gut und nach einem langen Wandertag fühlt sich alles sehr luxuriös an. Internet gibt es manchmal auch, allerdings nur kurz und oft gegen eine kleine Gebühr , meistens für vielleicht zehn Minuten WLAN, ob es dann klappt ist eine andere Frage. Ich möchte mich aber nicht beschweren, es kann auch ganz angenehm sein. Handyempfang gibt es praktisch gar nicht.

    Ich melde mich wieder, sobald ich irgendwo Internet erwische. Bis dahin packe ich noch ein paar Fotos aus den letzten beiden Tagen dazu, die Landschaft hier ist einfach zu schön, um sie nicht zu teilen.
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  • Mirador Britanico 🏔️

    6. marts, Chile ⋅ ☀️ 10 °C

    Tag 3: Sturm, Schnee und gute Gespräche: Vom Cuernos zum Mirador Británico und weiter zur Frances-Hütte

    Der Morgen im Refugio Cuernos begann überraschend entspannt. Für diesen Tag war eigentlich ziemlich raues Wetter angekündigt: Regen, vielleicht Schnee und vor allem starker Wind, oben in den Bergen sollten Böen von bis zu 80 km/h möglich sein. Beim Loslaufen fühlte sich das Ganze allerdings noch halbwegs moderat an.

    Solange man durch die Wälder läuft, ist man relativ gut geschützt. Der Weg führt durch moosige Waldstücke, über kleine Brücken und entlang kleiner Bäche. Trotz der grauen Wolken hatte der Morgen etwas Ruhiges und fast Meditatives.

    Am Tag zuvor hatte ich im Regugio Central Nadim kennengelernt. Mit ihm war ich auch schon im Bus auf dem Weg in den Park. Wir waren schnell ins Gespräch gekommen und stellten fest, dass wir beide den W-Track in der schnellen Variante laufen wollten, also in vier Tagen statt der üblichen fünf oder mehr. Deshalb verabredeten wir uns spontan, zumindest einen Teil der Strecke gemeinsam zu gehen.

    Und so starteten wir an diesem Morgen zusammen.

    Nadim ist Anfang fünfzig und kommt aus der Pfalz. Gerade machte er eine größere Südamerika-Reise während seines Sabbaticals. Besonders spannend war seine Familiengeschichte: Sein Vater stammt aus Karachi in Pakistan, und Nadim erzählte viel darüber, wie es für ihn war, als Kind einer Einwandererfamilie in Deutschland aufzuwachsen. Heute arbeitet er bei SAP, und wir haben viel über Karrierewege, Reisen und solche bewussten Auszeiten gesprochen.

    Solche Gespräche entstehen auf langen Trekkingtouren fast automatisch. Man läuft stundenlang nebeneinander her, schaut in dieselbe Richtung und kommt dabei auf Themen, über die man im Alltag oft gar nicht so ausführlich spricht.

    Nach einiger Zeit kamen wir am Camp Italiano vorbei. Von dort beginnt der Aufstieg zum Mirador Británico, einem der spektakulärsten Aussichtspunkte im Torres-del-Paine-Nationalpark.

    Ab hier zeigte das Wetter dann auch, was es kann.

    Der Wind kam nicht einfach von vorne oder von oben, er kam seitlich. Regen und Schnee ebenfalls. Der Niederschlag fiel nicht senkrecht, sondern wurde horizontal durch die Luft gedrückt. Teilweise hatte man das Gefühl, direkt durch eine Wand aus Wasser und Schnee zu laufen.

    Trotzdem ging es erstaunlich gut voran.

    Oben am Mirador Británico angekommen, öffnete sich der Blick auf die gewaltigen Granitwände des zentralen Massivs. Zwischen den Wolken rissen immer wieder kleine Fenster auf, durch die man die Landschaft erkennen konnte. Es war rau, wild und unglaublich beeindruckend. Wir machten schnell ein paar Fotos, lange bleibt man bei diesem Wind ohnehin nicht stehen – und machten uns danach wieder an den Abstieg.

