Nach Passau auf schnellem Weg
4. september 2025, Tyskland ⋅ ⛅ 25 °C
Rumänien ist weit. Der Satz: Der Weg ist das Ziel, gilt nicht. Es geht zügig in den Süden. Als es vor dem Tunnel bei Aschaffenburg zum Stau kommt, ist auch Zeit für eine Mittagspause. Danach geht’s weiter an Regensburg vorbei bis Passau, 636 km.Læs mere
Neusiedl am See, gerade noch Österreich
5.–6. sep. 2025, Østrig ⋅ ⛅ 25 °C
Heute ist erst einmal Reifenwechsel an Bernds Motorrad angesagt. In Köln und Umgebung war kein Termin vor der Abfahrt mehr zu bekommen. Daher setzen wir alle Hoffnungen auf Passau. In der Tat klappte es bei BMW Leebmann. Um 11:30 Uhr konnte es dann mit neuen Reifen losgehen. Heutiges Pensum: 341 km. Rein nach Österreich Richtung Wien. Immer wieder ein paar Regenspritzer. Autobahn gut gefüllt, 130 km/h maximal. 90 km vor Wien Mittagspause an einer Raststätte. Jetzt wurde es trocken, sonnig und warm. Bis zu 27 Grad. Eindrucksvoll die Abfahrt der Autobahn aus der Höhe auf Wien zu. Toller Blick. Geschwindigkeitbegrenzung auf 80 über 10 km. Danach 60. Mindestens jeden km ein Blitzer. Die Autobahn streift Wien mit zahlreichen Untertunnelungen und Staus fast bis zum Stillstand. Weiter Richtung Budapest. Fahrzeuge aller Nationalitäten, Flixbus und andere. Unser Ziel: Neusiedl am See. Noch Österreich, aber schon nahe der Grenze zu Ungarn.
Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland.Læs mere
Ankunft in Rumänien (Arad)
6.–7. sep. 2025, Rumænien ⋅ ☁️ 29 °C
Am dritten Tag war es soweit: Am Samstag, 6.9. um 16:09 (Ortszeit) reisten wir nach 395 km Fahrt in Rumänien ein. Von Neusiedl am See in Österreich kommend hatten wir nach etwa 30 Kilometern die ungarische Grenze überquert und rollten fast durchgehend mit 130 km/h an Budapest vorbei in Richtung Rumänien. Mit Ausnahmen: Es gab ein paar Baustellen ungewöhnlicher Längen. Eine davon war nach unserer Einschätzung mindestens 30 km lang. Kein Stau, aber Tempo 80. Die Strafen müssen in Ungarn so drakonisch sein, dass sich fast alle an die vorgegebene Geschwindigkeit halten. Und die Landschaft? Überwiegend flach, riesige Felder. Zu dieser Jahreszeit vielfach gelb-braun. Hinter Szeged fast nur noch LKW auf der Autobahn Richtung Rumänien. Da das Tagespensum bei Temperaturen um die 30 Grad unsere Kräfte schon reichlich reduziert hatte, war das Tagesziel Arad, 52 km hinter der Grenze, eine Stadt mit 145.000 Einwohnern mit langer Geschichte und österreich-ungarischer Vergangenheit. Diese ist in der Innenstadtarchitektur erkennbar. Schönes zentral gelegenes modernes Hotel mit Tiefgarage. Die Bilder sprechen für sich.Læs mere
1. Tag: Arad nach Alba Iulia (Karlsburg)
7.–8. sep. 2025, Rumænien ⋅ ⛅ 28 °C
Heute wollen wir erstmals abseits von der Autobahn ein Gefühl für das Land gewinnen. Der Fahrstil der Rumänen ist gewöhnungsbedürftig. Sie fahren fast immer schneller als die Angaben auf den Verkehrsschildern vorschreiben. Die Verkehrsschilder geben allerdings gerade außerhalb der Ortschaften häufig eine sehr geringe Geschwindigkeit an. Ohne Geschwindigkeitsbeschränkung lautet die Regel: Autobahnen, 130 km/h, Landstraßen 90 km/h, Schnellstraßen, 100 km/h, geschlossene Ortschaften 50 km/h. Durch eine Unzahl von Verkehrsschildern wird in Kurven auf Landstraßen die Geschwindigkeit auf 60, 40 oder 30 km/h heruntergedrosselt. Außerdem werden permanent Überholverbote ausgesprochen und gleich wieder aufgehoben. Zusätzlich zu den Überholverboten gibt es noch eine durchgezogene Linie. Die Überholverbote werden von den Rumänen beachtet, da sie die Polizei auch kontrolliert. Die Geschwindigkeitsangaben sind dagegen offensichtlich nur Empfehlungen und werden von den Rumänen regelmäßig überschritten. Es ist keine Seltenheit, dass man bei vorgeschriebenen 60 km/h munter überholt wird. In Ortschaften, die sich lange als Straßendörfer über Kilometer hinziehen, liegt die tatsächlich gefahrene Geschwindigkeit, eher zwischen 60 und 70.
Die Landschaft ist je nach Region unterschiedlich: Teilweise wie Bergisches Land, jedoch ohne Baumbewuchs auf den Höhen. Teilweise flach. In den Ortschaften sind die Häuser giebelseitigkeit zur Straße gebaut. Davor läuft zur Fahrbahn ein offener Wassergraben, der jeweils zum Hauszuweg hin mit einem Betonsteg überdeckt ist. Später haben wir in anderen Regionen auch Häuser, die längst der Straße gebaut sind, gesehen. Die Häuser sind in sehr unterschiedlichem Pflegezustand. In manchen Orten haben wir verfallene Mehrfamilienhäuser gesehen. Verfallen heißt eingestürztes Dach, keine Fenster, unbewohnbar. Das gleiche begegnet einem auch bei Betriebsgebäuden. Dann gibt es wiederum Neubauten in gepflegtem Zustand oder Einfamilienhäuser, die als Ziegelbauten errichtet sind, sich jedoch noch im Bau befinden. Teilweise in diesem Zustand aber auch schon bewohnt sind, ohne Hausverputz. Schließlich gibt es Ortschaften, die im sozialistischen Baustil errichtet wurden, sich jedoch in einem bedauernswerten Pflegezustand befinden.
