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Mein erster Camino

Camino Francés Read more
  • Trip start
    April 9, 2025
  • Saint-Jean-Pied-de-Port

    April 9, 2025 in France ⋅ ☀️ 23 °C

    Endlich da! Am Bahnhof wird man von einer Pilgerstatue begrüßt. Der Ort ist nicht groß, drei Straßen weiter bin ich in der Rue de la Citadelle, wo sich mein Hostel befindet. Ich sehe eine verdammt lange Schlange und da fällt mir ein, man stattet ja als erstes dem Pilgerbüro einen Besuch ab. Ich bekomme meinen ersten Stempel und Informationsmaterial für den Weg. Dann geht's zum Hostel. Es ist sehr schön. Das war doch mal ein Glücksgriff beim Buchen. Die ganze Straße, eher Gasse, strahlt mit mittelalterlichem Charme ihre Nähe zu den Pilgern aus. Socken hängen auch schon gewaschen auf der Leine und heute Abend gibt es ein typisches Pilgermenü. Der Ehemann der Chefin kocht. Vor dem Essen gibt es eine Vorstellungsrunde. Ich bin die Einzige aus Deutschland, vertreten ist sonst Taiwan, Korea, Kolumbien, USA, Japan, Niederlande, England und Frankreich. Für alle ist es der erste Camino.Read more

  • Tag 1 - erstes Drittel

    April 10, 2025 in Spain ⋅ ☁️ 16 °C

    Wenig geschlafen. Um kurz nach sechs stehen wir auf und packen alles zusammen. Mein Blick fällt nochmal auf den Schriftzug über meinem Bett: "Infinite trust". Ja, das werde ich heute brauchen: "unendliches Vertrauen" in mich und den Weg. Um sieben ist Frühstück, dann hält die Chefin noch eine kurze Andacht mit uns, anschließend gibt's einen Stempel in den Pass und ich stehe draußen und gehe die Straße hinunter durch das Tor de Espana und mache meine ersten Schritte auf dem Camino. Ich achte drauf schön langsam zu gehen, mir meine Kräfte einzuteilen für die 24 km und 1.300 m Höhe, die gleichzeitig überwunden werden muß. Demzufolge überholen mich ganze Heerscharen. Macht nichts, ab km fünf überhole ich die ersten wieder, weil die sinnlos auf den ersten Metern ausgepowert haben. Ab km fünf fängt meine rechte Hüfte an zu schmerzen. Ab km sechs hab ich das Gefühl, meine Füße sind leichter geworden und der Schmerz ist auch weg. Das kenn ich schon von anderen Langstrecken, entweder der Körper merkt nach den ersten Kilometern was er zu tun hat, oder er will an diesem Tag gar nicht mehr. Er will. Es geht über brutal lange steile Abschnitte mit Steigungen von 25 %. Ich bleib nur ab und zu mal kurz stehen, um einen schönen Blick über die Berge einzufangen. Die Auberge Orrisson ist für mich wie eine Wegmarkierung aus der ich Kraft schöpfe, die Strecke zu schaffen. Rund ein Drittel liegt jetzt hinter mir.Read more

  • Tag 1 - zweites Drittel

    April 10, 2025 in Spain ⋅ ☁️ 16 °C

    Nach Orrisson wird es nicht einfacher. Immer schön einen Fuß vor den anderen und ich erkämpfe mir Meter um Meter. Und dann kommt doch tatsächlich ein Foodtrack in Sichtweite. Es geht mir inzwischen gar nicht gut. Mein Magen rumort und meine rechte Wade ist der Meinung in Krämpfe verfallen zu müssen. Mein Wasser ist auch alle. Der Track ist mein Rettung. Ich kaufe eine Cola und ein Wasser. Beides wandert zusammen mit einer Banane in meinen Magen.Ich brauche eine dreiviertel Stunde bis ich mich wieder fit fühle um halbwegs an's Ziel zu kommen. Ich gehe weiter, bis der Rolandbrunnen in Sicht kommt. Das Wasser schmeckt phantastisch und ich fülle meine inzwischen wieder leeren Wasserflaschen auf.Read more

  • Tagesziel Roncesvalles erreicht

    April 10, 2025 in Spain ⋅ ☁️ 16 °C

    Nach dem Rolandbrunnen folgt unmittelbar die Staatsgrenze. Man merkt nicht einmal, daß man eine Staatsgrenze überschritten hat. Noch acht Kilometer bis zum Ziel.
    Was es vorher bergauf ging, geht es jetzt mit ebensolchen Steigungen bergab. Meine Füße rutschen nur noch gegen die Schuhspitzen. Und das kilometerlang. Über eine Schotter- und Lehmmischung auf dem Boden. Zum Glück hatten wir heute nur strahlendem Sonnenschein. Bei Regen ist der Abstieg nach Roncesvalles ohne Stöcke eine Tortur.
    Endlich angekommen fülle ich meine Anmeldung aus, und bekomme ein Bett in einem großen Schlafsaal zugewiesen. Noch die Straßenschuhe aus und ab.
    Ich bin der erste Pilger in diesem Saal und freu mich, daß ich eine Ecke für mich allein hab. Als erstes ruft mein Körper nach der Dusche.
    Anschließend gebe ich noch meine total nassgeschwitzten Sachen für drei Euro zum Waschen, mache noch ein paar Photos und ab ins Bett. Eigentlich müsste ich heute schlafen wie ein Murmeltier.
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  • Tag 2 Roncesvalles - Larrasoana 27 km