    Am Nachmittag erreichten wir schließlich das Refugio Frances. Die Lage der Hütte ist wirklich beeindruckend: mitten im Wald, umgeben von steilen Bergen und mit Blick ins dramatische Tal des Valle del Francés.

    Leider war das Personal dort nicht besonders freundlich. Alles wirkte ein bisschen gestresst und unpersönlich. Am Ende hat das aber auch nicht wirklich die Stimmung ruiniert nach so einem Wandertag ist man ohnehin zufrieden, einfach irgendwo zu sitzen, etwas Warmes zu essen und die Füße hochzulegen.

    Was mir allerdings wieder einmal klar wurde: Die anstrengendsten Begegnungen auf solchen Reisen sind oft mit amerikanischen Gruppen. Viel Lautstärke, viel Raum einnehmen und irgendwie immer das Gefühl, dass für sie eigene Regeln gelten. Unglücklicherweise waren wir mit einigen von ihnen im selben Dorm untergebracht.

    Besonders surreal wurde es später am Abend. Ein amerikanischer Guide unterhielt sich lautstark mit einer israelischen Soldatin, die ebenfalls dort übernachtete. Das Gespräch nahm irgendwann eine ziemlich unangenehme Richtung. Er erklärte ihr seine „Theorie“, wie man Frauen mit Alkohol gefügig machen könne und kaufte ihr wenige Sekunden später ein Bier.

    Wir lagen im Bett und hörten das Ganze unfreiwillig mit. Es war eine dieser Situationen, in denen man nicht so recht weiß, ob man lachen, den Kopf schütteln oder einfach nur den Raum verlassen soll. Am Ende blieb vor allem ein seltsames, etwas beschämendes Gefühl zurück.

    Ansonsten passierte an diesem Abend nicht mehr viel. Nach dem langen Tag draußen waren alle ziemlich müde.

    Für den nächsten Tag stand eine der längeren Etappen der Tour an. Deshalb hatte ich mir vorgenommen, sehr früh aufzustehen und sogar ein Frühstück vorgebucht.
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  • Am Ende der Welt: 100km Torres del Paine

    6. marts, Chile ⋅ ☀️ 10 °C

    Der letzte Tag im Torres del Paine begann überraschend gemütlich mit einem richtig guten Frühstück im Refugio Francés. Wenn man möchte, bereiten sie einem dort alles schon früher vor, damit man früh starten kann. Auch die Lunchbox lag schon bereit, liebevoll verpackt. Auf dem Papier war diesmal ein Specht abgebildet, einer der Vögel des Parks. Den echten hatte ich während der letzten Tage leider nur einmal ganz kurz gesehen, aber die kleine Illustration auf der Lunchbox war trotzdem eine schöne Erinnerung daran, wie vielfältig die Tierwelt hier ist.

    Ich wartete noch kurz auf den Sonnenaufgang, bevor ich schließlich loslief. Die ersten sieben bis acht Kilometer bis zur Paine Grande liefen sich erstaunlich entspannt. Der Weg führte wieder durch diese weite, offene Landschaft, und nach den intensiven Tagen zuvor fühlte sich das Gehen fast schon routiniert an. In Paine Grande, einer größeren Station, ließ ich meinen großen Rucksack zurück, schnallte mir meine Joggingschuhe an meinen kleinen Rucksack und machte mich mit leichtem Gepäck auf den Weg Richtung Grey-Gletscher.

    Der Abschnitt zwischen Paine Grande und dem Grey-Gletscher gehört landschaftlich definitiv zu den spektakulärsten Teilen des W-Trails. Man läuft dort an mehreren Seen vorbei, die alle eine völlig unterschiedliche Farbe haben. Manche schimmern tiefblau, andere eher türkis oder milchig grün, je nachdem, wie viel Gletscherwasser und Sediment darin ist und wie das Licht gerade fällt. Zusammen mit den Bergen im Hintergrund sieht das teilweise fast surreal aus.

    Dazu kam perfektes Wetter. Die Sonne schien fast den ganzen Tag, der Himmel war klar, und natürlich war auch wieder ordentlich Wind unterwegs. Der gehört hier einfach dazu. Teilweise pfiff er ziemlich kräftig über die offenen Flächen, aber genau das macht diese Landschaft auch so besonders. Man merkt ständig, wie rau und ursprünglich diese Gegend ist.