Unser Tagesziel war nach 252 km Alba Iulia (Karlsburg), eine Stadt mit etwa 65.000 Einwohnern, die durch ein großes Fort im Vauban-Stil geprägt ist. Hier liegt auch die Wiege für Großrumänien im Jahr 1918, was sich in zahlreichen Prunkbauten widerspiegelt. Uns begegnete dort auf dem Festungsberg ein ausgeprägter Tourismus von Rumänen. Die Stadt selbst ist gepflegt, hat für uns aber keinen besonderen Charme versprüht. Wir haben unser Quartier in einem Hotel in den Festungsbauten gewählt. Die Fenster waren mit Fliegengittern versehen, die ihre Spuren auf ein paar Fotos hinterlassen haben.Læs mere
2. Tag: Alba Iulia nach Brasov
8.–9. sep. 2025, Rumænien ⋅ ☁️ 20 °C
Heute ging es von Karlsburg (Alba, Iulia) nach Kronstadt (Brasov). Die Strecke führte über Medias und Sighisora (Schäßburg). Das absolute Highlight war unser Zielort Kronstadt. Auch diese Stadt teilt sich in Neustadt, mit allem bekannten Licht und Schatten und die Altstadt auf. Mit knapp 240.000 Einwohnern gehört Kronstadt zu den großen Städten in Rumänien. Sie hinterlässt im modernen Teil einen guten, geschäftigen Eindruck sowohl im Handel wie auch in der Industrieansiedlung. Die Altstadt spiegelt dagegen die frühere Zeit mit überwiegend historischen Bauten wieder. Aus diesem Grund ist sie ein echter Tourismusmagnet.Læs mere
3. Tag: Brasov nach Curtea de Arges
9.–10. sep. 2025, Rumænien ⋅ ☁️ 22 °C
Heute ist nur eine kleine Tour von 134 km geplant. Es geht darum, den Ausgangspunkt für die nächste Etappe zu erreichen. Aber auch kleine Strecken können es in sich haben. Etwa 30 km von Kronstadt (Brasov) entfernt liegt das Dracula Schloss Bran. Alles, was es dazu zu sagen gibt, ist in den sozialen Medien nachzuvollziehen. Vor Ort tummelten sich und Massen von Menschen, die aus Reisebussen quollen oder individuell angereist waren. An alledem fuhren wir oder besser stauten wir vorbei und wurden belohnt. Denn schon bald tat sich eine ungeahnte Landschaft auf, mit schmalen Straßen auf und ab, rechts und links. Alles besiedelt mit einer Unzahl an Ferienhäusern in unterschiedlichem Baustil. Dazwischen in sich zusammengebrochene alte hölzerne Wohnhäuser. Wir fragten uns, warum diese sich selbst überlassen worden sind, da die Gegend offensichtlich völlig entlegen, aber heiß begehrt ist. Schließlich ging es hinab in ein immer schmäler werdendes Tal vorbei an hohen Felswänden links und rechts. Dann plötzlich wurde die Landschaft wieder weit und offen, es ging permanent bergauf und bergab über zahlreiche Serpentinen auf einer mühsam geflickten Betonbuckelpiste. Diese führte dazu, dass die Rumänen ihre kostbaren Autos langsam darüber rollen ließen, ganz ungewohnt weit unterhalb der zulässigen Geschwindigkeit. Für uns war dies kein Problem, da wir zügig daran vorbeihuschen konnten. Unser Zielort Curtea de Arges ist eine überraschend gepflegte sozialistische Ansiedlung von zahlreichen Mietbauten. Auch hier half uns booking.com ein geeignetes Hotel zu finden, das auch von weiteren zahlreichen Motorradfahrern angesteuert wurde. Der Grund dafür ist unser nächster Streckenabschnitt, den viele Motorradfahrer ebenso wie wir ansteuern.Læs mere
4. Tag: Transfagarasche Hochstraße
10.–11. sep. 2025, Rumænien ⋅ ☁️ 24 °C
Es gibt zwei Nord-Süd- bzw. Süd-Nord-Querungen der Karpaten, die immer wieder erwähnt werden: die Transfargarasche Hochstraße und die Transalpina. Für heute haben wir uns die Transfargarasche Hochstraße vorgenommen. Wir haben uns für die Süd-Nord-Richtung entschieden, weil diese am Häufigsten empfohlen wird. Außerdem liegt etwa 50 km vom Nordende der Strecke die Stadt Sibiu, Hermannstadt, eine weitere große historische Stadt in Siebenbürgen mit etwa 135.000 Einwohnern. Die Tagesetappe wird etwas über 161 km betragen.
Die Transfargarasche (auch Transforgarasche) Hochstraße ist eine bis auf 2042 Meter ansteigende Passstraße. Sie verbindet das Arges-Tal in der großen Walachei mit dem Olttal in Siebenbürgen und überquert dabei das Faragas-Gebirge, eine Gebirgsgruppe in den Transsilvanischen Alpen. Ihre Länge ist je nach Definition von Anfangs- und Endpunkt unterschiedlich mit 90 bzw. 117 km angegeben.
Auf der Südseite liegt ein langgestreckter Stausee, den man sehr kurvenreich 18 km weit auf einer im Wald gelegenen Straße entlang fährt. Hier begegneten wir vier an der Straße sitzenden oder liegenden Bären. Stets daran zu erkennen, dass Autos anhielten, um sich die Tiere anzusehen. Diese verharrten still in ihrer Pose und bewegten sich nicht von der Stelle. Wir fuhren den Empfehlungen entsprechend daran vorbei und verzichteten auf ein Fotoshooting. Leider, aber aus Vernunftgründen, denn sie sahen so putzig aus, auch eher klein, etwa einen Meter groß. Ab da ging es weiter wie in den Alpen oder Dolomiten, in Serpentinen über die Baumgrenze hinaus auf Passhöhe. Wobei der eigentliche Pass eine Tunnelunterquerung von etwa 800 Metern Länge des Gebirgskamms ist. Nach dem Tunnel folgte der Baleasee mit einer Hochfläche, die als Rummelplatz für unzählige Verkaufsstände (Essen und Souvenirs) genutzt wird. Daneben aber auch ein paar professionelle Gastronomiehütten, wie wir sie auch an solchen Orten kennen. Natürlich haben auch wir diesen Flecken zur Pause genutzt, ich für eine typisch rumänische Süßspeise: Papanasi, übersetzt mit traditional donuts with jam and sour cream. Lecker.