    Apr 11–16, 2025 in Spain ⋅ ☁️ 17 °C

    Zum Morgen ertönen gregorianische Gesänge. Genau meine Wellenlänge. Tja, mit Schlafen wie ein Murmeltier war es nix. Fühle mich aber trotzdem fit und bereit für die nächste Etappe. Der Standard wäre Roncesvalles - Zubiri, ich werde sehen, wie weit mich meine Füße heute tragen. Die Strecke hat zwar noch ein paar Aufs und Abs, aber gegen gestern Kinderkram. Der Weg führt durch eine landschaftlich schöne Gegend. Es fehlt leider noch das Grün an den Bäumen. Als ich an einer Pferdekoppel vorbeikomme gucke ich nicht schlecht, hier tragen doch tatsächlich die Pferde Kuhglocken. Gestern auf dem Pass hat jemand seine Herde zusammen getrieben und es bimmelte und bimmelte wie beim Almabtrieb. Ich hab immer die Kühe gesucht und nur Pferde gesehen. Der Weg ist nicht zu verfehlen, immer wieder finden sich große und kleine Camino-Wegweiser. Kurz vor dem Abstieg nach Zubiri muss noch eine "Brücke" überquert werden, die keine ist. Man muß von Stein zu Stein. Der Abstieg nach Zubiri ist sehr lang und fordert nochmal. Es geht wieder nur abwärts über ausgewaschenes Felssteinbett. Ich erreiche 13 Uhr Zubiri, hole mir etwas zu essen, mache zwanzig Minuten Pause und beschließe weiterzugehen. Noch 5,5 km bis Larrasoana, das schaff ich doch. Zwanzig Minuten vor dem Ziel ziehen bedrohliche Wolken auf. Ich hab jedoch schon eine Herberge gefunden als der Regen einsetzt. Nach dem Regen geh ich noch Mal durch den Ort. Beschaulich und klein. Hat sogar einen Tante-Emma-Laden. Ich freu mich schon auf morgen, da geht's nach Pamplona.Read more

  • Tag 3 Larrasoana - Zariquiegui - 27 km

    April 12, 2025 in Spain ⋅ 🌩️ 19 °C

    Das Zimmer hat sich gestern noch gut gefüllt. Zum Glück alles Frühaufsteher. Um sieben steh ich auf der Straße, geh ein paar Schritte um die nächste Ecke und beschließe, noch einmal zurück zu gehen, da die Gurtlänge meines Backpacks nicht stimmt. Gleichzeitig ruft mir jemand hinterher. Als ich wieder in der Unterkunft stehe muß ich feststellen, daß ich den Beutel mit Bargeld für die ersten Tage vergessen hab einzupacken. Ich bin happy. Wenn das Tragesystem nicht gestimmt hätte, dann wäre ich weiter gelaufen. Nun kann es losgehen. Auf dem Weg nach Pamplona kann man sich in einer kleinen Kapelle in Trinidad de Arre selbst einen Stempel in den Pilgerpass setzen. Jeder Stempel ist einzigartig und ich kann mich dieser Sammelwut nicht ganz entziehen. Ich geh weiter und dann geht es durch ein Tor in die Altstadt von Pamplona. Durch diese engen Straßen geht also dir Stierhatz jedes Jahr. Muß ja wirklich toll sein. Ich suche das Café Iruna am Schloßplatz, Ernest Hemingways Lieblingscafé während seiner Zeit in Pamplona. Hier soll es ein Zimmer geben, das nur ihm gewidmet ist. Steh zwar im Café, kann aber nichts entdecken. Enttäuscht mich etwas. Dann geh ich eben zur Kathedrale. Für Pellegrinos ermäßigter Eintritt. Ich zahle die drei Euro und darf mir den Prachtbau von innen ansehen. Dann will ich weiter. Die engen vollen Straßen hier sind nicht meins. Auf dem Weg aus der Stadt treffe ich auf Jold aus Ungarn. Wir gehen ein Stück zusammen, ich hab aber nicht sein Tempo. Nach vier erreiche ich endlich die Unterkunft und wir sehen uns wieder. Dann spricht mich noch jemand an, daß ich ja ganz gut zu Fuß wäre. Es ist Sebastian aus Kolumbien. Wir kennen uns vom ersten Tag in Saint-Jean-Pied-de-Port. Ich verschwinde als erstes unter der Dusche, dann wie üblich Sachen waschen. Am Abend unterhalten wir uns noch eine Stunde und dann reicht es mir für heute. Die Herberge ist schöner als die gestern. Ach ja, und die Welt ist klein. Im Doppelstockbett neben mir ist Philipp aus der Nähe von Blankenburg, nicht weit von Templin, untergebracht. Ist doch bei mir zu Hause um die Ecke.Read more

  • Tag 4 Zariquiegui - Estella 32 km

    April 13, 2025 in Spain ⋅ ☁️ 15 °C

    Der Start in den Morgen lief heute fast so gut wie gestern. Ich bekomme von Philipp mein Microfaser-Reisehandtuch hinterhergetragen und Jold sein Shirt. Ich bedanke mich und dann kann es losgehen. Der erste Teil des Weges führt auf den Palo Alto. Dort steht ein Pilgerdenkmal. Das ist der größte Anstieg für heute und ich bin froh, gestern nochmal ein paar Kilometer weiter gegangen zu sein. Oben steh ich voll in den Wolken. Nach 35 Minuten Anstieg bin ich von innen und außen nass. Bin froh, daß dies heute gleich der erste Teil des Tages war. Dann geht es weiter über Obanos und Puente la Reina nach Estella. Unterwegs trifft man immer wieder auf Trinkwasserbrunnen. Wasser braucht man hier eigentlich nicht zu kaufen.
    Der Weg ist unspektakulär, zum Teil auch mal neben der Autobahn.
    Heute übernachte ich im Hospital de Peregrinos de Estella für acht Euro. Viele Leute, 78 wenn voll belegt.
    Dann hab ich jetzt schon 110 km geschafft. Na bitte, fehlt doch bloß noch ein kleiner Rest.
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  • Tag 5 Estella - Sansol 29 km