    Der Pfad führte am Lago Grey entlang, immer mit Blick auf diese dramatische Kulisse aus Bergen, Eis und Wasser. Viel „passierte“ eigentlich nicht auf dem Weg und gleichzeitig passierte alles. Ich sah wieder Albatrosse, kleine Vögel, einen Adler und weitere Greifvögel, die über den Hängen kreisten. Leider waren sie zu weit entfernt für gute Fotos, aber allein sie dort zu sehen, machte den Weg noch eindrucksvoller.

    Was mich am meisten faszinierte, war das massive Bergpanorama entlang der Strecke. Der höchste Gipfel dort ist etwas über 3000 Meter hoch, eigentlich gar nicht außergewöhnlich hoch. Aber durch den konstanten, extrem starken Wind sind die Gipfel komplett vereist. Immer wieder wurde Schnee und feiner Schneestaub von den Kämmen geweht und wie eine Art Nebel in die Luft getragen.

    Am Aussichtspunkt beim Grey-Gletscher angekommen, gönnte ich mir erst einmal eine kleine Pause, einen Burger und ein alkoholfreies Bier. Es war ein herrliches Skihütten feeling. Ich traf noch ein älteres Franz. Ehepaar, mit dem ich am ersten Abend am Tisch gesessen habe. Lange blieb ich allerdings nicht sitzen, denn ich wollte noch eine frühere Fähre erreichen. Also wechselte ich auf meine Joggingschuhe und machte mich in ziemlich zügigem Tempo wieder auf den Rückweg.

    Die rund zwölf Kilometer zurück nach Paine Grande legte ich fast im Laufschritt zurück. Am Ende kamen an diesem Tag etwa 35 bis 36 Kilometer zusammen, mit ungefähr 1500 Höhenmetern, also doch noch einmal eine ziemlich anspruchsvolle Etappe zum Abschluss.

    Gerade rechtzeitig erreichte ich die Fähre über den Lago Pehoé. Während der Überfahrt konnte ich noch einmal auf diese unglaubliche Landschaft zurückblicken. Am anderen Ufer nahm ich mir dann noch Zeit für einen Aussichtspunkt mit einem großen Wasserfall. Dort setzte ich mich hin, machte ein kleines Picknick und ließ die letzten Tage noch einmal Revue passieren.

    Auf der Rückfahrt aus dem Park gab es dann noch einmal zwei völlig unerwartete Highlights. Zuerst entdeckten wir Flamingos, die ruhig im Wasser standen ein ziemlich surrealer Anblick in dieser wilden Landschaft. Kurz danach sahen wir aus dem Bus in der Ferne noch einmal Pumas. Nicht nah, aber deutlich genug, um sie zu erkennen.

    Am Ausgang des Parks fiel mir dann noch etwas anderes auf: die erste Windturbine in Südamerika. Während der gesamten Reise hatte ich keine einzige gesehen. Erst ganz am Ende stand dort eine kleine Anlage in der Landschaft. Sie wirkte relativ kompakt vermutlich eine kleinere Turbine, vielleicht sogar ein Modell eines chinesischen Herstellers. Nach Tagen in völlig unberührter Natur war es fast ein bisschen witzig, wieder ein Stück arbeitsbezogene Technik zu sehen.

    Damit war die Tour dann endgültig vorbei: der W-Track im Torres del Paine rund 100 Kilometer durch eine der beeindruckendsten Landschaften, die ich je gesehen habe.

    Da ich relativ kurzfristig gebucht hatte, war ich während der Tour nicht im Zelt unterwegs, sondern in den Refugios, also in Hütten mit Betten und Verpflegung. Das war definitiv teurer als Camping, aber ganz ehrlich: Ich hätte auch das Zehnfache bezahlt, und es wäre immer noch jeden Cent wert gewesen.

    Es ist schwer, in Worte zu fassen, wie schön der Torres del Paine Nationalpark wirklich ist. Vielleicht sollte man es auch gar nicht versuchen. Ich bin einfach nur überwältigt und unglaublich glücklich, diese Tage dort erlebt zu haben.