Die Nordabfahrt gab den Blick frei bis weit in die entfernte Ebene. Auch hier wieder Kurven ohne Ende bis die Strecke immer ebener wurde und in einer unspektakulären Zufahrt auf Sibiu endete. Unterwegs im Waldgebiet einen Bären gesehen.
Auf Sibiu zu führen unzählige Kreisverkehre mit anliegenden Gerwerbegebieten, später Mietshäusern. Es staut sich immer wieder und lässt nicht erkennen, wo in Europa wir gerade sind.
Im Navi war nur die Stadt eingegeben, wo auch immer dann der Zielpunkt liegt. Und er liegt irgendwo, wo es nicht nach dem Zentrum, das man vermutet, aussieht. Wir hatten auf das Stadtzentrum von vor hunderten von Jahren gehofft, aber das musste irgendwo anders sein. Die Recherche ergab Piata Mare und dann auch gleich eine Unterkunft in der Nähe dazu. 2,3 km vom Navi-Endpunkt für Sibiu entfernt.
Wir entdeckten eine völlig andere Stadt, die, die auch nach Hermannstadt und nicht nach Sibiu aussieht. Das Überraschende war, dass neben den herausgeputzten zentralen Plätzen, davon gibt es drei, auch in den daneben zentral gelegenen Gassen und Straßen geschlossene Wohngebäudezeilen im alten Stil bewohnt werden. Eine Altstadt, wie sie wohl bei uns früher auch einmal gegeben hat. Im Kulinarium auf der Piata Mica wird heimische Küche serviert, ein Volltreffer, wie auch die hohe Frequenz anderer Gäste zeigte. Bei einem Vergleich zu Brasov, Kronstadt, würde ich dort das bergige Umland neben der Altstadt hervorheben, aber die Altstadt von Sibiu, Hermannstadt, ist größer und auch natürlicher. Das flache gewerblich genutzte Umland scheint mir dagegen nicht so reizvoll. Aber wir haben ja noch nicht alles gesehen.Læs mere
4. Tag: Weitere Fotos aus Sibiu
10. september 2025, Rumænien ⋅ ☁️ 24 °C
Noch ein paar Eindrücke von unserem Stadtrundgang
5. Tag: Auf, in die Walachei
11.–12. sep. 2025, Rumænien ⋅ ☁️ 20 °C
Walachei. Ja, so heißt die Region hier wirklich. Und sie ist keineswegs so entlegen, wie man es bei einer Region mit der Bezeichnung Walachei vermutet. Tatsächlich waren wir schon vorgestern in Curtea de Arges in der Walachei, als Ausgangspunkt für die Süd-Nordrichtung unserer Karpatenüberquerung auf der Transfargaraschen Straße. Da wir die weiter westlich gelegene Transalpina ebenfalls von Süden nach Norden befahren wollen, bleibt uns von Sibiu/Hermannstadt nur die erneute Fahrt in die südlich gelegene Walachei. Diesmal aber im Tal der Olt.
Diese Strecke schlängelt sich mehr oder weniger auf einer Höhe quer durch die Karpaten. Sie ist in beiden Richtungen insbesondere auch für den Transportverkehr heiß begehrt. Überholen kaum möglich und überwiegend verboten. So gleitet man bei ca. 80 km/h dahin und verfolgt die dicht bewaldeten Hügel oder Berge sowie den sich von Zeit zu Zeit weitenden Fluß. In einem Teil des Tales zwängt sich neben Straße und Fluß noch eine eingleisige Bahnlinie. Ihr Erhaltungszustand sieht beunruhigend aus und dann: Von einem erhöhten Bahndamm krabbeln Fahrgäste mit Gepäck die Böschung zur Straße herunter. Offensichtlich aus dem dort auf freier Strecke stehenden Zug. Ohne Panik, ohne Hilfskräfte, einfach nur so. Später arbeitet ein Bautrupp an den Gleisen. War das vorher ein planmäßiger Halt?
Das Tal öffnet sich erst wieder nach fast 100 km bei Ramnicu Valcea, eine Stadt mit gut 93.000 Einwohnern. Beim Durchqueren bleibt ein Eindruck von gediegener Ordnung. In einem an der boulevardmäßigen Straße gelegenen Café mit moderner stilsicheren Einrichtung gibt es nicht nur Cappuccino, sondern auch zwei Konditorei-Kuchenstücke à la Törtchen-Törtchen.
Von dort geht es für etwa 80 km weiter in Richtung Westen zum südlichen Ausgangspunkt der Transalpina in Novaci. Dafür hatten wir Navigationspunkte für kleine Nebenstraßen eingegeben. Obwohl wir meinten, Schotterstraßen ausgeschlossen zu haben, durften wir unsere Fahrfähigkeiten unter Beweis stellen und sahen eine ungekannte Idylle im Hinterland abseits der Verkehrswege. In Novaci Tankstopp, Mittagessen und Hotelsuche im Internet. Fündig wurden wir 19 km weiter schon auf der Transalpina in einem Wintersportgebiet auf etwa 1640 Metern. Die Serpentinen bis dahin lassen erahnen, was uns morgen erwartet.Læs mere
Tag 6: Transalpina nach Klausenburg
12.–13. sep. 2025, Rumænien ⋅ ⛅ 23 °C
Nachdem wir gestern schon die ersten 19 km auf der Transalpina bis auf die Höhe von 1640 m sepentinenreich gefahren waren, ging es nach der Übernachtung weiter. Am Morgen stiegen Wolken auf, so dass wir denen zunächst Zeit ließen, die Sicht auf die weitere Strecke frei zu geben. Als Transalpina wird die Strecke zwischen Novoci und Sebes (Mühlbach) bezeichnet. Sie ist 148 km lang und teilt sich in zwei Teile auf: Von Süden kommend in eine etwa 50 km lange alpine Hochgebirgsstrecke mit einer anschließenden kurvenreichen fast 100 km langen mittelgebirgigen Waldstrecke, die schließlich einige Kilometer vor Sebes flach ausläuft. Der höchste Punkt ist im ersten Teil mit 2145m der Urdele-Pass, im zweiten Teil mit 1678m der Tartarau-Pass.
