• Tag 25 – Western Brook Pond: Einfach nur sprachlos

    August 25 in Canada ⋅ ☁️ 22 °C

    Was für ein Tag!

    Heute hieß es gemütlich gegen 8 Uhr aufstehen, fertig machen und erst einmal zum Frühstück fahren. Dieses Mal entschieden wir uns für ein neues Café – geschmacklich definitiv eine sehr gute Entscheidung. Nur irgendwie war unsere Bestellung untergegangen und so warteten wir über eine Stunde auf ein eigentlich ganz normales Frühstück. Naja, wir haben ja Urlaub. 😁

    Während wir noch beim Frühstück saßen, öffnete draußen plötzlich jemand sämtliche Schleusen. Ein richtiger Wolkenbruch! Das Wasser kam in Massen vom Himmel und unser Plan, anschließend noch eine Runde wandern zu gehen, war damit ziemlich schnell erledigt.

    Also zurück in die Cabin. Die Zeit wurde genutzt, um schon einmal ein paar Sachen neu zu sortieren und zu packen. Dabei wurde auch das Auto komplett ausgeräumt – und siehe da: Man findet plötzlich das eine oder andere wieder, von dem man schon gar nicht mehr wusste, wo es geblieben war.

    Aber da war ja noch etwas:

    Western Brook Pond – Versuch Nummer zwei!

    Nach der gestrigen Absage hatten wir für heute um 16 Uhr noch Plätze ergattert. Bei diesem Wetter hatten wir allerdings schon die Befürchtung, dass auch der zweite Versuch ins Wasser fallen könnte.

    Also rechtzeitig los, schließlich mussten wir vom Parkplatz wieder rund drei Kilometer bis zum Bootsanleger wandern. Unterwegs wurde natürlich immer wieder die Mail gecheckt. Keine Absage. Am Parkplatz angekommen dann der nächste Blick: Auch das Absage-Schild von gestern war nicht da!

    Es sieht gut aus!

    Rucksack auf und los zum Bootsanleger.

    Dort angekommen waren die Berge durch den tiefhängenden Nebel und die Wolken kaum zu erkennen. Wir stellten uns schon darauf ein, während der Tour wahrscheinlich nur einen Teil der gewaltigen Felswände sehen zu können.

    Schnell die Tickets geholt, ab in die Warteschlange und noch ungefähr 20 Minuten warten.

    Und plötzlich wurde es heller.

    Was geht denn jetzt ab?

    Die Wolken verschwanden immer mehr und tatsächlich kam die Sonne heraus. Pünktlich zum Start unserer Tour öffnete sich die Landschaft vor uns. Wie uns ein Mitarbeiter von Parks Canada empfohlen hatte, setzten wir uns in Fahrtrichtung auf die linke Seite des Bootes.

    Und das war der perfekte Platz.

    Los ging es.

    Das Boot steuerte langsam auf das gewaltige Tal zu. Mit jedem Kilometer verschwanden weitere Wolken und die Sonne begann, die riesigen Felswände anzustrahlen.

    Fantastisch.

    Eigentlich kann man Western Brook Pond fotografieren und filmen, so viel man möchte – aber die Dimensionen lassen sich auf Bildern kaum wiedergeben. Diese gewaltigen Felswände, die Wasserfälle und das tief eingeschnittene Tal muss man einfach selbst gesehen haben.

    Der Western Brook Pond ist etwa 16 Kilometer lang und an seiner tiefsten Stelle rund 165 Meter tief. Obwohl die Landschaft wie ein norwegischer Fjord aussieht, handelt es sich heute um einen Süßwassersee. Die umliegenden Felswände ragen teilweise rund 600 Meter über das Wasser und lassen unser Boot dazwischen ziemlich klein aussehen.

    Die ganze Landschaft wurde während der Eiszeiten von gewaltigen Gletschern geformt. Sie schliffen das tiefe U-förmige Tal in die Berge. Nach dem Abschmelzen der Gletscher war Western Brook Pond zunächst noch mit dem Meer verbunden. Später hob sich das Land wieder und der ehemalige Fjord wurde vom Meer abgeschnitten.