    Von allen Wanderungen, die ich bisher gemacht habe, war das hier mit Abstand die spektakulärste. Die Landschaft, die Weite, die Tierwelt, die Berge, die Gletscher, alles zusammen ergibt etwas, das man kaum beschreiben kann. Man muss es einfach selbst erleben. So verabschiede ich mich mit einer großen Kuller Träne vom Torres del Paine. Im Hinterkopf bleibt der Gedanke den O-Track sobald wie möglich mit Oliv zu laufen 🫶🏽🤝🏽.

    Abends war ich dann auch froh in meinem Einzelzimmer zurück in Puerto Natales ins Bett zu fallen.
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  • Reisetag nach El Calafate 🍕

    6. marts, Argentina ⋅ ☀️ 14 °C

    Heute Morgen habe ich mir erst einmal den Luxus gegönnt, ein bisschen auszuschlafen. Nach den vielen Kilometern der letzten Tage fühlte sich das auch absolut verdient an. Später habe ich mit einer Norwegerin getroffen, mit der ich am ersten Tag einen Teil des Aufstiegs beziehungsweise Abstiegs zusammen gelaufen war. Wir haben einen Kaffee getrunken, ein bisschen über die letzten Tage gesprochen und sind anschließend noch durch die kleinen Läden gegangen, um ein paar Souvenirs zu kaufen. Zum Abschluss haben wir uns noch eine Empanada geholt und uns damit an den See gesetzt, ein ziemlich entspannter und schöner Abschluss nach der Zeit im Park.

    Bevor mein Bus ging, bin ich noch kurz in das kleine historische Museum gegangen. Dort wurde unter anderem auch ein Kapitel der Geschichte aufgegriffen, das einen Bezug nach Deutschland hat. Erwähnt wurde dort auch Carl Hagenbeck, der in Hamburg durch den Tierpark bekannt ist, allerdings in einem eher traurigen historischen Zusammenhang.
    Das dieser bis heute in Hamburg nicht aufgearbeitet wird macht einen fassungslos.

    Danach ging es dann zum Bus und auf die Rückreise durch die patagonische Weite. Die Landschaft dort ist unglaublich: endlose Steppe, viel Himmel, kaum Bebauung und immer wieder, selbst aus großer Entfernung, die markanten Spitzen des Torres del Paine. Egal ob man hundert oder sogar hundertfünfzig Kilometer entfernt ist, tauchen sie immer wieder am Horizont auf.

    Während der Fahrt habe ich einfach nur aus dem Fenster geschaut und die Landschaft auf mich wirken lassen. Immer wieder waren Tiere zu sehen: Guanacos, die in kleinen Gruppen durch die Steppe ziehen, und auch einige Nandus, die wie kleine Laufvögel durch das Grasfeld rennen. Das nächste Ziel habe ich auch schon erspähen können. Die Berge rund um El Chalten.

    Gegen 20 Uhr bin ich schließlich gut in El Calafate angekommen. Dort habe ich mich noch mit Nenu und seiner Freundin Mika getroffen, und wir haben zusammen Pizza gemacht. Nach den intensiven Tagen draußen war das ein ziemlich perfekter Abschluss des Tages.

    Jetzt liege ich im Bett, lasse die letzten Tage noch einmal durch den Kopf gehen und freue mich auf die nächsten Tage hier in Patagonien
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  • Ein entspannter Tag in El Calafate

    7. marts, Argentina ⋅ ⛅ 12 °C

    Der heutige Tag war insgesamt eher ruhig und unspektakulär aber genau das hat ihn auch so angenehm gemacht. Gestern Abend mussten wir erst einmal dafür sorgen, dass sich die Hunde von Mica und Nenu an mich gewöhnen. Aber die beiden haben sich schließlich recht schnell mit mir angefreundet.

    Heute Morgen haben wir erst einmal ein bisschen ausgeschlafen. Bei richtig gutem Wetter sind wir dann zum Lago Argentino gelaufen und haben uns unterwegs Frühstück geholt. Es gab Empanadas und noch ein paar andere lokale Spezialitäten. Danach sind wir einfach ein Stück am See entlang spaziert – ein sehr entspannter Start in den Tag.