Schnell waren wir oberhalb der Waldgrenze im kargen Teil des Gebirges. Mehrfach ging es Auf und Ab bei seltenem Gegenverkehr mit weitem Blick, den Fotos nur eingeschränkt wiedergeben. Am Übergang zum zweiten Teil der Strecke in einer flachen Ebene ein Sammelsurium von kreuz und quer aufgestellten Verkaufsständen, die allerdings überwiegend ihre hochklappbaren Läden geschlossen hatten. Für uns kein Anreiz hier anzuhalten, da wir neugierig waren, wie es weiterging.
Im zweiten Teil ging es zunächst wieder bergauf. Dann plötzlich vier große zottelige Hunde am Straßenrand, die uns zum Abbremsen veranlassten. Dann sahen wir, dass sie von einer Person begleitet waren und auf der anderen Straßenseite bergauf eine Schafherde. Wie mögen die hier heraufgekommenen sein. Kurz darauf eine zweite und eine dritte Herde, stets begleitet von mehreren Hunden und einem Hirten. Ein ganzes Stück abwärts auch noch Kühe am Straßenrand allerdings ohne sichtbare Begleitung. Und dann ein großer leerer Viehtransporter. Für die Schafe? Für die Kühe?
Es wurde waldreich, flacher und die Kurven länger gezogen als auf der linken Seite durch die Bäume ein See auftauchte: der Vidra-Stausee. Jetzt standen ab und zu in Einbuchtungen am Straßenrand PKW. Wanderer, Angler? Eher wohl Pilzsammler wie uns zwei mit Eimern ausgestatteten Fußgänger vermuten ließen. An der Transalpina gibt es offensichtlich keine Bären, denn es gibt auch keine Warnschilder wie an der Transfaragasan. So kann der Mensch sein Fahrzeug auch gefahrlos verlassen und ab und zu auch einmal ein Haus in die Landschaft setzen.
Am Ende des Sees eine mächtige Staumauer mit einer Ansammlung von Verkaufsständen, die uns allerdings nur zu einem Kaffee und ein paar Fotos animierten. Ab da führte der Weg reichlich geschwungen über viele Kilometer mit gelegentlichen Ortschaften nach Sebes oder Mühlbach wie uns eines der Navigationssysteme beharrlich auf deutsch belehrt. Sebes wie der Fluß, dem wir schon weit vorher folgten, oder eben Mühlbach.
Ja, die Navigation, das ist neben anderem auch so eine Herausforderung und mehr noch eine stetige Überraschung. Schön, dass es sie gibt. Aber warum weichen Angaben bei zwei identisch eingesetzten Systemen mit gleichen Einstellungen voneinander ab. Wahrscheinlich weil eben viele Wege nach Rom führen. Noch bunter wird es mit den Abweichungen zwischen zwei unterschiedlichen Systemen. Aber wir sind froh, dass wir zwei haben. Denn seit sich BMW von Garmin verabschiedet hat und ein eigenes System, das über Handy-App und Cradle- bzw. Tft-Display seine Ergebnisse ausspuckt, entwickelt hat, gibt es ein paar Gründe mehr, einfach mal garnichts anzuzeigen. So ist unsere häufigste Frage über unsere Interkom: Was zeigt Dein Gerät an?
Aber wir haben Sebes oder wie Tomtom über BMW hartnäckig vermeldet: Mühlbach gefunden. 26.000 Einwohner, kleiner aber lebhafter Ortskern. Wie bei kleinen Orten üblich, Außengastronomie gegen null. Dennoch hat eine insbesondere bei zahlreichen Schülern beliebt rumänische Systemgastronomie mit Fritten, panierten Hühnerbruststreifen, Tomaten und Gurken die entspannte Mittagspause gesichert.
Der restliche Weg nach Cluj Napoca oder auch Klausenburg war unspektakulär. Schöne weite Landschaft, gegen Ende der Etappe schmale Straßen mit weitem Blick in die Landschaft und auf die Ausläufer von Klausenburg. Und dann eine richtige Großstadt mit etwas unter 300.000 Einwohnern, die zweitgrößte in Rumänien. Aber dazu mehr im nächsten Post.Læs mere
6. Tag 2. Teil: Klausenburg
12. september 2025, Rumænien ⋅ 🌙 17 °C
Klausenburg oder heute Cluj-Navoca. Hört ihr das Seufzen. Eine Großstadt für die Großstädter. Eine Studentenstadt (m/w/d) für die Universitätsstädter. Straßenleben, Straßencafés, Plätze, Monumente und Gebäude wie aus dem historischen Fotoarchiv von Köln. Ihr merkt, wir haben uns wohlgefühlt. Auch das Altersumfeld entsprach unserem Lebensgefühl: um die 30. So haben wir uns im Che Guevara an der Piata Unitii, dem zentralen Platz von Klausenburg, festgesetzt. Che Guevara nicht unsere politische Überzeugung, aber der Havannastil hat schon etwas. Ausnahmsweise auch bei den dort käuflichen Tabakwaren. Mit Cäsarsalat (warum mit Tomaten?), frisch gezapftem rumänischem Bier der Marke Bucor, Apfeltarte und Vanilleeis war die Grundlage gelegt für? Natürlich: Negroni, oder besser noch im Plural. Nicht unweit gab es professionelle Straßenjazzmusik. Darum herum Straßenrestaurants der gehobenen Qualität. War das hier mal Ostblock? Städte ticken wohl anders als das Land.
Die Fotos vermitteln einmal wieder nur einen schwachen Eindruck von der Atmosphäre, die diese Stadt ausstrahlt. Die Wichtigen Eckpunkte sind ohnehin bei Wikipedia nachlesbar. Sicherlich ein subjektiver Eindruck: 10 von 10 Punkten.Læs mere
7. Tag: Klausenburg nach Oradea
13.–14. sep. 2025, Rumænien ⋅ ☀️ 26 °C
Von Cluj-Napoca/Klausenburg nach Oradea/Großwardein weiter im Westen in Richtung ungarischer Grenze führt eine Bundesstraße. Nur 152 km weit und mit den üblichen Beschränkungen wie zahlreiche LKW, dauernde Ortsdurchfahrten und kaum Überholmöglichkeiten schien uns diese Strecke unattraktiv. Die Routenoption „kurvig“ änderte alles. Jetzt waren 220 km gefordert durch mäandernden Verlauf des Weges. Einige Kilometer hinter Klausenburg ging es nach links ab von der Haupstrecke. Anstieg, Kurven, Wald, Flußlauf und schließlich eine Staumauer und in Blickweite eine weitere. Die Elektroleitungen ließen keinen Zweifel: Stromerzeugung durch Wasserkraft. Dies wiederholte sich später noch mehrfach. Die Stauanlagen machten den Eindruck, dass sie nicht erst in den letzten Jahrzehnten entstanden sind. Offensichtlich gab es schon früh eine vorausschauende Energiepolitik in Rumänien.