    April 14, 2025 in Spain ⋅ ☁️ 16 °C

    Aufstehen, alles zusammen packen. Wäsche von gestern noch von der Leine nehmen. Jetzt mache ich schon den dritten Tag in Folge das Backpack zur Wäscheleine den Tag über. Die letzten beiden Tage klappte das ganz gut. Noch Mal umdrehen, nichts vergessen? Na dann los, 7:10Uhr. Naja, nix stimmt nicht. Hab meine Wasserflaschen nicht aufgefüllt. Die nächste Tankstelle ist meine und ich hab wieder Wasser. Läden sind um diese Zeit noch zu. In Spanien geht es relaxter zu als in Deutschland. Vor 9:30 oder 10:00 dreht sich hier kein Rad was Ladenöffnung betrifft. Der Weg führt mich heute über Azqueta und Los Arcos nach Sansol. Bevor es aus Estella raus geht fange ich nochmal einen Blick auf eine große Bodega und Weinplantagen davor ein. Heute kommen mal am Anfang des Weges ein paar Highlights.
    Vor dieser Bodega kann man sich einen Stempel abholen und einem Schmied bei der Arbeit zusehen, der Schmuckstücke a la Camino schmiedet. Ich hol mir den Stempel und ein kleines Stück weiter ist der Eingang zu dieser Bodega. Es herrscht allgemeine Belustigung unter den Pilgern. Dann seh ich warum. Ein Brunnen mit zwei Hähnen. Aus einem kommt Trinkwasser, aus dem anderen Wein. Ich fülle mein Wasser nach und gehe. Eine Taiwanerin füllt sich doch tatsächlich in ihre Trinkflasche 500 ml Vino.
    In Villamayor de Monjadin gibt es eine Pilgerstatue auf einer Bank. Ein Spanier der grad aus der Tür kommt bietet mir spontan an, ein Photo von mir und dem Pilger zu machen. Dann geht es weiter. Vier Kilometer vor Los Arcos kommt zum ersten Mal der eigentlich ausgepackte und in der letzten Sekunde aus Angst wieder eingepackte Regenponcho zum Einsatz. Jetzt bin ich doch froh, die 700 gr extra mitgeschleppt zu haben.
    In Los Arcos hole ich mir in einem kleinen Laden etwas Wegzehrung: Einen Apfel, eine Banane und ein mit Schokoglasur überzogenes Schweineohr. Als ich aus dem Laden komme entdecke ich Sebastian unter einem großen Zelt einen Kaffee trinkend.
    Wir winken uns lachend zu und ich dreh mich um, beiße in den Apfel und starte die letzten sieben Kilometer für heute Richtung Sansol. Hier gibt es auch eine Farmacia, leider hat sie mir um zwanzig Minuten die Tür vor der Nase zugemacht. Dann geht es morgen bei mir relaxter in den Tag. Die Apotheke öffnet erst neun Uhr und nach 139 km hab ich die ersten Wunden zu lecken. Die Unterkunft ist wieder sehr schön und der Hospitalero passt auch.
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  • Tag 6 Sansol - Navarrete 33,5 km

    April 15, 2025 in Spain ⋅ 🌧 10 °C

    Ich bin wohl vor allen eingeschlafen. War noch richtig Stimmung unten. Wenn ich schlafe, dann schlafe ich. Zwar wieder nur vier Stunden, aber ich fühl mich gut am morgen. Einhundert Prozent besser als gestern. Beim Aufstehen merke ich, daß ich die Farmacia um die Ecke wohl nicht mehr brauche. Ich fühle keinen Schmerz, keine Wunden. Hat der Camino geheilt. Ich hatte eh Bedenken ob der spanischen relaxten Mentalität. Nachher warte ich bis neun Uhr und sie ist trotzdem zu in diesem einhundert-Seelen-Dorf. Also, um sieben runter. Ich hole mir einen Kaffee und zwei Äpfel für unterwegs. Dann Backpack auf, dem Hospitalero noch einmal "Gracias" gesagt und ich gehe. Als ich auf der Straße stehe ist plötzlich jemand hinter mir. Es ist der Hospitalero, er nimmt mich in den Arm und er drückt mich und einen Kuß krieg ich auch noch auf die Backe. Ich geb ihm auch einen und dann bekomme ich mit allen guten Wünschen noch einen Apfel in die Hand gedrückt. Ich freue mich, meine erste Wegzehrung. Es geht heute über Torres del Rio, Viana und Logrono nach Navarrete. Ein Mitpilger macht ein Photo von mir. Im Hintergrund Torres del Rio. Ich geh wie immer langsam mit konstanten vier Kilometern in der Stunde. Anders würde ich auch nicht dreißig und mehr schaffen. Plötzlich überholt mich Sebastian. Ich frage ihn, ob er Jold noch Mal gesehen hat. Nein. Dann ist er seit zwei Tagen eben verschollen. Der Weg ist atemberaubend schön. Ich bleibe ab und zu mal stehen und lasse meinen Blick über die Landschaft gleiten. Immer wieder gibt es große Weinplantagen mit angrenzenden kleinen Olivenhainen. In Viana liegt eine Farmacia am Weg und ich hole nochmal eine Packung Compeed Blasenpflaster. Mein linker Fuß hat die Bandage und kann keine Blasen kriegen, dafür ist mein rechter Fuß etwas mehr geschunden worden. Auch Viana hat die typischen engen Gassen. An einer alten, zur Hälfte verfallenen Kirche vorbei geht es Richtung Logrono. Kurz vor Logrono zeigt ein Schild, daß ich jetzt die Region Navarra verlasse und die Region La Rioja betrete. Ob ab jetzt aus allen Brunnen Wein statt Wasser fließt? Über eine Brücke hinweg mache ich ein Photo von Logrono, das einen Teil der Stadt mit zwei Kirchtürmen zeigt. Logrono ist die Hauptstadt der Region La Rioja und da ich große Städte und deren Trubel so sehr liebe hatte ich bereits gestern beschlossen, zwölfeinhalb Kilometer weiter zu gehen nach Navarrete. Das sind nach einundzwanzig Kilometern jetzt noch einmal zwölfeinhalb. Ohne Übernachtungsmöglichkeit. Ich halte durch. Auch heute kommt auf den letzten Kilometern der Regenponcho zum Einsatz. Auf der letzten Anhöhe vor Navarrete noch Mal ein Blick zurück auf Logrono und dann gibt es von einer Brücke aus den ersten Blick auf mein Tagesziel. Ich übernachte für zehn Euro in einem Municipal. Zwei Minuten nach Ankunft gibt es ein richtiges Gewitter. Duschen, etwas essen und wie immer, einen Plan für morgen machen. Fazit am Ende von Tag sechs: "Is it right?", "Yes! It's the best thing what I ever had could do!". Der Camino hat mich in seinen Bann gezogen.Read more