    Hier fällt einem übrigens sofort etwas auf: Es gibt unglaublich viele Hunde. Viele davon wirken wie Straßenhunde, aber das System ist hier ein bisschen anders, als man es aus Europa kennt. Sehr viele Menschen haben Hunde, lassen sie aber tagsüber einfach draußen laufen. Die bewegen sich dann frei durch die Stadt oder das Dorf und kommen irgendwann wieder nach Hause.

    Dazu kommen echte Straßenhunde und die sind überraschend ruhig, freundlich und zurückhaltend. Die meisten liegen einfach irgendwo in der Sonne oder laufen gemütlich durch die Straßen. Interessanterweise sind oft eher die Haushunde beschützerisch, weil sie ihr Grundstück oder ihre Menschen verteidigen.

    Dadurch entsteht eine ziemlich witzige Mischung: Man kann oft gar nicht unterscheiden, ob man gerade einem Straßenhund oder einem Haushund begegnet. Insgesamt ist aber alles erstaunlich friedlich. Jeder, mit dem ich bisher darüber gesprochen habe, sagt, dass dieses System hier erstaunlich gut funktioniert, auch wenn viele sich vom Staat in dem Thema etwas allein gelassen fühlen.

    Irgendwann sind wir wieder nach Hause gegangen, haben Mittag gegessen und ich habe mich noch einmal für etwa eine Stunde hingelegt. Am Nachmittag sind wir dann noch einmal in die „Innenstadt“ gegangen – wobei Innenstadt hier eigentlich nur die Hauptstraße ist.

    Dort haben wir ein Patagonia-Bier getrunken, ein bisschen gebummelt und ich habe mir meinen ersten Mate-Becher gekauft. Außerdem habe ich für Detlev nach einer Thermoskanne für Mate gesucht. Wir haben auch einiges an Mate probiert, was für mich ziemlich perfekt ist, weil ich Kaffee nicht so gut vertrage, Mate aber ebenfalls Koffein enthält.

    Später waren wir noch bei Nenus Mutter, die selbstgemachte Souvenirs verkauft, wirklich schöne Sachen. Den Abend haben wir dann an einem richtig tollen Spot beim Essen ausklingen lassen, mit einem großartigen Sonnenuntergang.

    Morgen geht es dann für Nenu und mich weiter nach El Chaltén.
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  • Die zwei Granitnadeln 🏔️

    10. marts, Argentina ⋅ ⛅ 11 °C

    Zwei Tage in El Chaltén, zwischen Granitnadeln, Gletscher und ein bisschen Aufruhr.

    Vorgestern sind Nenu und ich früh morgens nach El Chaltén gefahren, dem kleinen Ort am Rand des Nationalparks, der als das Alpinismuszentrum Patagoniens auf der argentinischen Seite gilt. Hier stehen zwei der berühmtesten Berge der Welt: Cerro Torre und Monte Fitz Roy.

    Schon die Busfahrt hinein war spektakulär. Wir hatten die beiden Plätze ganz vorne und konnten die Berge schon aus der Ferne sehen. Für mich war das ein besonderer Moment, weil ich mich schon früher viel mit den Bergen der Welt beschäftigt habe und diese beiden Granitnadeln zu den ikonischsten Gipfeln überhaupt gehören. Nicht wegen ihrer Höhe, sondern wegen ihrer Form. Sie sind unglaublich steil und technisch extrem anspruchsvoll zu besteigen. Besonders der Cerro Torre ist berüchtigt, unter anderem wegen des riesigen Schneepilzes auf seinem Gipfel.

    Nach der Ankunft im Ort haben wir uns kurz umgeschaut. Ich hätte eigentlich super gerne auf der Bonanza Farm ein Asado gemacht, aber da die Hochsaison gerade endet, findet das nur noch selten statt.