Der Anstieg führte durch locker besiedelte Grünflächen zu einem Wegeknotenpunkt auf einer Lichtung, die durch Verkaufsbuden zum Anhalten einlud. Die Bilder zeigen, wie sich solche Ansammlungen von Verkaufsständen immer wieder präsentierten. Zufällig kam auch ein Pferdegespann vorbei. Dies war keine folkloristische Einlage, sondern eine Variante der Transportgefährte, der wir an allen möglichen Orten begegnet sind. Häufiger als Einspänner.
Nach dem Abstieg folgten breite Täler, deren angrenzende Hügel unbewaldet waren. Sie erinnerten mich an die erst kürzlich besuchte Savanne mit ihren weitläufigen Grünflächen, besprenkelt mit locker verteiltem Buschwerk. Aber dann kamen auch wieder bewaldete Flächen in den Blick. Schließlich endete die Idylle für ein paar Kilometer auf der möglichst gemiedenen Bundesstraße um eine Anhöhe, die offensichtlich nicht anders zu umfahren war, mit all den LKW und PKW zu überwinden, die es eiliger als wir hatten.
Die Erlösung vom dahin rauschenden Tross kam zum Glück bald und führte uns zwar durch unspektakuläre, aber doch ruhigere Gegenden. In einem Ort haben wir das System der Ableitung des Flächenwassers fotografiert. Wie auch bei uns vor Jahren üblich führt entlang der Straßen links und rechts ein Graben vorbei. Um den Zutritt zu den angrenzenden Häusern zu ermöglichen, führen kleine Übergänge zum Grundstück. In einigen Orten ist man jetzt dabei die Gräben durch ein Kanalrohr zu ersetzen, damit ein ebener Zugang vom Grundstück zur Straße auf der gesamten Länge ermöglicht wird.
Neben einem erneuerten Bahndamm fiel uns ein völlig verfallenes Gebäude auf, das wir exemplarisch für manches andere Objekt fotografisch festgehalten haben. Zugegeben sind solche Beispiele je nach Gegend mehr oder weniger häufig zu sehen. Da in unmittelbarer Nähe zu solchen Objekten auch Neubauten oder gepflegte Häuser stehen, verwundert ein solches Bild.
Schließlich blieb bei uns auch die Frage nach dem in Rumänien geltenden Baurecht. Wir hatten den Eindruck, dass man bauen kann, wo man will: an den entlegensten Flecken oder hoch auf dem Berg, gerade so wie es dem Bauherrn gefällt. So kamen uns manche Flächen geradezu zersiedelt vor.
Schließlich kamen wir an in Oradea oder wie eines unserer Navigationssysteme es nannte, in Großwardein. Eine Stadt mit etwa 183.000 Einwohnern und einem ansprechenden Stadtkern und neben den Sehenswürdigkeiten einer Straßenbahn. Im Hotel trafen wir auf zwei Guides des Tourenveranstalters „Edelweiß“. Sie sind mit 10 Tourenfahrern aus der Dominikanischen Republik unterwegs, die das Programm „Eastern Europe“ gebucht haben. Ausgangs- und Endpunkt ist Wien und dazwischen liegen alle Länder Osteuropas, die in ein 13-Tagesprogramm zu packen sind. In den nächsten Tagen ist jetzt Rumänien dran. Erfahrene Fahrer, die sich alle kennen, auf Leih-BMW, begleitet von einem Transporter für Gepäck und Sonstiges, was auch schon mal ein abgeworfenes Motorrad sein kann. Was sagte einer der Guides über die Gruppe: Testeron pur. Heute Abend gingen alle ins Hotelrestaurant. Spezialität: Steaks. Na dann viel Spaß.
Wir machen die weitere Planung morgen früh.Læs mere
395 km nach Nitra/Neutra
14.–15. sep. 2025, Slovakiet ⋅ 🌧 19 °C
Richtig gelesen: Wir sind in Nitra oder zu deutsch: Neutra. Wo das liegt? In der Slowakei. Wieso jetzt Slowakei? Weil es auf dem Weg liegt. Wohin? Nach Köln.
Auch wenn wir Rumänien von Deutschland aus in drei Tagen erreicht haben, wollen wir die Rückfahrt auf fünf Tage verteilen. Dann können wir kleinere Etappen von gut 300 km täglich über die Landstraße fahren. Immer vorausgesetzt, dass in dieser Entfernung ein attraktives Ziel mit Übernachtungsmöglichkeiten liegt.
Damit wir nicht immer die gleichen Gegenden bereisen, haben wir uns in Deutschland das Richtungsziel Dresden vorgegeben. Dadurch führt die Strecke über Ungarn, die Slowakei und Tschechien nach Deutschland. Das Tageskilometerziel wäre von Oradea aus kurz hinter der Grenze der Slowakei erreicht gewesen. Dort gab es aber keine für uns erkennbare Unterkunft. Diese war erst gut 80 km weiter nach 395 km in Nitra zu finden. So kam es zum Etappenziel Nitra mit knapp 400 km.
Eine Hypothek war allerdings der Wetterbericht: Es sollte regnen. Wieviel? Unklar.
Schon bei der Abfahrt tröpfelte es leicht. An der etwa 30 km entfernten rumänisch-ungarischen Grenze war es schon Regen, der die in jahrelanger Arbeit von LKW in den Asphalt eingearbeiteten Spurrinnen vollständig füllte. Das steigerte sich. Wir fuhren letztendlich im Testlabor für Regenbekleidung. Mein zweites Navigationssystem neben dem GARMIN, mit einem iPhone als Herzstück meldete Wasser in der Ladebuchse. Als dann auch noch der Ladestecker am Motorrad undefinierbare Zeichen von sich gab, sah ich Gefahr für meine komplette Stromversorgung und habe mich auf mein treues GARMIN beschränkt. Der Rest wanderte in das wasserdichte Topcase. Und auch die Kleidung tat, was sie sollte: Sie hielt dicht.
Auf den knappen vierhundert Kilometern gab uns der Regen immer wieder mal Verschnaufpausen. Sogar der Himmel wurde heller. Aber spätestens in diesem Moment steuerte die Streckenführung die nächste dunkle Wolke an, um zu testen, ob bei uns noch alles dicht war.