  • Tag 7 Navarrete - Santo Domingo 38km

    April 16, 2025 in Spain ⋅ 🌬 11 °C

    Heute geht es von Navarrete über Najera und Azofra nach Santo Domingo de la Calzada. Zehn vor sieben steh ich vor der Tür. Es ist mit vier Grad ganz schön kalt. Aber dafür gibt es unterwegs wunderschöne Bilder von weißen Bergen. Den ganzen Tag über pustet ein kalter Wind mit 60 bis 80 km/h. Das ist nicht mehr schön, aber außer an meinen Ohren friere ich nicht. Fünfzehn Kilometer vor dem Ziel treffe ich auf Jushil aus Korea, dann gesellt sich noch Nils aus Deutschland dazu und zu dritt sind die letzten Kilometer nach Santo Domingo zu bewältigen. Von einer Anhöhe haben wir dann einen ersten Blick auf die Stadt, aber die letzten drei Kilometer ziehen sich wie sechs, besonders bei diesem Tagespensum. Ich nehme die erste Herberge für Pellegrinos am Weg. Für dreizehn Euro die Nacht plus fünf für Frühstück. Die anderen beiden gehen weiter. Ein uriger alter Bau. Ich muß mich also auf eine kalte Nacht einstellen. Das einzig beheizbare Zimmer scheint der Aufenthaltsraum zu sein. Dort ist ein schöner großer Kamin. Also alles anziehen was da ist, Leggings, Hosen, Sweatshirt... und dann sollte es gehen. Ich gehe noch einmal in die Stadt. Ich sehe, daß der Turm der Kathedrale begehbar sein muss. Also gehe ich auch rein. Für Pellegrinos ermäßigt fünf Euro. Dann darf man auf den Turm und in die Kathedrale. Erst der Turm, und ich fühle mich sofort für die Strapazen der 38 km entschädigt. Man hat einen schönen Blick über die Dächer von Santo Domingo. In einer Etage sind nur alte Uhrwerksmechanismen ausgestellt und dann bekommt man auch einen Blick auf den Mechanismus des aktuellen Uhrwerks. Ein paar Photos von oben und dann geht's in die Kathedrale. Dann in die Unterkunft und für morgen habe ich noch gar keinen Plan. Vielleicht ein paar Kilometer weniger?Read more

  • Tag 8 Santo Domingo - Tosantos 27 km

    April 17, 2025 in Spain ⋅ ⛅ 14 °C

    Wie erwartet, mit allen Sachen rein in den Schlafsack und es hat gerade so gereicht, schlafen zu können und nicht vor Kälte aufzuwachen. Dafür gibt es für die fünf Euro das beste Frühstück das ich in den letzten acht Tagen hatte. Zwei auf den Punkt gebratene Spiegeleier, ein Glas Kaffee, ein Glas Orangensaft, Toast und heißen Tee soviel man will. Nach drei Gläsern heißem Tee fühle ich mich durchgewärmt. Draußen sind ein Grad über Null. Ich packe auch langsam meine Sachen zusammen. Gestern haben mir die Ohren gefroren. Ich stecke zwei Bandanas ineinander und ziehe sie über den Kopf. Jetzt sehe ich aus wie Babuschka. Um acht Uhr fünfundzwanzig stehe ich auf der Straße. Heute geht es über Granon, Casteldelgado und Belorado nach Tosantos. Hier ist wieder jeder Schritt wie Sightseeing. Wunderschöne Landschaft. In Tosantos versuche ich es bei der ersten Herberge. Es ist ein Donativo, das heißt eine kirchliche Herberge auf Spendenbasis. Hier gilt es Regeln einzuhalten. Es muß mit dem Hospitalero zusammen das Essen vorbereitet werden. Selbiges gilt für das Frühstück morgen. Der Bau selbst ist fast wie der gestern, nur daß die Wände nicht ganz so dick sind. Hier gibt es keine Betten sondern nur spartanisch einfach Matratzen am Boden. Der einzig beheizbare Raum ist wieder der Aufenthalts- und Speiseraum. Jetzt hab ich ja schon Übung mit einer kalten Nacht. Ich gehe noch Mal raus. Tosantos ist ein sehr kleiner Ort. Gegenüber der Herberge ist gleich die Kirche. Da Grad eine Andacht gehalten wird will ich nicht stören. Gehe eine kleine Runde durch's Dorf und dann zur Herberge. Ab 19:30 Uhr schnippeln wir Paprika, Zwiebeln und Knoblauch. Um 20:30 Uhr gibt es Abendessen. Drei Gänge, wie üblich. Leider ist der erste schon so groß, daß der zweite nicht mehr ganz reinpasst. Nach dem Essen Nachtgebet in einem Andachtsraum unter dem Dach. Noch Geschirr abwaschen und ab in's Bett. Es gibt hier kein WiFi, ich kann also Bilder des Tages erst morgen hochladen. Bis jetzt zweihundertfuenfunddreissig Kilometer.Read more