    Also sind wir direkt losgewandert. Unser erstes Ziel war die Laguna Torre. Der Weg dorthin ist wunderschön, immer wieder mit Blick auf die Berge. Unterwegs haben wir sogar einen patagonischen Specht gesehen, und dank meines kleinen Monokulars konnte ich ein paar Videos machen.

    Am Abend sind wir weitergewandert und haben nach einem schnellen Abstecher in den See schließlich unser Zelt aufgeschlagen, direkt unterhalb des Fitz Roy. Ein ziemlich surrealer Ort zum Übernachten.

    Das Wetter war typisch patagonisch: mal bewölkt, mal klar, ziemlich wechselhaft. Wir haben uns etwas zu essen gemacht, Reis mit Thunfisch, Salz und ein bisschen Rotwein und den Abend genossen.

    Am nächsten Morgen bin ich um halb sechs aufgestanden, weil wir eigentlich zum Sonnenaufgang hoch wollten. Leider konnte man überhaupt nichts sehen und es hat geregnet. Der Berg war komplett in Wolken. Also haben wir uns einfach wieder hingelegt und noch bis halb neun geschlafen.

    Später klarte es etwas auf und wir sind trotzdem hoch zur Laguna de los Tres gegangen. Die Sicht war nicht perfekt, aber wir konnten ein paar spektakuläre Gletscherabbrüche beobachten.

    Zurück im Ort gab es dann noch ein anderes Gesprächsthema: In der lokalen Bergsteiger-Community herrscht gerade ziemlich viel Aufruhr. Drei Kletterer haben kürzlich ein Video veröffentlicht, in dem sie einen Wingsuit-Sprung vom Monte Fitz Roy zeigen. Offenbar ist der Sprung erst vor ein oder zwei Wochen passiert.

    Die Reaktionen darauf sind sehr gemischt. Einerseits gibt es große Bewunderung für die Leistung und den Mut. Andererseits stößt die Aktion auch auf deutliche Kritik, weil sie gegen die lokale Bergsteigerethik verstößt. Der Berg liegt im Nationalpark, und eigentlich muss man jede Besteigung vorher bei der Parkverwaltung anmelden. Solche Sprünge sind dort sowieso nicht erlaubt.

    Man merkt hier schnell, wie ernst viele Menschen die Berge nehmen.

    Am Abend sind wir dann noch mit Freunden von Nenu essen gegangen. Viele von ihnen arbeiten hier in der Gastronomie, und das Dorf ist voller Kletterer. Witzigerweise spielen fast alle Hallenhockey und El Chalten hat aktuell wohl die beste indoor Mannschaft Argentiniens. Einer seiner Freunde ist sogar Profikletterer. Lustigerweise erzählte er mir, dass zwei deutsche Freunde von ihm früher oft hier waren und dann stellte sich heraus, dass es die Huber-Brüder sind. Er erzählte mir von ihren gemeinsamen Touren in Patagonien.

    Und während wir darüber gesprochen haben, wurde mir auch klar: Mit ein bisschen mehr Erfahrung könnte ich mir tatsächlich vorstellen, irgendwann einmal den Fitz Roy zu klettern. Das wäre ein absoluter Traum.

    Der Cerro Torre dagegen ist eine ganz andere Kategorie. Je mehr ich mit den Leuten hier gesprochen habe, desto klarer wurde mir, dass dieser Berg für normale Sterbliche eigentlich eine Unmöglichkeit ist. Den hebe ich mir dann wohl für ein nächstes Leben als Profikletterer auf.

    Das Abendessen war fantastisch ein kleines, super gemütliches Restaurant, das sogar sein eigenes Bier braut.
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  • Flamingos 🦩

    11. marts, Argentina ⋅ ☁️ 12 °C

    Gestern Morgen sind wir zurück nach El Calafate gefahren.

    Hier haben wir zuerst mit Nenus Mutter und Mika zu Mittag gegessen und uns lange unterhalten.

    Am Nachmittag bin ich dann zur Reserva Laguna Nimez gegangen. Dort gibt es eine Lagune, an der man Flamingos beobachten kann. Ich bin eine ganze Weile herumgelaufen und hatte tatsächlich Glück und habe mehrere Flamingos gesehen, die ruhig im flachen Wasser standen.