Die ungarische Landschaft kam bis in die Nähe der slowakischen Grenze wie die niederländische daher. Einfach nur flach. Außerdem müssen die napoleonischen Straßenplaner ihre Hände mit im Spiel gehabt haben: Die aus Frankreich bekannten kilometerlangen wie mit dem Lineal gezogenen geraden Straßen ließen bei diesen Wetterbedingungen unser Herz höher schlagen. So räumten wir Kilometer um Kilometer unter uns hinweg.
Als wir schließlich einmal kurz anhielten trauten wir unseren Augen nicht. Wir waren erst eine Stunde unterwegs und hatten schon 160 km weggepflügt? Die Ernüchterung kam beim zweiten Hinsehen - und kurzen Nachdenken. Wir waren wieder in der Mitteleuropäischen Zeitzone, so dass sich die Uhr gegenüber der rumänischen Zeit um eine Stunde zurückgestellt hatte, wir waren also schon zwei Stunden und nicht erst eine Stunde unterwegs.
Beim Durchfahren von Ortschaften in Ungarn haben wir uns gefragt, ob man an deren Erscheinungsbild erkennen könnte, dass wir Rumänien verlassen hatten. Ja natürlich an den Ortsnamen, bei denen es nur so von ü und ö wimmelt. Aber an der Bebauung nicht. Das gilt ähnlich auch für die Slowakei, mit der Einschränkung, dass manches einfach ärmlicher aussieht.
Bezüglich der Fotos von der Strecke muss ich wie Heidi Klum beim Germanys next top-model-Wettbewerb (GNTM) antworten: Leider habe ich heute kein Foto für Euch. Das Wetter ließ nicht mehr als Fahren zu.
Dann kam Nitra. Der Himmel hatte sich aufgeklart, der Ortskern war gefunden, die Bedeutung der Stadt bei Wikipedia wurde nachgelesen und booking. com zeigte uns den Weg zum zentralen Stadthotel. Ein paar Fotos vom Stadtbummel lassen Euch an unseren Eindrücken teilhaben. Macht Euch ein eigenes Bild.
Und wohin geht es morgen? Mal sehen, wie die Wettprognose Einfluss nimmt.Læs mere
Dem blauen Himmel nachgereist
15.–16. sep. 2025, Østrig ⋅ ☀️ 24 °C
Nach dem gestrigen nassen Fahrtag war am heutigen Morgen die App mit dem Regenradar besonders gefragt. Schnell stellte sich heraus, dass unsere ursprüngliche Vorstellung Richtung Prag einen weiteren Regentag bescheren würde. Auch das weiter südlich gelegene Budweiser erfüllte unsere Wünsche nicht. Noch weiter südlich musste unsere Route verlaufen. Schließlich wurde Linz (an der Donau) der Zielort. Entfernung über Landstraßen circa 360 km. Aber das Wetter hielt sich an seine Prognose.
Zunächst ging es Richtung Bratislava, die Hauptstadt der Slowakei mit knapp 500.000 Einwohnern. Fast 100 km durch eine leicht modellierte Landschaft mit unterschiedlich genutzten landwirtschaftlichen Flächen und lang gezogenen Straßendörfern führten uns auf eine schon von weitem sichtbare modernen Anforderungen genügende Großstadt zu. Vereinzelte Hochhäuser betonten den Anspruch, den diese Stadt verkörperte: Eine europäische Großstadt zu sein. Eine breite Zufahrtstraße, die sich erst zum Stadtkern hin verjüngte und nicht durch Tempo 30 zur Kriechschnecke degradiert wurde, führte an einer gelungenen Mischung großartiger Altbauten und gelungenen architektonisch anspruchsvollen Neubauten vorbei. Und ehe wir uns versahen, führte uns eine Brücke über die breite Donau an einem Neubaugebiet vorbei in eine spärlicher bebaute Gegend und einen heftigen 2 km langen Stau: slowakisch- österreichische Grenze. Während wir an der Grenze keinen Slowaken sahen, hing aus einem blauen Baucontainer mit Fensteröffnung ein müder Arm eines österreichischen Grenzbeamten heraus, der durch eine leichte Winkbewegung bedeutete, man könne vorbeifahren.
Dann kam der Kulturschock. Straßen wie aus dem Paradies, Häuser, wie aus dem Katalog, Landschaftspflege erster Güte, Straußenwirtschaften. Wir waren im Burgenland. Erst hier wurde uns wieder deutlich, dass insbesondere auf dem Land unser Wohlstand ein ganz anderes Level erreicht hat, als in den erst in den letzten Jahrzehnten der EU beigetretenen Ländern. Dies, obwohl in diesen Ländern die EU-Förderung an allen Ecken plakatiert ist.
Die von uns gewählte Strecke führte uns in großem Bogen südlich an Wien vorbei, so dass wir zwar durch die größere Verkehrsdichte die nahe Hauptstadt verspürten, jedoch stets im ländlichen Bereich zügig voran kamen.
Und schließlich die Offenbarung: Über 60 km Donau-Uferstraße. Idyllisch gelegene Ortschaften und lang gezogene Straßenschleifen mit ständigem, unverstellten Blick auf die breit und langsam daherfließende Donau bei strahlendem Sonnenschein ließen die Kilometer nur so dahin purzeln. Dadurch, dass man das Fließen der Donau nicht wahrnimmt, scheint es so, als fahre man an einem unendlichen See vorbei.
Kurz vor Linz durchquert man ein gewaltiges Gelände industrieller Anlagen, die an Stahlproduktionsstandorte im Ruhrgebiet erinnern. Voest Alpine hat hier neben anderen ihren Sitz. Und dann sind wir da, am Hauptplatz, dem Zentrum von Linz, nach 360 km. Linz ist die drittgrößte Stadt Österreichs mit etwa 213.000 Einwohnern. Alles Weitere berichtet Wikipedia. Ein paar fotografische Eindrücke hinterlasse ich hier. Und die Frage: Warum sind die Straßenbahnwagen in Köln so riesig? Warum haben andere Städte - nicht nur Linz - offensichtlich keine Schwierigkeiten neue, moderne Straßenbahnzüge geliefert zu bekommen?
