• 4. Tag: Transfagarasche Hochstraße

    10.–11. sep. 2025, Rumænien ⋅ ☁️ 24 °C

    Es gibt zwei Nord-Süd- bzw. Süd-Nord-Querungen der Karpaten, die immer wieder erwähnt werden: die Transfargarasche Hochstraße und die Transalpina. Für heute haben wir uns die Transfargarasche Hochstraße vorgenommen. Wir haben uns für die Süd-Nord-Richtung entschieden, weil diese am Häufigsten empfohlen wird. Außerdem liegt etwa 50 km vom Nordende der Strecke die Stadt Sibiu, Hermannstadt, eine weitere große historische Stadt in Siebenbürgen mit etwa 135.000 Einwohnern. Die Tagesetappe wird etwas über 161 km betragen.

    Die Transfargarasche (auch Transforgarasche) Hochstraße ist eine bis auf 2042 Meter ansteigende Passstraße. Sie verbindet das Arges-Tal in der großen Walachei mit dem Olttal in Siebenbürgen und überquert dabei das Faragas-Gebirge, eine Gebirgsgruppe in den Transsilvanischen Alpen. Ihre Länge ist je nach Definition von Anfangs- und Endpunkt unterschiedlich mit 90 bzw. 117 km angegeben.

    Auf der Südseite liegt ein langgestreckter Stausee, den man sehr kurvenreich 18 km weit auf einer im Wald gelegenen Straße entlang fährt. Hier begegneten wir vier an der Straße sitzenden oder liegenden Bären. Stets daran zu erkennen, dass Autos anhielten, um sich die Tiere anzusehen. Diese verharrten still in ihrer Pose und bewegten sich nicht von der Stelle. Wir fuhren den Empfehlungen entsprechend daran vorbei und verzichteten auf ein Fotoshooting. Leider, aber aus Vernunftgründen, denn sie sahen so putzig aus, auch eher klein, etwa einen Meter groß. Ab da ging es weiter wie in den Alpen oder Dolomiten, in Serpentinen über die Baumgrenze hinaus auf Passhöhe. Wobei der eigentliche Pass eine Tunnelunterquerung von etwa 800 Metern Länge des Gebirgskamms ist. Nach dem Tunnel folgte der Baleasee mit einer Hochfläche, die als Rummelplatz für unzählige Verkaufsstände (Essen und Souvenirs) genutzt wird. Daneben aber auch ein paar professionelle Gastronomiehütten, wie wir sie auch an solchen Orten kennen. Natürlich haben auch wir diesen Flecken zur Pause genutzt, ich für eine typisch rumänische Süßspeise: Papanasi, übersetzt mit traditional donuts with jam and sour cream. Lecker.

    Die Nordabfahrt gab den Blick frei bis weit in die entfernte Ebene. Auch hier wieder Kurven ohne Ende bis die Strecke immer ebener wurde und in einer unspektakulären Zufahrt auf Sibiu endete. Unterwegs im Waldgebiet einen Bären gesehen.

    Auf Sibiu zu führen unzählige Kreisverkehre mit anliegenden Gerwerbegebieten, später Mietshäusern. Es staut sich immer wieder und lässt nicht erkennen, wo in Europa wir gerade sind.

    Im Navi war nur die Stadt eingegeben, wo auch immer dann der Zielpunkt liegt. Und er liegt irgendwo, wo es nicht nach dem Zentrum, das man vermutet, aussieht. Wir hatten auf das Stadtzentrum von vor hunderten von Jahren gehofft, aber das musste irgendwo anders sein. Die Recherche ergab Piata Mare und dann auch gleich eine Unterkunft in der Nähe dazu. 2,3 km vom Navi-Endpunkt für Sibiu entfernt.

    Wir entdeckten eine völlig andere Stadt, die, die auch nach Hermannstadt und nicht nach Sibiu aussieht. Das Überraschende war, dass neben den herausgeputzten zentralen Plätzen, davon gibt es drei, auch in den daneben zentral gelegenen Gassen und Straßen geschlossene Wohngebäudezeilen im alten Stil bewohnt werden. Eine Altstadt, wie sie wohl bei uns früher auch einmal gegeben hat. Im Kulinarium auf der Piata Mica wird heimische Küche serviert, ein Volltreffer, wie auch die hohe Frequenz anderer Gäste zeigte. Bei einem Vergleich zu Brasov, Kronstadt, würde ich dort das bergige Umland neben der Altstadt hervorheben, aber die Altstadt von Sibiu, Hermannstadt, ist größer und auch natürlicher. Das flache gewerblich genutzte Umland scheint mir dagegen nicht so reizvoll. Aber wir haben ja noch nicht alles gesehen.
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