  • Tag 9 Tosantos-Cardenuela Riopico 31 km

    April 18, 2025 in Spain ⋅ 🌧 12 °C

    Tja, was soll ich sagen, beim Pilgern lernt man auch Charaktere kennen. Auch Charaktere, über deren Niveau noch zwei Kellerwohnungen frei sind. Wir waren über Nacht nur zu dritt. Ein Ehepaar aus den USA und ich. Der Hospitalero hat wirklich gewirbelt und ein tolles Essen hingezaubert. Zwei andere kirchliche Mitarbeiter waren auch noch da. Es war ein wirklich toller Abend und heute morgen geht das Ehepaar ganz schnell ohne Kaffee, der bereit steht, ohne Frühstück und in die Donativo-Box haben sie auch nichts getan, aber gestern gegessen und geschlafen. Ich geh frühstücken. Der Hospitalero kommt zu mir und setzt sich an den Tisch. Man kann seine Enttäuschung über so ein Verhalten spüren. Diese Donativos sind ehrenamtlich betrieben, die leben vom Enthusiasmus der Mitarbeiter. Er erzählt mir, daß den Tag zuvor zwanzig Pilgrims da waren. Gestern eben nur wir drei. Er geht raus eine Zigarette rauchen. Ich packe meine Sachen, stecke zwanzig Euro in die Box und gehe. Er sitzt auf einer Bank vor der Tür. Er steht auf, nimmt mich in den Arm, drückt mich und wünscht mir ein "Buen Camino". Ja, und dann bin ich wieder auf dem Weg. Es geht nochmal ein Blick zurück. Über Tosantos befindet sich eine Höhle im Felsen. Sie ist gestaltet worden wie ein Kircheneingang. Da noch hoch hat mir gestern der Mumm gefehlt. Irgendwann verlassen mich ja auch mal meine Kräfte. Es geht heute über Espinosa del Camino, San Juan de Ortega, Ages und Atapuerca nach Cardenuela Riopico. Ab Atapuerca sind es nur noch fünfeinhalb Kilometer. In Ages sehe ich dieses Ehepaar sitzen bei einer Pause. Später überholen sie mich nochmal, wollen in Atapuerca bleiben. Ich will zwei Orte weiter. Leider war mir nicht bewusst, daß es da noch Mal hoch über einen Berg geht. Sogar mit Gipfelkreuz. Und als ich oben bin seh ich das Elend, das da gleich auf mich zukommt. Gewitter, Blitz und Donner, Sturm und Hagel. Regenponcho hab ich an, gegen Hagel und Sturm ist die Imprägnierung aber auch machtlos. Dreieinhalb Kilometer und ich stehe endlich vollkommen durchnässt vor einer Albuerge, Albuerge Santa Fe. Ich bekomme ein Bett für zwölf Euro. Es werden meine Daten aufgenommen und dann bloß raus aus den nassen Klamotten. Mit trockenen geht es gleich viel besser. Zeitung zum Schuhe ausstopfen liegt für solche Fälle auch schon im Schuhregal. Schlimmstenfalls geht es morgen in Turnschuhen los und die anderen müssen am Rucksack trocknen. Jetzt ist es zehn nach halb sieben. Der Regen hat endlich aufgehört. Ich bin glücklich und zufrieden mit dem Tag heute.Read more

  • Tag 10 Cardenuela Riopico-Tardajos 25 k

    April 19, 2025 in Spain ⋅ 🌬 9 °C

    Heute geht es von Cardenuela Riopico über Burgos nach Tardajos. Gestern Abend noch sechs Mal und heute morgen drei Mal die Schuhe mit Zeitung ausgestopft. Sie sind gut getrocknet. Die Einlegesohlen leider nicht. Zum Glück noch ein paar mitgenommen. Bis auf die Jacke und Poncho sind alle Sachen noch nass. Egal, an Rucksack und los geht's Richtung Burgos. Es geht heute nur auf der Straße entlang. Bis Burgos führt der Weg nur an / auf der Straße entlang. Durch Villabilla de Burgos, einem industriellen Vorort. Fünf Kilometer schnurgerade durch Industriegebiet. Ja, und dann kommt endlich Burgos. Die Kathedrale ist für mich ein Muss. Genau wie in Pamplona führt der Camino einfach am Zentrum vorbei. Heute passe ich besser auf. Ab Richtung Kathedrale. Google Maps ist da sehr hilfreich. Burgos ist eher eine moderne Stadt Die typischen engen Gassen wie in Pamplona sieht man hier nicht. Und dann tauchen endlich die Spitzen der Kathedrale über den Dächern auf. Ich nehme mir eine Stunde Zeit. Dann geht es weiter. Mit Hilfe der CaminoNinja-App suche ich mir wieder den Weg auf den Camino. Noch zehn Kilometer bis Tardajos. Ein Blick auf Burgos zurück sagt mir, daß ich da grad mächtig im Regen stehen würde. Vor mir sieht es aber auch nicht viel besser aus. Und auch heute bekomme ich auf den letzten Kilometern wieder Regen ab. Bei weitem nicht so schlimm wie gestern. Innenleben der Schuhe bleibt trocken. Gegen sechzehn Uhr stehe ich vor der Albuerge la Casa de Beli. Es gibt noch genug freie Betten. In diesem Ort hätte es auch wieder ein Donativo gegeben, aber nein, meine Sachen müssen trocknen. Und hier gibt es WiFi.Read more

