• Tag 2: von Fusch nach Lienz

    June 19 in Austria ☀️ 27 °C

    Hallo!
    Gestern war ja nur leichtes Einrollen. Heute stand schon eine knackige Etappe an. Im Nachhinein muss ich sagen „zu knackig“. Um es gleich vorweg zu sagen, wir sind am Ziel angekommen. Nur wie! Vollkommen erschöpft und ausgelaugt! Vor allem ich hatte zu kämpfen.
    Gestern hatten wir noch gescherzt und eine Unterkunft in Lienz am Schlossberg gebucht. Im Giro gibt es ja auch Bergankünfte bei Etappen. Was ich vergessen hatte, wir machen nicht den Giro und ich bin alles andere nur kein Giro-Fahrer.
    So sind wir heute zum Glück früh los. Die ersten Kilometer ging es noch sanft ansteigend in das Tal hinein. Doch die Berge türmten sich immer mächtiger vor uns auf. Und dann kam der Anstieg der Großglockner Hochalpenstraße. Wir starteten in einer Höhe von ungefähr 800m und der Pass ist über 2500m hoch. Am Anfang ging es noch ganz gut, aber mit der Zeit wurden die Beine immer schwerer. Die Sonne tat ihr übriges, obwohl es noch nicht so heiß war. Der Pass war voller Radfahrer, Motorradfahrer, Autofahrer! Wobei gefühlt die Hälfte der Autos Porsches waren, neue und alte, normale und besondere! Unglaublich, was da rumfährt. Je länger wir strampelten, desto mehr wünschte ich mir, ich wäre mit dem Auto unterwegs.
    Aber nein, ich muss in meinem Alter ja noch zeigen was ich leisten kann oder besser was ich nicht mehr leisten kann.
    Rückblickend war es ein Anflug von Wahnsinn, dass wir noch zwei bergige Abstecher machen wollten. Die mussten als erstes dran glauben! So schön kann es dort gar nicht sein, sagten wir uns und entschieden und für den kürzeren Weg. Nach einer langen Pause mit vielen isotonischen Getränken und einer langen tollen Abfahrt über Heiligenblut, dachte ich, dass es überstanden ist. Weit gefehlt! Kurz vor Lienz stellte sich der Iselsbergpass in den Weg, mit dem wir beide nicht gerechnet hatten. Und es zeigte sich, dass ich das Rad zwar bergab rollen lassen konnte, aber bergauf in die Pedale zu treten, quittierten meine Oberschenkel mit Krampfattacken. Den Motor voll zuzuschalten ging nicht, weil ich eh schon Angst hatte, dass der Akku nicht reicht. So musste ich leiden und der Schlussanstieg kommt ja auch noch.
    Mit den letzten 3% im Akku schaffe ich es dann doch noch zur Moosalm, auch weil uns ein Gewitter im Nacken saß.
    Fotos gibt’s davon keine, zu erschöpft war ich!
    90 km und 2600 Höhenmeter sind definitiv zu viel für mich.
    Jetzt liege ich nach einem leckeren Abendessen satt und mit leeren Beinen im Bett und überlege was das für die nächsten Etappen bedeutet.
    So schön es landschaftlich war, der Genuss kam ein bisschen zu kurz. Das müssen wir ändern. Ihr werdet es erfahren
    Ciao für heute! Morgen geht’s nach Südtirol.
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