Tag 9 Tosantos-Cardenuela Riopico 31 km
April 18, 2025 in Spain ⋅ 🌧 12 °C
Tja, was soll ich sagen, beim Pilgern lernt man auch Charaktere kennen. Auch Charaktere, über deren Niveau noch zwei Kellerwohnungen frei sind. Wir waren über Nacht nur zu dritt. Ein Ehepaar aus den USA und ich. Der Hospitalero hat wirklich gewirbelt und ein tolles Essen hingezaubert. Zwei andere kirchliche Mitarbeiter waren auch noch da. Es war ein wirklich toller Abend und heute morgen geht das Ehepaar ganz schnell ohne Kaffee, der bereit steht, ohne Frühstück und in die Donativo-Box haben sie auch nichts getan, aber gestern gegessen und geschlafen. Ich geh frühstücken. Der Hospitalero kommt zu mir und setzt sich an den Tisch. Man kann seine Enttäuschung über so ein Verhalten spüren. Diese Donativos sind ehrenamtlich betrieben, die leben vom Enthusiasmus der Mitarbeiter. Er erzählt mir, daß den Tag zuvor zwanzig Pilgrims da waren. Gestern eben nur wir drei. Er geht raus eine Zigarette rauchen. Ich packe meine Sachen, stecke zwanzig Euro in die Box und gehe. Er sitzt auf einer Bank vor der Tür. Er steht auf, nimmt mich in den Arm, drückt mich und wünscht mir ein "Buen Camino". Ja, und dann bin ich wieder auf dem Weg. Es geht nochmal ein Blick zurück. Über Tosantos befindet sich eine Höhle im Felsen. Sie ist gestaltet worden wie ein Kircheneingang. Da noch hoch hat mir gestern der Mumm gefehlt. Irgendwann verlassen mich ja auch mal meine Kräfte. Es geht heute über Espinosa del Camino, San Juan de Ortega, Ages und Atapuerca nach Cardenuela Riopico. Ab Atapuerca sind es nur noch fünfeinhalb Kilometer. In Ages sehe ich dieses Ehepaar sitzen bei einer Pause. Später überholen sie mich nochmal, wollen in Atapuerca bleiben. Ich will zwei Orte weiter. Leider war mir nicht bewusst, daß es da noch Mal hoch über einen Berg geht. Sogar mit Gipfelkreuz. Und als ich oben bin seh ich das Elend, das da gleich auf mich zukommt. Gewitter, Blitz und Donner, Sturm und Hagel. Regenponcho hab ich an, gegen Hagel und Sturm ist die Imprägnierung aber auch machtlos. Dreieinhalb Kilometer und ich stehe endlich vollkommen durchnässt vor einer Albuerge, Albuerge Santa Fe. Ich bekomme ein Bett für zwölf Euro. Es werden meine Daten aufgenommen und dann bloß raus aus den nassen Klamotten. Mit trockenen geht es gleich viel besser. Zeitung zum Schuhe ausstopfen liegt für solche Fälle auch schon im Schuhregal. Schlimmstenfalls geht es morgen in Turnschuhen los und die anderen müssen am Rucksack trocknen. Jetzt ist es zehn nach halb sieben. Der Regen hat endlich aufgehört. Ich bin glücklich und zufrieden mit dem Tag heute.Read more



