  • Tag 11 Tardajos - Castrojeriz 29 km

    April 20, 2025 in Spain ⋅ ☁️ 14 °C

    Unser Zimmer wurde gestern doch noch voll. Erst war ich nur zusammen mit einem jungen Paar aus den USA. Sechs Betten voll belegt. Das junge Paar räumt halb sieben seine Sachen auf den Flur um in Ruhe zu packen. Ich folge. Irgendjemand sägt noch Bäume um. Dann wollen wir ihn mal schnarchen, äh schlafen, lassen. Ich muss ohne Morgenkaffee gehen. Bei der Cafeteria sind die Jalousien runter. Ich habe noch eine Banane. Setze meinen Rucksack auf und viertel nach sieben steh ich auf der Straße. Auf dem Weg aus dem Ort fange ich noch ein schönes Wandbild ein. Hinter Burgos beginnt die Meseta, die spanische Hochebene. Sie liegt ca. 800 m über dem Meeresspiegel. Meseta heißt, nur endlose Weite und ich bekomme einen ersten Eindruck davon. Man kann in jede Richtung kilometerweit gucken. Und auch der Wind weht einem hier entsprechend um die Ohren. Gestartet bei vier Grad sind das gefühlte Null. Ich bereue es jetzt, meinen Regenponcho heute morgen noch halb nass eingepackt und nicht angezogen zu haben. Seit zwei Tagen habe ich ihn mehr als Schutz gegen den kalten Wind identifiziert, denn als Regenschutz. Die Meseta wird nur ab und zu von kleinen Talschneisen durchzogen. In einer solchen liegt Hornillos del Camino. Wirkt wie ein wunderschönes vergessenes Dorf, das wahrscheinlich der Camino und seine Pilgermassen am Leben erhält. Hier hat auch am Ostersonntag ein kleiner Laden für die Pilger geöffnet. Ich hole mir zwei Äpfel. Dann geht es wieder hoch und wieder die selbe endlose windige Weite. Ich komme zu einem Paar aus den USA, die Grad kurz Rast machen. Meine Chance, Regenponcho raus und ich lasse mir beim Überziehen helfen. Das Ding alleine über mich und das Backpack zu kriegen ist fast unmöglich. Ich fühle mich gleich einhundert Prozent wärmer. Die Ortschaft Hontanas liegt auch noch Mal etwas im Tal und dann sind es nur noch neun Kilometer bis zu meinem Ziel. In Castrojeriz nehme ich gleich die erste Herberge, die mir begegnet. Meine Herberge ist das Gebäude vor der Kirche auf dem Photo. Scheint ein kleiner Glücksgriff gewesen zu sein. Viele Deutsche hier. Mit einer Pilgerin aus Ahrensfelde bei Berlin hatte ich schon ein nettes Gespräch. Für zusammen sechzehn Euro gibt es hier Abendbrot und morgen Frühstück. Abendbrot ist neunzehn Uhr. Na dann..., bis später. Mir gegenüber sitzt Nikolai aus Dänemark. Na das war ein voller Teller, Hähnchenschenkel und Reis mit Oliven. Hab alles aufgegessen, damit es morgen nicht regnet. Nein, damit meine Hosen nicht mehr rutschen. Nachher komm ich noch als Streichholz nach Hause. Und ich hab heute Nacht tatsächlich das Glück, ein Vier-Bett-Zimmer für mich allein zu haben.Read more

  • Tag 12 Castrojeriz-Villalcazar 38km

    April 21, 2025 in Spain ⋅ ☁️ 14 °C

    Ein Zimmer für sich allein zu haben war ja mal purer Luxus. Heute morgen muss ich auf niemanden Rücksicht nehmen beim Packen. Ab sechs Uhr dreißig gibt es Frühstück. Also wirklich Klasse, siehe Photo. Kaffee, Kuchen Joghurt, Müsli, ... , hier blieben keine Wünsche offen. Die noch nassen Sachen an den Rucksack und zehn nach sieben steh ich vor der Herberge. Mache in der Morgendämmerung noch ein schönes Bild von der angestrahlten Kirche und ab geht's. Und wieder bin ich froh, gestern noch die neun Kilometer rangehangen zu haben. Von Hontanas bis Castrojeriz führte der Weg im Tal entlang. Heute morgen geht es raus aus dem Tal und ich brauche eine Stunde und fünfzehn Minuten bis ich wieder oben auf der endlosen Weite der Meseta stehe. Dann geht es zehn Kilometer über diese endlose Weite. Der Wind ist heute zum Glück nicht ganz so kräftig und kalt wie die letzten Tage. Nach elf Kilometern ist in Itero de la Vega am Wegrand eine alte Herberge. Hier gibt es einen Stempel den ich mir nicht entgehen lasse. Als ich wieder weg bin merke ich nach hundert Metern, daß ich meine Wasserflasche vergessen hab. Ich blicke zurück, nein, keine zweihundert Meter extra. Siebenhundert Meter weiter ist eine Bar/Restaurant und ich bekomme für einen Euro eine neue. Es ist vierzehn Uhr, als ich Fromista erreiche. So früh möchte ich noch nicht in einer Herberge landen. Ich statte der Farmacia einen Besuch ab und weiter geht's. Mein auserkorenes Tagesziel nach vierunddreissig Kilometern in Villarmentero de Campos erweist sich als nicht verfügbar. Alle Schotten dicht. Sieht aus wie schon lange nicht mehr als Herberge geführt. In meiner App nicht als "zu" gekennzeichnet. Na dann, vier Kilometer weiter. Ich lande wieder in einem eiskalten Donativo. Aber diesmal mit WiFi. Als ich vor der Tür sitze spricht mich ein Paar aus den USA an. Wir waren in der selben Herberge. Sie konnten sich gut an mich erinnern gestern und auch sie sind heute morgen in Castrojeriz gestartet. Sie fragen mich, wie ich mich fühle nach achtunddreissig Kilometern. Hab nach Ankunft meine heißgelaufenen Füße gekühlt und dann ging es mir gleich viel besser.Read more