Mal sehen wo es morgen hingeht.Læs mere
Zurück in Deutschland
16.–17. sep. 2025, Tyskland ⋅ ⛅ 16 °C
Linzer Torte zum Frühstück? Unser Motel one Hotel in zentralster Lage am Hauptplatz 10 in Linz entpuppte sich auch beim Frühstück als Glücksgriff. Zu 99% stand zwar das übliche Angebot auf dem Tisch, aber aus dem sehr übersichtlichen kleinen Loungebereich unmittelbar neben der Rezeption war plötzlich ein lebhafter Frühstücksraum geworden, in dem es bis 8:00 Uhr kaum einen freien Platz gab. Und dies lag auch daran, dass dieser Bereich eine Seele hatte. Ein Mitfünfziger hatte alles unaufdringlich aber umsorgend im Blick und wieselte von Tisch zu Tisch. Sah, wer sich was nahm und bot sich trotz des Selfservices an, einen Kaffee zu bringen. Dann stand da im Buffet eine Linzer Torte, ein überwiegend teighaltiges Gebäck mit einer dicken Schicht roter marmeladenartiger Füllung in runder Tortenform. Kaum hatte ich den Blick verhalten in Richtung Torte gerichtet, war er auch schon da: „Das ist das Originalrezept. Muss man probieren.“ - Fürsorgliche Ernährungsberater hatten die Torte schon in besonders schmale Stücke geschnitten, um die Versuchung verzeihlicher zu machen. Und dann der Hammer. Eine süße Explosion, die mit nichts mehr zu rechtfertigen und nur mit bitterem Kaffee zu neutralisieren war. Aber in Linz, und auch nur da, darf man auch mal Linzer Torte probieren.
So für den Tag gedopt war nicht zuletzt auch mit Hilfe des Wetterberichts das Ziel festgelegt: Neumarkt in der Oberpfalz. Je nach Navigationsgerät etwa 270 km entfernt.
Die erste Etappe von ca. 80 km führte über weite Strecken mit stets wechselndem Bild an der Donau vorbei nach Passau. Mal auf gleicher Ebene mit der Donau, mal hoch über der Donau, mal mit Orten auf der gegenüberliegenden Seite, mal mit Ortsdurchfahrten auf der eigenen Seite. Alles grün, mal bewaldet, mal landwirtschaftlich genutzt. Und schwupps waren wir kontrolllos über die Grenze nach Deutschland eingefahren. Ein kleiner Schwenk über die Isar führte uns ins Zentrum zu einem Café in der von Touristen reichlich gefüllten Innenstadt. Wir sahen Kinder mit Schultüten, offensichtlich Schulbeginn in Bayern.
Nach der Stärkung war unser nächstes Ziel Regenburg, etwa 130 km entfernt. Bei überschaubarem LKW-Verkehr führte uns die B8 trotz einer größeren Umleitung zügig durch das aufgeräumte gut bestellte Land. Mir fiel auf, dass außerhalb größerer Ortschaften Gewerbeflächen fast ausnahmslos mit Gewerbebauten bestückt waren, die erst kürzlich errichtet worden waren. Wirtschaftsboomland Bayern? Zwar kaum Windräder, aber immer wieder großflächige Solarfelder. Vor Straubing zunächst eine im Bau befindliche unendlich erscheinende PKW-Parkplatzfläche und daneben riesige neu errichtete im Bau befindliche Hallenflächen. Was mag das sein, fragten wir uns. Das Internet gab uns Auskunft: Der größte und bekannteste große Gewerbebau an der B8 bei Straubing ist das BMW-Montagewerk in Straßkirchen/Irlbach. Dort entsteht ein umfangreicher Hallenkomplex für die Montage von Hochvoltbatterien für Elektroautos, der voraussichtlich 2026 in Betrieb gehen soll. Einfach eindrucksvoll diese Dimension.
Die Streckenführung hatte uns fast schon am Zentrum von Regensburg vorbei geführt, als wir doch noch die Kurve zu einer Pause bekammen und bei einem Eis und Cappuccino den Blick auf den Dom genießen konnten. Auch ein touristisch gut besuchter Ort.
Die letzten gut 70 km zeigten viel offenes Land mit sehr viel Wind. Jetzt tauchten auch erstmals Windräder in der Landschaft auf, aber eher in spärlichen Zweiergruppen als angesichts der Freiflächen zu erwartenden größeren Ansammlungen.
Neumarkt in der Oberpfalz ist eine Große Kreisstadt mit über 41.000 Einwohnern. Der Ortskern wird durch eine zentrale Straße, die Untere und Obere Marktstraße geprägt, die durchgehend mit Geschäften gesäumt ist. Die wenigen Hotels im Ort sind offensichtlich gut ausgelastet. Wir haben im „Wittmanns“, das als Metzgerei-Hotel firmiert, zwar kein Zimmer bekommen, dafür aber in innenarchitektonisch gelungenem Ambiente hervorragende Steaks.
So gesättigt träumen wir von der nächsten Etappe. Wohin? Das entscheiden wir beim Frühstück.Læs mere
Raps im September
17.–18. sep. 2025, Tyskland ⋅ ☁️ 19 °C
In den letzten Tagen sind wir mehrfach an Feldern vorbei gefahren, auf denen Pflanzen mit langen Stengeln und gelben Blüten wuchsen. Also Raps. Aber zu dieser Jahreszeit? Zweite Ernte eben hier im Süden, oder? Beim Frühstück überraschte mich Bernd mit der Erkenntnis, es handele sich nicht um Raps, sondern um Senf. In der Tat waren wir nicht die Einzigen, die bei dem Anblick solcher Felder ins Grübeln gekommen sind. Es gibt im Internet eine Seite, die Raps- und Senfpflanzen vergleicht, die Verwandtschaft und den Unterschied dieser Pflanzen erklärt. Sehr interessant zu wissen.
Da wir uns unserem Endziel nun schon erheblich angenähert haben, wird die Auswahl unseres Zwischenziels jetzt immer enger. Es wurde schließlich Seligenstadt im Landkreis Offenbach. Mit rund 21.000 Einwohnern nicht gerade groß, aber mit Hotelverfügbarkeit. Die Streckenführung ohne Autobahn zeigte als Berührungspunkte Ansbach nach gut 70 km, nach etwa 130 km Ochsenfurt, Würzburg etwa 20 km hinter Ochsenfurt bei 150 km, Aschaffenburg nach 220 km und schließlich den Zielort Seligenstadt in 250 km Entfernung.