    Zwischendurch wurde es noch einmal ziemlich unterhaltsam: Zwei Straßenhunde hatten offenbar ebenfalls Interesse an den Vögeln und versuchten tatsächlich, zu ihnen zu schwimmen. Glück für mich, denn für ein paar Sekunden war überall Bewegung, bis sich die Tiere wieder ein Stück weiter entfernt im Wasser niedergelassen haben.

    Danach habe ich noch ein paar Dinge besorgt und mich schließlich in die Bar La Cantina gesetzt. Von dort hat man einen großartigen Blick auf den Sonnenuntergang über dem Lago Argentino.

    Um acht habe ich dann auf Olivia angestoßen. 🫶🏽

    Danach war ich noch mit Nenu beim Hockey und morgen geht es am letzten Tag nochmal zum Perito Moreno.
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  • Gletscher, Asado und Abschied 🥹

    13. marts, Argentina ⋅ ⛅ 11 °C

    Vorgestern Morgen bin ich relativ früh aufgestanden. Nenu war so nett und hat mich zum Bus gebracht, mit dem ich zum Perito Moreno Glacier gefahren bin. Ehrlich gesagt war ich am Anfang ziemlich platt. Die letzten zwölf Tage waren intensiv, und meine Motivation hielt sich morgens noch etwas in Grenzen.

    Als ich dort angekommen bin, war das aber sofort vergessen. Der Gletscher ist wirklich traumhaft schön, und nochmal etwas ganz anderes als die Gletscher, die ich bisher gesehen habe. Die Dimensionen sind einfach gewaltig.

    Der Perito Moreno gehört zum Southern Patagonian Ice Field, dem drittgrößten Eisfeld der Erde und gleichzeitig dem größten außerhalb der Polarregionen. Wenn man davorsteht, bekommt man erst ein Gefühl dafür, wie riesig diese Eismassen wirklich sind. Besonders beeindruckend ist, wenn Stücke abbrechen. Man hört das Krachen kilometerweit, und kurz darauf stürzen riesige Eisblöcke ins Wasser. Das ist unglaublich laut und gleichzeitig faszinierend anzusehen.

    Vor Ort habe ich mich dann mit einem Niederländer angefreundet, der in Harvard studiert. Wir sind etwa vier Stunden gemeinsam über die Stege und Wege am Gletscher gelaufen und haben uns über alles Mögliche unterhalten unter anderem über Jobmöglichkeiten für Physiker und Mathematiker. Es war ein richtig angenehmes Gespräch und hat den Tag noch einmal besonders gemacht.

    Am Nachmittag bin ich dann zurückgefahren. Später bin ich noch mit dem Niederländer etwas trinken gegangen und habe unterwegs Blumen für Nenus Mutter gekauft, denn die Familie hatte mich abends zu einem Asado eingeladen.

    Das war ein ziemlich schöner und auch irgendwie besonderer Abend. Witzigerweise war auch ein Arbeitskollege von mir mit seiner Freundin da. Dass wir uns hier in Patagonien noch einmal begegnen war irgendwie witzig. Nenus Familie meinte einfach, sie sollten auch vorbeikommen. Außerdem waren noch ein paar andere Leute da, unter anderem jemand, den wir beim Wandern kennengelernt hatten.

    Nenu hat an dem Abend das Asado gemacht. In Argentinien gibt es wohl die Tradition, dass beim Asado immer das älteste männliche Familienmitglied den Grill übernimmt. Da Nenos Vater vor einiger Zeit verstorben ist, liegt diese Rolle jetzt bei ihm. Ich glaube, es war sein erstes richtiges großes Asado allein und man hat schon gemerkt, dass der Moment auch emotional für ihn war.

    Das Essen war auf jeden Fall unglaublich gut. Es wird ganz anders gegrillt als bei uns, viel langsamer und mit einer anderen Herangehensweise. Ich habe mich einmal quer durchprobiert und wirklich alles genossen.

    Ich habe allerdings versucht, relativ früh ins Bett zu gehen und war gegen Mitternacht im Bett, weil mein Flug am nächsten Morgen schon um 8:20 Uhr ging. Damit war es dann auch mein letzter Tag in Argentinien und ein ziemlich schöner Abschluss.