  • Tag 13 Villalcazar - Terradillos 32 km

    April 22, 2025 in Spain ⋅ ☁️ 15 °C

    Villalcazar de Sirga - Carrion de los Condes - Ledigos - Terradillos de los Templarios - 32 km. Heute durfte ich meine Nachtkleidung noch einmal steigern. Jetzt ist auch die gelbe Wetterjacke an mich und mit in meinen Schlafsack gewandert. Es war kuschelig warm. Abendessen gab es in diesem Donativo keines. Frühstück auch nicht. Gegenüber dem Donativo in Tosantos Welten entfernt. Unfreundliches Personal. Die eiskalte Übernachtung war mir trotzdem zehn Euro wert. War ja nicht auf einer nassen Wiese oder unter einer Brücke. Das amerikanische Paar ist als erstes verschwunden. Wünscht mir noch alles gute. Vielleicht sieht man sich wieder. Kurz vor halb acht steh auch ich wieder auf dem Camino. Die nächsten fünf Kilometer Richtung Carrion de los Condes geht es nur an der Straße entlang. In Carrion gucke ich auf meine App, und die sagt mir, daß die nächsten siebzehn Kilometer nichts mehr kommen wird. Ich geh noch schnell in eine Panaderia und hol mir zwei Äpfel und ein Stück Kuchen. Dann geht es weiter. Am Ortsausgang sagt mir der letzte Brunnen mit einem blauen Hinweisschild das selbe: Agua portable proxima 16 km. Das nächste Trinkwasser wird es erst wieder in sechzehn Kilometern geben. Und das wird wirklich mental eine krasse Durststrecke. Nach etwas weniger als die Hälfte taucht ein Foodtrack auf. Klug positioniert. In den Boden ist geritzt, daß hier Kilometerhalbzeit ist. Dem kann ich nach meinen Kilometern zustimmen. Dann habe ich am Tag 13 um 11:05 Uhr die magische 390 km Grenze überschritten. Dann bin ich ab jetzt Santiago de Compostela näher als Saint-Jean-Pied-de-Port. Trotzdem bleibt es ein endloser Weg. Vier Kilometer vor Calzadilla de la Cueza überholen mich zwei deutsche Frauen. Wir kommen ins Gespräch und die beiden sind die beste Motivation für die letzten Kilometer bis nach Calzadilla de la Cueza. Tatsächlich gibt's am Ortseingang den ersten Trinkwasserbrunnen. Die beiden deutschen Frauen gehen weiter. Ich sehe sie an diesem Tag nicht mehr. Ich hole mir einen extra-Stempel für diesen Tag in einer Albuerge, gegenüber im Shop noch ein Eis und dann geht es weiter.. Noch einmal sechs Kilometer. Die Ortschaft Ledigos wirbt damit, genau auf der Hälfte zwischen Roncesvalles und Santiago de Compostela zu liegen. Ein sehr schöner Ort, nicht mein Tagesziel. Dann kommt endlich Terradillos de los Templarios. An der ersten Herberge am Ortseingang geh ich vorbei. Das soll sich als Glücksgriff erweisen. Nach dem üblichen Procedere von Dusche und Wäsche sitze ich den ganzen Rest des Tages mit einem Ehepaar aus dem Schwabenländle zusammen. Er ist zweiundachtzig, sie zweiundsiebzig. Leider hat er sich einen Fuß etwas verknackst und es geht morgen mit dem Bus nach Leon. Sie erzählen mir, daß sie jedes Jahr einen Jakobsweg gehen und daß letztes Jahr hier die Hölle los war. So viele Pilger, daß es ein regelrechtes Wettrennen um die Herbergen gab und das bereits am frühen Nachmittag. Sie haben dann abgebrochen. Der Irrsinn war ihnen zuviel. Dann gibt es Abendessen. Die Bilder gibt es extra.Read more

  • Terradillos de los Templarios

    April 23, 2025 in Spain ⋅ 🌙 4 °C

    Dann gibt es jetzt auch noch Bilder vom tollen Abendessen. Hab mit dem Ehepaar aus Schwaben an einem Tisch gesessen. Vorspeise Pumpkin-Soup, Hauptspeise Forelle. Und ein paar Bilder noch von der Inneneinrichtung. Tolle Albuerge. Die Türen haben Namen. Ich vermute mal, daß es sich um Ritter handelt. Ach ja, und ich erfahre von der Frau, daß am Ostermontag der Papst gestorben sein soll. Und ich hatte mich schon gefreut, hier seit zwei Wochen nichts von der Welt zu hören.Read more