Die Navigationseinstellung auf dieser Heimreise ist „schnell“ bzw. „kürzere Zeit“ und „Autobahn vermeiden“. Ich bin positiv überrascht, welche schöne Strecken dabei zusammenkommen, die durch wunderschöne, abseits gelegene Landschaften, häufig weitgehend autofrei führen. Nur in und um Ballungsgebieten wird es wegen erhöhter Verkehrsdichte, in der Kreisverkehre und Ampeln die Steuerung übernehmen, zäher. Aber die Straßen dazwischen ein Traum und makellos in der Oberfläche.
Ochsenfurt ist unsere einzige Pausenstation auf dieser Fahrt. Eine mit Stadtmauer bewehrte Kleinstadt mit gerade einmal 11.000 Einwohnern und historischer Altstadt erhöht über dem Main gelegen. Das „Flockenwerk“, in das wir einkehren, ist ein modern hergerichtetes historisches Gebäude mit Gastronomie und großer Terrasse zum Main hin gelegen. Zum Cappuccino Salatbuffet? Wir belassen es beim Cappuccino, da Kuchen erst ab 14:00 Uhr erhältlich ist. Wahrscheinlich frisch gebacken. Wir sind einfach zu früh.
Die andere Hälfte der Strecke ist ebenso locker gefahren bis wir auf einmal stutzig werden. Wo wollten wir hin? Nach Seligenstadt? Wir waren schon an Aschaffenburg vorbei und noch immer kein Schild, das auf Seligenstadt hinwies? Das Navi zeigte nur noch „7 km vom Ziel“ entfernt und führte uns durch ein häßliches Industrie- und Gewerbegebiet, wie wir es seit Rumänien hinter Arad nicht mehr gesehen hatten. Hatten wir bei dem Hin und Her der Zielauswahl den falschen Ort eingegeben?Dann drei Kilometer vor dem erwarteten Zielort ein Schiffssymbol und das Wort „Seligenstadt“. Erlösung, Aufklärung: Wir wurden zu einer Fähre geführt, die uns über den Main direkt ins Zentrum von Seligenstadt brachte. Das Hotel war keine 250 m vom Landungssteeg entfernt. Der Rest war ein gemütlicher Ausklang des Tages auf der Terrasse im historischen Ambiente und Glockenklang der benachbarten Klosterkirche. Lest mal bei Wikipedia. Es lohnt sich.
Für morgen liegt das Ziel fest: nach Hause. Nur etwas mehr als 200 km.Læs mere
Oh Du schöner Westerwald
18. september 2025, Tyskland ⋅ ☀️ 24 °C
Wir sind schon vertrauenswürdig! Seht euch das Bild von Bernd an. Anlass für eine ältere, etwa gleichaltrige Dame zu fragen, ob wir bei einer Pause in Usingen sitzend, mal auf ihren Rollator aufpassen könnten. Sie müsse mal kurz ins Café. Wie sich herausstellte, hatte sie in dem Rollator sogar ihr Portmonee (das schreibt man heute wohl so) zurückgelassen, das sie aber brauchte, um einen Ramazzotti zu bezahlen. Ihr sei so schummrig gewesen und der helfe. Und so kamen wir ins Gespräch, bei dem sie unter anderem auf einen Aufkleber an ihrem Rollator hinwies. Es war das Wappen von Eintracht Frankfurt. Obwohl wir noch eindeutig in Hessen waren, kam uns die spontane Plauderei wie im Rheinland vor. Das beschwingte uns, die nächsten 120 km in einem Streifen durch zu fahren. Dabei stellten wir fest, wie viel man doch vom Land sieht, wenn man einmal nicht Autobahn fährt. Oh du schöner Westerwald. Kurz vor Rösrath noch ein kleiner Zwischenstopp bei der Gärtnerei Ramme. Heinrich Ramme kennt man aus dem Fernsehen als Helfer bei Garten –, Vorgarten –, Balkon – und jeglicher sonstiger gärtnerischen Gestaltung. Trotz nachmittäglicher Stunde gab es noch Kartoffelsalat mit Frikadelle oder Schnitzel. Kochen kann Herr Ramme also auch. Und ich lernte, dass man dort auch gut frühstücken könne, man müsse reservieren.
Kurz hinter der Gärtnerei trennten sich die Wege von Bernd und mir, er nach Forsbach, ich nach Efferen. Ich glaube, er hatte den nicht nur kürzeren, sondern auch leichteren Part. Riesiger Stau kurz nach dem Heumarer Dreieck leitete mich auf der Autobahn in Richtung Deutz und dann über die Severinsbrücke und Luxemburger Straße, dort ganz entspannt mit Tempo 30. Um 16:25 Uhr zu Hause angekommen.
In der Gärtnerei Ramme haben Bernd und ich ein Resümee zu unserer Rumänienreise gezogen. In Stichwörtern: Tolles Land, große Unterschiede zwischen Land und Stadt, die Menschen sind freundlich, sie strahlen aber keine Freude aus. Ein Land zum entdecken, was Grund genug ist, es zu bereisen. Ein Land, um dort Entspannungsurlaub zu machen? Eher nicht. Ein Land, das einzigartige Motorradrouten aufweist? Eher naja. Da machen die Dolomiten und die französischen Alpen oder das Zentralmassiv doch heftig Konkurrenz. War es die Reise wert? Unbedingt! Dabei ist nicht zu vernachlässigen, dass auch die Länder, die bei An– und Abreise zu durchqueren sind, viel Sehenswertes bei der Durchfahrt zu bieten haben. Jetzt wieder zu Hause bei strahlendem Sonnenschein und warmen Temperaturen.
Das war’s, tschüss bis zum nächsten Mal.Læs mere
























































































































































































































































Rejsende
Boar 💪👍