    Von dort bin ich über Buenos Aires nach Rio de Janeiro geflogen. Die Flüge selbst waren relativ unspektakulär. Eine kleine Überraschung gab es allerdings: Ich habe bei beiden Flügen ein Upgrade bekommen und saß jeweils in Economy Premium oder wie auch immer die Airline das nennt. Mehr Beinfreiheit und ein bisschen mehr Ruhe das war nach den letzten Tagen tatsächlich ziemlich angenehm.

    In Rio bin ich dann bei Katja und Detlef angekommen. Gestern Abend waren wir noch zusammen essen. Heute ist der Plan noch nicht ganz klar, aber ich werde wahrscheinlich erstmal ein bisschen ankommen, mit Detlef durch die Stadt laufen und schauen, was der Tag so bringt.
    Abends sind wir zusammen in einer Churrascaria essen.
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  • Nochmal alles mitnehmen ☀️🏖️🌊

    15. marts, Holland ⋅ ☀️ 11 °C

    Am Freitagabend waren wir noch zusammen in einem netten Restaurant essen.

    Am nächsten Tag hatten wir dann, zum Glück, perfektes Wetter. Besser hätte man sich das für den letzten Tag kaum wünschen können. Ich bin morgens noch eine Runde an der Ipanema laufen gegangen, um diesen Ort und die Atmosphäre nochmal richtig aufzusaugen.

    Danach habe ich mich mit Katja und Detlev zum Mittagessen getroffen. Wir sind in ein Restaurant gegangen, das von außen ziemlich unscheinbar wirkte. Wahrscheinlich würde man einfach daran vorbeilaufen, ohne groß darüber nachzudenken. Aber genau solche Orte sind ja oft die besten.

    Es stellte sich als brasilianisches Buffet-Restaurant heraus: Man nimmt sich einfach, worauf man Lust hat, und am Ende wird alles gewogen. Besonders gut: Es gab erstaunlich viele vegetarische Optionen, richtig gute sogar. Ein Ort, den wir uns auf jeden Fall fürs nächste Mal merken.

    Detlev hat dort übrigens auch eine bemerkenswerte Demonstration seiner kulinarischen Langfingerfähigkeiten gezeigt. Beim Nachtisch hat er es irgendwie geschafft, sich ein Dessert zu sichern, ohne es auf seinem Zettel vermerken zu lassen.
    Eine kleine Meisterleistung in diskreter Dessert-Akquise und vermutlich das süßeste Schnäppchen des Tages.

    Danach haben wir uns noch eine Açai geteilt.
    Zum Abschluss haben wir uns nochmal zwei Stunden an den Strand gelegt. Ein bisschen Sonne, ein bisschen Meer, ein bisschen dösen und herumalbern, genau das Richtige für den letzten Nachmittag.

    Und dann kam plötzlich der Moment: Sachen zusammenpacken und zum Flughafen fahren.

    Zum Glück hat alles erstaunlich reibungslos geklappt. Der Flug selbst war dann auch erfreulich ereignislos, genau so, wie man sich einen Langstreckenflug wünscht. Ich hatte sogar wieder das Glück, ein kleines Sitzplatz-Upgrade zu bekommen, was die elf Stunden gleich deutlich angenehmer gemacht hat. Ein paar Filme schauen, ein bisschen schlafen, zwischendurch essen und schon ist man fast wieder da.

    Ich war auf jeden Fall ziemlich begeistert von KLM. Der Service war wirklich gut und insgesamt war alles sehr entspannt.

    Jetzt sitze ich hier in Schiphol in Amsterdam und warte auf meinen letzten Flug nach Hamburg.

    Und ich merke: Die Reise war absolut fantastisch. Viele schöne Momente, unglaublich gutes Essen und tolle Begegnungen.

    Aber ich freue mich auch darauf, wieder nach Hause zu kommen, auf Hamburg, auf die Arbeit, auf die Kollegen und ein bisschen Alltag.
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    Slut på rejsen
    15. marts 2026