  • Tag 14 Terradillos-El Burgo Ranero 31km

    April 23, 2025 in Spain ⋅ ☀️ 20 °C

    Terradillos de los Templarios - Moratinos - San Nicolas de Real Camino - Sahagun - Bercianos del Real Camino - El Burgo Ranero 31 km. Heute starte ich etwas später. Es gibt erst ab sieben Frühstück. Das lässt wieder keine Wünsche offen. Ich hab mit dem Ehepaar aus Schwaben zusammen im Zimmer geschlafen. Er meinte heute morgen, ich hätte gut geschnarcht. Dann hab ich heute Nacht mal Bäume gefällt. Sie geht heute noch bis Sahagun, er wartet auf den Bus nach Leon. Um Viertel vor acht bin ich auf dem Camino. Im nächsten Ort, Moratinos, sind gehäkelte Nationalflaggen zwischen den Bäumen aufgehangen. Jeder Ort hat so seine eigenen Ideen die Verbundenheit mit dem Camino zu zeigen. Der Weg biegt im Ort scharf nach links ab, ganz vorne geht eine Frau, fünfzig Meter hinter ihr ein Mann. Ich rufe ihnen hinterher, daß das der wrong way wäre. Sie hätten ein Wegzeichen übersehen. Sie kommen zurück. Ein Koreaner und eine Italienern. Die Italienerin soll ich am späten Nachmittag noch einmal wieder sehen. Der nächste Ort, San Nicolas de Real Camino ist ein kleines Dorf, doch als erstes sieht man grundsätzlich eine dicke fette Kirche über allem aufragen. Drei Häuser, sieben Spitzbuben, die Kirche ist am wichtigsten. Und dann kommt von einer Anhöhe endlich der Blick auf Sahagun, der letzten großen Stadt vor Leon. Kurz vor der Stadt ist ein kleiner Zeltplatz. Eine Inschrift an einer Säule sagt mir, daß auch diese Stadt beansprucht, der geographische Mittelpunkt des Camino zu sein. In Sahagun geh ich ins Tourismus Center und hol mir einen Stempel in den Pilgerpass. Da hat mich doch die Frau aus Ahrensfelde vor drei Tagen gefragt, ob ich mal Bus oder Taxi genommen hätte, weil ich in elf Tagen die Entfernung zurück gelegt hatte, für die sie fünfzehn Tage gebraucht hatte. Fühlte mich nicht wirklich vor den Schädel getreten, aber ein bisschen schon. Nee, waren alles meine zerschundenen Füße. Ich mache in Sahagun ein paar Photos. Ein paar schöne Wandbilder gibt es auch. Für Pilger ist diese Stadt bei mir durchgefallen. Kein einziger Trinkwasserbrunnen. Muß ich mit meinem Rest Wasser auskommen. Selber Schuld, wenn die Trinkflasche der am liebsten verbummelte Ausrüstungsgegenstand ist. Nach zehn Kilometern, in Bercianos del Real Camino gibt es wieder einen. Auch hier hole ich mir noch Mal einen Stempel. Dann geht es auf zu den letzten sieben Kilometern. Nach zwei Kilometern werde ich von drei Pilgern überholt. Es ist die Italienerin. Sie bedankt sich noch mal, daß sie heute morgen nicht in die Pampas gelaufen ist. Dann geht es zu viert weiter, Flora aus Italien, Enrique aus Spanien, Ronny aus Guatemala und meiner einer. Die Truppe war ein Glücksfall auf den Nachmittag. Sie motivieren mich, auf den letzten Kilometern noch Mal die Beine in die Hand zu nehmen. Halb fünf steh ich in einem Donativo und bin glücklich und zufrieden für heute. Plan für morgen habe ich jetzt auch. Es geht entspannte fünfundzwanzig Kilometer nach Puente de Villarente. Dann sitze ich in den Startlöchern kurz vor Leon.Read more

  • Tag 15 El Burgo Ranero - Leon 38 km

    April 24, 2025 in Spain ⋅ ☀️ 23 °C

    El Burgo Ranero - Reliegos - Mansilla de las Mulas - Villamoros de Mansilla - Puente Villarente - Arcahueja - Leon (Puente de Castro)- 38 km. Ein Donativo mit so viel Engagement wie in Tosantos wird es wohl auf dem gesamten Camino nicht mehr geben. Ohne Frühstück stehe ich sechs Uhr fünfundvierzig auf der Straße. Es werden endlose erste dreizehn Kilometer an diesem Morgen. Es zieht sich, bis endlich Reliegos in Sicht kommt und die erste Albuerge am Ortseingang ist auch schon für ein Frühstück meine. Zwei Kaffee und ein Stück Kuchen. Mir gefällt die Inneneinrichtung. Der Chef hat hier offensichtlich ein Faible für die asiatische Opiumkultur. Sein Aussehen passt auch dazu. Ich hole mir einen Stempel in den Pilgerpass und mache ein paar Photos und spreche draußen am Nebentisch einen anderen Pilger an, der auch in El Burgo Ranero gestartet ist. Er meint, bei mir deutschen Akzent herauszuhören und tatsächlich ist er aus Österreich. Wir können also Deutsch miteinander reden. Er heißt Carl und soll sich für mich für den Rest des Tages als Glücksgriff erweisen. Wir haben beide so ziemlich die selbe Geschwindigkeit und auch die selbe Einstellung zum Pilgern. Und auch ihm ging es die letzten Tage so wie mir, die größte Pilgerschar überholt einen am frühen Vormittag wie die Bekloppten, und man sieht sie dann bereits zwölf Uhr dreißig oder dreizehn Uhr vor den Albuerges "rumgammeln", weil vierzehn Uhr erst aufgemacht wird. Er fragt sich auch, was die Leute dann den ganzen Rest des Tages in einem größten Teils toten Nest machen, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen. Da kann man doch noch bis sechzehn oder siebzehn Uhr Pilgern. So kommen wir halt mit unseren vier bis fünf Kilometern in der Stunde ganz entspannt auf dreißig und mehr pro Tag. Langsam, aber mit Kontinuität. Und so kommt es, daß ich heute mein eigentliches, nur fünfundzwanzig Kilometer entferntes, Tagesziel um dreizehn Kilometer überrenne, und doch heute bereits in Leon lande. Meine als erstes angepeilte Herberge nach sechsunddreißig Kilometern im Vorort Puente Castro hat die Schotten dicht, was wieder Mal meiner Camino-App nicht gemeldet wurde. Also zwei Kilometer weiter in die Innenstadt. Das nächste am Weg ist für zwölf Euro eines der saubersten und schönsten die ich bisher hatte. Ich sage zu Carl, daß ich ohne ihn die Strecke von achtunddreissig Kilometern bis Leon heute allein nicht bewältigt hätte. Er lacht und sagt mir, daß es ihm genauso geht. Wir haben uns gegenseitig motiviert und was an Kilometern weg ist, ist weg, das tut uns nicht mehr weh. Morgen früh wollen wir es ruhiger angehen, ... Na mal sehen, was "ruhig" für zwei Turbo-Pilger bedeutet.Read more

  • Kathedrale Santa Maria de Regla Leon

    April 25, 2025 in Spain ⋅ ☀️ 15 °C

    Die Kathedrale öffnete leider erst neun Uhr dreißig. Viel Zeit heute morgen. Unterwegs gab es in einem Café einen Kaffee und ein Baguette. Die Kathedrale ist äußerlich zwar prächtiger als die in Burgos, im Inneren kann sie nicht mithalten. Was sie einzigartig macht sind die vielen bunten Glasfenster. Die geben dem Inneren eine einzigartige Beleuchtung.Read more