    Und dazu gibt es eine ziemlich verrückte Geschichte, die uns während der Tour erzählt wurde: In den Bergen rund um Western Brook Pond sollen sogar Überreste eines Wals gefunden worden sein. Heute klingt es völlig absurd, sich dort oben einen Wal vorzustellen. Die Geschichte erinnert aber daran, wie sehr sich diese Landschaft seit dem Ende der Eiszeit verändert hat. Einen wissenschaftlich eindeutig dokumentierten Fund eines vollständigen Walskeletts konnten wir dazu allerdings nicht finden – deshalb bleibt es für uns eine dieser spannenden Geschichten rund um Western Brook Pond.

    Und noch eine Geschichte zeigt, welche Kräfte hier wirken können: Anfang des 20. Jahrhunderts löste ein gewaltiger Felssturz im Western Brook Pond eine riesige Welle aus. Berichten zufolge soll sie ungefähr 30 Meter hoch gewesen sein. Wenn man während der Bootstour direkt unter diesen gigantischen Felswänden entlangfährt, möchte man sich lieber nicht vorstellen, wie es aussehen würde, wenn dort plötzlich ein großer Teil herunterbricht.

    Im sehr klaren und nährstoffarmen Wasser leben trotzdem verschiedene Fischarten. Auch Elche und Karibus sind in der riesigen Wildnis rund um Western Brook Pond unterwegs – nur unsere persönliche Elch-Suche bleibt natürlich weiterhin erfolglos. 😁

    Aber all diese Zahlen und Geschichten können eigentlich nicht beschreiben, wie dieser Ort auf uns gewirkt hat.

    Wir waren einfach nur baff.

    Immer wieder tauchten neue Wasserfälle auf, die aus großer Höhe die Felswände hinunterliefen. Hinter jeder Kurve veränderte sich die Landschaft erneut. Und wenn man bedenkt, dass wir beim Frühstück noch bei einem Wolkenbruch saßen und kurz vor der Tour kaum die Berge sehen konnten, hatten wir heute unglaubliches Glück.

    Manchmal muss man wohl einfach ein zweites Mal kommen.

    Nach ungefähr zwei Stunden und rund 33 Kilometern auf dem Wasser war unsere Tour schon wieder vorbei.

    Und unser Fazit war ziemlich einfach:

    sprachlos.

    Gestern abgesagt, heute Morgen Wolkenbruch und später dichter Nebel – und genau zum Start unserer Tour verschwanden die Wolken und die Sonne beleuchtete die Felswände.

    Vielleicht sollte es einfach genau so sein.

    Jetzt aber schnell die drei Kilometer zurück zum Auto, denn der Chef hatte Hunger. 😁

    In Rocky Harbour hielten wir Ausschau nach einem Restaurant und entdeckten schließlich ein kleines, eher unscheinbares Haus. Der Parkplatz war bereits voll, also Auto etwas weiter weg abgestellt – und tatsächlich hatten wir Glück und bekamen noch einen Platz.

    Und dann hieß es ein letztes Mal auf dieser Reise:

    frischer Fisch aus Neufundland.

    Was für ein Geschmackserlebnis! Nach all den Fish & Chips, Fish Tacos, Fish Burgern und anderen Fischgerichten der vergangenen Wochen war das heute noch einmal ein richtig würdiger Abschluss.

    Danke Neufundland für soooo viel leckeren Fisch! ❤️

    Danach ging es zurück in unsere Cabin. Viel Programm brauchten wir heute nicht mehr. Die Bilder dieses Tages waren sowieso noch im Kopf.

    Gegen 23 Uhr gingen die Lichter aus.

    Western Brook Pond – das Warten auf den zweiten Versuch hat sich mehr als gelohnt. Einer dieser Orte, die man wahrscheinlich nie wieder vergisst. ⛰️❤️
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